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Anklage sollen bei dem ersten Einfall sie flüchtigen Angeklagten v. Löhr und Blenker ganz besonders thätig gewesen sein. Der zweite Einfall am 25. Mai, unter der Leitung BlcnkcrS soll auf Befehl der militärischen Behörden in Baden und Pfalzbaiern geschehen sein. Blenker soll sich bei dieser Gelegenheit eigenmächtig in den Besitz der Stadt WormS gesetzt und sich die öffentlichen Gewalten angemaßt haben. Die Ankunft der Posten sei von ihm überwacht und daS Bricfgchcim- niß verletzt worden. Dieser letztere Punkt wurde durch das Zeugenvcrbör nicht sicher gestellt. Die hessische Kaserne ^u Worms soll bei dieser Gelegenheit von den Freischaaren zerstört und viele Eigenmächtigkeiten von denselben verübt worden sein. Einzelne Abtheilungen der Freischaaren sollen in die Wohnungen der Ossiciers- und Untcrofficiers - Frauen einge- drungen sein, um diese Frauen zu den Barrikaden zu schleppen und sie zur Abwehrung des Angriffs der Truppen darauf zu stellen. Eine OssicierSfrau wurde hierüber vernommen und stellte diese letzte Thatsache in ihrer Deposition fest. Die Stadt Worms soll bei diesem Einfall durch Sturmläuten beunruhigt worden sein. Ueber den dritten Einfall sagt der Anklageakt, daß derselbe am 10. Juni erfolgte, und daß dessen Zweck daS Abholen des Weißzeugs der Ehefrau des Obersten Blenker, welche sich in männlicher Kleidung und theatralisch bewaffnet bei dem Zuge befand, gewesen sei. Bei diesem Einfalle sollen nach der Anklage Gewaltthätigkeiten an einigen Personen aus dem Militärstande vorgekommen sein. Die über diese Ankla- gepunktc gehörten Zeugen gewähren kein besonderes Interesse.
(O. P. A. Z.)
München, 29. Mai. Der vorgestern durch 2 Polizeikommissäre verhaftete Prediger der hiesigen deutsch-katholischen Gemeinde, Hr. Schell, ist bereits heute Morgen wieder aus der Frohnvrste entlassen worden. Dem Ansinnen, seinen Wohnsitz dahier aufzugrben, soll er sich entschieden widersetzt haben. (N. C.)
Oesterreich.
Wien, 29. Mai. Die Wiener Zeitung bringt heute eine ausführliche Verordnung 'bezüglich der Einrichtungen, welche getroffen werden, die Beschickung der londoner Indu« stricausstellung zu organischen. Die Kommission ist in acht Sektionen eingetheilt und wird verschiedene Filiale in den Provincialhauptstädten haben.
Was ich gestern von der ungarischen Angelegenheit gemeldet, gilt auch für heute; es ist über die Entscheidung derselben noch nichts bekannt geworden, ja der Ministerrath, in welchem sie getroffen werden sollte, hat, wie aus qlaubwürdiger Quelle verlautet, sich nur über verschiedene Entwürfe vereinigt, welche dem Kaiser von Rußland zur Begutachtung in Warschau vor- gelegt werden. Diesen Entwürfen soll übrigens stets der ur- IprüngUche Plan zu Grunde liegen, für die Geschäfte Ungarns die Centralbehörde in Wien zu konstituiren, oder vielmehr in jedem Ministerium eine eigene ungarische Sektion zu bilden, was also einer vollständigen Centralisation gleichkommen würde.
Neberraschend sind die Aeußerungen, welche von ultramon- tanen Blättern gegen das Ministerium und dessen Politik laut werden. So spricht die salzburger konstitutionelle Zeitung von einer radikalen Partei im Ministerium und wirft ihr die Cen- tralisationspläne vor, indem sie vom Minister Bach sagt, daß er die Revolution jetzt mit Entziehung aller früheren Landesrechte strafen wolle, er, der sich doch selbst auf den heraufbeschworenen Wegen derselben zur jetzigen Macht erhoben.
Nach der Reichszeitung bestehen die Forderungen der englischen Regierung an die toskanische in folgenden Posten: 1) Forderung des Alfred Hall, dessen Haus während der Be- rennung Livoruo's durch die österreichischen Truppen vom Pöbel verwüstet wurde, und 2) Forderung der Frau Bissel für 2000 Lire durch die Plünderung der österreichischen Soldaten erlittenen Schaken, dessen Summe jedoch die englische Note mit 5000 Lire angibt.
Der Großherzog von Toskana ist in Wien eingetroffen. Aus Böhmen und Mähren treffen traurige Berichte über das neue Erscheinen der Cbolera ein.
Der Wanderer spricht heute sehr entschieden gegen die -österreichisch-deutsche Politik.
Die österreichische ministerielle Korrespondenz enthält folgende Stelle: „Vielleicht beschleunigt der Mordversuch, dessen Gelingen unabsehbare Folgen bewirkt haben würde — die endliche Einigung Oesterreichs und Preußens. Wie Spring- bläschcn im siedenden Wasser sind Attentate auf gekrönte Häupter der handgreifliche Beleg, daß die Flammen demagogischer Ruchlosigkeit nicht wirkungslos um den Rand des Gefäßes herumschlängelu, welches die Gesammtheit der den Staac bildenden Elemente umschließt. Gegen den Bund der Umsturzparteien aller Nationen hilft und bewahrt nur der Bund der Könige aller Länder."
Wir glauben diese Aeußerung den anderen Zeichen eines Wunsches, den Ausbruch von Feindseligkeiten zwischen Preußen und Oesterreich zu vermeiden, anreiben zu müssen, ein Wunsch, der seit der Nachricht, daß Preußen Rüstungen treffe, sich auf verschiedene Weise kund zu geben versuchte. (D. R.)
^Öten , 29. Mai. Vor einigen Tagen ist in Ungarn eine Ministerialordonnanz erschienen, welche aufs Strengste verbietet, jungen Leuten von 18 bis 28 Jahren Pässe, und wäre es auch nur nach den übrigen österreichischen Provinzen, zu verabfolgen. Sie sehen, das Ministerium weiß, wo es nöthig ist, das einheitliche Staatslebcn Oesterreichs zu vergessen. In dem großen Centralstaaie werden die Paßschran- fen aufs kräftigste aufrecht erhalten. Die Verordnung wird mit der Idee einer großen Nekrutirung in Zusammenhang gebracht. Die 80,000 Honveds scheinen dem Ministerium noch kein genügendes Ferment für den Geist der Armee; man muß die Zahl vermehren. — Die Bischöfe haben von ihrer Freiheit einen Gebrauch gemacht, der unserem Finanzminister nichts weniger als angenehm fein dürfte. In einer Eingabe an das Ministerium des Innern sprechen sie die Mitverwal- tung des ReligionsfondS an. Da der Staat denselben bis jetzt unverantwortlich verwaltet, indem er das Vermögen desselben in Staatsobligationen angelegt, und da „eine Krisis, die noch fürchterlicher, als die des Jahres 1811 werden dürfte, bevorsteht, könnte das fBnmögen des ReligionsfondS sehr gefährdet sein." Jeder andere Ocsterreicher, der eine solche Aeußerung wagte, würde wegen Verbreitung böswilliger Gerüchte zu 20 Jahren FestungSftrafe begnadigt werden. ES ist doch eine schöne Sache um die Freiheit der Kirche. — Dem Kriegsminister reicht der Finanzminister noch immer obwohl mit Seufzen, Hülfreich die Hand. Der in Angriff genommene Bau der Citadelle und der Verschanzungen von Krakau sollen eine M ll. Gulden kosten, und die Verpflegungsgebühr des in Tyrol und Vorarlberg stehenden BcobachlungS- korpS ist um 2 Kreuzer per Kopf erhöht worden.
Wien, 30. Mai. „Ja cs gibt Leute, die sich unterfangen, den Staatsbankcrott als bevorstehend zu verkünden und die Lage der Finanzen mit jener im Jahre 1811 zu vergleichen," so sagte der Herr Finanzminister in seinem Vortrage vom 28. Decbr. 1849 und bezeichnete diese Leute als „unlautere Quelle", „Feinde Oesterreichs" rc. Was soll man jetzt sagen, Angesichts einer Vorstellung der Bischöfe an die Staatsverwaltung, welche beklagt, daß die ReligionsfondS, anstatt auf sichere Hypotheken, in Staatspapieren angelegt worden seien, von welchen man — horribile di du — die Besorgniß hegen müsse, „daß selbe wohl von ähnlichen oder noch ärgeren Schlägen, als das Finanzpatent vom Jahre 1811 war, getroffen werden könnten?" Die Bischöfe sind Menschen und daher nicht frei von menschlichen Leidenschaften — Hr. v. Krauß hatte gegen die Kirchenedikte gestimmt; wie leicht denkbar, daß nun die Rache jene Worte eingegeben hat, denn Die Liebe zum Religionsfonds kann doch wahrlich kein Interesse haben, die Papiere, die sein Eigenthum bilden, zu diskredili- ren. Es sind in der Thal jetzt nur zweierlei Dinge zu erwarten. Entweder sinken die Kurse, dann ist die Autorität der Bischöfe als volksthümlich, als vorhanden zu betrachten, oder sie behaupten sich und beweisen dadurch, daß die Autorität, welche die Kirchenedikte anerkennen, nicht mehr besteht. Der „Wanderer" macht den Bischöfen heftige Vorwürfe we-