Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 
  

Reue Hessische Zeitung.

Organ -er konstitutionellen Partei.

èontag, 3. Juni 1850. ^^ 236. Abend- Ansgabe.

Deutschland.

Berlin, 2. Juni. Auch der Norddeutschen Zeitg. wird n hier als sicher mitgetheilt, daß die Ordre zur Mobilma- ung des Gardekorps sowie des schlesischen Korps von hier ab­gangen sei. Ueber die Motive zu dieser plötzlichen Rüstung, der sich auch die Armirung der Festungen gesellt, erfahre an nichts Bestimmtes. Zu dieser Mittheilung bemerkt die edaktion, daß 4 Batterieen des diesseitigen (Stettiner) 2. rtillerieregiments und zwar, wie wir hören, die in Stral- nD stehenden, unverzüglich auf den Kriegsfuß gesetzt werden. - In Folge des Attentats hatte man Sr. Majestät dem önige vorgeschlagen, dem Publikum den Eintritt in den irch seine herrlichen Anlagen ausgezeichneten Charlottenbur- r Schloßgartcn zu versagen. Es ist dieß indeß von dem önige zurückgewiesen und nur insofern eine Abänderung ge. offen, daß jetzt auch die äußersten Eingänge mit Wacht- »sten besetzt sind.

Nach dem Biilletin vom 1. Juni, Abends 9/4 Uhr, it sich in dem Allgemeinbefinden und in der Beschaffenheit 's örtlichen Leidens Sr. Maj. des Königs im Laufe des .mutigen Tages nichts verändert.

Berlin, 30. Mai. Die gegenwärtig bei uns vorge- ommenen Kriegsrüstungen sind bis jetzt nur mehr vorberei- nder Natur. Von jedem Artillerieregimente sind vorläufig Batterieen, in Summa 36 Batterieen, marsch- und kriegs- rtig; die Einberufung der Kriegsreserven ist allein für das kardetorps, auch nur aus entfernteren Theilen der Monarchie folgt, aus den Provinzen Preußen, Pofen, Westfalen und er Rheinprovinz. In Schlesien wird nur die oberschlcsische )ivision auf 30,000 Mann verstärkt; die schlesischen Festungen Silberberg, Kosel, Glatz, Neiße, Glogau, Breslau waren seit engerer Zeit armirl; Erfurt, Wittenberg und Torgau aus en Kriegsstand gebracht. Es gilt nämlich wohl nur, dem sterrcichischen Kabinet zu zeigen, daß man auf seine läppischen )rohnngen und seine Zusammenstapelung einzelner Truppen- ' orpS in Bobinen noch nicht viel gibt. Kundige Reisende von ort her erzählten allerdings von der Concentrirung der zer- rrrut liegenden 40,000 Mann, von ihrer Annäherung an die ächsische Gränze und von der zu ertvartenden Vereinigung er 25,000 Mann starken sächsischen Armee mit den Oester­eichern. Wir erinnern uns dabet an die Worte des Königs 'ti Der Eröffnung des FürstenkongresscS:Sollte die kaiser- iche Regierung so weit gehen, vermeintliche Rechte mit den Waffen in der Hand geltend zu machen, so würde der Sou- erain von Preußen wissen, was Se. königl. Pflicht sei, und inem Bruch des Landfriedens mit aller Kraft ter Waffen ntgegen treten." Die österreichischen Drohungen und Demon- krationen bleiben so lange Spielereien, als nicht die Russen ur sie Ungarn besetzen. In Warschau müssen die deut- chen Angelegenheiten eine bestimmte Wendung nehmen, und vir sind beruhigt, dieselben grade durch den Prinzen von Preußen vertreten zu sehen. Er ist ein entschiedener Anhänger oes Unionsprojekles. Daß er sich außerdem auf das sorg­samste mit der dänischen Frage beschäftigt und mit allen Stadien ihrer Entwickelung bekannt gemacht hat, ist keine bloß uthographirte Nachricht. Nach Warschau kam er 48 Stun­den später als Schwarzenberg. Die preußenfeindliche Diplo­matie ist, neben der Verfolgung des in der londoner Konfe­renz besprochenen Projekts, die Erbfolge in Dänemark auf

Oldenburg zu übertragen, nun etwas bestimmter mit dem Grunde zu diesem Plane hervorgetreten. Sie arbeitet an der Grün­dung einer norddeutschen Liga. Man sucht Oldenburg im Interesse des dänischen Gesammtstaates zu fesseln und Meck­lenburg für einen engern Anschluß an Holstein unter dem Protektorate Hannovers zu gewinnen. Wie fern auch die Verwirklichung dieser Absicht noch liegen mag, sie erfreut sich der beifälligen Beistimmung Englands, dessen Handelsinteres- sen eine Ausdehnung des Zollvereins bis zur Nordsee nicht förderlich sein würde. Wir hoffen, daß Graf Bülow in Schwe­rin sich zu diesem Verrathe gegen sein engeres Vaterland nicht wird gebrauchen lassen. (K. Z.)

Berlin, 31. Mai. Die Garderegimenter, die aus Ber­lin werden gezogen werden, sollen durch Linienregimenter ersetzt werden. Zur Mobilmachung des Gardekorps ist gestern Morgen ausdrücklicher Befehl ergangen. Jede Kom­pagnie der Garde-Jnfanterie-Regimenter soll außerdem durch einberufene Kriegsreserven um 30 Mann verstärkt werden. Von der Garde-Artillerie sollen 3 Kpmpagnicn zu Fuß und 1 Kompagnie zu Pferde vorläufig nach Magdeburg marschiren. Es scheint demnächst von den Ergebnissen der gegenwärtigen Zusammenkunft des Prinzen von Preußen mit dem Kaiser von Rußland in Warschau abhängig gemacht zu sein, ob die ganze Armee auf den Kriegsfuß gesetzt werden wird. Auf alle Fälle sind bereits Vorbereitungen getroffen, um die Mo­bilmachung im ganzen Umfang innerhalb 8 bis 14 Tagen bewirken zu können. Die zur hiesigen Artillerieschule kom- mandirten Officiere werden zum Theil zu ihren resp. Regimen­tern zurückkommandirt werden. Das nächste Examen wird um einige Wochen früher abgehalten werden, als gewöhnlich.

(C. B.)

Berlin, 1. Juni. Die Br. Ztg. schreibt in Bezug auf daS Sefeloge'schc Attentat! An die Redaktion derNeuen Preußischen Zeitung" ist die ossicielle Aufforderung gerichtet worden, irgend eine ihrer Angaben, für welche sie sich auf zuverlässige Bürgen" berief, zu erhärten, dieselbe ist aber jeden Beleg schuldig geblieben. Derselbe Korrespondent schreibt: Der Geheimcrath Casper erklärt, bezüglich der von den verschiedensten Seiten und auch von uns mitgethcilten Notiz, wonach er in amtlicher Eigenschaft den Scfeloge für unzurechnungsfähig anerkannt habe, daß dieß bisher noch nicht geschehen. Der ganze Accent liegt hierbei auf dem Worte amtlich", denn wir haben auf Grund weiterer Erkundigun­gen nun in Erfahrung gebracht, daß die vom Geheimenrath Casper an dem Jnkulpaten vorgenommene Untersuchung, und die in Folge davon abgegebene Erklärung, die denn aller­dings in dem erwähnten Sinne ausgefallen ist, nur auf eine privative Aufforderung des Untersuchungsrichters, Kriminal­raths Schlötkezu dessen Information" erfolgte.

_ (N.Z.) Die Jrvingianer haben beim Präsidium der gegenwärtigen Pastoralkonferenz das Gesuch gestellt, man solle ihre Abgeordneten aufnehmen und ihnen gestatten, die Grund­lehren der Jrvingianischen Kirche vor den versammelten Geist­lichen auseinanderzusetzen, wobei sie Varthun würden, daß sie keineswegs aus der evangelischen Kirche ausgeschieden seien. Das Präsidium wies den Antrag zurück, weil die Konferenz nicht den Zweck und nicht die Zeit habe, theologische Kontro­versen zuznlasscn, worauf die Vice-Engel (oder Vicc-Prophe- ten) Rothe und Köppen eine in starken Ausdrücken abgefaßte Protestation bei der Konferenz cinreichten, und das Verfahren