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Nunmehr wandte der König sich wieder der ersten Frage zu. Wenn die anwesenden Fürsten auf die erste Frage, ob sie an dem Werke der Union fernerhin getreulich festbalten wollten, in diesen Tagen mit Ja! antworten würden, so werde er, der König, festen Schrittes auf der betretenen Bahn vorwärts gehen. In diesem Falle würde er Vorschlägen, die Befesti­gung des Bündnisses hier sogleich auszusprcchcn; die ferneren Berathungen und die formelle Ausbildung des Unionsverbält- nisseS aber einer späteren Zusammenkunft aufzubewahren. Auf dieser Zusammenkunft, die sehr bald anzuberaumen sein würde, und zu welcher entweder die Fürsten selbst wieder zusammen­treten könnten, oder ihre verantwortlichen Minister abzuordnen hätten, würde der Theil der Ausführung des Unionswerkes in Berathung zu nehmen sein, welcher dem Parlament zuge­wandt sei, nachdem hier daS Verhältniß der Regierungen un­ter sich fcstgestellt worden. Preußen würde hierzu Vorlagen bereit halten, und der König würde vorschlagen, dann sogleich in einer, die Thätigkeit deS Parlaments anerkennenden Erklä­rung, die Bereitwilligkeit zur Annahme der vom Parlamente vorgeschlagenen Verbesserung des Entwurfs vom 28. Mai aus­zusprechen. Demnächst würden die Verbündeten die Frage in Erwägung zu ziehen haben, wie die Regierungen der deut­schen Union sich zu dem nach Frankfurt von der kaiserl. öster­reichischen Regierung berufenen Kongresse zu verhalten hätten. Der König seinerseits wünschte, daß Die Anwesenden sich über eine Beschickung des Kongresses und über gemeinsame Schritte hiebei ei­nigen möchten. Zwar könne ein aus dem Rechte des Vorsitzes in der früheren Bundesversammlung hergeleitetes Recht Oesterreichs zur Berufung einer Plenarversammlung des deutschen Bundes nicht anerkannt werden, da die Bundesversammlung rechtsgültig, unter Vorsitz des damaligen österreichischen Präsidialgcsandtcu und unter den zu der Zeit obwaltenden Verhältnissen aus dessen eigenen Betrieb aufgelöst sei, mithin alle aus dem Bestehen der Bundesversammlung hergeleiteten Verhältnisse und Rechte erloschen seien, unbeschadet der von allen Gliedern an­erkannten Fortdauer des deutschen Bundes. Zwar glaubt der König aus denselben Gründen einem in Frankfurt zusammen­tretenden Kongresse den Charakter einer Bundesplenarversamm- lung nicht zugestehen zu können und nicht anerkennen zu dürfen, daß die auf demselben erscheinenden BundcSglievcr durch Mehrhei­ten bei Abstimmungen gebunden werden, noch auch, daß nicht er­scheinende Bundesglieder durch Beschlüsse Der Erschienenen ver­pflichtet werden. Er wünscht aber, daß die Anwesenden Der Einladung Oesterreichs dennoch folgen möchten, weil einem jeden deutschen Fürsten unverwehrt bleiben müsse, andere deutsche Re­gierungen zu gemeinsamen Berathungen einzuladen, wie ja Der König selbst Neigung gehabt, Der Einladung des Herzogs von Gotha zu folgen, und weil er bis zum letzten Augenblicke den ihm und seinen Verbündeten entgegenstehenden Regierungen den ernsten Willen zu zeigen entschlossen sei, mit ihnen ge­meinsam Hand an die Neugestaltung des deutschen Bundes zu legen und Alles zu thun, was den Bund stärken könne. Nicht ohne tiefe Bewegung sähe Der König diese Zusammen­kunft deutscher Fürsten. Er erblicke darin die Erfüllung eines seit Dem Antritte seiner Regierung gehegten Wunsches, daß endlich einmal die Fürsten selbst die Angelegenheiten des ge­meinsamen Vaterlandes gemeinsam berathen und nicht immer bloß ihren Räthen und Ministern dieß überlassen wollten. Es sei ihm das eine Vorbedeutung für den segensreichen Erfolg der Berathungen. Diese Hoffnung spreche er auS ganzem Herzen und mit frischem Muthe aus.

Dresden, 31. Mai. Zweite Kammer. Unter den Ne- gistrandeneingängen befand sich der Bericht über den Bieder- mannschen Antrag auf Beschwerkeführung bei dem Könige. Der Abgeordnete Wizard richtete an das Ministerium des Innern eine Interpellation wegen Der neuerlich erfolgten Aus­weisung mehrerer Mitglieder des deutsch-katholischen Koncils und der Tagsatzung des Vereins der Freien christl chen Ge­meinden aus Leipzig, sowie wegen erfolgter Einschreitung Der dessauischen Regierung gegen die nach Köthen übergesicdclte Versammlung der Dissidenten. Der Interpellant fragte: 1) auf welche gesetzliche Bestimmungen das sächsische Ministerium

sich bei Den in Leipzig erfolgten Ausweisungen stütze? 2) o es wahr sei, daß eine telegraphische Depesche der königl. säch jijchcn Regierung das Einschreiten des dessauischen Ministerium gegen die köthener Versammlung verlangt habe, und auf welch rechtliche Bestimmungen die diesseitige Regierung hierbei sic stütze? In gleicher Weise richtete Abg. Wizard auch an de außerordentlichen Ausschuß für Kirchen- und Schulangelegen Heiken Die Anfrage, ob über die von der hiesigen Freien christ lichen Gemeinde bei der Kammer eingereichte Beschwerde bal werde Bericht erstattet werden, und wenn nicht, welches di Hindernisse seien? Der Vorstand dieses Ausschusses, Abz Funkhünel, erwiderte darauf, daß Die Berichterstattung, so wi überhaupt Die Thätigkeit des Ausschusses für Kirchen- un Schulangelegenheiten durch mehrere äußere Umstände in letzte- Zeit mehrfache Unterbrechung erlitten habe, indeß fei die Sach­lage doch so, daß er eine baldige Berichterstattung über diese: Gegenstand zusichern könne.

Gotha , 29. Mai. In ihrer gestrigen Sitzung hat un feie Abgeordnktcnversammlung Den Erlaß eines Schreibens ai das Slaatsministerium beschlossen, in welchem das letztere un nachträgliche Mittheilung über Den gegenwärtigen Stand de Unionsangelegenhcit dringend ersucht werden soll, da ein ausführlichere Mittheilung in Diesem Betreff vom Staats minister v. Seebach zwar zugesazt, aber bis jetzt noch nich gegeben worden ist. (OPAZtg.)

Wiesbaden, 31. Mai. Die Nass. Allg. Ztg. glaub der Nachricht,daß Regierungsrath Bertram zum Bevollmäch tigten Nassau's für den Staatenkongreß in Frankfurt ernann sei," auf das bestimmteste widersprechen zu können.

Frankfurt, 28. Mai. So eben läuft in diplomati! schen Kreisen Die Abschrift einer Erklärung Der Mecklenburg strclitzer Regierung ein, Die wegen ihrer Lächerlichkeit gebüh rcndcs Aufsehen zu machen nicht verfehlt. Es ist Der Ab sagebrief dieses kleinen Ländchens von der Union , worin C' beißt,Mecklenburg könne kein Heil für Deutschland in Dc' Union sehen, da sic Preußen Die ihm gebübrcndc Stellung in Bunde nicht anweise." Man weiß zwar recht gut, wer di strelitzer Regierung inftruirt hat, aber man wundert sich übe die Ueberbebung eines DuodczländchenS, Dessen ganze Arme nicht so stark ist, als ein preußisches Bataillon auf dem Kriegs­fuße ; eines Ländchens, das im Jahr 1848 so den Kopf unD Zopf verloren hatte, daß es preußische Hülfe requiriren mußte Die um so leichter zu leisten war, da eine halbe Schwadror Pasewalker Kürassiere hinreichte, das ganze Land Strelitz vo Dem Krawall zu schützen. Die kleine Miniaturkamarilla , di auf das Alter des greifen Herzogs mit Glück spekulirte, wir! ü eigens auf Die Dauer Strelitz nicht davor schützen können deutsch zu werden. Alle Schreckschüsse und Drohungen, Di von Oesterreich in ihre günstig gesinnten Blätter von hier aus durch seine literarischen Agenten geschleudert werden, sind eite Prahlerei, Wind, die an Preußens festem Entschluß zerschelle: werden; Oesterreich hat mit sich selbst zu thun; wie kann ci Andern drohen? Der 26. Mai ist vorüber und in gulunter richteten hiesigen Kreisen weiß man, daß alle Staaten, mi Ausnahme des obcnenvähntcn Mecklenburg- Strelitz, an de: Union festhalten. Nassau steht mit ganzer Seele zur Union und wird sogar ein Mitglied Der Gothaer Partei zum Kon grosse nach Frankfurt senden. Was Kurhessen und Hcpcn- Darmstadt betrifft, so sind sie der Union auch nicht so feind, lieb, als es Den Anschein hat; namentlich ist von Kurhessen Alles zu hoffen, da sich Hassenpflug keine drei Wochen meb: halten kann; mit der Verachtung und dem Grimm aller Par­teien beladen, läßt sich nicht mehr konstitutionell regieren. Die Münchener Konvention wird hier selbst von Graf Thu: scherzweise als einebétise diplomatique bezeichnet und is keine Rede mehr davon. Die gekränkte Eitelkeit'des baieru schen Ministeriums wird sich nun mit Hülfe der Kamarillc durch Intriguen gegen Den Bundesstaat rächen.

Frankfurt, 1. Juni. So eben kehren die Truppci von einem großem Manöver in Der Gegend von Vilbel unD Bergen zurück, an welchem sämmtliche verschiedene hier l ic. genve Besatzungen Theil nahmen. Diese gemeinschaftliche