Einzelbild herunterladen
 

reue Hessische Zeitung.

Organ der konstitutionellen Partei.

Montag/ 3. Juni 1850 ^^ 255» Morgen - Ausgabe.

Diese Zeitung erscheint mit Ausnahme der Sonntage und Sonnabende täglich zwei Mal. Sonntags wird ein Unterhaltungsblatt igcgclen. Die Morgen-Ausgabe wird von 7,11 bis 12 Uhr, die Abend-AuSgabe in Kassel von 5 bis 7 Uhr erpedirt. Sonnabends folgt die Ausgabe nur Abcndö, Sonntags nur Morgens. Man abonnirt bei allen löblichen Postämtern, in Kassel in der Luckbardt'schen und tollmann'schen Buch - und Kunsthandlung. Der ÄbonnementspresS beträgt halbjährlich 3 Thlr., vierteljährlich 1 Thlr. 15 Sgr., wofür le turhcssischcn Postämter das Blatt ohne Aufschlag liefern. Anzeigen werden mit 1 Sgr. für den Raum einer Petitzeile berechnet.

Deutschland.

Berlin, 29. Mai. Die Reise des Prinzen von Prcu- :n hat in einem Augenblicke, wo alle die Gestaltungen un< rer Politik eben noch im Werden begriffen sind, eine gewisse nterbrechung in der Behandlung der wichtigsten Fragen her- I orgebracht. Wir freuen uns, hier eine Aeußerung aufzcich- en zu dürfen, die der Prinz unmittelbar vor seiner Abreise or einem Kreise von Männern that, und die wenigstens azu beitragen kann, auf die Gesinnungen des Prinzen in Licht zu werfen.Ich gehe nach Warschau, sagte r, um einen Versuch zu machen, die Politik des Kaisers von lußland, die bisher der unsrigen diametral entgegenlief, um- ustimmen und den preußischen Absichten in der deutschen frage conform zu gestalten. Ich hoffe, daß es mir gelingen ürd. Sollte dieß aber nicht der Fall sein, so wird Preußen ennoch mit aller Konsequenz auf dem eingescblagencn Wege leitergehen, unbekümmert um gegenüberstehende Ansichten. Ich utorisire Sie, meine Herren, diesen meinen Worten eine wei- ere Verbreitung zu geben." (W. Z.)

Bulletin über das Befinden Sr. Maj. des Königs. Die Empfindlichkeit im Bereich des Schußkanals erscheint heute lbend etwas gesteigert. Uebrigens ist in dem Befinden Sr. staj. des Königs keine Veränderung eingetreten. Schloß charlottenburg, den 31. Mai, Abends 9y4 Uhr. (gez.) Schönlein. Grimm. Langenbeck.

Ein Neffe Napoleons, Lucian Jerome Bonaparte, ist -kute hier eingetroffen und in Meinhards Hotcl unter den 'inden abgestiegen. Derselbe ist ein Mann von etlichen 50 kahren. C.C.

Berlin, 31. Mai. Die D. Reform berichtet: Wie wir men, sind hier Nachrichten über die herzliche Aufnahme cin- legangen, welche Se. k. Hoheit der Prinz von Preußen bei sr. Maj. dem Kaiser Nikolaus gefunden hat. Die Rückkehr des Prinzen dürfte etwas später erfolgen, als erst beabsichtigt war, da Se. Maj. den Wunsch ausgesprochen, in Gemein- chast mit demselben eine Inspektion der en Polen ausgestellten Truppen vorzunehmen.

Gestern fand ein Ministerrath Statt, in welchem die wesentlichsten Beschlußnahmen über die in Bezug auf die Presse zu ergreifenden Maßregeln gefaßt worden. Heute Nach­mittags um 1 Uhr findet eine nochmalige Berathung in dem Staatsministerium Statt. (D. R.)

Eine in der Besscr'schen Buchhandlung erschienene Brochüreder Fürstenkongreß" enthält den Inhalt der ver­traulichen Rede, welche der König am 10. d. M. im Kreise der Fürsten gehalten hat. Bisher sind über dieselbe nur An­deutungen bekannt geworden. Wir theilen deßhalb auch Fol­gendes mit:Die ersten Worte des Königs waren an den Herzog von Gotha gerichtet und sprachen den Dank dafür ans, daß er den Gedanken einer Zusammenkunft der unirten deutschen Fürsten zuerst angeregt habe. Der beabsichtigte Zwcck dieser Zusammenkunft sei die Ausführung der Union gewesen; dem aber müsse eine andere Entscheidung vorangehen, die nämlich, ob die Theilnehmer des Bündnisses überhaupt bei der Union bleiben wollten. Darum habe Preußen der Ein­ladung nach Gotha zunächst nicht Folge gegeben und die Für­sten mit ihren verantwortlichen Ministern so wie die Regie­

rungen der freien Städte nach Berlin eingeladen. Die Dinge, die in Gotha verhandelt werden sollten, müßten noch ausgesetzt bleiben, bis die Vorfrage über die Fortdauer des Bündnisses bejaht sei. Der König richtete nunmehr die Frage an die Erschienenen, ob sie in dem Bündniß vom 26. Mai 1849 treulich verbleiben wollten. Die Lage der Dinge, welche eingetreten sei, würde ihn nicht abballen, an dem Werke der Befestigung der deutschen Union festzuhalten, so lange die übrigen Verbündeten überhaupt noch gesonnen seien, dieses Werk fortzuführen. Denn für Preußen liege Nichts in den obwaltenden Verhältnissen, was zu einem Rücktritte nöthigen könnte. Die Lage der übrigen Verbündeten könnte aber mög­licher Weise eine andere sein. Einer oder der andere der erschienenen Fürsten könnte die Ueberzeugung haben, daß bei der jetzigen Stellung zu Oesterreich tue Pflichten gegen die eigenen Unterthanen ihm geböten, aus dem engeren Bündnisse auezuscheiden. Ein solches Ausscheiden würde der König von Preußen mit tiefem Schmerze, aber ohne Groll sehen. Er dürfte sich nicht verhehlen, wie das Bündniß vom 26. Mai und seine Zwecke bei der kais. österreichischen Regierung eine wenig gerechte Beurtheilung finde. Die Bemühungen der königl. Regierung zu einer Verständigung mit der kais. österr. Regierung zu gelangen, hatten keinen erwünschten Erfolg ge­habt. Oesterreich trete den von den Mitgliedern des Bünd­nisses vom 26. Mai gehegten Plänen zur Erfüllung wahr­hafter Bedürfnisse ihrer Staaten mit unseligem Mißtrauen, so wie mit Mißdeutungen ihrer Ansichten entgegen. Aller­dings sei die Verbindung mit Oesterreich unumgänglich noth­wendig für Deutschland; die Freundschaft mit dem Kaiser- staate Die erste Bedingung eines siegreichen Kampfes gegen die Revolution, aber nie könne Der König von Preußen rathen, sich Anforderungen zu beugen, welche Die Unabhängigkeit Der deutschen Regierungen und das Wohl ihrer Völker bloßstellcn und gefährden würden. Preußen würde Oesterreich gegenüber fortfahren in seinen Bemühungen, eine Aussöhnung und ein gemeinschaftliches Handeln herbeizuführen. Sollten aber diese Bemühungen gänzlich fehlschlagen, sollte die kaiserl. Regierung so weit geben, Rechte, Die aus dem von den hier Anwesenden allseitig anerkannten Fortbestände des deutschen Bundes ver­meintlich hcrvorgkhen sollen, in Wahrheit aber darin keine Begründung finden, mit Den Waffen in der Hand geltend zu machen, so würde der Souverain von Preußen wissen, was Se. königliche Pflicht sei. Nie dürfe der Auslrag eines Rechtsstreites zwischen Bundesgliedern durch Krieg hcrbcigc- sührt werden. Deßhalb könne und werde Preußen seinerseits nie einen Entschied der Waffen herbeiführen, und wenn Oester­reich Preußen oder seine Verbündeten angreife, so sei das kein rechtmäßiger Krieg, sondern es begehe einen Landfriedensbruch, einen Bruch jenes Bundes, auf den cs eben seine vermeint­lichen Ansprüche begründen wolle, und dessen erster Zweck eben Die Aufrechthaltung des Friedens unter Den Bundesgliedern sei. Einem solchen Bruche deS Landfriedens würde der- nig von Preußen mit aller Kraft der Waffen entgegenzutreten wissen. Sollte aber zur Entscheidung des Rechtsstreites eine Anrufung der Mächte erfolgen, die Den Bund garantirt halten, so vertraut Preußen, daß selbst den fremden Mächten nicht verborgen bleiben wird, auf wessen Seite das Recht ist.