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dein. Er that rS, bat aber den Kaiser aus diesen Büchern zu lernen, wie gefährlich die Grundsätze der Barbaren wären. Die Großen der Nation zu Peking lasen das Testament. Man legte cs weg und sagte: Es ist wunderlich, daß Barbaren solche gute Lehren aussprcchcn. So wurde der chinesische Hof mit dem Worte Gottes gerade durch den erbittertsten Gegner desselben bekannt. Später schickte Ky - ing dem Kaiser wiederum ein neues Testament; er las es mit geschlagenem wunden Herzen und erklärte, dieß Wort vermahne zur Tugend und müsse freie Cirkulation haben. Mit Entzücken erinnerte sich der Redner des schönen Momentes, wie er am Porcclanthor zu Nanking gestanden habe und Hunderte von Exemplaren an die begierige Menge vertheilt habe. Statt Foltern und Mißhandlung der Christen wäre nun allgemeine Duldung gekommen. Viele europäische Missionäre hätten sich in den Hafenstädten niedergelassen; der Erfolg ihrer Thätigkeit wäre auch schon einigermaßen günstig gewesen, Schulen und Kirchen wären errichtet worden; aber als erst aus dem Munde von Chinesen selbst das Lob Gottes erschallte, als sic gepredigt hätten, daß Vergebung der Sünden im Heiland zu finden sei, da wären die Herzen des Volkes vollends geöffnet worden. Oft habe er von Chinesen die Erklärung des Heils in Christo und seiner erlösenden Kraft gehört, oft in den Versammlungen mit ihnen niedergekniet, wenn sie Gott um Ausgießung des heiligen Geistes angefleht hätten. Freilech sei eö immer noch ein Zustand der Kindheit, manche traurige Erfahrung des Abfalls habe Statt gefunden und werde noch Statt finden, aber doch gehe die Verkündigung des Wortes Gottes mit großen Schritten vorwärts. Mit dem jetzigen Zeitpunkte sei durch die Bewilligung der Glaubensfreiheit eine wichtige Wendung im Gang der Dinge cinge.trctcn; dieser müsse benutzt werden; er habe 50 — 60 Männer nöthig, die dem apostolischen Berufe mit unermüdlichem Eifer sich bin? gäben. Großen Anklang habe die Sache in Deutschland, Holland, England gefunden und Kassel habe das Verdienst, daß in seinen Mauern der erste Verein für China gegründet wäre. Ucbri- gens solle man die Entwickelung der Dinge abwarten, dann wäre ja erst ein rechtes Urtheil über die Sache möglich. Jedes geist ge Streben komme von Gott selbst, und wo der Geist Gottes in der Kirche nicht lebendig wäre, ginge sic unter. Als historische Belege führte der Redner an: den Thurmban zu Babel, die assyrische und babylonische Gefangenschaft der Kinder Israels, den Verfall der morgenländischen Kirche, die in Dogmenstreitigkeiten, Formelwesen, Seklengeist und Parteifanatismus untergegangen sei. Auch der protestantischen Kirche stehe ein solcher Untergang bevor, wenn nicht der Geist Gottes wirke. Der Chinesische Verein sei hauptsächlich für den Zweck bestimmt, die Herzen an einander zu schließen; wenn nun der Geist Gottes in den Herzen die Liebe Christi entzünde, wenn wir die Gegenwart Gottes empfänden, dann erfülle uns Scham, daß ein großes Land so lange ohne das Heil geblieben wäre. Ernste Gebete für Rettung so vieler Millionen stiegen dann in den Herzen empor. Im Namen des Herrn, im Glauben an seine unendliche Kraft, müsse das Werk unternommen werden. Euch Christen — so redete Gützlaff die Versammlung an — ist der Tröster verheißen, der Geist der Wahrheit gegeben, Euch kommt der Geist Gottes entgegen, empfängt ihn mit Liebe. Ist dieß der Fall, so werket ihr feststehen in der Wahrheit, liebevoller dem Gegner entgcgentreten und ihn gewinnen.
Im Schlußgebete flehte Gützlaff den Segen Gottes auf den Fürsten des Landes, die Volksvertreter, die Minister, auf das ganze Volk herab, bat auch, daß Gott auf seinen Kaffer, der, obwohl ein Heide, doch als ein Geschöpf Gottes seiner Liebe werth ei, gnädig blicken, den Aufstand in dem chinesischen Reiche unterdrücken, das Land dem Christenthume öffnen und Deuschland sich bei der China-Mission entschieden belhci- ligen möge.
Vielleicht werden wir später Veranlassung finden, auf die Verdienste des Herrn Gützlaff, sowohl um die Kenntniß des chinesischen Lebens in Europa, als auch um die Verbreitung europäischer Kultur und christlicher Aufklärung in China, zu
rückzukommen, wobei ihn seine Doppelstellung, als Diener der englischen Krone und Unterthan des chinesischen Reiches natürlich sehr wirksam unterstützte.
Berlin, 29. Mai. Die sich bis zur kompletten Tollheit entwickelnde Schrulle der Neuen Preußischen Zeitung gegen die Juden hat in der Form, in der sie im Leitartikel des gestrigen Blattes auftrat, eine namenlose Empörung hervorgerufen. Die Gcmeingcfährlichkcit dieses Organs fängt nunmehr an, selbst den Konservativsten einzuleuchten. Erstaunt fragt man sich, ob in einem Staate, wo Gesetze und geordnete Zustände herrschen, selbst wenn keine Verfassung vorhanden wäre, welche die Gleichheit aller Unterthanen vor dem Gesetz ausspricht, förmlich zur Verfolgung einer großen Klasse des Volks durch Anreizung der schmutzigsten Leidenschaften ausgestachelt werden dürfe? Kaum vergeht ein Tag, der nicht eine Konfiskation demokratischer Blätter aufzuweiscn hätte. Aber man wird vergeblich in diesen von der Polizei und den Gerichten verfolgten unk oft gestraften Blättern eine so direkte und unverhüllie Aufreizung der Bürger gegen die Bürger, der Besitzlosen — die Kreuzzeitung appellirt gestern ausdrücklich an die Proletarier, das „eigentliche Volk" — gegen die Besitzenden, gegen die Juden, die sich vom „Schweiße bedürftiger Christen vollgcsogen haben", suchen. Es gibt kaum eine Strafbestimmung des Paßgesetzes, welche nicht durch jenes Blatt schon aufs gröblichste verletzt wäre. Der §. 17 des Gesetzes vom 30. Juni 1849 („Wer den öffentlichen Frieden dadurch zu stören sucht, daß er die Angehörigen des Staats zum Hasse oder zur Verachtung gegen einander öffentlich anreizt, wird mit Geldbuße von 20 bis zu 200 Thlrn. oder mit Gefängniß von vier Wochen bis zu zwei Jahren bestraft"), der §. 19, der die Erregung von Haß gegen eine im Staate bestehende Religionsgefellschaft mit denselben Strafen bedroht, von unsern Beamten täglich im ausgedehntesten Maße zur Anwendung gebracht, scheinen gegen die Neue Pr. Zeitung nicht maßgebend zu sein. Wäre die Sache nicht so furchtbar ernst, so müßte der Eifer des christlichen Blattes er- • heiternd wirken, der die Fanatiker schon besorgen läßt, es könnten einige Juden ihrem Hasse durch die Taufe entgehen. Sie will ihre Autodafes ausdrücklich auch an den getauften Juden vollzogen wissen. Da wird cs also auch dem Professor Stahl und Hrn. Ohm, zwei der ausgezeichnetsten Mitglieder ihrer Partei, übel ergehen'. (Llth. Nachr.)
Berlin, 31. Mai. Der Staatsanzcigcr enthält folgenden von allen Ministern kontrasignirten allerhöchsten Erlaß: Auf den Bericht des Staatsministeriums vom 22. April k. J. will Ich dem AppcllativnSgerichte zu Berlin auf dessen Antrag die Wiedcrannahme der Bezeichnung: „Kammergericht" gestalten. Diese Anordnung ist jedoch auf Die dem gedachten Gerichtshöfe durch die Verordnung vom 2. Januar v. I. bei- gelegten Rechte unD Pflichten und auf dessen Verhältniß zu den übrigen Appellationsgerichten der Monarchie ohne Einfluß, so daß alle auf die Appellationsgcrichte überhaupt sich beziehenden Bestimmungen auch künftighin sich auf denselben mit erstrecken. Charlottenburg, Den 21. Mai 1850. (gez.) > Friedrich Wilhelm.
— BüUctinö über das Befinden Sr. Maj. des Königs. In Dem heute Morgen als günstig bezeichneten Zustande Sr. Maj. des Königs ist keine Veränderung eingetreten. Schloß Charlottenburg, den 29. Mai, Abends 9'/4 Uhr. (gez.) Schönlein. Grimm. Langenbeck. — Se. Maj. Der König haben auch in dieser Nacht ruhig geschlafen. Kein Fieber. Die Reinigung des Schußkanals hat begonnen; Anschwellung unD Empfindlichkeit sind nur noch in der nächsten Umgebung desselben bemerkbar. Schloß Charlottenburg, den 30. Mai, 10 Uhr Morgens, (gez.) Schönlein. Grimm. Langenbeck.
Berlin, 31. Mai. Se. Maj. der König hoben auch Diese Nacht ohne Unterbrechung ruhig geschlafen. Die Reinigung der Wunde schreitet unter gleichzeitiger Abnahme der Härte und Geschwulst in erfreulicher Weise fort. Schloß Charlottenburg, den 31. Mai 1850, Morgens 9‘/.2 Uhr. — (gez.) Schönlein. Grimm. Langenbeck.
Berlin, 31. Mai. Der Norkd. Ztg. wird von hier