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Reue Hessische Zeitung.

Organ der konstitutionellen Partei.

)onntaß, 2. Juni 1&50 ^^ 2S4L» Morgen - Ausgabe.

Diese Zeitung erscheint mit Ausnahme der Sonntage und Sonnabende täglich zwei Mal. Sonntags wird ein Unterhaltungsblatt (gegeben. Die Morgen Ausgabe wird von 7,11 bis 12 Uhr, die Abend - Ausgabe in Rassel von 5 bis 7 Uhr erbedirt. Sonnabends vlgt die Ausgabe nur Abends, SonntagH nur Morgens. Man abonnirt bei allen löblichen Postämtern, in Kassel in der Luckbardtschen und ollmann'schen Buch - und Kunsthandlung. Der Äbonncmcntspreis beträgt halbjährlich 3 Thlr., vierteljährlich 1 Thlr. 15 Sgr., wofür c kurhessischen Postämter daS Blatt ohne Ausschlag liefern. Anzeigen werden mit 1 Sgr. für den Raum einer Pctitzcile berechnet.'

Deutschland.

ek. Kassel, 29. Mai. Gestern morgen hatten wir Ge- genheit, den durch seine Reisen und seine Thätigkeit in China kannten Missionair und britischen Agenten Gützlaff in der hefigen Garnisonskirche zu hören. Bereits vorgestern Abend alle Herr Gützlaff (nach seinem chinesischen Familiennamen ichi-Li von der Familie Kwo in der Provinz Fo-Kicn) im »anuschschen Saale in allgemeineren Umrissen das Vcrbält- und die Bedeutung der chinesischen Mission dargestellt er näheren Ausführung dieses Gegenstandes war die gestrige .rchliche Feier bestimmt. Wir sind in dem Falle, einer Wört­chen Aufzeichnung folgen zu können. Nachdem Herr Gütz- iff in einem einleitenden Gebete Gott angefleht hatte, das Lort vom Kreuze mi 267 Millionen China's, dem verseblos- enen Lande der Japanen, den Mandschu, Tibetaner, Mon- olen u. s. w. zu schenken, ging er zur Missionspredigt über, wlcher er Jesaias 49, 12 zu Grunde legte. (Siehe, diese reichen von ferne kommen, und jene von Mitternacht und vom Heere und jene vom Lande Sinim.) Bon den größten Wun- ern der Welt sei die Erhaltung des chinesischen Reiches und Volkes das merkwürdigste der Geschichte. Schon im ersten mtstehen habe es große Kämpfe zu erleiden gehabt, die ihm en Untergang drohten. Lange vor der Völkerwanderung warfen ch die Tartaren mit Wuth auf die Gränzen, und nur durch ie Mauer und deren Besatzung von 1 Million Soldaten war­en sie zurückgehalten. Durch die Kunst und Klugheit der Nandarincn wurde der Einfall der Hunnen abgewehrt, >nd Vieß wilde Volk mit Geschenken nach den östlichen Küsten 'es kaspischen Meeres versetzt. Nachher sielen die türkischen Stämme China mit mehr Kraft an, als Byzanz und das Chalifak. Doch wurden dem wilden Strome Grenzen gesetzt, end das alte Volk, das seit 500 Jahren schon eine Konsti- ution besaß und die anderen Früchte der neueren Kultur ge­noß, blieb von ihm verschont. Als später die Tartaren bis gegen den gelben Strom vorvrangen, blieb der südliche Theil wenigstens frei, und endlich gewannen chinesische Berfassung, Sitte, Kultur und Religion im ganzen Lande wieder die Oberhand. Der Stoß der Völkerwanderung ging an uns vorüber, ich sage: uns, denn ich spreche als Chinese, ich betrachte mich als diesem Volke nunmehr angehörig. Die EroberungSlust jener Völker verschonte unser Rench. Als die Mongolen Wcstasien durchzogen, Rußland unterwarfen, in Schlesien und Mähren erschienen, in Ungarn eine blutige Schlacht schlugen, als ganz Europa erbebte, da hielten sich die Chinesen lange durch List, Klugheit und Gewandtheit. Endlich sagten sie willig:Euer Fürst Kublai soll unser Fürst sein." Dadurch wurde China das größte Reich per Welt; schon wollte Kublai Japan mit einer Flotte erobern da sprach der Herr: Bis hierher und nicht weiter. Die große mächtige Flotte wurde durch einen Sturm zertrümmert, und bald raffle der Todesengel auch den Kublai hinweg. Nun ermannte sich China: ein ehemaliger Küchenjunge trieb die Mongolen aus dem Lande. So rettete die mächtige Hand des Herrn unser Land. Während Rußland noch Jahrhun­derte lang unter dem Mongolcnjoeh seufzte und die Spuren der Unterwerfung noch heutzutage trägt, ist in China jede Spur von dem Mongolenthum durch den unverwüstlichen

Volksgeist verwischt. Das Reich, welches die Mandschu vor 200 Jahren aus unbegreifliche Weise eroberten, besteht gerade wie vor Jahrhunderten mit seinen eigenthümlichen Denkungs­arten, seinen Sitten und Gebräuchen und seiner Literatur. Jetzt aber geht das alte China einer großen Veränderung entgegen. Der seit Jahrhunderten in festen Formen einge­engte und stereotype Volksgeist hat die Fesseln von sich ge­worfen; der chinesische Volksgeist gebt einer großen Zukunft entgegen, eine große Zeit naht. Man erkennt das an dem Seufzen der Kreatur nach der Freiheit Gottes. Wenn man siebt, wie ein Volk reich an Verstand, Industrie und Unter­nehmungsgeist sich unter dem Joche des Satans beugt, so fragt man sich: Ist cs denn nicht möglich, daß die Kirche des Westens dieß Volk aus seinen Banden erlöse? Allerdings ist jetzt eine große Thür geöffnet , durch die Erlaubniß der Regierung, das Christenthum überall in China zu lehren und cinzuführcn, durch die Gestaltung der Glaubensfreiheit. Und die vorgelcsene Stelle aus dem Jesaia zielt darauf, daß Gott cs will, denn unter tem Namen Sinim verstehen die Araber und die anderen Westvölker Asiens China. Ein chinesischer Kaiser, der sich Westasien unterworfen und so die Wcstasiaten mit dem Lande bekannt gemacht halte, gab nämlich seinem großen Reiche den Namen Sinim, der dann, als das Reich wieder zerfiel, aus China haften blieb. Daß die Bekehrung China's unermeßlichen Einfluß auf die Erde und die Kirche haben wird, wenn die Götzen fallen werden und der Herr angebetet wird, ist keine aus dem Wind gegriffene Hoffnung, keine theoretische Idee. Nachdem nun noch ein Paar Lie- derverse gesungen waren, fuhr der Redner fort: Man müsse mit dem Hinblick auf den Ewigen von der Bekehrung eines Volkes sprechen, bei solchen Unternehmungen müsse man nicht menschlich sprechen, denn das würde trügerisch sein. Die Macht des Sohnes Golles habe alle Hindernisse und Schwie- rigfeiten überwunden; er sci der Sohn der Liebe, der eie Ver­heißung des Vaters habe, daß alle Völker ihm zum Eigen­thum gegeben würden. Diese Verheißungen seien bewahrheitet und würden bewahrheitet werden. Im Glauben an sie sehe man die Hindernisse, das Widerstehen des Satans nicht, die Finsterniß worin das alte Volk liege, achte man nicht; die Unmöglichkeit der Bekehrung eines in Laster versunkenen, in Lug und Trug gewandten seit dem grauen Altcrlhum stereo­typen Volkes berechne man nicht. Wenn man frage: Ist das Land nicht verschlossen, so antworte er: Ja; aber der Herr wird es öffnen. Ich selber gebe Zeugniß, daß der Herr in den Stunden der Gefahr zu Wasser und zu Lande, vor Seeräubern und in Krankheit, ja bei der Predigt des Wortes Gottes im Angesicht des drohenden Todes bei mir gewesen ist. Der stolzcste Konsucianer, der schleichendste^ Mandarine fühlte sich durch die Liebe Gottes hingezogen. Wenn es recht dunkel schien und der Muth hinsank, blieb die Hülfe des Herrn nahe. Als 1833 der Kaiser das Reich verschließen wollte, als Alles angewandt wurde, um das Eindringen frem­der Ideen zu verhindern, gerade da wurde die Versicherung gegeben, daß dem alten Volke Heil widerfahren solle. Kisten mit Mandschu-Testamenten (seil, neuen Testamenten in der Mandschu-Sprache) ersuchte ich Ky-ing, Gouverneur der Pro­vinz, einen Erzfeind des Christenthums, nach Peking zu beför-