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deutenden Theil der dortigen Staatseinnahmen bilden, so kümmert ihn eine Steuer-verweigerung wenig, und wenn Vic Kammer ihm einzelne wichtige Posten im Budget streicht, so gedenkt er das vollständig zu ignoriren. Mißtrauensvota prallen an ihm ab, wie Flintenkugeln an dem Felle des Rhino- ceros und so kann ihn nichts geniren und nichts überraschen.
Berlin, 28. Mai. (Fr. OPAZ,) Der Kaiser von Rußland ist in Warschau einen Tag früher eingetroffen, als es hier erwartet wurde. Es ist dieß der Grund, daß die Abreise des Prinzen von Preußen von hier nach Warschau nicht um einen Tag früher erfolge ist. Wir haben bereits in unserm letzten Schreiben darauf hingedeutet, daß namentlich auch die dänische Angelegenheit einen Hauptbestandtheil der Sendung des Prinzen nach Warschau bildet. Nun erfahren wir noch, daß dem Begleiter des Prinzen, dem Adjutanten Hrn. v. Manteuffel, ein Schreiben des Königs an den Kaiser von Rußland mitgegeben wurde, welches in Bezug aus die deutsche Angelegenheit wohl von der größten Wichtigkeit sein dürfte. Es soll in dem Schreiben angedeutct sein, daß eine Verständigung zwischen Preußen und Oesterreich so lange erschwert sei, als die gegenwärtige Politik Schwarzenbergs von österreichischer Seite verfolgt werde.
Berlin, 29. Mai, 7 Ubr Abends. Aus zuverlässiger Quelle kann ich Ihnen folgende wichtige Nachricht geben: Der Flügeladjutant des Königs, Herr v. Manteuffel, Bruder des Ministers, der sich in der Begleitung des Prinzen von Preußen befindet, wird in Warschau dem russischen Kaiser ein eigenhändiges Schreiben des Königs überreichen, in welchem derselbe auf das Bestimmteste erklärt, daß Preußen in die Wiedereinsetzung des alten Bundestages nie und nimmermehr willigen werde, daß es seinerseits die Wege der Einigung für die Gesammtheit klar gewiesen, und daß, wenn gleichwohl ein Einverständniß zwischen den beiden deutschen Regierungen bisher nicht zu erreichen gewesen, die Schuld lediglich an der Politik des Fürsten Schwarzenberg liege, die daher nothwendig aufgegeben und verlassen werden müsse. Der Kaiser wird damit aufgefordert, durch seinen Einfluß einen Wechsel des Wiener Kabinets herbeizuführen. (W. Z.)
Berlin, 30. Mai. Die D. Nef. enthält bei Gelegenheit der Besprechung der Kreuzzeitungsartikel folgende brmcr- kenswerthe Stelle: Wir können nicht annehmen, daß die N. Pr. Ztg., bei aller Geringschätzung gegen die Verfassung, der Regierung ernstlich eine eigenwillige Verletzung derselben anrathen will; sie kann das Abgehen von dem Geiste und Buchstaben der Verfassung wohl nur von einem künftigen verfassungsmäßigen Zusammenwirken aller gesetzlichen Faktoren verlangen. Gegenwärtig wird sich die Regierung darauf beschränken müssen, in dem Bereiche der selbstständigen Einwirkung, welche ihr durch die Verfassung offen gelassen ist, zu handeln.
Berlin, 30. Mai. Dem Prinzen von Preußen ist, wie die V. Z. schreibt, ein eigenhändiges Schreiben des Königs an den Kaiser von Rußland mitgegeben worden, welches auf das Bestimmteste aussprechen soll, daß Preußen nie auf eine Wiedereinsetzung des Bundestags cingehcn könne und daß die Schwierigkeiten, welche sich einem Einverständniß zwischen Preußen und Oesterreich entgegensetzen, ihren Grund in der Politik fänden, welche Oesterreich gegenwärtig verfolgt. — Die Sp. und V. Z. enthalten Mittheilungen über die erwarteten Preßmaßregeln, welche darin übereinstimmen, daß das Ministerium nicht einseitig vorschreiten, vielmehr „eingedenk seiner ernsten Verantwortlichkeit, den in verfrühter Weise zusammen zu rufenden Kammern sofort eine sehr ausführliche Vorlage" über ein neues Preßgesetz machen will. Die Vorarbeiten werden gegenwärtig mit dem größten Eifer betrieben. Von den verschiedensten Seiten sind dem Ministerium Petitionen auf Beschränkung der Presse zugegangen. Das Ministerium hat nun zwar ein einseitiges Vorschreiten gegen die Presse in ernste Erwägung gezogen, ist aber davon aus politischen Gründen wieder abgestanden, „nachdem man sich überzeugt, daß ein unmittelbar und direkter Zusammenhang zwischen der verabscheuungswürdigen That und Dem politischen
Jdeengange, wie ihn selbst der extremere Theil Der Tages presse vertritt, nicht existire."
Erfurt, 29. Mai. Unsere Stadt und Festung soll si fort armirt werden, so geht heute das Gerücht von Mund z Mund. In der That sollen plötzlich Befehle ertheilt worde sein, die Glacis und Den ersten Festungsrayon von Bäume und sonstigen Gegenständen, welche den Belagerern nützlü sein könnten, zu befreien. Mit dem Niederhalten Der Bäum im ersten Festungsrayon ist auch bereits eifrigst begönne,
™ (N. Erf. Z.)
Von der Nrederelbe, 28. Mai. Die direkten Un terhandlungcn mit Dänemark sind so gut wie gescheitert. I Kopenhagen verlangte man eine ausgedehnte Truppenentlassun und Reducirung der Armee auf Den Friedensfuß als Ze ich c, der Friedensliebe, die Statthalterschaft erklärte sich wirklick zu einer umfassenden Reducirung bereit, wenn Dänemark das selbe thue oder wenigstens einen beabsichtigten Angriff ein bestimmte Zeit vorher anzeige. Dänemark aber verlangte di Reducirung als Vorbedingung und betreibt seine Rüstunger täglich eifriger. Unter diesen Umständen und bei dieser Dani sehen Arroganz ist an einen Erfolg der Unterhandlungen nich zu denken. (Wes.-Z.)
Kiel , 28. Mai. (B. H.) Dem Vernehmen nach hat der Departementschef für Die auswärtigen Angelegenheiten Herr v. Harbou, seine Entlassung genommen, und man hört daß vorläufig der Chef des Finanzvepartemcnts, Herr Francke für ibn kontrasigniren werde. Für Den schwer erkrankten Sbd des Justizdepartements, Rathgen, führt dieses Departement einstweilen der Minister des Innern, Herr Boysen.
Nheinhesfen, 29. Mai. Am letzten Sonntage hat Die von Den Freunden Der deutschen Sache angeregte Versammlung in Osthofen Statt gesunden. Vertreter von mehr als 40 Gemeinden namentlich des südlichen Theiles der Provinz,! waren erschienen und auf besondere Einladung auch H. v. Gagern, Wernher von Nierstein und Reh aus Darmstadt. Eine Rede Gagerus namentlich, eine Schilderung der politischen Lage und Die Ausführung, daß jede Gestaltung Deutschlands auf anderer als bundesstaatlicher Grundlage nichts anders sei, als die restaurirte Schwäche und Schmach der alten Bundesversammlung, fand stürmischen Beifall. Die Versammlung votirte schließlich eine Adresse an die Staatsregierung, welche die Bitte stellt: „Die großh. hessische Regierung möge, insoweit noch möglich, durch eifrige Betreibung des Abschlus-j ses des engeren deutschen Bundes nach Maßgabe der in Vereinbarung mit dem Erfurter Parlament festgestellten Reichs- verfassung, die Nachtheile wieder abzuwenden suchen, welche durch die von ihr mitverschuldete Verzögerung dieses Abschlusses der deutschen Einheitsbestrebung drohen; und zu dem Ende namentlich für die Verhandlungen des Bevollmächtigten-Kongresses zu Frankfurt, nach Maßgabe Der Uebcreinkunft instrui- un, welche zwischen Den Unionsregierungen für diese Verhandlungen in Berlin getroffen worden ist." Heute wird Die Adresse von einer eigenen Deputation in Darmstadt persönlich übergeben werden. (D. 33
Mainz, 29. Mai. Die Assisenverhandlungcn über den rheinhessischen Freischaarenproceß, in welchem täglich von Morgens 8 Uhr bis Nachmittags 4 Uhr mit kleinen Unterbrechungen Zeugen gehört werden, fesseln wegen der meist nicht jetzt inhaltreichen Aussagen der Zeugen die öffentliche Aufmerksamkeit weit weniger, als im Anfänge Der Procedur. Diese Auf- meiffamfcit wird höchst wahrscheinlich erst wieder bei den demnächst zu eröffnenden Debatten zwischen Anklage und Vertheidigung in Anspruch genommen werden. Die heutige Sitzung begann mit der Vernehmung Der über die Wirksamkeit der rtzeinhcssischen Freischaaren zu Kirchheimbolanden vorgeladcncu Zeugen. Dieselben Deponiten besonders über die ^bätigfnt des daselbst unter Leitung von Zitz und Bamberger konsii- tuirten rheinhessischen ProvinziaÜomitë's. Eine Reihe von Zitz, Bamberger und dem ehemaligen Reichstagsabgeordneten Schütz erlassene Proklamationen werden verlesen. Nach diesem An- klagcpunkte wurde das Zeugenverhör über die Thätigkeit der Freischaaren zu Ludwigshafen fortgesetzt. Um 4 Uhr Nach-