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Keue Hessische Zeitung.

Organ der konstitutionellen Partei.

Zonnabend, 1. Juni 1850. ^F 233« Abend-Ausgabe.

Diese Zeitung erscheint mit Ausnahme der Sonntage und Sonnabende täglich zwei Mal. Sonntags wird ein Unterhaltungsblatt .gegeben. Die Morgen-AnSgabe wird von 7,11 bis 12 Uhr, die Abend - Ausgabe in Kassel von 5 bis 7 Uhr erpedirt. Sonnabends folgt die Ausgabe nur Abends, Sonntags nur Morgens. Man abonnirt bei allen löblichen Postämtern, in Süffel in der Luckkardt'schen und zollmann'schen Buch - und Kunsthandlung. Der Abonnemcntspreis beträgt halbjährlich 3 Thir., vierteljährlich 1 Thir. 15 Sgr., wofür ilc kurhtssischen Postämter das Blatt ohne Aufschlag liefern. Anzeigen werden mit 1 Sgr. für den Naum einer Pelitzeile berechnet.

Haffenpflugs Siege und Thaten.

Wcr es noch nicht weiß, was für eine Großmacht unser wsscn durch Hassenpflug geworben, welch' einen Schatz unser )essen an Hassenpflug besitzt, welche Thaten in Europa unser )essen durch Hassenpflug schon vollbracht hat, der gehe in und unterrichte sich im Hessischen Volksfreunbe. Hessen ätte das Bündniß vom 26. Mai gebrochen? Thorheit. Dessen hätte sich beim Berliner Fürstentag um Ansehn und Kredit gebracht? Böswillige Verläumdung. Hessen arbeitete >aran, sich und Deutschland wieder in die alte schimpfliche Abhängigkeit unter Oesterreich zurückzubringen? Gräßliche Entstellung der Thatsachen. Folgendes ist die deutsche Ge- chichte seit zwei Monaten, wie sie ber Hessische Volksfreund riebt und beschrieben hat: Vor Hassenpflug schleppte sich dessen in elender Abhängigkeit, Hassenpflug hat ihm eine elbststänvige und überall siegreiche Politik gegeben. Hassen- >flug verlangte am 13. April, daß von einer Bloc-Annahmc glicht die Rede sein dürfe. Preußen gab nach, daß der Bloc- Annahme keine Folge gegeben werde. Hassenpflug verlangte n Berlin, daß die Unionsstaaten die frankfurter Versammlung »eschicken sollten. Preußen gab nach, und die Unionsstaaten eschicken Frankfurt. Hassenpflug verlangte in Berlin, daß )ie Unionsverfassung nicht in bas Leben treten sollte. Preu­ßen gab nach, unv Die Verfassung ist nicht publicirt worben. Also überall Sieg unb Ehre bei Hassenpflug, er hat geschla- ;en wie ein Mann, mögen Die Narren sich bewegen.

Schade nur, daß in diesem Register von Heldenthaten nne kleine Lücke ist. Jedermann wußte schon vor Monaten, daß die preußische Regierung, sei es aus Rücksicht auf gewisse königliche Stimmungen, sei es bewogen durch gewisse sehr ernstliche Manifestationen des Auslandes, keinen ihrer Ver­bündeten, wenn er vertragsbrüchig würde, zur Erfüllung des Vertrages zwingen würde. Der König selbst eröffnete den Fürstentag mit Der Erklärung, jeder möge nach freiem Willen seinen Entschluß fassen, er aber rechne auf die Ehre und Treue Der deutschen Regierungen. Der Muth und Die Kraft Der Widerspenstigen hatte also von vorn herein nur das eigne Ehrgefühl und Die eigne Vertragstreue zu überwinden. Diesen Sieg hat Die hessische Regierung, und wie es scheint mit leichter Mühe, errungen.

Aber sie hat ja, ruft Der Volköfreunv, den Vertrag gar nicht gebrochen, sie hat ja ausdrücklich an Dem Bündniß vom 26. Mai festgehalten. Freilich wohl, ihre Ehre hat ihr eine solche Versicherung Der Bundestreue verstattet, nachdem sie Alles gethan, um Den Zweck den Bundes zu ruiniren. Das Bündniß lautet auf gegenseitige Unterstützung, um dadurch im Stande zu sein, einen festen Bundesstaat in vas Leben zu rufen. Alle sonst Betheiligten haben das Mögliche für diesen Zweck gethan , Alles ist geordnet und bereit zur letzten Voll­ziehung , da erklärt Hassenpflug : auch keinen Titel Der Bun­desverfassung werde er verwirklichen lassen aber am Bünd­niß halte er fest, nämlich: preußische Unterstützung gegen et­waige Revolution wünsche er doch zu genießen, sei auch des großmüthigen Willens, Preußen nöthigen Falles eine gleiche Unterstützung nicht zu versagen.

Das also sind Die Thaten unserer kräftigen, treuen unD specifisch - christlichen Regierung. Preußen als einzelne Groß­

macht hat geringen Schaden davon, da das Bündniß vom 26. Mai ihm auch in Dem Hassenpflug'schcn Umfang immer noch Den Heerbefehl über Die hessischen Truppen läßt und es zum Einschreiten bei jeder revolutionären Regung berechtigt. Wenn Der Abg. Cöster bei einer neulichen Verhandlung zwei­felte, ob hessischer Seits hier ein wirklicher und totaler Ver­tragsbruch vorliege, so möge er sich bei Dem Volksfreunbe darüber belehren, baß Der Bruch freilich nur ein halber ist. Die preußische Militärgewalt des Bündnisses ist wohl bewahrt, gebrochen ist nur Die gesetzliche Regelung und Die parlamen­tarische Kontrole derselben, wie die Unionsverfassung sie ent­halten sollte.

Deutschland.

Berlin, 27. Mai. (W.-Z.) Aus Hannover, aus Sachsen, ja selbst aus Oesterreich schallen Stimmen zu uns herüber, welche Preußen ermahnen und beschwören , rücksichtslos und unbeirrt fein Ziel zu verfolgen, Der naturgemäßen Gestaltung könne Der Anschluß Der Fehlenden und die Anerkennung des Auslandes nicht entgehen: statt dessen erleben wir, baß Der Löwe sich vor Der Maus fürchtet, und daßKurhcsscn benVer- walkungsrath und den Kongreß stört, ohne sofort aus ber Ge­meinschaft Der Unionsregierungen ausgeschlossen zu werben. Gegenwärtig sieht man freilich zu spät ein, vaß Kur­bessen und sein Vertreter mit Der eisernen Stirn von dem Berliner Kongresse, Dem cs durch seine gleichzeitige Betheili­gung an Der Frankfurter Zusammenkunft offenen Hohn sprach, sofort hätte exkludirt werden müssen, was zugleich das einzige Mittel war, um die kurh. Regierung, Die mehr Uebermuth als Muth besitzt, bei Dem Bündnisse festzuhalten. Es fehlt unse­rer Regierung nicht an Ehrlichkeit unv gutem Willen, wohl aber an Dem wahren Muth, Der durch Nichts ersetzt wer­den kann.

Berlin, 28. Mai. Die Weser-Zeitung schreibt: Hr. Hassenpflug hat sein Portefeuille unter Der ausdrücklichen Be­dingung und zu Dem Zwecke übernommen, Kurhessen von Der Union zu befreien, so daß er in dem Augenblicke, wo sich Die Nothwendigkeit für Den Kurfürsten heraussteUl, bei ihr zu ver­harren, zurücktreten muß.-- Leider war Der General v. Wrangel der Einzige, Der den Hrn. Hassenpflug richtig und gebührend behandelte, während alle Well ihn schonte. Auf einem großen Diner, das in Den Tagen des Kongresses statt­fand, halle Der König bestimmt, daß ihm Gras Brandenburg und General v. Wrangel gegenüber sitzen sollten; der Hr. H. drängte fiel) aber zwischen Beide zum großen Aerger des alten KavalleritgeneralS, Der dafür sein Müthchen an ihm kühlte. Nun Hr. H., sagte er, jetzt zeigen Sie einmal, ob Sie dank­bar sind, Sie sind ja Preußen so sehr zum Danke verpflich­tet!" Aus diese Worte folgten noch andere derbere Aeußerungen, und als Hr. H. seinen Nachbar durch eine Prise Tabak begütigen wollte, erwiderte dieser:Von einem Manne, wie Sie, nehme ich keinen Tabak." Der Kongreß aber ließ den Störenfried rubig in seiner Mitte, statt ihn auszuschließen, was Die Ver­treter Der kleinen deutschen Staaten namentlich sehr bereuen. Der kurhessischen Kammer gedenkt er bis auf das Aegßerste Trotz zu bieten. Da Die direkten Steuern nur einen unbe-