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materiellen Fragen zu. Oesterrrichische Blätter mußten wie- derhelt zugestehm, Preußen bade die vortrefflichste Propaganda in den bisher großdeutschen Staaten durch seine Abänderungs- Vorschläge des Zolltarifs gemacht. Jetzt beabsichtigt Oesterreich nach dem Beispiel Preußens in den Donaufürstenthümern ebenfalls neue Konsulate zu errichten. (C. 3 )

Berlin, 29. Mai. Der Br. Ztg. wird von hier eine Verfügung des protestantischen Oberkonsistvriums in Baiern, die deutsch-katholischen und frei-evangelischen Gemeinden betr., mitgetheilt, nach welcher erklärt wird, 1) daß die evangelische Kirche in Baiern mit ihnen in Glaubensgemeinschaft nicht stehen kann, 2) die von ihnen vollzogene Taufe auch als eine christliche Taufe nicht anerkannt werden könnte, sondern es muß eine solche erst an denen vollzogen werden, welche in den ge­nannten Gemeinden getauft, später zur evangelischen Kirche übertreten wollen, 3) daß die Glieder dieser Gemeinden auch bei der Taufe eines der evangelischen Kirche angehörigen Kin­des als Pathen nicht angenommen werden können. Aus zu­verlässiger Quelle erfahren wir, schreibt der Korrespondent weiter, daß die Abtheilung für die inneren evangelischen Kir­chensachen bei dem Ministerium der geistlichen rc. Angelegen­heiten die Konsistorien der Monarchie unter Mittheilung der vorstehenden Verfügung des protestantischen Oberkonsistoriums in München veranlaßt habe, sich über dieselbe gutachtlich zu äußern, um dann beurtheilen zu können, inwieweit sich etwa auch im preußischen Staate zu einer ähnlichen Verordnung das Bedürfniß Herausstellen möchte.

— Die elektro-magnetische Telegraphen-Linie zwischen Ber­lin und Breslau wird vom 1. Juni d. J. ab der Privat­benutzung des Publikums übergeben werden.

Dresden, 28. Mai. Der hiesigen Freien Gemeinde war, wie schon berichtet, vom Befehlshaber der bewaffneten Macht die Abhaltung einer Erbauungsstunde verwehrt worden. Ihre am 5. April beim Kultusministerium darüber geführte Beschwerde ist von demselben unterm 13. Mai abgewiesen worden, theils wegen ermangelnder Kompetenz, theils „weil weder die hiesige, noch andere nach den altenburger Satzungen begründete Freie Gemeinden als Religionsgesellschaften ange­sehen werden könnten". (D. A.Z.)

Dresden, 29. Mai. Die Stellung des Ministeriums zu den Kammern ist leider mit einem Male wieder eine fehr- trübe geworden, und die Veranlassung dazu ist die deutsche Verfassungsfrage. Die zweite Kammer hat nämlich bereits in mehreren geheimen Sitzungen hintereinander die auf die be­kannte Staatsanleihe bezüglichen Regierungsvorlagen berathen. Die Lage der Dinge war für die Regierung im Allgemeinen eine günstige, denn trotz der Einrede der Opposition und der dazwischengeworfenen Anträge der Linken wäre, wie man er­fährt, die Bewilligung ausgesprochen worden. In der gestri­gen Satzung des deutschen Ausschusses soll nun aber Staats­minister v. Beust eine Erklärung des wesentlichen Inhalts ab­gegeben haben, daß von Seiten des Frankfurter Staatenkon­gresses ein deutscher Verfassu^gSentwurf ausgehen werde, und daß bei dessen etwaniger Verwerfung die Regierungen de jure berechtigt und verpflichtet seien, den Status quo ante auf der Basis der Verträge von 1815 wiederherzustellen. Ich weiß nicht, wie viel ober wie wenig Wahres an dieser mir aus verläßlicher Quelle zugegangenen Mittheilung ist, Das aber ist Thatsache, daß heute früh, wo abermals eine geheime Siz- zung Statt finden sollte, unter den Mitgliedern der zweiten Kammer in Folge dieser Erklärung eine nicht geringe Aufre­gung herrschte, daß man von einer Nichtbewilligung der An­leihe sprach und daß der Präsident der zweiten Kammer eine längere Unterredung mit dem Finanzminister gehabt hat. Man trennte sich nach einer kurzen Besprechung und beraumte auf morgen eine anderweite geheime Sitzung an. (D.^A.Z.)

Mainz, 28. Mai. Auch heute wurde in der Sitzung des Assisenhofs die Vernehmung der in dem Freischaarenpro- ceß vorgeladenen Zeugen fortgesetzt. Nachdem noch mehrere derselben über die gestern angebeuteten Anklagepunkte sich aus­gesprochen hatten, wurde die Instruktion über den 15. An­klagepunkt begonnen. Dieser begreift die Wirksamkeit der zu

Kirchheimbolanden am 12. Mai eingcrückten Freischaaren, und des daselbst ans den Angeklagten Zitz und Bamberger gebil- - deren Konüte's, die Provinz Rheinhessen für die Sache der Freischaaren zu gewinnen. Das angegebene Konnte soll nach dem Inhalt der Anklage in Verbindung mit den pfalzbaieri- schen und badischen revolutionären Behörden aus allen Kräften dahin gewirkt haben, die Provinz Rheinhessen zu insurgiren. Einige der anwesenden Angeklagten befanden sich damals unter den Freischaaren ju Kirchheimbolanden , welche diese Stadt okkupirt hatten und vollständig beherrschten. Namentlich soll einer der Angeklagten bei diesen Freischaaren als „Auditor" ■ thätig gewesen sein. Die Anklage erkennt hierin das Ver- ; brechen der Vorbereitung des Hoch- und LanbesverrathS, in- ; soweit man die Provinz Rheinhessen für die baierische Revo- ; Union gewinnen wollte, und in der Besetzung von Kirchheim- ! boianden, sowie der dortige Friedensrichter und Polizeikom- missär werden über diesen Anklagepunkt verhört; sie machenr interessante Mittheilungen über die Wirksamkeit der Frcischaa- ren in jener Stadl. Erpressung oder Gewaltthätigkeiten wur­den, nach den Aussagen dieser Zeugen, von den Freischaaren nicht verübt, sowie auch beide Zeugen über die Wirksamkeit der anwesenden Angeklagten, wie solche im Anklageakt geschil­dert ist, nur sehr wenig wissen. Mehrere von dem genannten Comite zu Kirchbeimbolanden an die Bewohner der Provinz Rheinhessen erlassene Proklamationen werden verlesen, und um 4'/2 Uhr Nachmittags die Sitzung geschlossen. (OPAZ.)

Nastatt, 26. Mai. Mit Genehmigung des Gouver­neurs hat der hiesige Festungskommanvant durch öffentlichen Anschlag an den Straßenecken zur allgemeinen Kenntniß ge­bracht, daß zehn Personen, welche namentlich aufgeführt sind, mit vierwöchentlicher Gefängnißstrafe in den hiesigen Kasemat­ten belegt worden sind, theils weil sie nach der Melodie des sogenannten Heckerliedes gesungen und auf Hecker ein Lebehoch ausgebracht, theils weil sie revolutionäre Abzeichen an ihrer Kleidung getragen haben. Drei andere Personen sind auf 8 Wochen in die Kasematten gekommen, weil sic in noch aus- ' gedehnterem Maße an den genannten verbotenen Handlungen sich betbeilißt haben. (K. Z.)

München, 27. Mai. Ministerpräsident v. d. Pfordten hat von Sr. Maj. dem König von Griechenland das Groß­kreuz des Erlöserordens, Ministerialdirektor v. Bever das Kommenthurkrcuz und Ministerialrats) Hr. Pfeufer das Ritter- kreuz des Ordens der württembürgischen Krone ei halten.

Oesterreich.

Wien, 26. Mai. Der Zweck der Reise des Fürsten Schwarzenberg nach Warschau ist — „den Czaren zu be­grüßen". Eben denselben Zweck hatte auch die Reise dessel­ben Staatsmannes nach Warschau unmittelbar nach der Thron­besteigung des Kaisers.

— Der „Wanderer" schreibt aus Triest : Bei dem Schein­gefechte (bis jetzt hatte unsere Flotte noch wenig Gelegenheit, andere Gefechte zu bestehen) auf der Höhe vonPirano befand sich das Dampfboot, welches Sc. Majestät den Kaiser trug, mitten im Kampfe, da sauste eine Kugel über den Kopf des Monarchen dahin. „Die pfeift gut," sagte er unbefangen zu den neben ihm stehenden Adjutanten. Im Eifer des Befehls hatte man (man nennt die „Karoline") vergessen, eine Kugel auö den kleinen Drehbüchsen zu ziehen.

— Aus Debreczin , 14. Mai, wird dem Magyar-Hirlav mitgetheilt, daß es den energischen Bemühungen der Militär- und Civilbehörden endlich gelungen ist, in der ganzen von Räubern so sehr beunruhigten Gegend die vollständigste Sicher­heit der Person und des Eigenthums wieder herzustellen.

Wien , 27. Mai. Man behauptet, daß in der letzten Ministerkonfcrcnz entschieden worden ist, bezüglich Ungarns an dem Principe der Centralisation festzuhâUen und den Wün­schen der altkonservativen Partee keine Koncessionen zu machen. Diese Behauptung wird von anderer Seite durch Hinweisung auf die Unmöglichkeit widerlegt, daß die Regierung Die Un-^ ausführbarkeit ihres ursprünglichen Planes noch übersehen könne. Wir sind nicht in der Lage, zu beurtheilen, welche Behaup­tung die richtige sei, wir glauben aber, daß man eine Ent-