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Reue Hessische Zeitung.

Organ der konstitutionellen Partei.

vertag, 31. Mai 1850. ^V? 231. Morgen - Ausgabe.

Diese Zeitung erscheint mit Ausnahme der Sonntage und Sonnabende täglich zwei Mal. Sonntags wird ein Unterhaltungsblatt -igcgcben. Die Morgen-Attsgabe wird von */2ll bis 12 Uhr, die Abettd - Attsgabe in Kassel von 5 bis 7 Uhr erpedirt. Sonnabends folgt die Ausgabe nur Abends, sonntags nur Morgens. Man abonnirt bei allen löblichen Postämtern, in Kassel in der tilldfbarbtf^en und tollmann schen Buch - und Kunsthandlung. Der Äbonnemcntspreis beträgt halbjährlich 3 Thlr., vierteljährlich 1 Thlr. 15 Sgr., wofür le kurhessischen Postämter das Blatt ohne Aufschlag liefern. Anzeigen werden mit 1 L-gr. für den Raum einer Pctitzeile berechnet.

Deutschland.

Kassel, 30. Mai. Se. Hochfürstl. Durchlaucht der andgraf Wilhelm von Hessen ist gestern hier angekommen nd im Schlosse Bellevue abgestiegcn. (K. A.Z.)

Berlin, 28. Mai. Man erfährt, daß in Betreff des lttentats auf den König auch die Behörden bereits eine an- ere Auffassung der Sachlage gewonnen haben. Sorgsame nd gewissenhafte Untersuchung hat gezeigt, daß auch in iesem Falle die weit verzweigten Komplotte und Verschwö- ungen nichts weiter als Phantome der politischen Gespenster- cherei und Phantasmagorien dummer oder betrügerischer Spione sind. Von Allem, was der Zuschauer der Neuen preußischen Zeitung in dieser Sache wieder mit unheimlicher, kelerregendcr Geschäftigkeit und Fruchtbarkeit enthüllt hat, be­tätigt sich nicht das Mindeste. Die Unzahl von Haus­uchungen, die meist auf grundlose Denunciationen hin vor- enommen wurden, haben keinerlei Resultat gegeben, und auch er letzte Anker der nach Ordonnanzen schreienden Reaklions- resse, der angebliche Ruf Sefeloge's im Augenblicke seiner that :Es lebe die Freiheit!" ist ihren Händen entwunden. Lin Mann, Der unmittelbar hinter dem Mörder stand, hat ich dem Staatsanwalt gegenüber zu der eidlichen Aussage er- oten, daß Sefeloge keine Silbe gerufen, sondern sein Ver- rechen im tiefsten Schweigen verübt habe. Dieser Zeuge ist in geachteter konservativer Bürger aus Potsdam. Die Wehr- Leitung bringt über die Umstände, welche unmittelbar auf ?aS Verbrechen folgten, einiges Detail. So erzählt sie: Als ?er Prinz Adalbert in dem Verhörzimmer erschien, sank der üs dahin ruhig und gefaßt scheinende Sefeloge zerknirscht auf ne Knie. Auf die Frage eines der Schutzmänner, was ihn zu der grausamen That veranlaßt? antwortete er : Man hat mich zu sehr maltraitirt! (Welcher Vorgesetzte in der Armee, fragt hier das militärische Blatt, kennt diese Klage aller schlechten Subjekte nicht?) Kaum in das Wachtzimmer der Lisenbahn-Polizeimannschaft geschleppt, erzählt die Wchr-Ztg. ferner, noch halb bewußtlos von den Mißhandlungen, die eine verzeihliche, aber unkluge und übereilte Volksjustiz an ihm verübt, rissen die Konstabler dem Verbrecher die Uniform mit den Worten herunter: Ein solches Scheusal ist nicht werth, die Uniform des Königs auch nur für einen Augenblick länger zu tragen! Uebrigcns urtheilt dieses Blatt mit soldatischer Besonnenheit. Es erklärt, sich alles Kombinirens über das Vorhandensein politischer Motive enthalten zu wollen.Wir wollen das Ergebniß der Untersuchung abwarten, um auch gegen den offenkundigen Verbrecher nicht ungerecht zu sein", eine Besonnenheit und Zurückhaltung, die sich die Kreuzzeitg. und die Deutsche Reform zum Muster nehmen sollten. Wenn es wahr wäre, was behauptet wird, daß die Wehr-Zeitung als das Organ des Prinzen von Preußen angesehen werden dürfe, so würde diese Art, sich über den politischen Charakter des Ereignisses zu äußern, erfreuliche Konsequenzen gestatten.

In der Stadt ist seit gestern ein Gerücht in Umlauf, nach welchem mehrere Armeekorps mobil gemacht und bedeu­tende Truppenmassen an der schlesisch-böhmischen Grenze aus­gestellt werden sollen. (Lith. Nachr.)

Berlin, 28. Mai. (W.-Z.) Am zweiten Pfingstfeier­tage fand hier ein Minifterrath Statt, dessen Resultat eine

percmtorische Note an das Wiener Kabinet in Betreff der Vollmachten des Grafen Thun war. Beide Theile drohen, und wer den längsten Athem hat, trägt den unblutigen Sieg davon. Man spricht hier von der Mobilmachung der Garden und der Ausstellung eines Korps an der sächsischen und schle­sischen Grenze. Sollte dieß wirklich geschehen, so müßte die Landwehr wieder einberufen werden; denn unser stehendes Heer beträgt nur 120,000 Mann, von denen 22,000 Mann in Baden sind und etwa eben so viel die kaum entbehrliche Besatzung der Hauptstadt bilden. Die Andeutungen anderer Briefe und der heutigen Abendblätter über die angeblich be­schlossene Mobilmachung von 4 Armeekorps halten sich gleich­falls in dieser unbestimmten Allgemeinheit. DieVoss. Ztg." sagt, die Armeekorps würden durch Einziehung der Reserven verstärkt.

Berlin, 29. Mai. Der König wird auf einen abgeän­derten Rath seiner Aerzte vorläufig noch in Charlottenburg bleiben und erst, wenn die Genesung weiter vorgerückt ist, mit dem Hofpersonal nach Sanssouci übersiedeln. Der Ver­lauf der Heilung der Wunde ist regelmäßig. Der König soll, wie man hört, bei heiterer Laune sein und sogar seine nächste Umgebung, welche durch das Attentat noch immer sehr nieder­gebeugt ist, in liebenswürdiger Weise aufzuheitern wissen.

Die Vossische Zeitung berichtet: Im Staatsministerium ist, wie uns aus bester Quelle soeben zugeht, beschlossen wor­den, sämmtliche Arbeitervereine aufzulösen.

Eine eben erschienene staatsrechtliche Abhandlung des Freiherrn Hugo v. Bülow stellt sich die Aufgabe, die rechtliche Stellung der deutschen Union im deutschen Bunde zu ent­wickeln. Die Darlegungen des Herrn v. Bülow fußen auf dem Boden der positiven Gesetze, wie er durch die Bundes­akte, die Wiener Schlußakte und die Bundesgesetzgebung bis zum Schlüsse des Jahres 1848 fcstgestellt worden ist. Es wird dabei von der Alteration, die das Bundesrecht, wenig­stens das innere, seit 1848 erfahren hat, abgesehen,um den Gegnern jeden auch nur scheinbaren Einwand, den man der Union gegenüber aus dem alten Bundesrecht entnehmen dürfte, abzuschneiden." Herr v. Bülow, der, wenn wir nicht irren, im literarischen Kabinet des Staatsministcriums angestellt und der Sohn des bekannten Obersten v. Bülow ist, der sich seit Jahren durch seine lichtfreundlichen Jnserta zu Gunsten der religiösen Bewegung in oen Berliner Zeitungen bekannt ge­macht hat, ist ein hoffnungsvoller junger Publicist, der schon durch frühere Arbeiten die Aufmerksamkeit auf sich ge­lenkt hat.

Berlin. Büllctins über das Befinden Sr. Majestät des Königs: Der Zustand Sr. Maj. des Königs ist diesen Abend in jeder Beziehung ebenso befriedigend, wie am heutigen Mor­gen. Schloß Charlottenburg, am 28. Mai, Abends 9'/^ Uhr.

(gez.) Schönlein. Grimm. Langendeck.

Se. Majestät der König haben die ganze Nacht ruhig ge­schlafen und sind frei von Fieber. Geschwulst und Schmerz­haftigkeit haben sich vermindert, Aussehen und Absonderung der Wunde sind zufriedenstellend. Schloß Charlottenburg, am 29. Mai, Morgens 10 Uhr. (gez.) Schönlein. Grimm. L a n g c n b e ck.

Berlin, 29. Mai. (Pr. St. A.) Dem Vernehmen