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stungen und zur Verstärkung der Festungs - Artillerickompag- nieeu, so wie wegen Einberufung der Reservemannschaften der Infanterie mebrerer Armeekorps unv wegen Beschaffung eines Theils der Pferde für die Bespannung der Artillerie, der Munitionskolonnen und des Trains der betreffenden Truppenkorps ergangen sein. Ausdrücklich müssen wir jedoch bemerken, daß, wie uns versichert wird, diesen Rüstungen noch keine bestimmte Kriegsgefahr zum Grunde liegt, vielmehr dieselben nur darauf berechnet sind, allen Eventualitäten, deren Möglichkeit bei dem Zustande des Auslandes und gegenüber den obschwebenden Tagesfragen nicht ganz fern liegt, kräftig ent- gegentreten zu können. — Die Truppen des russischen ersten Armeekorps sind Berichten von der Grenze zufolge in voller Bewegung, um sich in der Gegend von Suwalki zu koncen- triren. Man hört dieselben oft in der Nähe der Grenze im Feuer exerciren. Ueber den Tag der von Sr. Majestät dem Kaiser abzuhaltenden Heerschau verlautet noch nichts Bestimmtes. — Am 18. Vormittags ist die an der Chaussee von Warschau nach Kownow, nur ’/4 Meile von der Grenze gelegene S'avr Raygrod fast ganz nievergebrannt. C. C.
— Sülletill über das Befinden Sr. Majestät des Königs. Der Zustand Sr. Majestät des Königs ist diesen Abend in jeder Beziehung eben so befriedigend, wie am heutigen Morgen. Schloß Charlottenburg, den 28. Mai 1850 (AbendS 9*/4 Uhr), (gez.) Schönlein. Grimm. Langenbeck.
Frankfurt, 28. Mai. Der Korresp. vom Main, welcher die preußischen Leitartikel der Oberpostamts-Zeitung schreibt, läßt sich also vernehmen: Vom Main, 26. Mai. Der Vorschlag, die neue deutsche Centralgewalt, das Direktorium, in neun Stimmen mit sieben Abtheilungen zu legen, soll, wie verlautet, an manchen Orten Beifall finden, wie dieses nicht anders zu erwarten war, weil er gegen Preußen gerichtet ist. Daß eine solche Idee, die von München ausge- gangen ist, als eine Nachgiebigkeit gegen Preußen geschildert werden könne, hätten wir nicht erwartet und nur die „Augsburger Zeitung" konnte so etwas äußern lassen. Zunächst fragen wir, weßhalb sieben? Welche Gründe liegen vor, die Mehrzahl der deutschen Staaten, den von Wien aus so oft angerufenen Verträgen von 1815 zuwider, auszuschließen und sie zu dem zu machen, was sie nicht sein sollen, sie, wie der geehrte *||* Korrespondent sagt, „aufhören" zu lassen, „Mitglieder deö deutschen Bundes zu sein". Das Recht spricht nicht dafür, das Interesse Preußens, Norddeutschlands, ja ganz Deutschlands dagegen. Der Münchener Plan, der offenbar nur ersonnen ist, um die Union zu einer Unmöglichkeit zu machen, zerreißt die historischen und geographischen Beziehungen Deutschlands, bildet ganz ungleiche, unzweckmäßige, unhaltbare Gruppen, vielleicht im Interesse prcußcnfeindlicher Kabinete, gewiß zum Nachtheile der deutschen Nation, welche bei diesem Sieben-Direktorium mit neun Stimmen oft genug erleben würde, daß, wo es höhere deutsche Fragen gibt, Preußens zwei Stimmen von den übrigen 7 zum Stillschweigen gebracht würden. Unmöglich kann die deutsche Nation beabsichtigt haben, daß es dahin komme, und man den ganz deutschen Staat, der Opfer in Menge für die große deutsche Sache gebracht hat, vernichte — zu Gunsten derer, von welchen aus vielfachen Bezügen weit weniger zu erwarten ist. Weßhalb will Baiern eine Stimme für sich allein haben? Ist dieses geistig und materiell überaus bedeutungsrciche Nord- deutschland so gering, daß Hannover mit den beiden Mecklenburg, Oldenburg, Holstein, Lauenburg, den drei Hansestädten, Braunschweig und den beiden Lippe auch nur eine Stimme haben soll? Gehen wir der Wahrheit ganz nahe, so ist dieser Theil Deutschlands wichtiger und nützlicher für Deutschland , als andere aus den verschiedenartigsten Elementen für den Augenblick zusammengesetzte Staaten. In einer Zeit der Gefahr steht dieses Hannover fester als Baiern: in Rücklicht des Nationalreichthums wird sich das verarmte Baiern doch wohl nicht mit Hamburg, Bremen, Mecklenburg, Holstein, man möchte sagen, unerschöpflich reichen Landstrecken, messen wollen, abgesehen von den Häfen, die diese Staatengruppe an Ost- und Nordsee besitzt, und mit Rücksicht auf die „Union" stellt
man das von dieser abgesallene Hannover an die Spitze von lauter Unionsstaaten, denen die Stimme fehlen soll. Schlau ausgefounen — doch gibt eS noch immer Rechenmeister, welche solchen Kalkül zu prüfen im Stande sind. Das Siebener- Direktorium ist eine Münchener Idee, cum approbatione...., welche Deutschlands Schwerpunkt ganz nach dem Süden, höchstens noch etwas nach Mitteldeutschland verlegen will, absichtlich ersonnen, um Preußens Einfluß zu schwächen und die Union zu bekämpfen, ohne deren Zustandekommen nichts ausgerichtet wird; es i|t ein Plan , welcher, schärfer ins Auge gefaßt, die baierische Hegemonie über Deutschland begründen will, und von dem man sagen darf, daß er nicht nachmärzlich, sondern schon 2'/2 Jahrhunderte alt sei. Es genügt die Notiz, daß vieler Plan von München ausgegangen, um zu wissen, welche Nachgiebigkeit gegen Preußen darin liegen kann, wie schon die absichtliche Unterordnung Badens unter das unionsfeinvliche Württemberg zeigt, als' ob man nicht wüßte, daß der preußische Einfluß in Karlsruhe, der in dem von Preußen geretteten Baden leicht begreiflich ist, in gewissen Kreisen an der Isar zu Zornesausbrüchen verlockt. Preußen kann sich nur entschieden gegen die Bildung eines solchen Bundesorgans aussprechen: alle norddeutschen Staaten würden sich in ihrem Interesse verletzt fühlen ; die deutschen Handels- und VerkehrSfragen unterlägen dem Einflüsse der Süßwasser- politiker, die deutsche Geistesfreiheit würde von Altbaiern aus geschult; in Wien bat man für die österreichische Gesammt- monarchie hinlänglich zu sorgen, und so käme es allmählich dahin, daß aus der Sérénissime confédéralion germanique eine Bavaroise würde. Allen Respekt vor ter „Courtoisie“; aber so wie man in Baiern eine Walhalla angelegt hat, in welcher Luther fehlte, so scheint man jetzt dort gesonnen zu sein, einen Neubau zu errichten, in welchem die Germania nicht zu finden sein wird. Wie ganz anders ist der deutsche Gedanke der Union! L’union fait la force.
Nèünchen , 25. Mai. Der Abg. Kolb hat in Betreff der Entlassung der fünf freierer Stavträthe eine Interpellation an das Gesammtstaatsministerium gerichtet.
Schweiz.
Bern, 25. Mai. Die Zahl der deutschen Flüchtlinge, welche sich noch im Kanton Bern aufhält, ist sehr gering. Von den gewesenen Parlamentsmitgliedern ist noch Simon Treir, Rcinstcin und Vogt hier; die beiden Ersteren werden Bern bald verlassen, Letzterer beschäftigt sich mit wissenschaftlichen Arbeiten. Dr. Löwe hat seinen Wohnsitz nach Neuen- bürg verlegt; Nauwerk ist mit seiner Familie nach Zürich ge-- reist, Hartmann ist nach London, Rösler nach Amerika gc- * gangen.
Italien
Turin, 22. Mai. In der gestrigen Sitzung des §e- ~ nats wurde die andere Abtheilung der Siccardi'schen Gesetze angenommen, und zwar mit 30 gegen 18 Stimmen, das Gesetz, wonach allen Gesellschaften und juristischen Personen, gleichviel ob weltlichen oder geistlichen, der Erwerb unbeweglicher Güter ohne erwirkte Zustiminung der Regierung untersagt wird. — Auch der Erzbischof Sassans ist in Genua wegen Widersetzlichkeit gegen das Siccardi'sche Gesetz verhaftet.
Nom, 18. Mai. Nach dem vom Papste genehmigten Plane des Generals Kalbermatten soll das Heer künftig ans 14,000 Mann Linientruppen und 4000 Gendarmen bestehen, die in vier Divisionen gebildet werden. Die Organisirung der Gendarmerie ist dringendes Bedürfniß, um die gänzlich verschwundene Sicherheit in den Provinzen wieder etwas her- zustellen. Hier kann man in dieser Hinsicht nicht klagen. Es sind in den lctztcrn Tagen wieder mehrfache politische Verhaftungen vorgenommen worden. Die französischen Truppen beobachten, besonders seit der Rückkehr des Papstes, 'die trefflichste Disciplin. Dieselben bilden künftig nur noch eine Division von etwa 12,000 M. im Ganzen, von welchen 7000 hier in Rom selbst stehen. (N. M. Z.)
In Nom ist der Priester Grignaschi seiner religiösen Ansichten wegen mit dem Banne belegt worden.