Reue Hessische Zeitung.
Organ -er konstitutionellen Partei.
)onnerstag, 30. Mai 1850. J\g 2^9» Morgen - Ausgabe.
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Deutschland.
Kassel, 29. Mai. Gestern Abend ist Herr v. Rado- >itz hier angekommen und heute morgen mildem ersten Bahn- uge nach Frankfurt weiter gereist.
Berlin, 27. Mai. Dem gestern in der Schloßkapelle u Charlottenburg für die glückliche Errettung des Königs gehaltenen Dankgottesdienst wohnten die Königin und die hier mwesenden Mitglieder der königlichen Familie bei. Der Dberhof- und Domprediger, Ober-Konsistorialratb Dr. Sneth- age hielt Vie Predigt. Auch in der katholischen Kirche wurde ■in Hochamt gehalten. Der Bischof und der Magistrat von Reinster haben, ohne die amtliche Aufforderung abzuwarten, im 26. gleichfalls einen Dankgottesdienst gefeiert. — Die röntgt. Prinzen, welche, wie berichtet, sämmtlich zur Theilnahme an dem von den Kommunalbehörden in corpore besuchten Gottesdienst in der Nckolaikirche eingeladen waren, haben sich schriftlich in sehr artiger Weise entschulvigt, weil sie auf Befehl des Königs an Dem gleichzeitig angeordneten Gottesdienst in der Schloßkapelle zu Charlottenburg Theil nehmen würden. Man erblickte daher außer dem Magistrat und den Stadtverordneten nur den Polizeipräsidenten v. Hinkeldey, den Postdirektor Hrn. Schmückert, Hrn. Bankchef Hansemann, General- lieutenant v. Below und einige andere höhere Beamte. — Heute überreichen Rektor und Senat der hiesigen Friedrich- Wilhelms-Universität Sr. Majestät dem Könige eine Adresse. Der Senat der Akademie der Künste richtete an des Königs Majestät ebenfalls eine Adresse, der sämmtliche Senats-Mitglieder durch ihre Unterschrift beitraten. — Der konservativ- konstitutionelle Hülfs- und Wahlvercin für Berlin hat gestern früh durch seinen Vorstand Sr. Majestät dem Könige eine Adresse überreichen lassen. — Der Mittheilung eines ehemaligen Stubenkamcraden des re. Sefeloge entnimmt Die C. C. Folgendes: Sefeloge hielt wenig Umgang mit den Kameraden. Er lebte sehr abgeschlossen, zeigte große Neigung, für sich allein zu studiren und eine höhere Lebensrichtung anzustreben, als vielleicht seinen Geisteskräften entsprechend sein mochte. Selbst Die wenige der Erholung gewidmete Muße verwendete er zum ötuDiren, weßhalb ihm von Den Kameraden der Spitzname: „der Stillvergnügte" beigetcgt wurde. Trotz seiner Sonderbarkeit und Abgeschlossenheit habe ich jedoch Spuren von Geistesstörung, von fixen Ideen oder excentrischen Projekten niemals an ihm wahrgenommen. (C. 3 )
— Der Redaktion der Nat.-Z. ist ein Schreiben eines Augenzeugen zugegangen, in welchem derselbe erklärt, „vor jedem Richter das eidliche Gclöbniß ablegen zu können, da er hinter dem Mörder stand, daß derselbe lautlos bei der That — lautlos, als die gerechte Wutb aller Umstehenden ihn ergriff und ihn fast schleifend nach Der Schutzmannöwache brachte — sich verhielt, und hier erst auf Die Anfrage eines Herrn vom Hofe „„Wie heißen Sie?"" — durch Nennung seines Namens den ersten Ton von sich gab. Der Einsender hat sich der Redaktion genannt, und ist auch bereits, wie diese in einer Anmerkung sagt, dem Herrn Ober-Staatsanwalt Sethe bekannt.
— (C. V.) Der Treubund veranstaltete gestern sein Fest, vas ursprünglich ein Dankfest für Die Unionsbestrebungcn Der Minister hatte werden sollen, zur Feier Der glücklichen Rettung
Sr. Majestät des Königs aus der Todesgefahr. Erwähnt wird, daß ein Geistlicher im Ornat ausgetreten sei und eine Rede gehalten habe.
Berlin, 27. Mai. (W. Z.) Von zuverlässiger Seite geht mir die Nachricht zu, daß Der Befehl so eben ertheilt ist, vier Armeekorps, das Garde-, 1., 3. und 5. Armeekorps incl. der entsprechenden Artillerie mobil zu machen. Gerüchtsweise wird hinzugefügt, daß in dem Verhältniß zu Oesterreich plötzlich eine Wendung eingetreten sei. Wenigstens wird Preußen den Ernst seines Willens zeigen wollen.
— General v. Below wird heute Abend zum zweiten Male nach Kopenhagen abreisen.
Berlin, 28. Mai. Se. königl. Hoheit Der Prinz Adalbert von Preußen ist nach Posen und Se. Hoh. Der Erbprinz und Ihre königl. Hoheit Die Erbprinzessin von Sachsen-Meiningen sind nach Meiningen abgercist.
— Bülletins über das Besinven Sr. Maj. des Königs. Se. Maj. Der König haben Den heutigen Tag ruhig und fast schmerzensfrei verbracht. Es ist keine Steigerung des Fiebers bemerkbar. Die Beschaffenheit der Wunve ist im Wesentlichen nicht verändert. Schloß Charlottenburg, am 27. Mai, Abends 974 Uhr. (gez.) Schönlein. Grimm. Langenbeck. — Se. Maj. Der König haben Diese Nacht ruhig geschlafen. Vom Fieber sind nur noch leichte Andeutungen vorhanden. Die Anschwellung in Der Umgebung Der Wunde nimmt ab, und letztere ist in durchaus befriedigendem Zustande. Schloß Charlottenburg, den 28. Mai, 9^ Uhr Morgens. Schönlein. Grimm. . Langenbeck.
Berlin, 28. Mai. Die V. Ztg. berichtet, Die Armeekorps würden durch Einziehung der Reserven verstärkt.
Berlin, 28. Mai. Seit mehreren Tagen ist wieder vielfach von einer vermeintlich hier angenommenen österreichischen Note die Rede. Es kann versichert werden, daß diesem Gerücht durchaus keine Thatsache zu Grunde liegt. (D. R.)
— Im Ministerium des Innern haben seit mehreren Tagen Berathungen über etwaige zu ergreifende Maßregeln in Bezug auf Die Excesse der Tagespresse staltgefunben. Auch der Hr. Iustizministcr hat an diesen Konferenzen Theil genommen, Doren Resultat demnächst Dem Staatsministerium ^vorgelegt werden wird. (D. R.)
Hannover, 27. Mai. In der 2. Kammer erinnerte heute Groß daran, daß er schon vor mehreren Wochen Fragen an Die Herren auf Der Ministerbank über die deutsche Frage gerichtet habe, damals habe man eine Antwort in Aussicht'gestellt, sie sei aber noch immer nicht erfolgt. Stüve: Man kann jetzt gar keine Antwort geben. Von den Konferenzen liegen Protokolle vor, mehr als aus diesen Protokollen weiß ich auch nicht von Den Konferenzen. Was die Verhandlungen in Frankfurt betrifft, so beschäftigt man sich Dort mit Dem Entwürfe für eine provisorische Centralgewalt. Groß erklärte, daß er mit dieser Erklärung sich nicht zufrieden geben könne, die deutschen Regierungen sollten wissen, welche Maßregeln zu ergreifen Die Ehre und das Recht der Nation geböten ; eine Negierung aber, Die das begriffen habe, werde sich nicht damit entschuldigen, daß sie von den Angelegenheiten nichts wisse, noch sagen könne. Das deutsche Volk könne verlangen, bei Der Schaffung einer Centralgewalt mitzuwirken.