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Sonntag hier angekommen, um dem König den Dank feiner Regierung für feine Vermittelung in der englisch-spanischen Zwistigkeit auszusprechen. Von Seite Spaniens geschah dieß durch Ritter von Nebiet, spanischen Minister in Brüssel.
Frankreich
Paris, 25. Mai. In der gestrigen Sitzung der Nationalversammlung sprach Hr. Greslan für, Hr. Jules Favre gegen das Wahlreformgesetz. Dann hörte man endlich einmal über den Gegenstand eine staatsmännische, auf den Kern der Sache eingehende, nicht bloß in glänzenden Sentenzen fortschreitende Rede aus dem Munde des Hrn. Thiers, Der auch vießmal sein gewöhnliches geistiges Uebergewicht über die Versammlung behauptete. Unter den heftigsten Ausbrüchen von den Banken der Montagne behielt er unerschütterliche Ruhe genug, um die schönen Redensarten Lamarlinc's auf ihren wahren Werth zurückzuführen. Namentlich ergoß sich seine Beredsamkeit gegen die Hohlheit, Nichtigkeit, Unvernunft und Unbeständigkeit der Volksmasse. Durch die Bemerkung: „Prüft die Geschichte und Ihr werdet sehen, daß es immer die gemeine Menge ist, welche zu allen Zeiten die Freiheit verrathen und hingeopfert hat. Sic überlieferte die Freiheit an Julius Cäsar für Brod und die circensischen Spiele, sie gestattete den Kaisern erst, daß sie die Freiheit schlachteten, um dann die Kaiser selbst zu schlachten. Diese gemeine Menge ist es, welche die Freiheit von Florenz den Medici zu Füßen legte, welche in dem phlegmatischen Holland de Witt und Baple mordete, welche der Hinrichtung der Girondisten Beifall klatschte und sodann sich eben so sehr über Den verdienten Tod Robespierres freute. Es ist die gemeine Menge, welche Napoleon, der sie sehr wohl kannte, erst vergötterte, zum Despotismus trieb und schließlich um len Hals seines Standbildes einen Strick schlang, um es in den Koth zu schleifen", — welche Dem Redner unendlichen Beifall Seilens Der Mehrheit eintrug, — erregte er den Zorn des Volksvertreters, Hrn. Napoleon Bonaparte, der ein sehr gewöhnlicher Lärmmacher ist, in einem Grade, daß die Versammlung diesem mit sehr großer Mehrheit eine Rüge zuerkannte, worauf ein Theil Der Montagne unter lauten Beifallsbezeigungen Der Rechten den Saal verließ, aber nach nicht langer Zeit wieder in Den Saal trat. Hr. Bonaparte erschien mitten unter einer Gruppe, heftig gestikulircnd. Hr. Thiers räumte ihm das Wort ein, worauf Hr. Napoleon Bonaparte im Wesentlichen erklärte: „Ich habe mich leider nicht halten können, als ich hörte, daß Hr. Thiers jenen gegen Napoleons Statue verübten Schimpf dem Volke" (Unterbrechung von der Rechten: „Herr Thiers nannte nicht das Volk, sondern den Pöbel!") „zur Last legte. Es waren Die Royalisten, Die Freunde Der Kosacken, welche das thaten." Nach einigem Hin - und Widerreden und nachdem die Versammlung mit eben so großer Mehrheit wie vorher beschlossen, die Rüge aufrecht zu erhalten, setzte Hr. Thiers, wie schon gestern erwähnt, seine Rede fort. Der Redner, fast ganz erschöpft von seinen Anstrengungen, empfing beim Herunterkommen von der Tribüne die lebhaftesten Glückwünsche der Mehrheit, worauf die Sitzung unter allgemeiner Bewegung um 7'/z Uhr aufgehoben wurde. Auch in der heutigen Sitzung gab die Thierssche Rede Anlaß zu mehreren Gegenbemerkungen und Verwahrungen, unter andern von Seiten Hrn. de Flottes, worauf Herr Leon Fancher als Auöschußberichterstatter das Wort zur Vertheidigung des Gesetzes ergriff. Der erste Artikel des Entwurfs ward nach der Fassung der Kommission angenommen. Derselbe lautet: „Dreißig Tage nach Bekanntmachung des gegenwärtigen Gesetzes soll Die Wahlliste von Dem Maire unter Beihülfe zweier für jede Gemeinde von dem Friedensrichter ernannten und im Kanton domicilirten Abgeordneten aufgestellt werden. Die Abgeordneten sollen das Recht haben, ihre Bemerkungen unter das Protokoll zu setzen. Das Protokoll soll mit der Wahlliste auf dem Sekretariat der Mairie von dem Maire vcponirt werden, um auf Verlangen Jedem zur Einsicht mitgetheilt werden zu können." Cavaignac, Joquerel und Genossen haben ein Amendement eingebracht, welches Jedem am Orte seines gegenwärtigen Domicils zur Ausübung des Wahlrechts befugt, wenn die Dauer dieses
Domicils ein Jahr beträgt und mit Dem vorhergehenden Do- micil zusammen eine Dauer von drei Jahren ausmacht. Einige Konservative haben versprochen, Diesem Amendement, wodurch freilich die ein dreijähriges Domicil an einem Orte fordernde Bestimmung des Entwurfes bedeutend abgeschwächt werden würde, ihre Unterstützung zu gewähren. Es ist übeb- haupt eine große Masse von Amendements eingelaufen. Die Kommission zur Revision des Wahlgesetzes, die vor der öffentlichen Sitzung sich versammelt hatte /faßte einstimmig Den Beschluß, Die Ablehnung aller Amendements, die zum Zweck haben, die Wirksamkeit des Wahlreformgesetzes zu beeinträchtigen, vorzuschlagen. Die Patrie berechnet, daß, wenn man gründlich alle eingebrachten Amendements erörtern wollte, die Diskussion nicht vor dem 15. Juni geschlossen werden könne und hält cs deßhalb bei der raschen Erledigung der Debatten für zweckmäßig, daß der Präsident Dupin sich darauf beschränke, jedes Amendement vorzulesen, ohne eine weitere Entwickelung derselben zuzulassen. — Man sprach von Unruhen, welche in den mittäglichen und östlichen Departementen ausgebrochen seien; diese Gerüchte sind jedoch übertrieben. Es hat sich allerdings eine gewisse Aufregung in diesem Theile Frankreichs kundgegeben, überall hat jedoch die Wachsamkeit der Behörden die Demagogen verhindert, ihre Pläne zur Ausführung zu bringen. Das Ministerium war heute deßhalb versammelt. Es beschloß, kräftige Maßregeln zu ergreifen. Es sind Kommissarien mir außerordentlichen Vollmachten ab» gesandt. — 5proc. Rente 90,80, 3proc. Rente 56,45. Schlußcourse : 3proc. 56,50, 5proc. 90,90.
Paris, 26. Mai. De Flottc's gestrige Rede in der Nationalversammlung machte zwar Sensation, doch wird Die Annahme des Wahlreformgesetzes ohne Amendements, gegen welche die Führer Der Majorität sind, mit einer ziemlich bedeutenden Mehrheit kaum noch bezweifelt. — Die Auflösung des Sappeur- und Pompier-Korps hat in dem Faubourg St. Martin bedeutende Aufregung veranlaßt. — Die Regierung hat beruhigende Nachrichten aus den Provinzen erhalten. — Dreizehn Nationalgarde - Ofsiciere sind wegen Unterzeichnung von Petitionen gegen das Wahlreformprojekt suöpendirt worden. — Der „Napoleon" ist heute nicht erschienen. — Die Differenz mit England wird als definitiv geordnet betrachtet. — Graf Nayncval ist von Rom hier eingetroffen; dort sollte am 20. ein geheimes Konsistorium gehalten werden, worin der heilige Vater in einer Allokution sich über die für seine Staaten beabsichtigte Organisation aussprechcn will. — Die 5procentige Rente wurde heute bei Tortoni zu 90 Fr. 75 C. bezahlt. Die Stimmung war sehr fest, und man erwartet ein weiteres Steigen der Fonds. 3 pCt. Span. 31,
Landtag.
Sitzung vom 28. Mai. Das Protokoll der vorigen Siz- zung wird verlesen. Der Landtagskommissar erklärt sich, da ihm die in voriger Sitzung gestellten Anfragen des Abg. Möller in Betreff eines Einquartierungsgesctzes und des Abg. Weinzierl in Betreff der Eisenbahn von Bebra über Fulda nach Hanau erst gestern Abend abschriftlich zugekommen seien, außer Stande, dieselben schon heute zu beantworten. Der Präsident verkündet eine neue Anfrage des Abg. Oetker, ob das im Februar D. J. von der Ständeversammlung angenommene Anwaltsgesetz genehmigt und verkündigt werden werde oder was Die Staatöregierung sonst in Betreff Der AnwaltSverbältnisse zu thun gedenke. Der Abg. Wolf begründet seinen in voriger Sitzung verkündeten Antrag, die Staatsregierung um Vorlage eines Gesetzentwurfes zu ersuchen, wodurch Der dritte Abschnitt des ersten Theiles und Der 2te Abschnitt des 2ten Theiles des Staatsdienst- gesetzes vom 8. März 1831, die Pensioniruug der Staatsvie- ncr betreffend, abgeänDert werde. Um Der seit 1831 beobachteten fortwährenden Steigerung des Pensionsetats Einhalt zu thun, hält Der Antragsteller folgende Bcstmrmungen wenigstens rücksichtlich Der Civilstaatsdicner für nothwendig : 1. daß erst nach 15jähriger Dienstzeit ein Drittel und für jedes weitere Dienstjahr ein ferneres Procent des Gehaltes als Pen-