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Neue Hessische Zeitung.

Organ -er konstitutionellen Partei.

Dinstag, 28. Mai 1&50.

Morgen - Ausgabe

Diese Zeitung erscheint mit Ausnahme der Sonntage und Sonnabende täglich zwei Mal. Sonntags wird ein Unterhaltungsblatt beigcgcben. Die Morgen Ausgabe wird von 7211 bis 12 Uhr, die Abend - Ausgabe in Kassel von 5 bis 7 Uhr erpedirt. Sonnabends erfolgt die Ausgabe nur Abends, sonntags nur Morgens. Man abonnirt bei allen löblichen Postämtern, in Kassel in der Lttckkarvt'schcn und Dolimann'schen Buch - und Kunsthandlung. Der Äbonnementspreis beträgt halbjährlich 3 Thir., vierteljährlich 1 Thlr. 15 Sgr., wofür alle kurhessischen Postämter das Blatt ohne Aufschlag liefern. Anzeigen werden mit 1 Sgr. für den Raum einer Petitzeile berechnet.

Deutschland.

Berlin, 26. Mai. Die Ausführung der von den Kam­mern berathenen und von dem Könige genehmigten, die ma­teriellen Interessen so nahe berührenden Gesetze schreitet fast überall, wie man hört, rüstig vorwärts. So wird namentlich das Gesetz wegen der Errichtung von Rentenbanken in Schle­sien, obschon der Fiskus dabei nicht interessirt, in kurzer Zeit in Wirksamkeit treten, indem die Gutsherrschaften ihre An­träge sehr lebhaft betreiben. Gleiches steht von dem Gesetze, in Betreff der auf Mühlengrundstücken hastenden Reallasten zu hoffen, indem sich vorausschen läßt, daß die Mühlenbesitzer, um sich vor der Fortentrichtung der unter ihren Lasten einbe- griffenen gewerblichen Abgaben zu sichern, sofort auf Ablösung provociren, und dadurch den Weg zur Beseitigung aller künf­tigen Streitigkeiten anbahnen werden. C. C.

Berlin, 26. Mai. Se. Maj. der König haben den größten Theil der Nacht ruhig geschlafen. Bei unbedeuten­dem Fieber hat sich die Geschwulst, nicht aber die Empfind­lichkeit des Arms vermindert. Die Wunde hat ein gutes Aussehen und die eitrige Absonderung aus derselben dauert fort. Schloß Charlottenburg, den 26. Mai (10 Uhr Mor­gens). (gez.) Schönlein. Grimm. Langenbeck.

Berlin, 26. Mai. Der königl. sächs. Staatsminister v. Carlowitz ist nach Dresden abgereist. (Pr. St.-A.)

Leipzig, 23. Mai. Heute Vormittag 10 Uhr wurde im großen 'Saale des hiesigen Schützenhauses das dritte deutsch-katholische Koncil in Gegenwart von etwa 40 Abge­ordneten eröffnet. Nachdem Hr. Roßmèißler über die Wah­len berichtet, schritt die Versammlung zur Wahl des Präsi­diums ; mit Stimmenmehrheit wurden zum Vorsitzenden Herr Wizard aus Dresden, zu seinem Stellvertreter Hr. Duller aus Darmstadt erwählt. Das Koncil hat den Zweck, nach Feststellung der Verfassung für die deutsch-katholischen Ge­meinden überhaupt, auf Grund dieser Verfassung eine Verei­nigung mit den Freien Gemeinden anzubahnen, resp, berzu- stellen. Es hatten sich zu diesem Zwecke die bekannten Spre­cher der Freien Gemeinden, Baltzer, Uhlich und Wislicenus aus Halle nebst mehreren Antern eingefunden, welche abge­sondert von dem Koncil im Schützenhause zusammentraten. Der Vertreter einer Freien Gemeinde, Wislicenus, berichtete, daß Sachse von Magdeburg auf einem Spaziergange hier verhaftet und Uhlich wahrscheinlich dasselbe Schicksal gehabt habe, da er an der Versammlung bis jetzt nicht Theil genom­men, und forderte auf, das Koncil möge sich der Verhafteten annehmen, da sie (die Vertreter der Freien Gemeinden) ge­zwungen sein würden, in Köthen ihre Versammlung fvrtzu- setzen. Auf den Vorschlag WigardS begaben sich Simon und Schambach auf das Polizeiamt. Das Koncil selbst beschloß hierauf auf Schells Antrag, der von Wizard unterstützt wurde, einen Protest gegen Sachse's Verhaftung, der als Gast gekommen sei, einzureichen. Die Abgg. Rauch von hier und Gall aus Dresden sprachen sich gegen den Protest aus, da die beiden Verhafteten aus Sachsen schon lange ausgewiesen und nicht als Gäste des Koncils der polizeilichen Maßregel unterlegen seien. Kurz darauf kamen die beiden leipziger Abgeordneten mit der Meldung zurück, daß sowohl Uhlich als Sachse bereits ihrer Haft entlassen und zur schleunigen Ab­

reise angehalten worden seien, was durch einen Brief Uhlichs, der mit Sachse und Wislicenus abgereist war und seine Freunde in Köthen erwartete, bestätigt wurde. Die vom Abg. Bergmann aus Erfurt angeregte Berathung, ob das Koncil in Folge dieses Vorfalls von hier sich weg und nach Wizards Meinung nach Köthen begeben solle, wurde bis dahin ver­tagt, wo die Versammlung der Freien Gemeinden überhaupt polizeilich aufgehoben sein sollte. Es wurde hierauf über den Antrag von Bänsch die Berathung begonnen, der dahin zielte, die Verfassung für die deutsch-katholischen Gemeinden festzustellen und durch dieselbe eine (formelle) Vereinigung mit den Freien Gemeinden anzubahnen. Baltzer aus Nord­hausen gab hierauf einen kurzen Bericht über die Organisa­tion der Freien Gemeinden, die jede Repräsentativverfassung ausschlösse und sich dadurch von der der deutsch-katholischen Gemeinden unterscheide. Nach dieser Auseinandersetzung ver­tagte sich die Versammlung auf einige Stunden, um später zu einer gemeinschaftlichen Besprechung der Vertreter beider Parteien zu schreiten. Die Theilnahme des Publikums war sehr gering. (D. A.Z.)

Leipzig, 24. Mai. In der gestrigen gemeinsamen Siz- zung der deutschkatholischcu und der freien Gemeinden, in wel­cher auf Roßmäßler's Antrag Baltzer den Vorsitz führte, be­mühte man sich, über die Einigungsfrage ins Klare zu kom­men, und es belheiligte sich an der über drei Stunden dau­ernden Debatte eine beträchtliche Anzahl von Rednern aus beiden Religionsgesellschaften. Wigard aus Dresden sah in der Tendenz der deutsch-katholischen und der Freien Gemein­den keinen wesentlichen Unterschied, behauptete aber, daß bei der Organisation der Freien Gemeinden die Aristokratie des Geistes und des Geldbeutels vorherrschend sei, weil keine Re- präsentativ-Verfassung Statt finde, und deßhalb nur die von den Gkmeindeällcsten auserkorenen Vertrauensmänner zu Ver­tretern gewählt würden; diese aber, da sie von der Gemeinde, als deren Stellvertreter sie nicht angesehen würden, auch keine Entschädigung erhielten, nothwendig reiche Leute sein müßten. Er hielt deßhalb die Organisation der veutsch-katholsichen Gemeinden für vorzüglicher, weil sie auch dasProletariat" an den öffentlichen Angelegenheiten Theil nehmen lasse^, und weil sie den einzelnen Gemeinden die vollständigste Freiheit und Souveränetät gewähre. Schäfer, Mitglied der freien Gemeinde, wies darauf hin, daß die Einigung nur eine for­melle sein solle, durch welche das Ansehen des Ganzen nach Außen hin gestärkt werden müsse, ohne daß dadurch bas innere Wesen und die Eigenthümlichkeit der verschiedenen Gemeinden alterirt werden dürfe. Nachdem nun über biese Vereinigungs­frage eine lebhafte, oft bittere Debatte geführt worden war, entstand eine solche Begriffsverwirrung, baß man sich zu einem durchgreifenden Beschlusse durchaus nicht zu einigen vermochte, und diesemChaos" nur durch den Antrag Baltzcr's ein Ziel gesetzt werden konnte, welcher auf Ernennung von sechs Kom- missionsmitglievern zur vorläufigen Entwerfung, resp. Bera­thung der Einigungspunkte hinzielte. In der heute Morgen gehaltenen Sitzung der deutsch-katholischen Gemeinden erstattete Wigard Bericht über die Verhandlungen ver Kommission unv gab die Grunvzüge bcr von letzterer ausgearbeitettn Unions- Verfassuug in Folgendem an: 1) Selbstständigkeit jeder Gemeinde