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nische Tücke dennoch nicht, demselben eine ganz andere Deutung zu geben. Am 26. April wurde durch den dänischen Bevollmächtigten dem hiesigen Kabinct ein Vorschlag der dänischen Regierung überreicht, nach welchem die betreffende Kommission aus Schleswigern und Dänen zu gleichen Theilen bestehen und bei einer Majorität von zwei Drittel der Stimmen über die streitigen Punkte definitiv entscheiden solle; stelle sich aber nur eine einfache Majorität heraus, so solle die Entscheidung einer befreundeten Macht übergeben werden. Ferner solle diese Kommission nicht ernannt, sondern durch Volkswahlen erwählt und zu diesem Ende ein besonderes Wahlgesetz vom Könige von Dänemark erlassen werden. Der preußische Bevollniächtigtc, Herr v. Usedom, hat in einer scharfen Auseinandersetzung die Unzulässigkeit der berührten Punkte dargethan und ist die betreffende Ablehnung der dänischen Regierung zugestellt worden. Nach diesem und so vielen ankeren Vorgängen hat die hiesige Regierung eingesehen, daß ein befriedigendes Verständniß über die streitigen Punkte nicht zu erzielen sei und sie hielt es darum unter den gegenwärtigen Verhältnissen und Umständen für das angemessenste, einen einfachen Frieden (paix pure et simple) vorzuschlagen, wonach die gegenseitigen Rechte in einem besonderen Artikel, die Rechte Deutschlands nach Maßgabe des oft erwähnten Bundesbeschlusses von 1846, gewahrt werden sollten. Mit diesem Anträge wurde Herr v. Below nach Kopenhagen gesandt; derselbe kehrte jedoch unverrichteter Dinge wieder zurück, und ist auch inzwischen der dänische Bevollmächtigte, Kammerherr v. Reetz, hier angekommen, welcher das Antwort-, resp. Ablch- nungsschreiben der dänischen Regierung in Betreff der Vorschläge Preußens überbrachte. Dänemark stützt sich in feinen übermüthigen Forderungen besonders auf Oesterreich und Rußland. Der österreichische Gesandte blieb bekanntlich, und auS leicht zu errathenden Gründen, während der Dauer des deutsch- dänischen Krieges in Kopenhagen, und sowohl in der Central- Bundeskommission, als auch bei dem jetzigen Kongresse in Frankfurt bestand Oesterreich, die Ehre Deutschlands geradezu mit Füßen tretend, darauf, daß Ler dänische Gesandte empfangen werde. Bekanntlich war cs früher Preußen, welches die Schmach von Deutschland fern hielt, und jetzt konnten selbst diejenigen Regierungen, welche mit Oesterreich unter einer Decke liegen, sich zu einer solchen Demüthigung Deutschlands nicht verstehen. Welch' einen AuSgang diese Angelegenheit nehmen wird, ist vorläufig noch nicht abzusehen. Die Unterhandlungen der Holsteinschen Vertrauensmänner waren bisher ohne Resultat und werden auch ohne Resultat bleiben. Selbst aus ihren Vorschlag, einen Statthalter mit königlicher Vollmacht einzusetzen, wurde in Kopenhagen nicht eingegangen. Die Dänen rüsten inzwischen fort; indessen sowohl nach dem, was über diese Rüstungen hier bekannt geworden, als auch nach dem Zustande der dänischen Finanzen, welche einen ernstlichen Krieg nicht zulassen, zu urtheilen, geschehen diese Demonstrationen mehr zur Befriedigung der preußenfeiudlichen Kammern und des wüthenden kopenhagener Plebs, als zu einem anderen Zwecke. Auch würden die Dänen nicht in Schleswig einrücken können, wenn nicht 6 Wochen vorher der Waffenstillstand gekündigt worden. Schließlich hören wir noch, daß für den Fall eines Wiederausbruches des Krieges, wenn die preußischen Truppen sich nach Süden, die schwedischen sich nach Norden zurückzieben, die Holsteiner aber und Dänen in Schleswig einrüâen, Rußland nach einer mit England getroffenen Uebereinkunft, welcher, wie wir hören, Frankreich und Schweden auch beigetreten, in Schleswig interveniren soll.
Berlin, 25. Mai. (Konst. Ztg.) Die Gerüchte, daß in Folge des Attentats allgemeine, namentlich Preßmaßregeln erlassen werden sollen, erhalten sich. Eine Umänderung der Gesetzgebung muß dennoch in Zweifel gezogen werden, allein so viel kann als bestimmt versichert werden, daß die Regierung, auf ein besonders strenges Niederhalten der Presse der Umsturzpartei bedacht, in verfassungsmäßigem Vorgehen glaubt dahin gelangen zu können, daß Organe, welche Ordnung und Staat Duett oder unzweifelhaft anfeinden, suspendirt werden können. — Von anderer Seite wird uns über die beabsich
tigten Prcßmaßrcgeln Folgendes berichtet: Ein neues besonderes Prcßgcsetz wird vorerst, wie man bestimmt hört, nicht erlassen, auch nicht füglich erlassen werden können, da der Art. 63 der Verfassung cntgegenftehen dürfte. Dagegen wird man, weiterem Vernehmen nach, gestützt auf ebendenselben Artikel, „da die Anfrechthaltung der öffentlichen Sicherheit es dringend erfordert", mir einer Spccialverordnung gegen Zeitschriften, welche die Sitte, Moral und Religion unterwühlen, Vorgehen. — Eine uns zugehende dritte Mittheilung bestätigt die hier gegebenen Nachrichten mit dem Zusatz, daß zunächst die Suspension zweier hiesigen ultra-demokratischen Tageblätter bevorstehe.
— Wenn es das Befinden Sr. Majestät erlaubt, so wird sich der Hof heute oder morgen nach Sanssouci begeben. Die Königin ist fortwährend sehr leidend. — Gestern Abend ist der Prinz von Preußen mit zahlreichem Gefolge nach Warschau abgegangen und morgen geht seine Gemalin über Weimar nach Koblenz. — Se. Maj. der König hat in Folge des glücklichen Ausgangs, den der Mordversuch des Sefeloge genommen, Der Stadt Berlin ein Geschenk von 2000 Thalern gemacht, zur sofortigen Verkeilung an die Atmen. Letzteres hat bereits heute stattgefunden.
— Die D. Reform bleibt dabei sieben, daß in Bezug auf die Persönlichkeit für das Unionsministerium irgend ein Beschluß nicht gefaßt worden. In der Bildung des Fürstenkollegiums, welche Der Ernennung des Unionsministeriums vor- hergehen muß, werde dagegen eifrig fortgeschritten. In der gestrigen Sitzung des VerwaltungSratbS sei (wie wir übrigens bereits mitgetheilt haben) eine Geschäftsordnung für das Für- stenkvllegium zur Berathung gefommen, die Unionsstaaten seien ferner aufgefordert, Die Akkreditive für diese Versammlung baldigst cinzusendcn, damit dasselbe nach Bildung Der Kurien möglichst bald in Wirksamkeit treten könne.
— Das Korresp'.- Bureau schreibt: Neben dem Geh. Ne- gierungsrath Mathis wird Generallieutenant von Peuker, der ehemalige Reichsminister des Krieges, der sich bereits längere Zeit in Frankfurt aufhält, Preußen auf Dem Frankfurter Kongresse vertreten. Die Instruktionen für unsere Bevollmächtigten haben gestern Die Genehmigung des Königs erhalten. — Das C. B. will wissen, von Kopenhagen aus seien Formuli- rungen von Friedensvorschlägen eingegangen, welche Dem Vernehmen nach, diesseits als nicht annehmbar angesehen werden. Dem morgigen von den Kommunalbehörden veranstalteten Gottesdienst in Der Nikolaikirche werden auf ergangene Einladung auch Die Prinzen und Prinzessinnen mit ihren Hofstaaten beiwohnen. (C. Z.)
— Büllelin über das Befinden Sr. Majestät des Königs. Das Fieber hat sich gegen Abend vermindert, obwohl der Geschwulst in der Umgebung der Wunde etwas weiter verbreitet erscheint. Die Absonderung Drr Wunde ist nach Menge und Qualität erwünscht. Schloß Charlottenburg, den 25. Mai 1850, Abends 9‘/2 Uhr. (gez.) Schönlein. Grimm. Langenbeck.
Berlin, 25. Mai. Das Magistratskollegium wird sich am Sonntag Vormittags 9 Uhr in Pleno und in Amtstracht vom Rathhause nach der Nikolaikirche begeben, um dort an Dem Dankgottesdienste für die Errettung Sr. Majestät des Königs Theil zu nehmen. Die Stadtverordnetenversammlung wird von ihrem Sitzungslokale aus das Gleiche thun. — Der Treubund hatte bekanntlich eine Belobigungsatresse an die Herren Gerlach und Stahl für ihr preußisch-patriotisches Wirken in Erfurt entworfen und herumgeschickt. Schon hatten sich Einige unterschrieben, als in einer TreubundSver- sammlung dagegen stark protestirt wurde, namentlich durch einen patriotischen Schneidermeister, Der die Herren Gerlach und Stahl so schilderte, als seien sie viel mehr gebeime'Freunde Oesterreichs, als jemals Preußens. Ihre Wirksamkeit in Erfurt sei eine ächt österreichische gewesen. In Folge dieser wirkungsvollen Rede des patriotischen HerrenkleidermacherS und Innungsmeisters kamen die Herren Gerlach und Stahl um das Glück, eine Bclobigungsadresie vom Berliner Treu- bunde zu besitzen. (N.-Z.)