974 —
Verbrechers stimmen sehr überein. Auch die N. Pr. Z. theilt mit, er sei wegen allgemeiner Körperschwäche und periodischer Gcistesverstimmung aus dem Militärdienste entlassen worden. Das darüber sprechende Zeugniß ist nach der Voss. Z. vom Generalarzt Stumpf unterzeichnet. Doch scheint Diese Affektion nie einen gefährlichen Charakter gehabt zu haben; vielmehr wird Scfeloge als ein sogenannter gutmüthiger Mensch ge- schilvert, blieb bei seinen Kameraden, die die Kasernenwohnung mit ihm theilten und ihm manche Beihülfe leisteten. Diese Thatsachen scheinen aber eine Zurechnungsfähigkeit noch nicht auS- zuschließen. Namentlich spricht für eine solche das Verhalten des Verbrechers vor und nach der That. Es wird neuerdings und von verschiedenen Seiten übereinstimmend mitgetheilt, Sefeloge habe nach der That, als er zu Boden geschlagen wurde wiederholt den Ruf: „Es lebe die Freiheit!" laut werden lassen und später im Verhöre erklärt, er habe die Thränen Vieler trocknen wollen. Auch wird ungeachtet des amtlichen Berichtes wiederholt, es sei die Pistole, aus welcher der Schuß abgefeuert worden, nicht aufgefunden worden, wohl aber eine zweite geladene bei Dem Verbrecher selbst. Dieses Gerüchts erwähnt auch die Voss. Z. Sefeloge ist in ein sicheres Gefängniß, die sogenannte Riesenburg, gebracht worden, wo man der Vorsicht wegen, um jeden etwaigen Versuch der Selbstent- leibung zu hindern, ihn von Polizeibeamten besonders bewachen läßt. Seine Verwundungen sind nicht erheblich. In den Verhören, die bis jetzt mit ihm eingestellt wurden, hat er sich größtcntheils schweigsam verhalten; mehreremal sprach er von seinen Besitzungen in Afrika u. dergl.
Von allen Seilen eilen Deputationen nach Charlottenburg, um Sr. Maj. die schmerzliche Empfindung über das unselige Attentat darzulegen. Der heute eröffnete landwirthschaft- liche Kongreß hat in einer gestern Statt gehabten Vorversammlung ebenfalls eine Adresse an Se. Maj. Den König beschlossen. Der von Mitgliedern einer gewissen Partei vorge- schlagene Entwurf, durch welchen Die Adresse zugleich eine Art Demonstration gegen die nicht zu dieser Part i gehörenden Preußen werden sollte, fand vielfachen und sehr entschiedenen Widerspruch, so daß sich auch bei dieser Gelegenheit zeigte, wie schwach die Zahl dieser Acußersten ist. Der Entwurf wurde mit einem anderen, der Sache angemessenen, vertauscht. Auf Anordnung der Militärbehörde findet heute in der Garnisonkirche für das Militär ein feierlicher Gottesdienst für die glückliche Erhaltung des Königs aus der drohenden Gefahr Statt. Die beiden Kommunalbehörden werden dabei durch osficieUe Deputationen vertreten sein. Ebenso wird auf Anordnung der KommunalbehLrdcn am nächsten Sonntag ein gleicher Gottesdienst in sämmtlichen , zu dem städtischen Patronat gehörenden, Kirchen Statt finden, und werden sich die Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung hierbei in corpore- betheiligen. Auch in Der jüdischen Hauptsynagoge wird schon seit gestern früh eine außerordentliche Feier zu gleichem Zweck vorbereitet.
— Der Verwaltungsrath hielt vorgestern in Berlin seine erste Sitzung. Hr. v. Sydow übernahm in derselben an Stelle des Hrn. v. Radowitz das Präsidium. Die Bildung der Unionsbehörde, sowohl des Unionsministeriums als des Unionsvorstaudes soll in Kurzem erfolgen. Hr. v. Sydow beabsichtigt den Antrag, die Mitglieder des Fürsteulollegiums in 10 Tagen einzuberufen. — Der Prinz von Preußen wird seine Reise nach Warschau über Breslau machen.
Berlin, 24. Mai. Sicherem Vernehmen nach ist, schreibt die Deutsche Reform halbamtlich, von den geistlichen Behörden angeordnet worden, daß am nächsten, und wo es die weitere Entfernung von Berlin mit sich bringt, an dem darauf folgenden Sonntage in allen Kirchen des Landes in das allgemeine Kirchengebet der Dank für die wunderbare Errettung Sr. Majestät des Königs aus der, von Mörderhand bereiteten, Todesgefahr ausgenommen und mit dem Gottesdienste ein Dankfest für Die, nun schon zum zweiten Male so sichtlich wahrnehmbare Gnade Gottes bei dem Schutze der Majestät vor verruchter That, verbunden werde.
Berlin, 25. Mai. Der Generallieutnant v. Radowitz
ist, nach Der heutigen amtlichen Kundmachung, in Gemäßheit seines Ansuchens zur Herstellung seiner geschwächten Gesundheit auf einige Wochen von der Leitung Der Geschäfte des deutschen Verwaltungsrathes entbunden, und solche für Die Dauer dieses Urlaubes Dem königl. Gesandten bei der schweizerischen Eidgenossenschaft, Kammcrherrn und Geh. Legalions- ratbe v. Sydow, interimistisch übertragen.
Der St.-A. bringt folgende Vülletius über das Befinden Sr. Maj. des Königs: Im Laufe des Nachmittags haben sich bei Sr. Majestät Dem Könige leichte Fieberbewegungen eingestellt. In Der Wunde, deren Umgebung schmerzhaft und leicht angeschwollen, beginnt Die naturgemäße Absonderung. Charlottenburg, Den 23. Mai 1850, Abends 9*/2 Uhr. (gez.) Schönlein. Grimm. Langenbeck. — Se. Majestät der König haben diese Nacht ruhig geschlafen. Das Fieber ist vermindert, Die Absonderung in Der Wunde besteht in erwünschter Weise fort. Schloß Charlottenburg, den 24. Mai 1850, Morgens 9'/2 Uhr. Schönlein. Grimm. Langenbeck.
Die schleswig-dänischen Wirren sollen nun endlich ihre Lösung finden. Der Kongreß der bethätigten Mächte zu London, von Dem Der definitive Entscheid ausgehen soll, ist, wie uns von guter Hand bestimmt versichert wird, von Rußland veranlaßt, welches vor Allem Die Rechte Der Agnaten gesichert wissen will. Gegenwärtig hält sich im Interesse dieser agnatischen Rechte und um eventuelle Verzichtleistungen auf dieselben hcrbcizuführcn, Der kaiserl. Legationssekretär v. Budberg in Oldenburg auf. Eine Verzichtleistung von hessischer Seile wird höchst wahrscheinlich gleichfalls erfolgen. Die Verhandlungen über Die agnatischen Rechte werden sich mithin vornehmlich aus Die Entschädigungsbedingungen erstrecken. Bei weitem dänischer gesinnt als Rußland, heißt es jetzt, fei England , das sich neuerdings mit beispielloser Einseitigkeit für Dänemark erhoben haben soll. (Lith. N.)
Kiel, 21. Mai. Der halbamtliche Alton. Merk. meldet: Vorgestern ist das Mitglied der Statthalterschaft, Graf Re- ventlow. von Berlin zurückgekehrt. Wir glauben gut unterrichtet zu sein, wenn wir mitlheilen, daß derselbe beruhigende Zusicherungen darüber gebracht hat, daß bis weiter weder ein Einrücken dänischer Truppen in Die Hcrzogthümer, noch eine fremde militärische Intervention zu befürchten sei, und daß Die Großmächte eine direkte Verständigung der Herzogthümcr mit ihrem Landesherr» unterstützen werden. — Syndikus Prehn wird sich morgen wieder nach Kopenhagen begeben.
Hamburg, 23. Mai. Die von der Neuner-Kommission vorgelegte Verfassung wurde von der Bürgerschaft mit bedeutender Majorität angenommen.
Dresden, 23. Mai. Zweite Kammer. Die Abgg. Biedermann, Richter, Kalb, Wapler, Klinger, Raschig, Mau- tisch, Kretschmar, Funkhänel, Trenkmann, Kämmet und Naumann haben Den Antrag gestellt: Die Kammer wolle im Verein mit der ersten Kammer an Se. Maj. Den König eine Petition auf Grund §. 109 Der VerfassungSurkunve richten und darin ehrerbietigst verstellen: wie sie cs für dringend nothwendig halte, daß diejenigen organischen Gesetze, welche zur Abstellung längstgefühltcr Mängel Der Rechtspflege und Verwaltung, zur Ausführung der in Sachsen verkündeten Grundrechte des deutschen Volks, zur Erfüllung Der von Sr. Maj. Regierung selbst bei Eröffnung des Landtags den Kammern gemachten Zusagen unumgänglich nöthig , bis jetzt aber noch nicht an Die Kammern gelangt sind, nunmehr ohne längeren Aufschub denselben zur Berathung vorgelegt und daher Die einzelnen Ministerialvorstänve zur thunlichsten Beschleunigung Der ihnen aufgetragenen Gesetzgcbungsarbcitcn und zur unverzögerten Vorlegung der vollendeten an die Kammern angewiesen werden; wie sie aufrichtig entschlossen jei, die Staats- rcgierung auf dein von Sr. Maj. in der Thronrede, bezeichneten Wege zur Befestigung öffentlicher Sicherheit und Ordnung, in der „festen Handhabung der Gesetze" und der Anbahnung „heilsamer, unsern Zuständen entsprechender Reformen" mit allen Kräften zu unterstützen; wie sic dagegen ein gedeihliches und vertrauensvolles Zusammenwirken Der Volksvertretung mit dem Ministerium nur dann für möglich erachte,