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Neue .Hessische Zeitung.

Organ -er konstitutionellen Partei.

Sonntag, 26. Mai 1850. j\^ 2^2« Morgen - Ausgabe.

Diese Zeitung erscheint mit Ausnahme der Sonntage und Sonnabende täglich zwei. Mal. Sonntags wird ein Unterhaltungsblatt beigcgeben. Die Morgen-Attsgabe wird von 7/11 bis 12 Uhr, die Abend - Ausgabe in Kassel von 5 bis 7 Uhr expedirt. Sonnabends erfolgt die Ausgabe nur'Abends, sonntags nur Morgens. Man abonnirt bei allen löblichen Pottämtcrn, in Kassel in der Lnckbardt'fchen und Äollmantt'schen Buch - und Kunsthandlunq. Der Äbonnementspreis beträgt halbjährlich 3 Thlr., vierteljährlich 1 Lhlr. 15 Sgr., wofür alle kurhcssischcn Postämter das Blatt ohne Aufschlag liefern. Anzeigen werden mit 1 Sgr. für den Raum einer Pctitzcilc berechnet.

Deutschland.

Berlin, 23. Mai. Die Stadtverordnetenversammlung hielt heute eine geheime Sitzung, in welcher die Absen­dung einer Adresse an Se. Majestät den König einstimmig beschlossen wurde. Die Adresse, deren Fassung ebenfalls fast einstimmig angenommen wurde, lautet:Allerdurchlauchtig­ster 2C. Die Stadtverordneten Berlins nahen mit innigster Theilnahme dem neuen Schmerzenslager Ew. Majestät, sie nahen sich zugleich in dem ungeteilten Gefühle froher Dank­barkeit gegen die Vorsehung, deren Huld dem Throne und Vaterlande ein Leben erhalten hat, das, zur Lösung großer Aufgaben berufen, dem Frevel unerreichbar bleibt. Unsere Entrüstung vor dem verübten Verbrechen kann nur der Glaube lindern, daß der Ursprung einer so verwerflichen That weder in Parteizwecken, noch selbst in Bestrebungen zu finden sei, welche auch in dem deutschen Vaterlande statt weiser Fortbil­dung den Aufruhr heimisch zu machen hoffen und die Ehr­furcht, die Treue, die Freiheit zerstören. Nur der Irrsinn hat eine Verbrecherhand gegen Euer Königlichen Majestät un­antastbares Leben bewaffnen können. Je mehr Die gewandelte Staatsform, welche Euer Majestät Eideswort geheiligt hat, die Person des Fürsten über den Kreis hinaushrbt, in welchem sich der Streit politischer Richtungen bewegt, je mehr glauben wir in unserm Dankgefühl für Euer Majestät Rettung, wie in dem Abscheu vor Der verruchten That, die Gesinnung der ganzen Nation auszusprechen. Dieß gleiche Gefühl eines ge- sammten Volkes möge auch in Euer Majestät Königlichem Herzen bald die neugeschlagene Wunde heilen und dieß große Herz dem sicheren Vertrauen, der ungeschwächten Liebe offen erhalten. In tiefster Ehrfurcht rc. Stadtverordnete zu Ber­lin." Mit Der sofortigen Ueberreichung dieser Adresse beauf­tragte die Versammlung Den Vorstand, welcher alsbald nach Charlottenburg fuhr. (C Z.)

Das Korresp. -Bureau schreibt: So viel wir über die Instruktionen vernehmen, Die dem zum Bevollmächtigten aus dem Frankfurter Kongresse ernannten Hrn. Geh. Oberregie­rungsrath Mathis, dessen Absendung jetzt feststehen soll, er­theilt sind, würde Der preußische Bevollmächtigte gegen jeden Vorschlag zu stimmen haben, Der Baiern sei cs, wenn Preußen und Oesterreich je zwei, sei es je eine Stimme hät­ten eine Stimme in dem zu kreirenden Bundesorgau sicherte, während die andern Staaten keine gleich umfangreiche Vertretung zu gewärtigen hätten. Obschon diesseits die Bei­behaltung der in dem Interim beliebten Form, Die Vertretung durch Preußen und Oesterreich mit Der Modifikation, daß Preußen Die Unionsstaaten, Oesterreich die andern deutschen Staaten mit repräsentire, am meisten gewünscht wird, so soll doch auch ein anderer in Aussicht gestellter Vorschlag auf dies­seitige Annahme zu rechnen haben, nach welchem Preußen und Oesterreich je eine Stimme, Baiern mit den Der Union nicht beigetretenen Staaten eine Stimme und die Die Union bildenden Staaten exklusive Preußen ebenfalls eine Stimme in der Bundeskommission führen sollten. Das C. B. gibt die Zahl der gestern Verhafteten nach einer ihm zugegangenen nicht verbürgten Mittheilung auf 14 an. Mit Sicherheit wisse es nur von 5. Als völligverbürgt" theilt das Korresp. -Bureau folgende Thatsache mit: Schon vor einigen

Tagen war von England eine Anzeige hierher gelangt, daß nicht bloß auf den König von Preußen, sondern auch auf den Kaiser von Oesterreich ein Attentat und zwar auf dem Bahn­höfe Statt finden werde. Diese Anzeige war ganz unbeachtet geblieben. Als sie aber durch das Ereigniß von gestern sich zum Theil erfüllte, hat man cs für Pflicht gehalten, auf tele­graphischem Wege nach Wien eine Warnung ergehen zu lassen. Die Abendpost meldet die Nachmittag 23/4 Uhr erfolgte Freilassung Der Herren Dr. Meyen, Bernstein und Streckfuß. Ein Grund der Verhaftung sei ihnen nicht mitgetheilt worden.

Berlin, 24. Mai. Die Const. Ztg. bemerkt mit Recht: Der Mordversuch gegen das Leben Sr. Maj. gibt zu den verschiedenartigsten Ausdeutungen und Gerüchten Veranlassung. Während einerseits Die Meinung große Verbreitung findet, daß die That keö Sefeloge nur in dem gestörten Gcmüths- zustanv desselben ihren Grund habe, bemüht man sich von andern Seiten, Der Ansicht Vorschub zu leisten, es lägen hier weitere Verzweigungen vor. Ein kategorisches Urtheil wird mit Gewissenhaftigkeit nicht zu fällen möglich sein, bis authen­tische Ermittelungen den Thatbestand klarer herausgestellt haben. Schon jetzt aber ist cs Pflicht Der ganzen unabhängigen Presse, sich mir Der Energie äußerster Entrüstung gegen die perfide Ausbeutung zu erheben, welche man seitens Der reaktionären Organe aus diesem unseligen Ereigniß zu ziehen sich bemüht. In England ist es Grundsatz Der Politik, jeden Königs mar- ker für wahnsinnig zu erklären, um feinem Theil Der Nation Die Solidarität für diese Schmach aufzubürden. Bei uns gibt es Menschen, die große Kreise des Volkslebens für den Königsmord verantwortlich machen wollen selbst wenn der Thäler wahnsinnig ist. Gegen dieses heillose Manöver, Heil­los weil cs auf unverkennbar freiheitsfeindliche Projekte hin- arbeitet, heillos weil cs die Ehre Der Nation, die Gerechtig­keit und Wahrheit dafür in Die Schanze schlägt, werben wir fortfahrcn, aus allen Kräften zu kämpfen. Die Untersuchung wird ergeben, wie weit die Verzweigung jenes schweren Ver­brechens reicht; die öffentliche Meinung und ihre unverfälsch­ten Organe haben Darüber zu wachen, daß man nicht bös­willig Den Kreis Der Mitschuld erweitert, oder gar das ganze Land dafür büßen läßt."

Berlin, 24. Mai. Die N. Pr. Z. theilt über die Per­son des Sefeloge unter anderem bereits Bekannten noch Fol­gendes mit: Er hat sich früher stets gut geführt, seit längerer Zeit aber mehrfach fixe Ideen und Projekte blicken lassen. Es steht nach aufgefundcnen Papieren fest, daß der Thäter bereits im Sommer 1848 sich für das ausersehene Werkzeug zu einem Verbrechen gegen Den König hielt, um eine politische Um­wälzung hervorzubringcn. Doch war er damals noch keines­wegs gewillt, ein solches Verbrechen zu vollführen, bereute vielmehr den Gedanken daran. Offenbar hat sich erst in Folge fortdauernder politischer Aufreizung der Entschluß zur That bei ihm ausgebildet. Im Widerspruch mit Der Voss. Z. hat Die N. Pr. Z. von vielen Seiten Die Mittheilung er­hallen , Sefeloge 'habe sich vielfach an demokratischen Klubs und Vereinen beteiligt und Aufträge für den demokratischen Centralverein besorgt. Die Voss. Z. dagegen sagt: "er habe, so viel bis jetzt bekannt sei, nie zu politischen Vereinen ge­hört. Die Mittheilungen über eine frühere Geistesstörung des