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der obersten Unionsbehörde betrifft, so dürfte dieselbe unmit­telbar nach dem Zusammentreten des Fürstenkollegiums be­wirkt werden, so daß nach Verlauf von etwa 14 Tagen die deutsche Union ins wirkliche Leben treten kann. Als die bei­den UnionSminister werden in den hiesigen Kreisen noch im­mer die preußischen Minister Hr. v. Manteuffel und Hr. v. Schleinitz genannt. — Der Weser-Ztg. wird von hier ge­schrieben: Heute (den 17.) ist das Protokoll des Fürstenkon­gresses in den Druck gegeben. Ich bin so glücklich, oder bes­ser gesagt, so unglücklich gewesen, einen Blick hincinzuthun, und der Inhalt hat meine, nach den Eindrücken der letzten Zeit ohnehin nicht rosenfarbene Laune sehr herabgestimmt, denn meine schlimmsten Vorhersagungen sind durch das Geschehene nicht nur bestätigt, sondern noch weit übertroffen. In weni­gen Tagen wird das Protokoll gedruckt vor Ihnen liegen, darum setze ich vorläufig nur ein paar Punkte davon aus dem Gedächtniß her. 1) Von einer Anerkennung der revi- dirten Verfassung ist so wenig die Rede, als ob dieselbe gar­nicht vorhanden wäre. 2) Das Maibündniß ist in ein In­terim von zwei Monaten aufgelöst, d. h. nach Ablauf dieser zwei Monate müssen die Verhandlungen von Neuem ange­knüpft werden, wenn dann ernstlich etwas Dauerndes gestaltet werden soll. Das Empörendste von Allem ist die Rede Has­senpflugs, worin seine Einsprache gegen den definitiven Ab­schluß der Union motivirt wird. Der langen Rede kurzer Sinn ist: wenn man jetzt schon die Union als etwas Ferti­ges hinstelle, so würde kein anderer Staat mehr dafür ge­wonnen werden können; man müsse deßhalb vorläufig nur an dem Namen festhalten und die Sache selbst noch ruhen lassen, dann könnte man in geschickter Weise die Union für die Einen als Köder, gegen die anderen als Drohmittel anwenden w. rc. Ich brauche Sie wohl nicht aufmerksam zu machen, welche Attraktionskraft der Hassenpflugsche Plan ausüben wird, wenn er durch die Veröffentlichung des Protokolls zur Kunde Deutschlands kommt.

— (Schl. 3 ) Die gleichlautende Note der Unionsfür­sten an das wiener Kabinet, so wie die festgesteUle gemein­same Instruktion für die nach Frankfurt zu entsendenden Be­vollmächtigten ist den Unionsregierungen in metallographirten Abdrücken in raschester Beförderung zugestellt worden.

Berlin, 22. Mai. Nach dem Staats-Anzeiger ist der Herzog zu Sachsen-Meiningen und der herzogl. anhalt-köthen- sche Staatsminister v. Goßler nach Köthen, abgereist.

Berlin, 22. Mai. Das heute Mittag statlgehabte At­tentat auf den König wird von der Deutschen Reform fol­gendermaßen beschrieben: „Um 12 Uhr wollten Se. Majestät die seit längerer Zeit beabsichtigte Verlegung der allerhöchsten Residenz nach Sanssouci ausführen und hatten Sich zu die­sem Zwecke in Begleitung Ihrer Majestät der Königin nach dem Potsdamer Bahnhof begeben. Als Allerhöchstdieselben auf dem Perron standen, um eben in den Wagen einzutreten, näherte sich ein Mensch in der Uniform eines Artilleriefeuer­werkers, zog ein Pistol hervor und feuerte dasselbe nach der Brust Sr. Majestät ab. Der König machte eine ausweichende Bewegung, wurde aber leider dennoch am rechten Unterarme von der Kugel getroffen, welche außerdem die Brust jtark streifte. Man stürzte sofort von allen Seiten herbei, vorzugs­weise um Sr. Maj. die nöthige Hülfe zu leisten; ein Theil des Publikums warf sich mit der Wuth der äußersten Ent­rüstung auf den Thäter, welcher kaum der augenblicklichen Volksjustiz entrissen wurde. Se. Maj. waren unterdeß sofort zur Ruhe gebracht worden ; die erste ärztliche Hülfe leistete der Professor Böhm, welcher gerade am Bahnhof vorüberfuhr und herbeigeholt wurde. Man schickte unverzüglich nach den königlichen Leibärzten Dr. Grimm und Prof. Schönlein, welche beide auch in kurzer Zeit erschienen und die erforderliche vor­läufige Pflege anordneten. Unterdeß waren Se. königl. Ho­heit der Prinz von Preußen und die meisten der übrigen Prinzen, der Ministerpräsident Graf v. Brandenburg, der Minister des Innern Hr. V. Manteuffel und mehrere der höch­sten militärischen und Civilbeamten auf dem Bahnhöfe einge­troffen. Sie konnten glücklicher Weise die Nachricht erhalten,

daß nach übereinstimmender Ansicht der Aerzte die Wunde keine gefährliche zu sein schien. Der Bahnhof war, vor dem Andrang des auf die schnell verbreitete Nachricht von allen Seiten herbeiströmenden Publikums durch eine herbeigebolte Abtheilung Militär abgesperrt worden; am Potsdamer Thor aber^ sammelten sich sehr zahlreiche Volkshaufen aus allen Klassen, unter welchen sich das Gefühl tiefer Entrüstung offen kund that. Bald wurden die Herzen freudiger bewegt, indem Se. Majestät mit Ihrer Maj. der Königin aus dem Bahn­hof heraus auf den Weg nach Charlottenburg zurückfuhren. In einem einfachen Coupe sitzend, schienen Allerhöchstdieselben zwar sichtlich angegriffen, aber doch heiter und muthvoll, und bankten aufs freundlichste, als die versammelte Menge bei dem Vorüberfahren ihrer Liebe in lautestem Hurrahrufen Luft machte. Alle näher und entfernter Stehenden oder erst Her­beieilenden winkten mit den Hüten, aus den Fenstern der nahe liegenden Straßen wehte man mit den Tüchern. Gott gebe, daß wirklich jede Besorgniß der Gefahr beseitigt sei. Der Thäter, welcher sofort verhaftet worden, ist ein am 1. Okt. 1849 entlassener Artillerie-Unterofficier Namens Sefeloge aus Wetzlar."

— Der Minister des Innern hat folgende telegraphische Depesche an die obersten Verwaltungsbehörden sämmtlicher Stationsorte abgeschickt, welche dieselbe sogleich auf dem kür­zesten Wege den Herren Oberpräsiventen, Regierungs-Präsi­venten und Militärchefs weiter zu melden haben: Als dir König heute um 12 Uhr in den Eisenbahnwagen steigen wollte, um sich nach Potsdam zu begeben, feuerte ein am 1. Oktober 1849 als Invalide entlassener Feuerwerker der Garde-Artille­rie, welcher eine Militär-Uniform, die er sich selbst angeschafft hatte, trug, ein Pistol auf Se. Maj. ab und verwundete Sie leicht am rechten Arm.

Berlin, 22. Mai Der Minister des Innern, v. Manteuffel, bringt im amtlichen Theil des St.-A. das Attentat auf den König in folgender Weise zur allgemeinen Kunde: „Als des Königs Majestät heute Mittag um 12 Uhr im Begriff waren, mit der Eisenbahn nach Potsdam zu fabren, ist auf die allerhöchste Person ein Pistolenschuß aus unmittelbarer Nähe abgefeuert worden. Die Vorsehung hat das Leben des Königs geschützt. Se. Maj. haben nur eine Fleischwunde am rechten Unterarm erhalten und sind nach angelegtem Verbände sogleich nach Charlottenburg gefahren. Der Thäter ist ergriffen in der Person eines am 1. Oktbr. 1849 als Invalide entlassenen Feuerwerkers der Garde-Artillerie, Namens Sefeloge. Derselbe trug eine von ihm selbst beschaffte Militär-Uniform."

— Bülletin. Die Kugel ist an der inneren Seite des rechten Vorderarms eingedrungen, hat eine etwa 2 Zoll lange Fleischwunde hervorgebracht und ist dann wahrscheinlich durch die eigene Schwere wieder herausgefaUen. Eine Ver­letzung der Knochen und wichtigen Nerven hat glücklicherweise nicht Statt gefunden. Das allgemeine Befinden Sr. Maj. des Königs ist befriedigend, (gez.) Dr. Schönlein. Dr. Grimm. B. Langenbcck. Charlottenburg, den 22. Mai, 3 Uhr Nach­mittags.

Berlin, 23. Mai. Die Neue Pr. Ztg. enthält folgen­des Nähere über das Mordattentat auf den König: Die Königin war bereits in den Waggon gestiegen, und der Kö­nig im Begriff durch die Thür des königl. Wartezimmers auf den Perron zu treten, als aus der Menge, die auf der linken Seite Chainc bildete bis zum Waggon, ein Mensch in einer alten Artillerieuniform hervorsprang und ein Pistol, das er bisher, wie die Nächststehenden bekunden, unter dem Rock ver­borgen getragen, auf den Monarchen in einer Entfernung von noch nicht drei Schritten abschoß. Zn diesem Augenblick hatte der König auf der zweiten Stufe einen Fehltritt ge­than, war ausgeglitten und der Oberkörper dadurch zurückge- prallt. Die Kugel, die in dieser Entfernung außerdem die Brust hätte treffen müssen, verfehlte so ihr Ziel und fuhr durch das Fleisch des erhobenen rechten Vorderarmes. Der hinter dem Monarchen gehende Adjutant fing ihn in seinen Armen auf und man brachte den König sofort nach dem Wartezimmer zurück, wo er viel Blut verlor, ehe ein herbei-