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flott nicht anwesend, und Lord I. Russell gab aus Hrn. D'Js- raeli's erste Frage dieselbe Antwort wie Lord Lansdowne im Oberhause. In Folge weiterer Fragen erfuhr man, daß die Abberufung des Hrn. Drouyn de Lhuvs bloß durch Verlesung der Depesche des Generals Lahitle, nicht, wie cS diplomatischer Brauch ist, durch ein Abberufungsschreiben mitgetheilt worden; auch habe der französische Gesandte seine Depesche mit solchen mündlichen Erläuterungen und Aufklärungen begleitet, welche er in einer langen Konferenz für paffend gefunden habe. Lord Normanby werde nicht von Paris abberufen werden, und hoffe er auch, daß später dazu keine Veranlassung kommen würde. (Der ministerielle Globe enthalt heute zur weitern Vervollständigung dieser Erklärung die halbosficielle Widerlegung des Gerüchts von einer Abberufung des französischen Gesandten.) — Eine zweite wichtige Angelegenheit kam noch im Unterhause zur Verhandlung. Lord I. Russell brachte die Bill zur Aufhebung des Lordlieutenantamts in Irland ein. Die irländischen Angelegenheiten werden in Zukunft von einem vierten Staatssekretär verwaltet, während ein Theil der bisherigen Funktionen des Lordlieutenants an den Staatssekretär des Innern fällt. Der Geheimralh unter dem Vorsitze des Lordkanzlers bleibt Irland, und das Armendirektorium erhält eine andere Einrichtung. Gegen die Maßregel sprachen mehrere irische Mitglieder , namentlich Hr. Grattan, der in seiner sehr heftigen Rede die Bill eine Vernichtung des letzten Urberrestcs irischer Nationalität und eine Verletzung des Vertrags zwischen dem irischen Volke und der englischen Krone nannte. Auch Hr. D'Jsraeli fühlte sich als Führer der Opposition gedrungen, gegen die Bill als zu ccntralisirenv und kostspielig zu sprechen. Schließlich wurde aber ein Antrag auf Vertagung der Debatte mit 213 gegen 19 Stimmen abgewiesen und mit 170 gegen 17 Stimmen Erlaubniß zum Einbringen der Bill gegeben.
Italien.
Turin. Am 10. Mai hat der gefangene turiner Erzbischof von dem Kardinal-Pönitentiar ein Schreiben erhalten, worin ihm dieser die Befriedigung des Papstes über das von ihm an die Geistlichkeit erlassene Cirkular, wegen dessen er in Anklagestand versetzt ist, ausdrückt. In Saluzzo hat der Staatsanwalt Briefe des dortigen Bischofs an zwei Pfarrei- wegen Herabwürdigung der Siccardischen Gesetze und Aufforderung zur Widersetzlichkeit mit Beschlag belegen lassen. Auch hier erwartet man einen Proceß. In Cuorgne wurde der Pfarrer wegen Lästerung der mehrerwähnten Gesetze verhaftet. Ein Kaplan in der Nähe von Turin, welcher zum Gebete für den „von den Ungerechten" cingckerkerten Erzbischof aufforderte und sagte: „Die Regierung verfolgt die Religion wie zu den Zeiten des Nero, aber Nero fiel," wurde abgesctzt. Der Redakteur des Cattolico ist wegen antisiccardi'scher Artikel von dem Schwurgericht zu 1200 Francs Geldstrafe und 66 Tagen Gefängniß verurtheilt worden; der Staatsanwalt, damit noch nicht zufrieden, hat die Berufung eingelegt.
ch Nauheim, 22. Mai. Mit großer Freude haben wir hier die Absicht vernommen, die Expropriationsgcsetze zum Besten unserer Badeanlagen auszudehnen. Die Erweiterung dieser Anlagen ist in der That unvermeidlich geworden. Die Erfolge der bisherigen Verwendungen übersteigen alle Erwartungen ; namentlich hat der zweite Pfingsttag der Zukunft des Bades das glänzendste Prognostikon gestellt. Obgleich keine pomphafte Ankündigungen das Publikum auf Nauheim aufmerksam machen, so haben wir doch schon seit dem 1. d. M. Kurgäste hier. Für den nächsten Monat ist kaum noch eine Wohnung zu haben und sogar für Juli sind schon zahlreiche Bestellungen gemacht. Die Eisenbahn bringt täglich ganze Schaaren Frankfurter; vorgestern aber hatte das schöne Wetter solche Massen hergelockt, daß die Zahl der im Kurgarten, am Teich, bei Fritz rc. anwesenden Fremden wohl auf tausend ge
schätzt werden kann. Es war ein förmlicher Kampf um Tische, Stühle, Essen und Trinken.
Vermischtes.
Berlin. Der hier anwesende Bevollmächtigte aus Aegypten hat den als Irrenarzt bekannten Prof. Griesinger aus Kiel mit einem Jahrgebaltc von 30,000 Francs als Chef des gesummten Mcdicinalwcsens und Direktor einer chirurgischen Klinik in Aegypten engagirt.
Die „Times" erzählt folgende hübsche Anekdote: Vor weit mehr als einem halben Jahrhundert lebte in Forfashire eine arme Witwe, welche sich und ihren einzigen Sohn mühsam, aber redlich von dem Ertrage eines kleinen Töpferstandes auf dem Markte ernährte. Es war eine Zeit, wo Gentlemen wilder lebten, als heut zu Tage, und das Städtchen war an die tollen Streiche und derben Späße eines benachbarten Edelmannes gewohnt, welcher kürzlich zur Pairswürde und einem ungeheuren Vermögen gelangt war. Man wunderte sich daher nicht eben sehr, als eines Abends der bescheidene Kram der armen Witwe in übermüthiger Weinlaune umgr- worfen und in tausend Stücke zerschmettert wurde. Der Frevler war Lord Panmure. Am nächsten Morgen machte die Witwe Sr. Herrlichkeit ihre Aufwartung, und die Schadenrechnung ward sehr bald zu beiderseitiger Zufriedenheit festgestellt. „Und nun, meine gute Frau," sagte der Zerstörer der Töpferwaare, „kann ich noch sonst etwas für Euch thun? Die Witwe antwortete, sie habe einen Sohn, einen gescheid- tcn kleinen Buben, dem sie eine bessere Erziehung geben möchte, als ihre Mittel es erlaubten. Lord Panmure versprach sogleich die erforderliche Hülfe, und er war so gut wie sein Wort. Der kleine Joe wurde geholt; seine Intelligenz und Gescheitheit wurden bald anerkannt, und er ward in eine ausgezeichnete öffentliche Schule geschickt. Dieß war der Anfang einer langen Laufbahn voll Thätigkeit und Ehren. Der kleine Bube, der Sohn der Witwe, war — Joseph Hume.
Tagesordnung für die Sitzung der Ständeversammlung.
Freitag, den 24. Mai, Vormittags 10 Uhr.
1) Revision des Gesetzentwurfs, die Theilnahme der Stadt Grove an den Wahlen der Landtags-Abgeordneten betr.
2) Fortgesetzte Berathung über den Gesetzentwurf, die Einführung kürzerer Verjährungsfristen bei Klagen aus Schuldverhältnissen betr.
3) Berathung des Berichts des Rechts - Ausschusses, über den Gesctzcnt- wurf, die Stempelsteuer in bürgerlichen Proceßsachen betr.
Kekanntmachungen.
Colonia,
Feuer - Versicherungs - Gesellschaft zu Köln.
[423] Nachdem am 3. d. den Aktionairen über das Ge- schäftsjahr 1849 Rechnung gelegt worden ist, befindet sich bei der unterzeichneten Agentur ein Auszug aus dem Protokolle der Generalversammlung zur Behändigung an Jeden, der sich über den Geschäftsstand der Gesellschaft zu unterrichten wünscht. Die den Versicherten dargebotene Garantie ist abermals stärker geworden. Es sind bei mir jederzeit Prospektus und Formulare zu Versicherungs-Anträgen zu erhalten. Auf sorgfältige und rasche Besorgung der angetragenen Versicherungen kann man bei mir rechnen.
Hofgeismar, den 30. April 1850.
Der Agent: J. Ggc. Fritze.
[424] Tonknnftler - Verein.
Eingetretener Hindernisse wegen kann die auf Morgen, Freitag, den 24. angesetzte ausserordentliche Versammlung erst am Mittwoch, den 29. Statt finden.
Frachtpreise.
Kassel. Vom 16. bis einschließlich den 22. Mai.
Waizen d. Brtl. von 4 Thlr. 24 fcgr. — Hlr. bis 5 Thlr. — Sgr. — Hlr.
Roggen » „ „ 3 I! 5 ,, — » „ 3 ff 11 „ — ff
Gersie „ ,, ,, 2 ,# 20 „ — ff r 2 „ 23 ,, — ff
Hafer ,, ,, „ 1 „ 2 i ,, » ff 2 „ — ff — ?
Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. — Redaktion: Fr. Oetker nnd Dr. A. Pfaff. — Truck von Friedr. Scheel iu Kassel.