Einzelbild herunterladen
 

Neue Hessische Zeitung.

Organ der konstitutionellen Partei.

Dinstag, 21. Mai ib50. J\@ 234» Morgen - Ausgabe.

Diese Zeitung erscheint mit Ausnahme der Sonntage und Sonnabende täglich zwei Mal. Sonntags wird ein Unterhaltungsblatt beigcgcbcn. Die Morgen-Angabe wird von 7,11 bis 12 Uhr, die Abend - Ausgabe in Kassel von 5 bis 7 Uhr expedirt. Sonnabends erfolgt die Ausgabe nur AbendS, Sonntags nur Morgens. Man abonnirt bei allen löblichen Postämtern, in Kassel in der yiKfbarbtfi^cn und Voilmann'schen Buch - und Kunsthandlung. Ter Abonnementspreis beträgt halbjährlich 3 Thlr., vierteljährlich 1 Thlr. 15 Sgr., wofür alle kurhessischen Postämter das Blatt ohne Aufschlag liefern. Anzeigen werden mit 1 Sgr. für den Raum einer Pctitzcile berechnet.

Deutschland.

Berlin, 16. Mai. An dem Proteste gegen die von Oesterreich beabsichtigte Restauration des Bundestags haben sich nicht betheiligt Lippe-Schaumburg und Strclitz. Der Mi­nister des erstgenannten Staates, Herr Baron von Lauer- Münchhofen, hat als Grund für diese Nichtbcthciligung an­gegeben : man könne koch nicht verlangen, daß sein Fürst, der in Oesterreich Gütermassen im Umfange von 30 (Z Meilen besitze (die also größer als sein Fürstenrhum sind) so schroff gegen Oesterreich austrete. Mit dieser Auslassung hat jedoch der staatskluge Minister sich keineswegs begnügt, sondern so­gar das Verlangen gestellt, daß dieselbe in das Protokoll aus­genommen werde damit doch kie Einwohner des Fürsten­thums Schaumburg es schwarz auf weiß lesen könnten, daß ihr Fürst den Umfang ker Souveränetät seines Staats be­messe nach seiner Stellung als österreichischer Unterthan. Na­türlich hat der Protokollführer, aufmerksam gemacht durch eine Bemerkung des Hrn. v. Rakowitz, dem Verlangen des Schaum­burgischen Ministers nicht entsprochen. Als jedoch am Tage darauf (gestern) das Protokoll jener Sitzung verlesen wird, wiederholt Hr. Baron v. Lauer - Münchhofen sein Verlangen, die von ihm angegebene Motivirung in kas Protokoll ausge­nommen zu sehen bis er endlich zur Einsicht gelangt, als Hr. v. Rakowitz vor der ganzen Versammlung ihn bittet, im Interesse seines Fürsten von tiefem Verlangen abzustchen. Die Protokolle der Ministerkonferenzen, die heute um 4 Uhr ge­schlossen wurden, befinden sich bereits im Druck.

Berlin, 14. Mai. Nach demStaatsanzeiger" geben wir folgendes Wesentliche aus der am 11. Mai Statt gehab­ten Konferenz des hierher berufenen ZollkongresseS: die Ver­handlungen haben mit den Zollsätzen für Nahrungsstoffe be­gonnen. Nach der Regierungsvorlage soll der Eingangszoll a) für Roggen, Gerste, Hafer und Buchweizen von 5 Sgr. auf 6 Pfennig, und b) für Weizen und alle anderen unter 1) nicht besonders genannte Getreikcarten, desgleichen Hülsen­früchte, von 5 Sgr. auf 2 Sgr., der Eingangszoll von But­ter von 3 Thlr. 20 Sgr. pro Zentner auf 2 Thlr. ermäßigt werden. Die Regierungsvorschläge wurden angenommen. Für Cen Reis schlägt die Regierungsvorlage die Ermäßigung des Eingangszolles von 2 Thlr. bis auf 1 Thlr. 10 Sgr. für den geschälten Reis und auf 20 Sgr. für den Reis in ker Hülse vor. Ein hiergegen in der Versammlung gestellter An­trag auf eine weitere Herabsetzung des EingangSzolles von ge­schältem Reis bis auf 1 Thlr. und von ungeschältem auf die Hälfte fand den Beifall der Majorität, nicht aber der fernere Antrag, den Eingangszoll vom Reis in der Hülse noch weiter als auf 15 Sgr. herabzusetzen. Die Vorschläge der Regie­rung in Beziehung auf den Eingangszoll für Vieh gehen da­hin, daß derselbe für Ochsen und Zuchtstiere von 5 Thlr. auf 2 Thlr. 15 Sgr., für Kühe von 3 Thlr. auf 1 Thlr. 15 Sgr., für Jungvieh von 2 Thlr. auf 1 Thlr., für Kälber von 5 Sgr. auf 2 Sgr. 6 Pf., für magere Schweine von 20 Sgr. auf 7 Sgr. 6 Pf. herabgesetzt werden soll. Sie wurden ange­nommen. Gegen die Vorschläge in der Regierungsvorlage, den Eingangszoll von gelber, grüner und rother Farben­erde, Braunroth, Ocker, Rothstein, Umbra, rohem Flußspathe, roher Kreide, Kreuzbeeren, Quercitron, Safflor, Waid,

Wau, Krapp, Korkholz, Pockholz, Cedernholz, Buchs­baum, Weinstein, Harzen aller Art, Salpeter, salpeter- saurem Natron, Alkanna, Alkermcs, Avignonbceren, Ber- beriswurzeln, Kochenille, Indigo, Lak-Dye, Orleans, Orseille, Persio, Katechu, Kino, Färbeginstcr, Färbe- und Gerbewurzeln, Ölummi arabicum, Gummi Senegal, Flohsamen, Salep, Tra­ganth, Zitronensaft in Fässern, außereuropäischen Hölzern für Tischler, Drechsler u. s. w., Kokosnüssen, Elephanten- und anderen Thierzähnen, Perlmutterschalen, Hornplatten, Knochen, Meerschaum, Muschelschalen, Scknldkrötenschalcn, Wallfischbar- den, Rohr, Pfefferrohr, Stuhlrohr, Derbyspath, Fraueneis und Gypsspath, Moos, Kleie, Ziegenhaare, Brennholz, Kalk und Gyps, Gummi und Gutta percha, kenaturirtes Baumöl und Steine fallen zu lassen, fand man von keiner Seite etwas zn erinnern, die Versammlung erkannte kie Zweckmäßigkeit dieser Aenderung an. Eben so wurde eS zweckmäßig gefunden, daß der Eingangszoll von' Flachs, Werg, Hanf und Heede künftig wegsaU-en soll. Ob es dagegen bei der Bestimmung des jetzi­gen Zolltarifs, wonach diese Gegenstände zollfrei ausgeführt werden dürfen, zu belassen sei, und ob die in ker Regierungs­vorlage vorgeschlagenen Ausnahmen, wonach Werg und Heede auf der Grenzlinie von Hbrstelle bis Anholt einem AuSgangS- zoll unterworfen werden sollen, für angemessen zu erachten sei, so wie über die Höhe keS Ansgangszolles, wurde die weitere Berathung bis zur Diskussion über die Leinenzölle Vorbehalten. Die Herabsetzung des EingangSzolles vom Talg von 3 Thlr. auf 2 Thlr. hielt ein Theil der Versammlung nicht für aus­reichend ; die Vorschläge, den Zoll bis auf 15 Sgr. oder doch auf 1 Thlr. herabzusetzen oder diese letztere Ermäßigung doch für das Schweinefett eintreten zu lassen, fanden indessen nicht den Beifall der Majorität. Der Eingangszoll von rohem Zink soll nach der Regierungsvorlage von 2 Thlr. aus 1 Thlr. herabgesetzt werden. Es wurde von der überwiegenden Majorität anerkannt, daß die gänzliche Aufhebung des Ein- gangszollrö vom Zink nicht zulässig und gegen die Vorschläge der Regierung daher nichts zu erinnern sei.

(C. B.) Der Konferenz zur Begutachtung der preu­ßischen Abänderungsvorschläge zum Zolltarife sind vom Han- belsminister auch Eröffnungen gemacht worden, in Betreff ein# zuleitenver Verhandlungen wegen Ermäßigung der innerhalb des Zollvereines bestehenden Stromzv'lle, welche nicht der Ge­setzgebung des Zollvereines, sondern der Partikulargesetzgebung der betheiligten Uferstaaten unterliegen. Die Absicht der Re­gierung geht dahin, eine Ermäßigung auch dieser Zölle nach Maßgabe der für die allgemeinen Durchgangsabgaben provo- nirten Herabsetzung, nämlich um die Hälfte deö Normalge- sktzes, in Vorschlag zu bringen.

Der provisorische Vorstand des konservativ-konstitutio­nellen Wahl- und Hülfsvereins für Berlin hat dessen Mit­glieder zu einer Generalversammlung Behnks wichtiger Bera­thungen in dem Hörsaale des Hrn. Professor Mitscherlich zusammenberufen. Der Treubunv beabsichtigt ein großes Fest zur Feier des Gedeihens der deutschen Union im Tivoli zu veranstalten.

Nastatt, 12. Mai. Gestern fand standrechtliche Ver­handlung über den Soldaten Franz Neukum von Hüfingen wegen Verleitung preußischer Soldaten zum Aufruhr und