Einzelbild herunterladen
 

939 -

»enden Debatten über die Frage des Anschlusses an das Bünd- üß vom 26. Mai ist gar kein Resultat. Der Antrag auf Vcr- agung des Gegenstandes hat zuerst zur Abstimmung ge,tan­zen und der Beschluß über diese Vertagung hat vertagt wer­den müssen. Von 90 anwesenden Mitgliedern haben 45 für, 15 gegen die Vertagung gestimmt; nach der Geschäftsordnung wird die Abstimmung in der nächsten Sitzung, die bis jetzt noch nicht an gesetzt wurde, wiederholt und eventuell in den folgenden Sitzungen so lange fortgesetzt, bis eine absolute Mehrheit erzielt ist. (D. Z.)

Stuttgart, 17. Mai. Die Landesversammlung berieth heute, einige Artikel vorbehalten, den ersten vermöge ihrer In­itiative in Angriff genommenen Gesetzesentwurf, in Betreff Der Einführung der Oeffentlichkeit und Mündlichkeit in das bür­gerliche Verfahren, zu Ende. Dann kam die Amuestiefrage. Nach Beendigung unserer glorreichen Aprilbcwegung 1849 hatte bekanntlich auf Schnitzers Antrag die damalige Kammer mit allen Stimmen gegen 3 die Bitte um eine Amnestie für politische Vergeben ausgesprochen. Ihr war nicht entsprochen worden und inzwischen kamen politisch Verfolgte in Folge der späteren Ereignisse, der Reutlinger Volksversammlung, der Na­tionalversammlung , des badischen Aufstands rc. hinzu. M. Mohl brachte einen Antrag auf Bitte um Amnestie bei der aufgelösten Versammlung ein, erneuerte ibn bei der jetzigen, und in Folge desselben lag der Versammlung ein Adreßentwurf an Se. Majestät vor von der Verfassungskommission, Bericht­erstatter Probst. Derselbe wurde in der vorgelegten Fassung mit 37 gegen 15 Stimmen angenommen.

München, 16. Mai. Die Linke hat folgenden Antrag in der deutschen Frage in die Kammer gebracht:die hohe Kammer möge gegen die dem baierischen Bevollmächtigten einseitig ertheilte Vollmacht zur Schlußfassung in der deutschen Verfassungsfrage feierlich Verwahrung einlegen und erklären, daß über die Zukunft des deutschen Volkes ohne seine aus­drückliche Beistiinmung weder in Form einer revidirten Bun­desverfassung, noch sonst irgendwie verbindlich verfügt werden könne." (D. 3 )

Oesterreich.

Wien, 12. Mai. (D. Z.) Gestern hatten wir hier auf dem Michaeler Platze ein seltenes Schauspiel ein wallachischer Fürst, der hier in der ersten Gesellschaft empfan­gen wird, übte auf dem Rücken eines Omnibuskutschers mit seinem bochsürstlichkn Stocke die Selbstjustiz auf eine so ener­gische Weise aus, daß der goldene Knopf desselben absprang und der Stock selbst zerbrach. Der Kutscher blieb aber mit seiner Peitsche dem Rücken Sr. Durchlaucht auch nichts schul­dig, was die allgemeine Heiterkeit in sehr hohem Grade er­regte und steigerte. Wenn ich recht unterrichtet bin, so be­stand das in den Augen des.Fürsten unverzeihliche Verbrechen des Kutschers darin, daß er 'sich erfrecht hatte, den Hund Sr. Durchlaucht an sich zu locken. Das Dazwischentreten eines Municipalgarden machte dieser komischen Scene ein Ende, woraus Fürst G . . . a die Lehre ziehen kann, daß sich ein Omnibuskutscher in Wien nicht gefallen läßt, was man in der Wallachei sogar ungestraft an einer deutschen Gouvernante verüben durfte.

Die Einladung des hiesigen Erzbischofs zu dem heutigen Hochamte zur Feier der Rückkehr des Papstes nach Rom, welche gedruckt angeschlagen war, wurde beinahe überall her- abgerissen. Ebenso erging es dem Aufrufe der 26 hiesigen Bürger, welcher die Aufforderung zur Theilnahme an den Wahlen des neuen Gemeinderathes enthält. Die Aufregung gegen die Israeliten, welche Realitäten ankaufen, die früher Christen gehörten, ist vorzüglich in Mähren noch immer im Zuncbmen. In Jglau wurden Den Juden am 5. und 6. Katzenmusiken gebracht und alle Fenster eingeschlagen. (D.Z.)

Wien, 12. Mai. (L. N. B.) Dem Vernehmen nach soll Fürst Windischgrätz für die ihm zugedachte Gratifikation von 400,000 fl. gedankt und diese Summe ganz abgelehnt haben. Der Kaiser hat der Handelsmarine eine eigene Ehrenflagge zur Belohnung ausgezeichneter Leistungen verlie­hen. Ein Schreiben ans Pesth vom 9. meldet die erfolgte

Ankunft Haynau's, der mit glänzenden militärischen Ehrenbe­zeugungen empfangen wurde. Man empfindet dort in allen Kreisen eine tiefe Mißstimmung über den kirchlichen Erlaß und gewärtigt zahlreiche Uebertritte zu andern Konfessionen.

xistcii, 15. Alai. Uns überrascht, was über die Kon- stituirung Italiens hier allmählich aus den Berathungen der Kommission bekannt wird. Die Mittheilungen haben doppel­tes Interesse, theils in Bezug auf Italien selbst, theils in Be­zug auf unsere Deutzen Verhältnisse; denn die Elasticität, welche in dem italienischen Entwürfe der Reichsverfassung vom 4. März zugetraut, und durch welche diese selbst in Frage gestellt wird, laßt Raum genug zu Variationen in un­serer bisherigen Politik gegen Deutschland. Dieser Ent­wurf, ursprünglich im Juni 1849 von dem Herrn v. Bruck als Ausgangspunkt der Verhandlung mit Venedig aus­gestellt und gegenwärtig als Unterlage den Berathun­gen der italienischen Kommission dienend, erklärt die Lombar­dei und Venedig als ein Königreich mit 2 Landtagen, Der eine für Mailand, der andere für Venedig, Landtage, welche aus einem Senat und einer Dcputirtenkammcr bestehen sollen. Dem Regenten oder Statthalter würde ein Reichsrath zur Seite stehen. Andere Bestimmungen sind so abweichend von der März-Verfassung, daß eine reine Personal - Union das Band zwischen den italienischen und anderen österreichischen Ländern bilden würde. Ob Venedig und Mailand jedes ein besonderes Königreich bilden soll, geht aus dem Entwürfe nicht deutlich hervor. Merkwürdig ist ein Satz, welcher die katholische Religion als die herrschende, nach einer anderen Redaktion sogar als la soia dominante, alleinherrschende, er­klärt, was bekanntlich in der März-Verfassung anders verfügt ist.

Das ohnehin durch die Kriegsereignisse herabgekommene Kronstadt wurde am 7. durch eine Feuersbrunst theilweise verheert; über Den Umfang des Schadens fehlen noch genaue Angaben, hoffentlich sind Die Gerüchte übertrieben. Tele­graphische Depeschen bringen fortwährend Berichte über die Feierlicheiten in Triest. Am 13. war Se. Majestät gegen­wärtig, als das DampfbootDalmata" vom Stapel gelassen wurde.

Frankreich.

Paris, 16. Mai. In der heutigen Sitzung der Na­tionalversammlung verkündete der Minister des Auswärtigen, daß Der französische Gesandte von London abberufen sei, weil Die Antwort auf die über Wyse's Ultimatum in Der griechi­schen Angelegenheit geforderten Erklärungen nicht der Art wa­ren, wie mit Recht erwartet worden. Die Eröffnung ward mit dreimaligem Beifallsruf ausgenommen. Frankreich forderte Die Aufrechthaltung des londoner Vertrags-Entwurfs. In dem Abberufungsschreiben, welches Lord Palmerston mitgetheilt wurde, wird als Grund dieser Maßnahme angeführt, daß die bestimmten Versprechungen in Betreff Der guten Dienste Frank­reichs nicht gehalten wurden. Der Minister legte die betref­fenden Aktenstücke auf das Bureau Der Nationalversammlung nieder. Der französische Gesandte zu London, Hr. Drouyn de L'huys, wurde bereits in der heutigen «itzung Der Natio­nalversammlung bemerkt. Gestern waren alle Officicre der hiesigen Garnison konsignirt, auch war der Ministerrath in langer Konferenz versammelt; Der Kriegsminister und Der Des Innern erklärten sich über die von ihnen getroffenen Maß­regeln für Die Aufrechthaltung der öffentlichen Ordnung. General Changarnicr uns Der Polizeipräsckt Carlier wurden berufen, um Mittheilungen zu empfangen.Die Estafette ist heute wieder erschienen; die Republique wird morgen erscheinen; die Voix de Peuple hat noch keinen Drucker gefunden und schickt ihren Abonnenten einstweilen den National. h

Paris ist ruhig, Die Garnison wird fbltwährend ver­stärkt. Schlußcourse Der heutigen Börse: 5pCt. Renten 87 Fr. 75 Ct. 3b@L 54 Fr. 40 Ct. Bankaktien 2060 Fr. Die 5procentige Rente sank nach der Börse bis auf 86 Fr. 70 Cent.

Griecheukand.

Die österreichischen Blätter bringen den Notenwechsel, durch welchen die Beilegung der Streitigkeiten herbeigeführt ist. Wir heben daraus nur den Schluß Der letzten Note Des