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eines eigenen verantwortlichen Reichsministeriums gegenwärtig noch nicht an der Zeit. Diese Negierungen gehen von der Ansicht aus, daß an dem ursprünglichen Gedanken des Ber­trages vom 26. Mai 1849 festzuhallen sei, wonach der en­gere Bundesstaat ganz Deutschland mit alleiniger Ausnahme Oesterreichs umfassen, mit letzterem aber in rin völkerrecht­liches Allianz-Verhältniß treten sollte. Um diesen ursprüng­lichen Gedanken nicht der Aussicht auf Verwirklichung zu be­rauben, dürfe man das Unionswerk noch nicht völlig schließen, so lange ein Theil der deutschen Staaten außerhalb desselben stehe. Es sei vielmehr ein transitorischer Zustand vorzuziehen, welcher der Union, so weit sie bereits bestehe, Zeit lasse, in dem Boden der Wirklichkeit Wurzel zu schlagen und seine Attraktionskraft auf die außerhalb verbliebenen Regierungen auszuüben. Für dieses Transitorium genüge es, wenn Preu­ßen die Reichsgewalt einstweilen auf seine eigene Verantwort­lichkeit bin übernehme und durch Specialkommissarien ausüben lasse. Von preußischer Seite wird dagegen die Bestellung wenigstens eines Reichsministers des Innern, etwa auch des Kriegs und der Finanzen, in Gemäßheit der Reichsverfassung vorgeschlagen. Es liegt dabei die allerdings triftige Ansicht zum Grunde, daß die Uebernahme der vollen Verantwortlich­keit der Reichsgewalt von Seiten Preußens und deren Aus­übung durch preußische Beamte den Verdächtigungen der Ab­sichten der preußischen Regierung in Betreff der Union neue Nahrung geben und Preußen die Sympathieen ter außer- preußiseben deutschen Bevölkerungen mehr oder weniger ent­ziehen könnte. Gerade um diesem Ucbelstanve vorzubeugen, hat sich die preußische Regierung auch von vorn herein bereit erklärt, als Reichsminister des Innern einen nichtpreußischen Beamten anzunehmen. Um diesen Differenzpunkt dreht sich gegenwärtig noch die Diskussion. Wir haben inzwischen Ur­sache, um so eher an eine gütliche Beilegung desselben zu glauben, als nicht zu verkennen ist, daß die beiderseitigen Be­denken sich lediglich auf den reinen Eifer aller beteiligten gründen, dem Unionswerke seinen großartigen und allgemeinen deutschen Charakter zu erhalten. Von dieser Grundlage eines patriotischen Enthusiasmus aus läßt sich an dem Gelingen deS Erstrebten nicht zweifeln.

Berlin, 14. Mai. Das E. B. berichtet: Die gestrige Angabe, daß wahrscheinlich v. Manteuffel und v. Gagern die Berufenen wären, wird heute von beacdlenswerther Seite da­hin ergänzt, daß wohl nur die Beauftragung der preußischen Minister v. Manteuffel und v. Schleinitz als bestimmt anzu- schen, daß cs aber allerdings nicht unwahrscheinlich sei, daß man auch v. Gagern zu diesen Geschäften hinzuziehen werde. Jedenfalls wird die Miternennung Gagern's von der gesamm- ten loyalen Partei, nur die extremen Enden ausgenommen, mit Freuden als ein Pfand der wahrhaft deutschen Gesin­nung Sr. Majestät begrüßt werden, während man in der Er­nennung der Minister v. Manteuffel und v. Schleinitz die Sympathien Derjenigen für die Union erhält, die bisher'noch mit mißtrauischen Augen auf ihr Gelingen sahen. — Der Austritt Kurhksskus aus der Union wird immer wahrscheinli­cher. Faßt man die in Kurhessen allgemeine politische Stim­mung, von der seine Abgeordneten in Erfurt Zeugniß gaben, ins Auge, so ist nicht zu verhehlen, daß Se. königl. Hobelt der Kurfürst von Hessen und sein jetzt noch allgewaltiger Pre­mier dem eigenen Lande gegenüber völlig isolirt stehen, ein Standpunkt, der für mögliche Eventualitäten keineswegs beneid denswerth erscheint. Denn es würde einst vergebens fein, Preußen zum Schutz des monarchischen Princips anzurufen, wenn dasselbe durch seinen jetzigen Träger so erschüttert wor­den ist.

— Authentischen Nachrichten zufolge ist der Kaiser von Rußland in Warschau eingetroffen. Wie es heißt, wird der Prinz von Preußen in einigen Tagen sich dorthin begeben. — Die N. Pr. Z. berichtet über den Abschluß der neuen An­leihe von 18 Millionen, daß dieselbe zum Parikurse mit 4'/2pGt. Zinsgenuß vom 1. Januar k. J. an emittirt wird und daß ein Drittel davon die königl. Seehandlung und ein Drittel die Bank übernommen hat, letztere jedoch mit der Be­

schränkung , bis 1852 nichts davon zu verkaufen, wofür sie eine besondere Vergütung von 1 pEt. erhält; die übrigen 6 Millionen bleiben der Betheiligung des Publikums vorbehal­ten. Da der Bank dadurch in diesem Jahre eine extraordi­näre Einnahme von 330,000 und im nächsten von 270,000 Thalern erwächst, sofern die 6 Millionen in den Beständen statutenmäßig immer zum Pariwerthe aufgeführt werden, so hat der Ausschuß bei dem enormen Geldüberflusse der Bank dem Institute die Genehmigung zu diesem Geschäfte nicht versagen zu dürfen geglaubt, wenn gleich von mancher Seite, des Princips wegen, Bedenken dagegen erhoben wurden und man vielfach die österreichische Bank als warnendes Beispiel vor zu ausgedehnten Betheiligungen bei Staatsanleihen oder der­gleichen aufstellte. — Generallieutnant v. Griesheim ist be­auftragt, die Festungen Behufs gleichmäßiger Armirung der­selben zu inspiciren. Einen Theil der preußischen Festungen hat der Beauftragte bereits besucht. Jetzt wird derselbe sich nach Schlesien begeben.

Kiel, 12. Mai. Das E. B. enthält einen Artikel über die deutsche und die dänische Flotte, der mit folgender Ueber­sicht schließt: „Die Dänen haben an schweren Kanonen zur See: auf Segelschiffen 538, auf Dampfschiffen 22, auf Ka­nonenböten circa 180, zusammen 740 Kanonen. Die deut­sche Marine führt an Kanonen: auf Segelschiffen 100, auf Dampfschiffen 66, auf Kanonenböten 120 — 130, zus. 296 Kanonen. Die deutsche Marine hat also weniger: 444 Ka­nonen. Rechnen wir aber die Dampfschiffe als kampfunfähig nicht mit, so bat die dänische Marine 718 und die deutsche Marine 230 Kanonen. Die deutsche Marine also weniger: 488 Kanonen."

— Die scblcswig- holsteinische Ritterschaft ist unablässig bemüht, für die Anbahnung des Friedens mit Dänemark zu wirken; eine abermalige Zusammenkunft dieses Körpers, wel­cher zunächst Dänemark gegenüber eine politische Bedeutung beansprucht, '.wird in diesen Tagen Statt haben. Diese Zu­sammenkünfte werden auch vom Statthalter Grasen Reventlou besucht. Um so weniger sollten die Dänen der aufrichtigen Friedensliebe der Statthalterschaft mißtrauen, wie doch in den dänischen Blättern so häufig in solcher Hinsicht Verdächtigun­gen laut werden. (B. H.)

Oesterreich.

Bekanntlich findet die Sache des s. g. kleindcutschen Bun­desstaates ihre eifrigste Unterstützung in den gebildeten Stän­den Oesterreichs. So hält z. B. der intelligente, meist aus Deutschen bestehende Hanvelsstanv, namentlich in Triest, das Zustandekommen des deutschen Bundesstaates mit einer Union mit Oesterreich für die Lebensbedingung der Monarchie. Die unabhängigen Organe der Presse verfechten seit geraumer Zeit diese Idee auf das Lebhafteste. Großes Aussehen macht jetzt das Buch des BaronS Andriani über Oesterreich, aus wel­chem alle Zeitungen Auszüge liefern. Am Schluffe desselben heißt es unter Anderem:

„Was keinen Platz findet in dem entwickelten Systeme und ebenso wenig in der Verfassung vom 4. März, das ist das Hinüberschielen nach Deutschland — das künstliche Nähren schwarzrotbgvldner Träume in Deutschösterreich, welche nicht realisirt werden können, nicht realisirt werden dürfen, wenn Oesterreich ein einiges, selbstständiges Reich bleiben soll. — Soll cs dieses bleiben, so darf es weder seine gesetzgebende Gewalt, noch seine exekutive, und wäre es auch nur zum allerkleinsten Theile, in fremde Hände geben und den Schwer­punkt des Reichs außerhalb Oesterreich verlegen. Beides aber geschieht, sobald ein Bundesvirektorium, eine Bunveskommis- sion ober dergleichen, in Oesterreich auch nur die geringste imperative oder vollziehende Gewalt, — sobald einer aus Oe­sterreichern und Nichtösterreichern zusammengesetzten Versamm­lung irgend eine legislative Gewalt in Oesterreich eingeräumt wird."

Wien, 10. Mai. Die Gerüchte von einem Minister- wechsel kauern zwar noch fort, aber nach einer sehr glaubwür- würdigen Version wäre eine Umsetzung der Parteien erfolgt, die sie geradezu unwahrscheinlich macht. Man behauptet