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hcrüberzieben, souverän über eine Gesammtzaht Einwohner, die eine Berliner Viertels-Bevölkerung nicht erreicht. Doch hält wohl auch Darmstadt zu Kassel. So haben sie eine Linke und äußerste Rechte wie in einer gewöhnlichen Kammer. Ueber ein Centrum werden wir auch nicht hinweg gelangen. Ein Centrum muß es überall geben, selbst unter den Fürsten. Man avoptirt die Verfassung, vertagt aber die Unionsorgani- salion bis nach der Verständigung in Frankfurt! Bewahre eins der Himmel vor dieser fürstlichen Halbheit. Sic hat ihren Halt bei den Unentschiedenen, bei den gekrönten Vertre­tern der Vorbehalte, wie sie aus den wenig amüsanten Pro­tokollen des Vërwaltungsrathes zur Genüge bekannt. Aber die Mehrzahl ist doch guten Muthes und Koburg, wie wir hören, wühlt nach Kräften. Die Parteienflüssigkeit wird sich gestalten und kräftigen, wenn Preußen heute Abend vollführt, was es gestern wollte, und morgen nicht zurücknimmt die Be­schlüsse der gegenwärtigen Stunde. Was die Erwiderung der vertraulichen österreichischen Depesche betrifft, so bildet den Hauptgedanken der energische Satz, daß Niemand Preußen zwingen könne, die Bahn des Rechts, welche es gewandelt, rückwärts zu gehen und daß die Maiverfassung, wenn sie den Bund berühre, im Niveau der österreichischen Charte vom 4. März sich erhalte. Preußen habe aber Oesterreich niemals zugemuthet, seine Verfassung umzustoßen. Sonst kennen Sie die Substanz der vertraulichen Antwort durch den Protest. Die Cour bei Hessen-Kassel war farblos. Der Kurfürst machte keinen impouirenden Eindruck. In der Konferenz der preußi- Ichen und deutschen Minister haben lebhafte Erörterungen zwi­schen Hrn. v. Radowitz und Hrn. Hassenpflug Statt gefunden.

Zwischen dem Kurfürsten von Hessen-Kassel und dem Großherzog von Oldenburg brach gleich bei der ersten Zu­sammenkunft der gekrönten Häupter ein Konflikt aus. Der Kurfürst sagte zum Großherzog: Sie sind zu weit links gc- gangen für einen Fürsten. Der Großherzog erwiderte in et­was gereiztem Tone: Und Sie sind weiter rechts gegangen als recht ist für einen Fürsten, der es ehrlich mit Deutschland meint. Hassenpflug hat auf Alle, die mit ihm zu thun ge­habt haben, einen Eindruck gemacht, der von Abscheu nicht sehr verschieden ist.

Berlin, 13. Mai. (Pr. St.A.) Ihre Majestäten der König und die Königin haben, nachdem Allerhöchstdieselben Ihre Durchlauchtigen Gäste am Freitag Abend in der Oper begrüßt hatten, am Sonnabend, den 11. d. M., dieselben im Schlosse zu Charlottenburg an her Familientafel um sich ver­sammelt. Gestern, Sonntag, haben Ihre Majestäten bei dem Prinzen von Preußen in Höchstkessen Palais zu Berlin mit sämmtlichen anwesenden Fürsten und Prinzen und Prinzessinnen des königl. Hauses en famille um 4 Uhr dinirt. Nach der Tafel begaben Ihre Majestäten sich nach Charlottenburg zu­rück; Se. Majestät der König fuhren aber um 9*/2 Uhr wie­der nach Berlin und beehrten den Wirkt. Geheimen Rath Grafen von Redern, der an diesem Abende zu Ehren der anwesenden Fürsten einen Ball gab, mit Allerhöchst Ihrem Besuche. Se. Majestät der König verweilten bei diesem Feste, das von sämmtlichen anwesenden königlichen Prinzen und Prinzessinnen, so wie den fürstlichen Gästen Sr. Majestät, besucht war, bis Mitternacht. Heute Morgen um 11 Uhr fand große Parade der berliner Garnison Statt. Nach voll­endetem Vorbeimarsch haben die Allerhöchsten Herrschaften sich nach Charlottenburg zurückbegeben.

Berlin, 13. Mai. Vorgestern fand in Charlottenburg Tafel und Abends Ball bei Herrn v. Meycndorff zu Ehren der anwesenden Fürsten Statt. Der Ball wurde in denkai­serlichen Zimmern" im russischen Gesandtschaftshotel abgehal­ten. Gestern machten die Fürsten eine Spazierfahrt durch die königl. Gärten bei Potsdam, hieraus fand große Tafel Statt, Abends war Ball beim Prinzen von Preußen:

Wir erfahren, schreibt die V. Z., daß rer Kaiser von Rußland abermals den Prinzen von Preußen auf das Wärmste nach Warschau eingeladen hat. Der Prinz hat sich entschlos­sen, dieser Einladung Folge zu leisten. Herr v. Rönne, der frühere Gesandte in Washington, wird binnen Kurzem,

wie das Kvrresp. - Büreau berichtet, als Generalkonsul nach Mexiko gehen. Aus guter Quelle theilt das C. B. mit: daß Kinkel nicht wieder nach Naugardt zurückkehrt, sondern in Spandau, wo er gestern eingetroffen, verbleiben wird.

Berlin, 13. Mai. (D. A. Z.) Die Minister der verbündeten Staaten halten heute Nachmittag eine Schluß­konferenz, auf deren Resultate man natürlich sehr gespannt ist. Das Auftreten des kurhessischen Ministers Hasscnpflug ist Anlaß geworden zu einem Schreiben des Königs an den Kurfürsten von Hessen. Ob Hr. Hassenpflug nunmehr andere Wege einschlagen wird, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls dürfte der nun in Kurhessen allgewaltige Hr. Minister zu ei­nem offenen Spiele gezwungen werden. Vielleicht läßt sich Hr. Hassenpflug herbei, der Union Lebewohl zu sagen. Vor- läusig scheint jedoch der königliche Brief an seinen Souverän Hrn. Hasscnpflug etwas niedergeschlagen zu haben. Wenig­stens fand sich Hr. Hassenpflug in der letzten Ministerkonferenz gemüßigt,Erklärungen abzngcben, um etwanigen Mißver­ständnissen vorzubeugen". Der Brief des Königs an den Kur­fürsten ist von dem Ministerpräsidenten Grafen Brandenburg kontrasignirt und soll von Hrn. v. Manteuffel entworfen sein. Mecklenburg, so hofft man, wird der Union erhalten bleiben. Lippe scheint sich der Politik des Hrn. Hassenpflug unter allen Umständen anzuschließen. In der heutigen Sitzung der Mi­nister der Unionsstaaten wird auch vorzugsweise die Frage über die Organisation der Reichöregierung noch besprochen werden. Preußen wird hierin seinen Verbündeten mit wenig definitiven Vorschlägen gegenübertreten. Nur über die Per sonen, die das Unionsministerium bilden sollen, scheint man sich im Voraus geeinigt zu haben und zwar soll Niemand andere zu diesen Ehrenstellen auserkoren sein als der preu­ßische Minister des Innern Hr. v. Manteuffel und Hein­rich v. Gagern. An Hrn. v. Carlowitz und Hrn. Simson soll gleichfalls gedacht worden sein; Ersterem, von Hrn. von Radowitz vorgeschlagen, soll seine etwas ungestüme Thätigkeit in Erfurt entgegengcstandcn haben, Herrn Simson aber soll man für eine spätere Zeit ausbewahren wollen. Die Wahl der Herren v. Manteuffel und v. Gagern darf als eine ent­schieden glückliche bezeichnet werden. Herr v. Manteuffel, der Hauptmitbcgründcr der Union, wird ihre Einführung, ihre Durchführung zu betreiben jedenfalls als geeignet erscheinen. Ein strenges Festhalten darf von ihm zunächst erwartet wer­den. Heinrich v. Gagerns Name an der Spitze der Unions­regierung ist eine Bürgschaft mehr für die aufrichtigen natio­nalen Bestrebungen der Regierung. Gagern garantirt das Festhalten der deutschen Einbeitsivee, Manteuffel verbürgt die praktische Ausführung. Beide Männer erscheinen weniger er­wählt, als durch die Geschichte der letzten Zeit berufen zu den Aemtern, die ihnen jetzt werden sollen, und in denen es ihre Aufgabe sein wird, die großen Erwartungen zu erfüllen, zu denen sich die Nation berechtigt glaubt. Für die nächste Zeit dürfte namentlich H. v. Gagern die Leitung der Ge­schäfte übernehmen. Eine Verstärkung des Unionsministeriums durch einige Mitglieder des preußischen Kabinets soll in Aus­sicht stehen. Man schreibt der Oberpostamtszcitung aus Berlin: Unter den Fürsten hat der geistreiche Herzog von Gotha den Versuch gemacht, eine fest zusammenhaltende Frak­tion zu organischen, welcher die Befestigung des engeren Bun­des durch Adoptirung der zu Erfurt angenommenen und re- vidirten Verfassung als Fahne dienen sollte. Der deßfallsigen Privatbesprechung unter den betreffenden Fürsten soll cs an einigen pikanten Momenten nicht gefehlt haben. So erzählt man sich unter Anderem, daß dem brausenden Fürsten von Bückeburg, als er, eifersüchtig auf v e Vorrechte der Partiku- larsouvcränetät, dagegen protestiern wollte, daß Preußen allein die Union in Frankfurt vertreten solle, der biedere Fürst von Schwarzburg-Rudolstadt in seiner geraden Weise ruhig ent­gegnet haben, er möge immerhin protestiren, es werde ihm doch nichts helfen; der Naturnothwenvigkeit könne sich kein Sterblicher entziehen. In der Versammlung der Minister und Deputirtcn gilt Hasscnpflug als Führer der bundesstaatlichen Opposition. Ein Gegenstand verehrungsvoller Theilnahme ist