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Neue Hessische Zeitung.

Organ der konstitutionellen Partei.

Montag, t3. Mai 1850. ^W 222. Abend- Ausgabe.

Deutschland.

Berlin, 9. Mai. (Sestern Vormittag fand eine mehr* stündige Konferenz der Minister der thüringischen Staaten Statt, in welcher wahrscheinlich die zwischen den thüringischen Staaten beabsichtigte engere Verbindung berathen wurde.

— Auch die polnischen Blatter berichten von einem in Warschau abzuhaltenden Fürftcnkongrcß. Der Dzicnnick schreibt: In Warschau werden bereits die großartigsten Vor­bereitungen zur Aufnahme der hohen Gaste und Diplomaten getroffen. Wer dahin kommen wird und was da berathen werden soll, darüber können bis jetzt natürlich nur Vermu­thungen Statt finden. Den Kaiser erwartet man zum 24. Mai, und um die Zeit wird auch wahrscheinlich der Kongreß seinen Anfang nehmen. (C. Z.)

Berlin, 10. Mai. Die N. Pr. Z. enthält FolgenceS: Preußen hat nunmehr geantwortet auf die österreichische Cir- kulardepesche vom 26. April und zwar mit einem Protest vom 3. Mai und einer diesem beigegebenen vertraulichen Mitthei­lung vom selben Tage. Der wesentliche Inhalt des Protestes ist uns als folgender bezeichnet worden: Preußen habe es stets für seine Pflicht gehalten, die Grundsätze offen auszu­sprechen, welche es rücksichtlich der Union hege; weitere Ent­schließungen aber behalte es sich vor bis nach den Berathun­gen mit seinen Verbündeten. • Preußen sei stctS nur von den thatsächlichen Verhältnissen auSgegangen: 1) von den Ereig­nissen und Bundesbeschlüssen des Jahres 1848, 2) von der österreichischen Gesammtverfassung vom 4. Mai 1848 und 3) der damit in Verbindung stehenden Forderung der österreichi­schen Krone, die Bundesverfassung auf den ganzen Kaiserstaat auSzukebncn, 4) endlich von der Union selber als einer anS freiem Willen und unbeschadet der weiteren Bundespflichten hervorgegangenen Vereinigung deutscher Fürsten. Nachdem so die Berechtigung der Union pargsthan, protestirl Preußen 1) dagegen, daß Oesterreich auf Grund der Art. 5 und 6 der Bundrsaklc dem nach Frankfurt berufenen Kongreß den Cha­rakter der früheren Bundesversammlung beilege, 2) dagegen, daß Oesterreich die ehemaligen Präsidialbesugnisse in Anspruch nehme. Die Bundesversammlung sei durch rechtsgültige Bc- schlüsse im Jahre 1848 aufgelöst worden, es seien also auch die Präsidialbesugnisse Oesterreichs erloschen. Preußen könne die Aufforderung Oesterreichs zum Kongreß nur als eine Ein­ladung, an die einzelnen Regierungen ergangen, erachten, zu der Oesterreich gleich jeder andern deutschen Regierung voll­kommen befugt fei ; cs könne aber demgemäß auch keine nach- theiligen Folgen für diejenigen Regierungen daran knüpfen, welche sich nicht an diesen Berathungen betheiligen; es er­wachsen für dieselben keine anderen Folgen, als daß das Er­gebniß dieser Berathungen auf sie keine Anwendung findet. Die in Frankfurt Erscheinenden würden nur für sich Einrich­tungen vereinbaren, wären aber keineswegs befugt, im Namen des Bundcs zu handeln. Die „vertrauliche Mittheilung" weist den von Oesterreich in der Cirkulardcpesche vom 26. April erhobenen Vorwurf, als habe Preußen gegenüber dem Bunde den Weg des Rechts, der Pflicht und der Ehre ver­lassen, mit Entschiedenheit zurück und schließt, daß eher nicht an einen Vertrag zwischen Oesterreich und Preußen zu denken sei, bevor Oesterreich nicht anerkenne, daß Preußen in der Union den Weg des Rechts , der Pflicht und der Ehre wandele.

— Der französische außerordentliche Gesandte, H,. v. Persigny, ist gestern wieder hier eingetroffen. — Der Herr Handclsminister wird morgen mit den hierher berufenen und

aus den verschiedenen Provinzen gewählten Sachkundigen, welche über die dem nächsten Zollkongreß zu machenden Vor­lagen gehört werden sollen, einen Ausflug nach Stettin ma­chen, um mit ihnen einer Ucbungsfabrt des „Preußischen Ad­ler" beizuwohnen. Die Berathungen über den Zolltarif be­ginnen heute.

Berlin, 10. Mai. Es ist so eben höheren Orts die Weisung an die Magistratsbehörde ergangen, schleunigst eine Neuwahl für den ehemaligen Unterstaatssekretär v. Bülow zu veranlassen, der in Folge seiner Ministerernennung in Meck­lenburg sein hiesiges Mandat für Erfurt nievergclegt hat. Es hat diese Weisung insofern eine politische Bedeutung, als man daraus die in obern Kreisen vorwaltende Ansicht erkennt, das Erfurter Parlament in kurzer Zeit wieder zusammen zu rufen.

Berkin, 10. Mai. Das- „ Korresp.-Bürcau" meldet: Der Kurfürst von Hessen ist sehr bemüht, die Vermittlerrolle zwischen Oesterreich und Preußen fortzuführen. — Neben dem Hauptzwecke scheinen die hier anwesenden Minister der kleine­ren Staaten auch noch andere Zwecke zu verfolgen. Es fin­den zahlreiche Konferenzen Statt. So ist heute Vormittag eine mehrstündige Konferenz der Minister der thüringischen Staaten abgchaltcn worden.

— Einem der letzten preußischen Ministerrathe wohnte der Herzogl. gothaische Staatsministcr v. Seebach bei. Die Ver­handlungen betrafen wie in den letzten Tagen ausschließlich die deutsche Angelegenheit. — Die „Spen. Ztg." schreibt: Obgleich es in mehreren Zeitungen in Abrede gestellt wird, daß das in der Rheinprovinz stehende 8. Armeekorps mobil gemacht werde, indem die Officiere davon noch keine Kennt­niß hätten, wird uns doch von anderer Seite versichert, daß nicht nur das 8., sondern auch das in Schlesien stehende 6. Armeekorps auf den Kriegsfuß gesetzt wird.

Berlin, 11. Mai. Da zu der heutigen Vorstellung des „Propheten" im königlichen Opernhause sämmtliche hier an­wesende höchste und hohe Herrschaften erwartet werden, so sind bereits außergewöhnliche Arrangements zu deren Auf­nahme getroffen worden. Die große königliche Loge ist er­weitert worcen, indem die nächsten Plätze des ersten Ranges hinzugenommen wurden. Der dicht dahinter sich befindende Opernsaal ist festlich dekorirt und wird durch drei Kronleuch­ter erhellt, um während der Zwischenakte zur Aufnahme der hohen Gäste zu dienen. — Zu der glänzenden Tafel, welche Se. Maj. der König den hier versammelten Unionsfürsten in den Staatszimmern des königl. Schloßes am Himmelsahris- tage gab, waren gegen 500 Personen geladen. Se. Majestät der König brachte während der Tafel einen Toast auf die Unionsfürstcn aus, in deren Namen darauf der Kurfürst von Hessen-Kassel auf das Wohl Sr. Maj. des Königs seinen Pokal erhob. — Zn dem üblichen Kirchengcbct, welches vor­gestern in allen Kirchen, während des Gottesdienstes abgelesen wurde, war auch des glücklichen Erfolges der von den Unions­fürstcn hier jetzt abzuhaltenden Berathungen gedacht. — Se. königl. Hob. der Prinz von Preußen wohnte vorgestern Vor­mittag dem vom Prediger Büchsel in tcr Malthäikirche abgc- haltenen Gottesdienste mit dem Ministerpräsidenten Grafen v. Brandenburg bei.

Berlin, 11- Mai. Der N. Pr. Zeitung entnehmen wir die Notiz über folgenden Zwischenfall in den Kongreß- Verhandlungen : Die gestrige Konferenz der preußischen Mi­nister und der Bevollmächtigten der Unionsfürsten war auf 6'/2 Uhr anberaumt, konnte jedoch erst drei Viertelstunden