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Nene Hessische Zeitung.

Organ -er konstitutionellen Partei.

Montag, 13. Mai 1850 , W 221. Morgen - Ausgabe.

Diese Zeitung erscheint mit Ausnahme ter Sonntage und Sonnabende täglich zwei Mal. Sonntags wird ein Unterhaltungsblatt Htigtgeben. Die Morgen-Ausgabe wird von 7,1 I bis 12 Uhr, die Abend - Ausgabe in Waffel von 5 bis 7 Uhr ervebirt. Sonnabends erfolgt die Ausgabe nur' Abends, Sonntags nur Morgens. Man abonnirt bei allen löblichen Postämtern, in Kassel in der Lllckkardt scheu und Vollmann'schen Buch - und Kunsthandlung. Ler Abonnementspreis beträgt halbjährlich 3 Thlr., vierteljährlich 1 LHIr. 13 Sgr., wofür alle turhessischen Postämter das Blatt ohne Aufschlag liefern. Anzeigen werden mit 1 Sgr. für den Naum einer Petitzeile berechnet.'

Deutschland.

Berlin, 9. Mai. Der Sx. Z. ging vonglaub- twütbigtr Seite" folgende Mittheilung über den hiesigen Für- stenkongrcß zu:In kompetenten Kreisen bezeichnet man als Gegenstand der vertraulichen Besprechungen ter Unionsfürsten und der sich daran schließenden Ministerkonferenzen, insbeson­dere auch eine Vorlage über die Bundesrevision. Dieselbe würde die Vorlagen, welche Oesterreich der rehabilitirten Bun­desversammlung zu machen beabsichtigt, wesentlich berühren und die Aufgabe der Revision erleichtern. Es handelt sich nämlich darum, daß die verbündeten Fürsten in einer Art Kompromiß eine Erklärung abgeben, welche Artikel der Bun- I besgrundgesenc durch den Beschluß der Bundesversammlung I vom 13. Juli 1848 rechtsgültig aufgehoben sind. Wie wir vernehmen, sind Vorarbeiten zu diesem Zwecke bereits gemacht." Unmittelbar auf den hiesigen Fürstenlag soll ein in Gotha zu vereinigender Ministerkongreß sich mit der Ausführung des zwischen den hohen Häuptern zur Uebereinkunft Gediehenen befassen. Dahin gehört theils die Entwerfung der neuen Bot­schaft an das Unionsparlament, theils die schwierige Aufgabe der Bildung eines Unionsministeriums.

Wie es scheint, macht die preußische Regierung sich ernstlich auf alle Eventualitäten gefaßt, selbst die eines Bru­ches mit dem Auslande. Von den bewilligten 18 Millionen sollen in der That etwa 7 Millionen negociirt worden sein, und zwar, wie wir mit Genugthuung vernehmen, sowohl bei inländischen Kapitalisten, als zu sehr günstigen Bedingungen, nämlich zu 97'/2 Procent für eine mit 4*/2 Proc. zu ver­zinsende Anleihe. Auch die Angelegenheit Schleswig-Hol­steins beschäftigt lebhaft unsere Regierung. Preußen beharrt auf den schon von der Reichsregierung im Wesentlichen aner­kannten (kürzlich zuerst vom Morning Chronicle wieder mit- gctheilten) FriedenSgrundlagen. Der Widerstand Dänemarks beruht bekanntlich aus einer erwarteten Bundcsbülfe Rußlands. Man wiederholt, daß der Kaiser entschlossen sei, nöthigenfalls mit gcwaffneter Hand die von ihm für rebellisch erklärten Herzogthümer zur Unterwerfung zu bringen. Was wir aber mit Befremden und Bedauern vernehmen, ist das Gerücht, daß Lord Palmerston erklärt habe, er werde gegen eine Lan­dung russischer Truppen zu diesem Zweck nichts einwenden'.

(Sonst. Ztg.)

Gestern war der Fürstenkongreß im hiesigen Schlosse um 3/4 Uhr versammelt. Se. Maj. der König haben an denselben eine Ansprache gehalten, in welcher mit Entschieden­heit das Festhalten Preußens an der Union ausgesprochen und die Fürsten gefragt wurden, ob sie trotz der Gefahren, welche wider die Union erstehen zu wollen scheinen, die Preußen aber nicht für zu groß halten könne, gleichfalls an derselben fest­halten wollten. Se. Maj. forderten für den Augenblick noch keine^ Erklärung, sondern erwarten dieselbe erst dann, wenn die Fürsten sich mit den verantwortlichen Ministern besprochen haben werden. Die Erklärung Sr. Maj. machte einen sicht­baren Eindruck auf die hohe Versammlung, dem der Groß­herzog von Baden Worte gab, indem er Dank für die Ver­gangenheit und Vertrauen für die Zukunft aus sprach.

Berlin, 10. Mai. (C. C.) Nachdem die hier ver­sammelten Fürsten und Repräsentanten der freien Städte am

8. d. in Charlottenburg zur Tafel gewesen und im Laufe des Tages, sowie in der Nacht zum 9. noch der Großherzog von Baden königl. Hoheit und die übrigen noch erwarteten Ünions- mitgliever eingetroffen waren, fand gestern Mittag um 3 Uhr die erste, lediglich aus den Fürsten und den frcistädtischen Ver­tretern bestehende Konferenz im königl. Schlosse hierselbst Statt. Se. Maj. der König eröffneten dieselbe durch eine Anrede, auf welche der Großherzog von Baden antwortete. Nach der hieran sich knüpfenden vertraulichen Unterhaltung ging man zur Tafel, an welcher auch die hiesigen und fremden Minister und Hofleute, so wie andere hohe Staatsbeamte, in Allem gegen 200 Personen , 'Theil nahmen. Se. Maj. saßen zwischen der Fürstin von Waldeck und dem Kurfürsten von Hessen gerade gegenüber dem Großherzog von Baden. Man bemerkte, daß sich der König während und nach der Tafel sehr lebhaft mit mehreren der hohen Gäste, so wie auch mit einigen der fremden Minister unterhielt. Urbrigenö haben, wie man hört, mehrere Unionsfürsten bereits am 8. nach der Rückkehr von Charlottenburg eine besondere Zusammenkunft bei Sr. Hoheit dem Herzog von Koburg-Gotha gehabt. Der Großberzog von Baden, welcher in der Nacht vom 8. zum 9. in Begleitung des Ministers Klüber hier cintraf, ließ sogleich den badischen Bevollmächtigten beim Verwaltung-rathe zu sich rufen, mit welchem und dem Minister Se. königl. Hoheit von 5 Uhr Nachts bis zum folgenden Mittag unausgesetzt arbeiteten.

Berlin, 10. Mai. (C.-B.) Die Fürsten haben beut unter dem Vorsitz Sr. Maj. des Königs eine zweite vertrau­liche Besprechung. Außer den Fürsten ist Niemand zugegen, Protokoll über die Verhandlungen der höchsten Personen wird nicht geführt.Heute Abend theilen sich die Prinzen Karl und Albrecht in die Bewirthung der hoben Gäste. Beide Prinzen haben Vorbereitungen zu sehr glänzenden Festlichkeiten getrof­fen. Morgen gibt der russische Gesandte Hr. v. Mcpendorff zu Ehren der Unionsfürsten einen glänzenden Ball. Diesem Feste folgt Sonntag ein gleiches bei dem Prinzen von Preu­ßen und Montag bei dem englischen Gesandten Grafen West­moreland. Das Fest, welches der Prinz von Preußen veran­staltet, wird durch die Anwesenheit seiner hohen Gemalin ver­herrlicht werden. Es ist verschoben worden , weil die Prin­zessin erst morgen cintrifft und die Gäste die liebenswürdige Wirthin gewiß ungern vermißt hätten.

Von gewöhnlich sehr gut untere steter Seite her theilt man uns Folgendes mit: Die Unionsakte der hier versammel­ten Fürsten wird ungesäumt vollständig zum Abschluß gebracht und zwar ganz im Einverständniß mit der in Erfurt sestgc- stellten Verfassung; von den sämmtlichen Unionsfürsten werden alsdann zwar Bevollmächtigte nach Frankfurt gesandt, doch nur um gegen die Berufung und das Auftreten Oesterreichs zu protesthen, so wie um von dem Abschluß der Union offi- cielle Kunde zu geben, in deren Namen darauf Preußen (mit allen ihm dadurch zufallenden Stimmen) sich bei der weiteren Reorganisation der deutschen Bundesakte betheiligen soll. Von Seiten Rußlands ist, wie man hört, die unzweideutige Erklärung abgegeben worden, daß es der Union und nament­lich Der Obermacht Preußens in Deutschland vollkommen bei­stimme, und wird in Folge dessen der Prinz von Preußen nach Vollziehung der Unionsakte sich nach Warschau zum