Einzelbild herunterladen
 

Reue Hessische Zeitung.

Organ der konstitutionellen Partei.

Freitag, 10. Mai 1850. ^V? 2^8. Abend-Ansgabe.

Zue Rucheicht!

Auf die Neue Hessische Zeitung kann für die Monate Mai und Juni mit 20 Sgr. abonnirt werden und wolle man hier­auf gerichtete Bestellungen baldigst bewirken.

Die Expedition der Neuen Hessischen Zeitung.

DeutseKlanb.

ch Kaffel, 10. Mai. Seit vorgestern Morgen hielt sich Herr von Vincke in unserer Stadt auf, und ist, nachdem er im Kreise seiner politischen Freunde zwei Tage zuge­bracht, heute Morgen in seine Heimath abgereist. Vorgestern Nacht wurde ihm auf Veranlassung seiner Freunde durch un­sere Bürgergarden - Musik ein Nachtftändchen unter den Fen­stern seines Absteigequartiers im König von Preußen gebracht.

Fulda, 6. Mai. Der politische Flüchtling Dr. Ernst Dronke ist seit einigen Tagen hier gesehen und von der Po­lizeibehörde beinahe zur Haft gebracht worden. Einige seiner Bekannten, die zufällig von dem Vorhaben des Polizcibcam- ten Kenntniß erhalten halten, versäumten nichts, um die Flucht des Verfolgten zu ermöglichen. Man erzählt sich, er sei aus Frankreich ausgewiesen und nach Belgien gebracht worden, wohin er jetzt wieder sich begeben haben soll. (O.P.A.Z.)

^/ Fulda, 6. Mai. Wie bei Witterungsveränderungen ältere körperliche Schäden zu schmerzen anfangen und den Träger an das Fortbestehen seines Uebels empfindlich erinnern, so ging es einem Theile hiesiger Bürgerschaft beim Durchzuge der zurückmarschirenden preußischen Truppen. Derartige Trup­penmärsche wecken allerlei Anforderungen. Es werden darnach Requisitionen an die Gemeindebeamten gemacht, welchen ent­sprochen werben muß und zwar sofort. Aber wie sieht es mit der Bezahlung dieser Leistungen aus? Sollen die einzelnen Lieferanten warten bis die königl. preußische Kriegskasse sie, sei es akkordmäßig, Prästation oder Rechnung bezahlt? oder sind die Gemeinvekassen verbindlich, diese Rechnungen vor­schußweise an die Lieferanten zu berichtigen, weil die Orts­vorstände oder Verwaltungsbeamten diesen Requisitionen Folge gegeben haben? ober soll die Staatskasse subveniren und die Kosten vorlegen und der Staat später dieselben durch sein Ministerium des Aeußeren allenfalls wieder eintreiben lassen? Diese praktischen Fragen beschäftigen die Gemeinbeangehörigen jedes Mal zur Zeit des Bedürfnisses und erregen den Wunsch, daß dieser Gegenstand endlich seine gehörige Regelung finde.

Berlin, 6. Mai. Die Mittheilung des ersten öster­reichischen Circularschreibens erfolgte an das preußische Kabinet unter Hinzufügung einer, wie es heißt, nur an Preußen ge­richteten, sehr hochfahrenden Depesche. Oesterreich versichert im Eingänge bei Einsetzung des Interim von dem Glauben aus- gegangm zu sein, die gesetzte Frist werde zur allseitigen Ver­ständigung in der deutschen Frage hinreichen. Oesterreich kann schwerlich in einem halben Jahre durchzusetzen gehofft haben, was die Anstrengungen der Fürsten und Völker nicht erst seit 1848 auf so verschiedenartige Bahnen geführt hat. Es kann also damals wieder auch nur die Herstellung des Bundestags und die Zurückdrängung Preußens aus seiner Stellung und seiner Pflicht in petto gehabt haben. Diese verkennen und aufgeben müssen, — von einem solchen Ansinnen gegen Preu- ßrn, ja von dem Vorwurf, sich nicht dazu verstanden zu ha­ben, geht die Cirkularbepesche aus. Die Mission jener Ein­berufung spricht Oesterreich sich zu auf Grund 1) des einhel­ligen Vertrauens seiner Bundesgenossen, — das könnten doch wohl uur die der Münchener Uebereinkunft sein, hiernach die

Autorität Oesterreichs auch diese allein berühren; 2) bes Art. V. der Bundesalte, der Oesterreich den Vorsitz der Bundes­versammlung zuspricht, — diese also bereits als fertig, ober noch bestkhenb und kompetent voraussetzt: eine Voraussetzung, die aufzuheben die Lossagung Preußens allein hinreichen würde. Wenn ferner Oesterreich mit Preußen verbündet die Fortführung der Centralkommission nicht gewollt hat, so folgt daraus am allerwenigsten, daß es ohne Preußen zur Einsetzung einer neuen schreiten dürfe. Thatsächlich haben die (preußi­schen) Unionsentwürfe jeden Punkt vermieden, der eine An­forderung an Oesterreich enthielte: höher als zu dem Anspruch einer ähnlichen Union wird der jedenfalls unvollständige Kon­greß in Frankfurt materiell sich nicht erheben. Die umfassen­dere formelle Befugniß des deutschen Bundes kann Oesterreich aber wahrlich sich und den „Bundesgenossen" nicht zuerkennen, die nach Art. IV. der Wiener Schlußakte ausdrücklich nur der Gesammtheit der BundeSglieder zusteht.

Ueber die von Preußen ertheilte Antwort berichtet man Folgendes: „Preußen betrachtet das Wiener Kabinet als ganz unbefugt dazu, einen Kongreß durch Cirkularnoten auszu­schreiben, und wird in Gemeinschaft der Unionsregierungen in keiner Hinsicht darauf eingehen. — Mit dem 12. Juli 1848 hat die Bundesversammlung und mit ihr ein kaiser­licher Präsibialhof aufgehört zu rxistiren. Oesterreich hatte daher keine Befugniß, eine Plenarversammlung nach Frankfurt einzubcrufen, ohne vorher allen deutschen Regierungen solches vorgeschlagen zu haben, denn nur Vorschlägen kann unter den jetzigen Umständen eine Regierung in Deutschland, nicht „auf­fordern" zu einer Entsendung ihrer Bevollmächtigten. Der Art. LIX der Wiener Kvngrcßakte sagt deutlich, daß eine durch eine Plenarversammlung zu verhandelnde Frage vor Allem durch den engeren Rath nach Stimmenmehrheit ent­schieden werden muß.„ (Wes.-Ztg.)

Berlin, 7. Mai. Herr v. Radow tz, welchen in Erfurt ein schmerzlicher Verlust betroffen hat, wird wohl dennoch auf- gesordert werden, für die nächsten Tage nach Berlin zu kom­men. (Wie der Köln. Zeitung geschrieben wird, ist das Ent- lassungsgesuch des Hrn. v. Radowitz nicht angenommen. Ver­folgt in der niederträchtigsten Weise, hielt er es für nöthig, Se. Maj. um die Entlassung zu bitten, falls seine Person dem guten Einvernehmen mit Oesterreich im Wege stände. Der König hat ihm dieselbe bis jetzt nicht ertheilt.)

— Heute geht der Flügelabjutant des Königs, Herr von Below, nach Kopenhagen. Man erwartet von seiner Mission das Zustandekommen eines definitiven Friedens.

Berlin, 7. Mai. Die Wahlen der Arbeitgeber (Haub- werksmeister) zum Gewerberath sind heute ebenfalls demokra­tisch ausgefallen. Die Betheiligung war zwar stärker als ge­stern, doch waren auch heute Anhänger der konservativen Par­tei überwiegend nicht erschienen. In einigen Bezirken soll eS zu Konflikten gekommen sein. — Die Wahlen der Kaufleute und Fabrikbesitzer dagegen sind entschieden konservativ ausge­fallen, wenn man die politische Parteistellung der Gewählten überhaupt andeuten will. Sicher hatten Wähler und Ge-