Einzelbild herunterladen
 

Neue .Hessische Zeitung.

Organ -er konstitutionellen Partei.

Mittwoch, 8. Mai 1850 . V- ^ ! M» Morgen - Nusgabe.

Diese 3eitxuin erscheint mit AuSnahmc der Sonntage und ©onnabcnbe täglich zwei Mal. Sonntags wird ein UnterhaltunqSblatt beheben. Die Morgen. Ansgabe wird von 7,11 bis 12 Uhr, die Abend - Ausgabe in Änfjel von 5 bis 7 Uhr erpedirt. Sonnabends erfolgt die Ausgabe nur Abends, Sonntags nur Morgens. Man abonnirt bei allen löblichen Postämtern, in Kassel in der Luchbardt'schen und Vollmann'schen Buch - und Kunsthandlung. Der AbonnementSpreis beträgt halbjährlich 3 Thlr., vierteljährlich 1 Thlr. 15 Sar., wofür alle turbcssischen Postämter das Blatt ohne Aufschlag liefern. Anzeigen werden mit 1 ^r. für den Raum einer Petitzeile berechnet.

Deiltschlaud.

Kassel, 7. Mai. Se. königl. Hoheit der Kurfürst sind heute Morgen mit Gefolge nach Berlin abgereist. In dem­selben befinden sich der Ministerpräsident Hassenpflug, der Le­gationsrath v. Baumbach, Vorstand des Ministeriums des Aeußcrcn, ter Genrraladjutant Generalmajor v. Specht und der Flügeladjutant v. Loßberg. (K. A.Z.)

Berlin, 4. Mai. Nach dem zu urtheilen, was in wohl unterrichteten Kreisen vernommen wird, läge den russischen Rüstungen in Polen auch nicht im Entferntesten eine feindliche Absicht gegen Preußen zu Grunde. Manche Blätter haben die öffentliche Meinung ia dieser Beziehung absichtlich getäuscht. Wer nicht eine ganz verkehrte Vorstellung von der Lage der Dinge hat, wird an keinen Krieg zwischen Rußland und Preußen, und am wenigsten jetzt glauben. Der Punkte, wo diese beiden Kabinette sich berühren, gibt es viel mehr, als derer, wo sie sich abstoßen. Rußland hat in Betracht von viel­leicht schon bald rintretenden, über lang oder kurz aber un­vermeidlichen Ereignissen in Frankreich eine bedeutende Macht in Bereitschaft halten und so weit als möglich verschieben wollen. Rußland bat sich in der letzten Zeit wenig in die rein deutschen Angelegenheiten eingemischt, dagegen der däni­schen und schleswig-holsteinischen Frage eine große Aufmerk­samkeit bewiesen. Zwischen Meyendorff und Pcchlin finden häufig Berathungen statt. Das dänische Ministerium ist auf die preußischen Vorschläge, die auf die Bundesbeschlüsse von 1846 basirt waren, bis jetzt nicht eingegangen. Es will nach wie vor die Trennung der Herzogthümer und die Einverlei­bung Schleswigs in Dänemark, nur mit getrennter Verwal­tung. Hierauf will und kann das preußische Kabinet nicht eingehen. Denn Schleinitz ist wenigstens in dieser Beziehung ter Nachfolger Heinrichs von Arnim. Bleibt man in Kopen­hagen bei seinem kopflosen Starrsinne, so zieht Preußen seine Truppen ganz zurück und hindert die Herzogthümer nicht, auf eigene Hand zu operiren, wohl wissend, daß die Dänen den Krieg nicht lange auf eigene Hand würden führen können. Sollten aber die Dänen ihrer Seits zum Angriffe schreiten, so kann der deutsche Bund ohne die äußerste Schmach nicht ruhig zusehen. Neuerdings hat Dänemark ein Zusammentre- ten von dänischen und schleswig-holsteinischen Vertrauensmän­nern vorgeschlagen, die über die Punkte entscheiden sollten, über welche man sich in Kopenhagen und Berlin bisher nicht hat einigen können. Preußen hat diesen Vorschlag abgelehnt. Uebrigene erkennt man hier die Gefahr einer großen Kata­strophe weder an der Eider noch am Bosphorus, sondern an der Seine. Dort türmen sich die Wolken, die den heran- nahendrn Sturm verkünden, immer dichter empor. Eine neue Revolution in Paris würde in mehreren unterdrückten Län­dern, namentlich in Ungarn und Italien, eine gefährliche Er­schütterung zur Folge haben. In dieser Voraussetzung arbei­tet Oesterreich jetzt so eifrig daran, wieder eine feste Stellung in Deutschland einzunehmen. Denn am Ende würde es an Deutschland allein einen Rückhalt finden können. Rußland würde im Falle eines europäischen Krieges genug mit sich selbst zu thun haben. (D. Z.)

Berlin, 5. Mai. (Wes. Ztg.) So sorgfältig Hr. v. Rakowitz einen Bruch Preußens mit Oesterreich zu verhüten

strebte und der Allianz der Union mit dem Kaiserstaate das Wort redete, so ist er doch gegenwärtig der entschiedenste Fürsprecher einer standhaften Unionspolitik, die nicht rechts, nicht links blicken, sondern mulhig vorwärts gehn muß', schon deßhalb weil sie ohne grenzenlose Schmach nicht umkehren kann. Diese seine Gesinnung, die von dem preußischen Mi­nisterium getheilt wird, ist die Ursache, daß er vor seiner Abreise nach Erfurt, wie ich Ihnen aus guter Quelle melden kann, seine Entlassung für den Fall definitiv forderte, wenn jetzt noch in eilftcr Stunde dem österreichischen System Kon­cessionen gemacht würden. (Darauf reducirt sich also die Nachricht von seinem Rücklriit, die die N. Preuß. Zeitung brachte.) Aus seinem Verbleiben im Amt sieht man, daß der Fall, den er im Auge hatte,'gegenwärtig nicht eingetreten ist; während man anderer Seits aus dem eventuellen Entlassungs­gesuch wohl folgern darf, daß noch vor Thoresschluß die unionsfeindlichen Gegensätze in der Nähe des Thrones zu- sammengkstoßen sind.

Berlin, 6. Mai. Dem Vernehmen nach werden vom hiesigen Kabinette bereits weitere Gesetzesvorlagen zur ferneren Ausbildung der Unionsangelegenheiten für das Parlament vor­bereitet. Preußischer Seite ist, nach der Voss. Ztg., in Erwartung der nahe bevorstehenden Bewegung in Frankreich der Befehl gegeben worden, das 8. Armeekorps mobil zu ma­chen. Aus Koblenz dagegen wird vom 4. Mai geschrieben, daß man sowohl in militärischen Kreisen, wie bei der Garni- sonverwaltung nicht das Mindeste hiervon weiß. Daß der Vorsicht halber die Formulare zu den EinberufungsordreS be­reit liegen, dieß könne wohl möglich sein, dürfe aber keines­wegs als etwas Neues bezeichnet werden.- Das C. B. schreibt: Während eS feststeht, daß der König von Hannover nicht zu dem bevorstehenden Fürstenkongrcsse hier eintreffen wird, wird im Gegentheile die Ankunft des Königs von Sach­sen hier erwartet. Nachrichten aus Sachsen zufolge ist man in einem vorgestern abgehaltenen Ministerrathe von der beabsichtigten Auflösung der Kammern abgestanden. Die preußischen Ossiciere, welche sich seit einiger Zeit in Olden- bvrg befinden, um das dortige Militär nach preußischem Mu­ster auszubildrn, haben, nach jetzt abgclaufener Urlaubszeit, die Erlaubniß erhalten, zu dem genannten Zwecke noch länger dort zu verbleiben. Eine Militärkonvention Oldenburgs mit Preußen soll in Aussicht stehen. Die Folge des zwischen Preußen und Oesterreich abgeschlossenen Postvereines wird wahrscheinlich eine Auflösung der Thurn- und Taxisjchen Post­verträge sein.

Dem Vernehmen nach wird während der bevorstehen­den Konferenz in Berlin, welche Herr Minister v. v. Heydt einberufen hat, um ihr die dem Kasseler Zollkongreß mit- zutheilenden Vorlagen zur Berathung zu übergeben, der in Frankfurt bestehende Ausschuß des allgemeinen deutschen Vereins zum Schutz der vaterländischen Arbeit theilweise nach Berlin übersiedeln, um die Juteressen der binnenlündischen Industrie zu vertreten,

Berlin. Die D. R. brachte vor einigen Tagen folgen­den bemerkenswerthen Artikel: Von der Spree, den 3ten Mai. Neben der nahe bevorstehenden definitiven Konstiturrung der deutschen Union ist das einseitige Vorgehen Oesterreichs