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steril seinen Doctorschmaus zu geben beabsichtige, hier eintref- fen und einige Stunden verweilen werde. Schon gegen 5 Uhr sammelten sich in und um den Gasthof „zum Sächsischen Hof" immer zahlreicher werdende Gruppen aus allen Ständen. Um Vä? Uhr traf der Erwartete in Begleitnng seines Bruders Max mit der Post ein. Er erwiderte die herzlichen Begrüßungen aufs herzlichste, und ging bald darauf nach dem Schloß, wohin er gleich nach seiner Ankunft von unserm Herzog die freundlichste Einladung erhalten hatte. Gegen 8 Uhr hatte Gagern vom Schlosse aus sich in die Wohnung des Ober- kammerherrn von Speßhardt (Mitglied des Erfurter Volkshauses) begeben. Dort brachte ihm unsere Militärmusik eine Abendmusik und der Landtagsabgeordnete Gustav Trinks in kurzen kräftigen Worten ein Lebehoch, in das die zahlreich versammelte Volksmenge von ganzem Herzen einstimmte. Gagern trat in die Fensterbrüstung, und sprach etwa Folgendes: „Ich danke Ihnen für die mir erwiesene Theilnahme und Aufmerksamkeit. Ich konnte sie hier kaum erwarten, da ich nur kam, um einen Freund zu besuchen, der es vor Kurzem erst geworden. Solche Freundschaft aber thut Noth in dieser Zeit, denn in ihr genügt nicht der Enthusiasmus der jüngst vergangenen Jahre, sondern es gilt ein treuestes Zusammenhalten und Trcubleiben, da das vorgesteckte Ziel noeh lange nicht erreicht ist. Erfreulich ist mir die deutsche Richtung, die ich in dem thüringischen Volke wahrnehme, und von dem treulichen Zu- sammenstchen des thüringischen Volles und seiner Fürsten ist viel zu hoffen für die deutsche Sache. Ich bringe den thüringischen Fürsten und dem thüringischen Volke ein herzliches Lebehoch." Diese Worte wurden mit lautem Jubel ausgenommen und mit einem crneueten Lebehoch auf den Sprecher erwidert. Er kam hierauf herab, um dem Ausbringer des ersten Lebehochs seinen Dank auSzusprechen und einen Unis versitätsfreund, mit dem er in Jena jene schöne Zeit jugendlicher Begeisterung, eine Zeit schöner Erinnerungen und schönerer Hoffnungen verlebt, aufs Herzlichste zu begrüßen. Um 10 Ubr Abends verließ uns der mulhige Bannerträger deutscher Einheit, um mit der Post nach Würzburg zu reifen, wo er nahe Verwandte zu besuchen gedenkt.
Oesterreich.
Wien, 2. Mai. Das Tagesgespräch bilden noch immer die kirchlichen Ordonanzen. Man glaubt sich in die Jahrhunderte finsterer Dominikanerherrschaft zurückversetzt. Der Unmuth und der Witz ergehen sich in lauten und heftigen Aeußerungen, während der Presse nur ein beschränktes Maß des Widerspruchs gestattet ist. Ueber die Entstehung Dieser Gesetze bemerkt das Const. Bl. aus Böhmen Folgendes: „Vor allem scheint eS bezeichnend, daß im Schoße der bischöflichen Versammlung keineswegs Einhelligkeit der Ansichten herrschte. Vielmehr bestand eine kräftige Opposition, zu der Männer gehörten, deren Stellung in der Kirche den höchsten beigezählt werden muß, besonders Einer, an dessen Namen sich die Erinnerung an ein sehr wirkungsreiches, humanitarsiches iLchrift- stellerthum knüpft, und der es von jeher wie wenige verstand, die Würde der Kirche mit milder Rücksicht gegen die Forderungen der Zeit zu verknüpfen. Wie wenig gleichmäßig die Anschauungen der Bischöfe selbst waren, möge man aus der im Verhältnisse zu denen der Andern so liberalen Denkschrift entnehmen, die von dem Wiener Episkopate dem Reichstage in der Kirchenfrage überreicht wurde. Im Kuliuskabinete sollen die episkopalen Forderungen ebenso wenig Gegenstand der Berathung eines Kollegiums von Räthen gewesen , als den zunächst interessirten Persönlichkeiten ein Geheimniß geblieben sein, so daß manchem Mitglicde die Gesetze erst durch die Zeitung bekannt wurden. Allerdings ist hiergegen vom konstitutionellen Standpunkte nichts einzuwenden, da die Verantwortung einzig und allein auf dem Minister und nicht auch auf seinen Räthen lastet, er somit nicht gebunden sein kann, ihren Rath in allen Fällen anzuhören. Für die Gencstö der Gesetze bleiben diese Umstände jedoch sehr bezeichnend. Aus dem Kabinette des Kultusministeriums in die 63clammt# beit des Ministerrathes gebracht, stießen die Entwürfe auf Einwendungen, von denen nicht verhindert werden konnte,
daß sie in die Ocffentlichkeit „transspiriren". Man nannte die beiden Minister, die ihr Bedenken dagegen aussprachen, ohne durchdringen zu können, da die Ansicht die Oberhand gewann, daß Ungarn, Böhmen, Tyrol und Steiermark, überhaupt die überwiegende Mehrzahl, die Verfügung mit unge- heuchelter Freude (!!) begrüßen würden. Die Erfahrung von einem minder günstigen Begrüßen, namentlich in Böhmen, ja selbst in Steiermark, kann den Lenkern unseres Staates kein Geheimniß geblieben sein, und es wird der Abgang einer annäherungsweise am wenigsten fallibeln Vertretung des Gesammt- willens ihnen selbst wohl immer empfindlicher erscheinen. Eine konstitutionelle Regierung kann nun einmal ohne das moralische Gewicht einer legalen Volksvertretung nicht bestehen. Sie gleicht einer Wage, der eben so wenig das Gewicht der Krone, als der moralische Ausdruck des VolkswiUcnS zum harmonischen Gleichgewichte entbehrlich ist. Wir erfahren dieß fast bei jedem Gesetze , bei dem zugleich auf Entgegenkommen der Staatsbürger gerechnet ist, wie z. B. immer noch beim Einkommensteuergesetze, für welches heute der letzte Termin abgelaufen ist, ohne daß die Anmeldungen zu dem wünsehens- werthen Abschlusse gelangt wären. Wie klar, wie verständlich wäre dieß Gesetz dem letzten Staatsbürger durch die Debatte in einem Reichstage geworden, wie tief wäre die Nothwendigkeit desselben in feine Ueberzeugung, in sein vaterländisches Glaubensbekenntnis; übergegangen ! Und so mit Allem! Man glaubt, daß diese Kirchenordnung ganz geeignet sei, der Ausbreitung des Protestantismus Vorschub zu leisten. Seit Kurzem waren hier schon an hundert Familien zu demselben übergetreten. Gleichmäßig berichtet man aus Böhmen die Neubelebung des Hussitenthums, welches zumal in der natio- len Bedeutung, die dasselbe für die czechische Nationalität hat, auSgebcutct werde."
Wien, 2. Mai. Mct. 5proc. 933/a, ’/2 â 92—927/8. 4proc. 7274 - 7.. 4% proc. 8l7„ â 81 - '/,. 2’/, proc. 49'/, - 49. Ant. 34; 171—170, 39: 108—1073/4.
Frankreich.
Paris, 2. Mai. Ein gewisser Ayme, der mehrere Personen durch vergiftete Neujahrskuchen umgebracht hatte, wurde gestern an der Barriere von St. Jacques mit der Guillotine hingerichtet. Er wollte an die versammelte Volksmasse eine politische Rede halten, wurde aber durch das Wirbeln der Trommeln daran verhindert, nachdem er ein Vivat auf die sociale Republik mit den Worten begleitet hatte: „Keinen König, keinen Kaiser mehr! Nieder mit dem Menschen von Boulogne!" — Die „Estafette" will wissen, daß Persigny in Kurzem nach Berlin abreisen werde, jedoch mit sehr beschränkten Verhaltungsbefehlen, während dieselben früher sehr umfassend waren. Es soll ihm untersagt sein, Fragen anzuregen, welche zu Verwicklungen in der europäischen Politik führen könnten. — Nach dem jetzt amtlich bekannt gemachten Berichte hat bei der hiesigen Wahl Eugen Sue 128,012 und Leclerc 120,126 Stimmen erhalten. Von 324,363 Wählern, welche in die Liste eingetragen, haben sich 250,609 an der Wahl betheiligt.
— Der Konstitutionel bat heute die Reihe der Artikel beendigt, die er seit einiger Zeit unter der Ueberschrift „D:e Lösung" veröffentlichte, und worin die Machtlosigkeit der Parteien und der Nationalversammlung, eine befriedigende Lösung herbeizuführen, nachgewicsen wurde. Die Lösung, die endlich der Konstitutionel vorschlägt, ist nun die: Revision der Verfassung durch die gegenwärtige Nationalversammlung und Verlängerung der Amtsgewalt des Präsidenten der Republik auf 10 Jahre. Einige Personen wollen eine Verbindung zwischen der Publikation 'dieses Artikels des Konstitutionel und der Ernennung der Kommission zur Revision des Wahlgesetzes finden.
Paris, 3. Mai. Die Kommission zur Revision des Wahlgesetzes hat ihre Arbeit bereits beendigt; der betreffende Gesetzentwurf wird am nächsten Dinstage der Nationalversammlung mitgetheilt werden. Die Nationalversammlung hat heute Den Vorschlag Baraguay d 'Hilliers in Betreff der Aufhebung des unentgeltlichen Unterrichts in der polytechnischen