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Neue Hessische Zeitung.

Organ -er konstitutionellen Partei.

Sonntag, 5. Mai is50 , V- 209» Morgen - Ausgabe.

Diese Zeitunq erscheint mit Ausnahme der Sonntage und Sonnabende täglich zwei Mal. Sonntags wird ein Unterhaltungsblatt beigtgeben. Die Morgen - Ausgabe wird von 7211 bis 12 Uhr, die Abend - Ausgabe in Waffel von 5 bis 7 Uhr exoedirt. Sonnabends erfolgt die Ausgabe nur Abends, Sonntags nur Morgens. Man abonnirt bei allen löblichen Postämtern, in Kassel in der Lucktrardt'schen und Dollmann'schcn Buch - und Kunsthandlung. Der Äbonncmentspreis beträgt halbjährlich 3 Thlr., vierteljährlich 1 Lhlr 15 Sgr., wofür alle tuihessischen Postämter das Blatt ohne Aufschlag liefern. Anzeigen werden mit 1 Sgr. für den Raum einer Petitzeilc berechnet.

Deutschland.

Berlin, 30. April. (H. N.) Den vielen Ausbrüchen des Unmuthes wie der Kleinmuts), dem Zweifel und verVcr- Vächtigung gegenüber wird man in den gouvernementalen Krei­sen eine Ruhe und Sicherheit gewahr, aus der kundige Per­sonen den Schluß ziehen, daß die Angelegenheit des Bundes­staates bester steht, als man wohl glauben mag. Auch haben wir Aeußerungen vernommen, die auf den baldigen Eintrilt entscheidender Ereignisse hindeuten, darunter diejenige eines sehr hochgestellten Mannes: daßVie preußische Regierung noch zu keiner Zeit in gleich günstiger Lage gewesen sei, Ver­dächtigungen offener Feinde und mißliebiger Freunde mit Ge­lassenheit zu ertragen, wie gerade jetzt. Die deutsche Nation werde in Kurzem an Thaten erkennen, aus wessen Wort sie baue, und bei welchem Regentenhause sie ihre heiligsten Güter für gesichert halten dürfe." Nehmen Sie von dieser Aeuße­rung Akt, wenn schon nicht erlaubt ist, zu sagen, aus welchem Munke sie herstammt. Wir leben der festen Zuversicht, daß sich das Wort binnen wenigen Wochen erfüllen werde. Wie wäre es z. B., wenn die Fürsten der deutschen Nation auf die Einladung des einst zum Kaiser Erwählten, desReichs- Vorstandes", sich versammelten und der mächtige König von Preußen mit der Verfassung des Reiches in der einen und mit dem stolzen deutschen Banner in der anderen Hand vor seine Verbündeten hinträte, wenn er im Geiste der Nation die Forderung an jene richtete, zu thun, was das Vaterland ge­bietet, was die eigene Ehre erheischt und woraus den Fürsten und Völkern einzig nnv allein Heil erwächst? Was würde Deutschland sagen, wenn sich die Fürsten dann rasch einigten, wenn das Parlament nach kurzer Frist wieder zusammenträte, wenn inzwischen Vie Unionsregierung eingesetzt unv damit der­jenige Anfang eines wahrhaften Reiches deutscher Nation ge­macht wäre, dessen Vollendung kann nur noch vom Willen der Völker abhängt? Vielleicht antwortet die nächste Zu­kunft auf diese Fragen."

Berlin, 30. April. Ueber die Cirkular-Depesche vom 26. April, durch welche das wiener Kabinet diebunvcs- treuen" Regierungen zur Beschickung der Bundesversammlung auffordert, auch von den anderen erwartet, daß sie umkehren und sich eines Besseren besinnen werden, erfahre ich Folgen­des: Oesterreich leitet die Berechtigung zu seiner einseitigen Initiative aus seinen Präsidial -Befugnissen entschlafenen An­denkens, unv zwar alles Ernstes, her, unv.citirt vabci bctref- fenke Paragraphen der Bundes- und Schlußakte. Es erklärt, keine Bundesregierung dürfe sich diesem Kongresse zur Ein­setzung des Interims entziehen, ohne seine Bundestreue zu verletzen! Dieser Kongreß soll am 10. Mai in Frankfurt eröffnet werden; schon vorher wird der k. k. BunveS-Präsivial- gesandte sich dorthin begeben, um die Vorlagen vorzubereiten, so daß in spätestens 14 Tagen das Interim wird eingesetzt sein können. Dieß ist die Ansicht des wiener Kabinets. Man sieht, es hat unter russischer Aegive ein keckes Kommando sich angeeignet. Gegen die ausbleibcnvcn Bunvesgliever scheint es mit einer Art Reichsacht vorgehen zu wollen, denn cs er» klärt sie schon vorher für bundesbrüchig! Nach dem neuein- gesetzten Interim soll von dieser Bundesversammlung vieBunvcs- revision vorgenommen werden. Mit der Cirkulardepesche (deren

Wortlauts, unten unter Frankfurt) ist noch eine andere vertrau­liche Depesche an das hiesige Kabinet gelangt. Darin ist dem Ver­nehmen nach mit stiller Selbstbefriedigung auf die österr. Depesche vom 28. Novbr. verwiesen und vermerkt, daß Oesterreich den preußischen Sonderbunds - Bestrebungen jetzt noch wie damals die Berechtigung abspreche, denn nur aufRecht und Gesetz" (natürlich auf dem, was das österreichische Kabinet so nennt) ließe sich etwas Dauerndes errichten! Das wiener Kabinet hofft indessen, Preußen werke seinen Verpflichtungen gegen ven Bund nachkommen, an welchem zu halten so oft versicherte. Es schließt seiner Scits mit der Versicherung, daß Oesterreich mit aller Macht die Zerstörung des Bundes zu verhindern wissen werke, aber anderer Seitö auch nicht abgeneigt sei (!), aus eine zeitgemäße Gestaltung desselben hinzuwirken. Wie sich von selbst versteht, kann von der neu improvisirten Präsi­dialrolle Oesterreichs, und den schönen Plänen mit den Vor­lagen in Frankfurt nicht Vie Rede sein. Die Unionsfürsten werden sich natürlich über den Modus zu verständigen haben, nach welchem sie nach Konstituirung der Union sich an der Bunvesrevision zu berhkiligen gedenken. Wie ich höre, ist auch der König von Sachsen zum Kongresse eingeladen. Mit dem Resultat der Verfassungsrevision in Erfurt ist man hier sehr zufrieden, und es sind darüber gesprächsweise Eröffnun­gen an die fremden Gesandten gemacht worden; auch die würdige Art des Schlusses der Session in Erfurt hat einen sehr guten Eindruck gemacht. Gegen die Verlängerung des Interims hat bis jetzt nur Baiern hier Protest eingelegt.

Berlin, 1. Mai. Wir erfahren, daß das Kabinet be­schlossen haben soll, den Protest Oesterreichs gegen die von Preußen abgeschlossene Militärkonvention als nicht geschehen zu betrachten und wieder eine Konvention mit Gotha und Schaumburg-Lippe abzrschließen, wozu Kommissare sich bereits hier befinden. (V. Z.)

In der Berathung des Gesammtministeriums vom 21. v. M. ist beschloss.» worden, auf die Vorschläge Oester­reichs wegen der Fortdauer des Interims nicht einzugehen. Das Interim ist fortan nur als Verwaltungsbehörde zu be­trachten. Was die Stimmung in den höheren und Höchsten Kreisen in Betreff des Bundesstaates betrifft, so soll dieselbe, wie die V. Z. versichert, nichts zu wünschen übrig lagen. Die Arbeiten des Erfurter Parlaments werden den verbünde­ten Regierungen schon in den ersten Tagen vorgelegt werden, und es ist zu erwarten, daß die Regierungen eben so wenig als das Parlament ihre Berathungen zu lange ausdehnen werden. Gleichzeitig sollen kie Verhandlungen in Betreff des Verhältnisses des engeren zum weiteren Bunde eifrig betrieben werden, damit deren Resultat mit den Rückäußerungen der verbündeten Regierungen dem wieder einzuberufenden Parla­ments vorgelegt werden könne, und dürfen wir der Hoffnung leben, daß mit ter definitiven Gründung des Bundesstaates auch die streitige Frage über seine Beziehungen u. s. w. zum übrigen Deutschland ihre befriedigende endgültige Lösung ge­funden haben wird.

Berlin, 1. Mai. (Telegr. Depesche der K. Z.) Aus zuverlässiger Quelle erfahre ich, daß am 8. Mai hier in Ber­lin ein Kongreß der Unions-Fürsten eröffnet werden soll. (Siehe die officicllc Nachricht in ver gestrigen Zeitung.) Es