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sirt ist, der in cer eisten Kammer eine meiner deutschen Re­den gehört hatte. Als er mich später wieder erkannte — und ich werde leicht wieder erkannt, meine Herren, fügte der Red­ner mit einem schmerzlich heitern Blicke auf seine Gestalt hin­zu und ein heiteres Rauschen ging durch den Saal — da wollte er mich ärgern und fragte mich, wie es komme, daß wir in Preu­ßen so viel österreichische Rathgeber aufzuweisen hätten. Nennen Sic mir, sagte er, fünf Minuten in der Geschichte unseres Landes, wo preußische Minister geherrscht hätten. Das will ich Ihnen sagen, mein Lieber, antwortete ich, wie das ist: Wir mußten stets solche Vorläufer haben und sic hatten stets etwas zu bedeuten. Denn auf jenen Schwarzenberg folgte der große Kurfürst, auf Grumbkow und Seckendorfs folgte der große König und auf Stahl und Gerlach wird der Kaiser- folgen ---"

Noch heute schenken uns die lieben Gäste unsere Gegen­wart. Möchten sie sich auf der Wilhelmshöhe vom „Steiger" erholt und in unserer Mitte den Genuß gefunden haben, der ihnen nach ihrer rühmlichen Arbeit so sehr zu gönnen ist. Uns aber werden diese Tage unvergeßlich sein.

Erfurt, 2. Mai. Heute hielt nach der Ankunft des Herrn Gencrallieutenants v. Radowitz der Verwaltungsrath eine längere und, wie man hört, die letzte Sitzung in Erfurt. — Herr v. Gagern ist heute Morgen abgerrist. — Mehrere der Herren Abgeordneten haben vor ihrer Abreise zum Zeichen ihrer Anerkennung des freundlichen Empfanges, den sie hier gefunden, milde Stiftungen und Kassen reich bedacht. So hat auch der Minister v. Manteuffel seinem Wirthe, Herrn Kommercienrath Lucius, eine ansehnliche Summe mit der Bitte übergeben, sie für hiesige Arme zweckmäßig zu verwen­den. (Erf. Z.)

Berlin, 30. April. Die Konstitutionelle Korrespondenz, bekanntlich ein ministerielles Organ, behauptet mit aller Be­stimmtheit, daß die socialistische Partei in Frankreich den Mai oder Juni zu einer neuen Schilderhebung ausersehen habe, und daß auch mit der deutschen Demokratie, wenigstens mit dem flüchtigen Theil derselben, zur Unterstützung dieses revolutionären Versuches Verbindungen angeknüpft seien. Von drei Punkten aus, von London, Paris und Bern solle gleich­zeitig agirt werden. Die Konst. Korresp. zählt die Gründe auf, warum diese Versuche höchst wahrscheinlich ohnmächtig enden werden. Die Regierungen, sagt sie u. A., hätten alle Mittel des Widerstandes längst in Bereitschaft gesetzt, und würden dieselben mit allem Nachdruck auzuwenden wissen. — Auch von andern Seiten wird auf diese neuen Versuche der Umsturzpartci, deren Mittelpunkt Straßburg sei hingewiesen; auch lassen sieb in Straßburg schon jetzt, Nachrichten in süd­deutschen Blättern zufolge, die bekannten Sturmvögel der Revolution in auffallender Menge erblicken.

— Ueber die auf dem bevorstebenden ZollvcreinSkongressc Seitens unserer Regierung zu machenden Vorlagen verlautet jetzt Folgendes: Preußen will dem Steuerverein, Holstein und den Hansestädten möglichst entgegenkommcn, um den Zoll­verein, wenn nicht zu vergrößern, so doch durch den Hinzu­tritt neuer Gebiete für den befürchteten Abgang (?) älterer im bisherigen Umfange zu erhalten. Um den Weg zu einer solchen Möglichkeit anzubahnen, wird der Kongreß von preu­ßischen Betheiligten vorher nach Berlin zusammenberufen, von welchem der Handelsminister nach früheren Vorgängen erwar­tet, daß er seine Vorschläge in der Hauptsache annehmen werde. Diese sollen dahin gehen, die Zölle auf Kolonial- waaren bedeutend herabzusetzen, resp, ganz fallen zu lassen, dagegen bei den Fabrikaten und Mannfaktcn den aus Süd­deutschland laut gewordenen Wünschen auf höhere Schutzzölle Rechnung zu tragen. Wie es weiter heißt, haben sich die Regierungen von Hannover, Schwerin und Oldenburg bereit erklärt, Anträge auf Beitritt zum Zollverein unter den ange­gebenen Bedingungen an ihre Landesvertretungen zu bringen und die Forderungen Preußens bei dem Kongresse auf indi­rektem Wege nach Kräften zu unterstützen. (Magd. Z.)

Hannover, 1. Mai. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, hat der König von Hannover die Erwählung zum

Schiedsrichter in der mecklenburgischen Frage (wie Dies be­reits vom Könige von Preußen geschehen) gleichfalls aceeptirt und den vormaligen Geh. Kabinetsrath v. Schelk zum Stell­vertreter designirt. (H. C.)

Berlin, 2. Mai. (D. R.) Die gestern bereits angckün- digte Einladung, welche Preußens Krone an die übrigen der Union bcigetretenkn Fürsten ergeben läßt, setzt, wie wir genauer erfahren, die Versammlung auf den 8. d. M. fest. Dieselbe wird, wie sich bestätigt, in Berlin Statt finden. Die auf den 11. d. M. angesetzte Vermahlungsfeier in der königlichen Familie wird wegen des dazwischen kommenden Fürsten-Kon- gressks wahrscheinlich auf die Pfingst-Feiertage v rschoben werden.

Berlin, 2. Mai. Der Generallieutenant v. Radowitz soll, wie die N. Pr. Ztg. wissen will, in Folge dcr gestrigen Ministerkonferenz, sich aus dem Verwaltungsrathe und von den deutschen Verhältnissen zurückgezogen haben.

Berlin, 2. Mai. In Stelle des Ritter Bunsen, der wieder als Gesandter nach Rom gehen soll, wird Herrn von Usedom wahrscheinlich der Gesandlschaftspostcn in London übertragen werden. — Das C. C. berichtet, der PInz von Preußen werde am 6. d. M. hier erwartet. Es stehe nun­mehr fest, daß er nach Warschau gehen werde.

Berlin, 2. Mai. In Uebereinstimmung mit einer frü­heren Notiz sagt die E. C.: In Betreff der vielbesprochenen Kokardenangelegenheit finden wir uns zu folgenden Bemer­kungen veranlaßt. Es handelt sich lediglich um eine ökono­mische Maßregel. Die Nationalkokarde ist notbwenvigerweise nur an der eigentlichen militärischen Kopfbedeckung, dem Helme, Czapka u. s. w. zu tragen. Wenn nun auch an die hauptsächlich zum Gebrauch außer dem Dienste bestimmte Feldmütze die deutsche Kokarde gebracht worden und dadurch eine unnötige Ausgabevermehrung entstanden ist, so ist Sei­tens des Militär - Oekonomiedcpartcmcnts ein Erlaß an die Truppenkommando's ergangen, welcher lediglich die Vermei­dung dieser Mebrkosten zum Zwecke hat.

Frankfurt, 1. Mai. Gestern traf eine österreichische Note hier ein, welche die Bevollmächtigten sämmtlicher deut­scher Regierungen hierher einlavet, um in möglichst kürzester Zeit die Berathungen über die deutsche Angelegenheit begiu- nen und die erste Sitzung schon am 10. Mai abhalten zu können. Als nächste Aufgabe der Berathung wird die „Ein­setzung eines neuen provisorischen CeutralorganS" bezeichnet und angenommen, daß dies Werk um so mehr in 14 Tagen beendigt sein könne, als die österreichische Regierung „die so wünschenswerthe Verständigung durch entsprechende Vorlagen nach Thunlichkeit erleichtern werde". „Nachdem", fährt die Note fort, „durch eine solche Verständigung die wesentlichste Bedingung erfüllt sein wird, von der die Erreichung der Zwecke des Bundes abhängt, dürfte cs an der Zcit sein, daß die Versammlung dcr Bevollmächtigten ihre Aufmerksamkeit der allgemein als nothwendig anerkannten Revision der Bun­desverfassung zuwende, und in Erwägung ziehe, in welcher Weise dieselbe zu Stande kommen solle." Alle bisherigen Versuche seien fiuchtlos geblieben wegen Mangels an Ueber- einstimmung der Ansichten, auf welchen Grundlagen das zu schaffende Werk zu ruhen habe, und auf welchem Wege eine Ausgleichung für die herrschende Verschiedenheit der Meinun­gen zu suchen sei. Diese Zweifel dürften ihre Lösung in der von dem kaiserlichen Hofe zu berufenden Versammlung finden, da dieselbe die ihr hierzu nöthigen Befugnisse aus §. 4 cer wiener Schlußakte abzuleiten vermag, und aus diesen Be­stimmungen zugleich die Grundsätze entnehmen wird, von welchen jede Revision der Bundesverfassung auszugeben hat, wenn der durch die völkerrechtlichen Verträge von 1815 als ein unauflöslicher Verein erklärte Bund aufrecht erhalten wer­den soll. Treu übrigens den wiederholt gegebenen Zusagen, daß sie nicht zu dem Bestandenen, den Bedürfnissen der Zeit nicht mehr Entsprechenden zurückzukehren bezwecke, sondern nur auf den gegebenen, auf Vertrag und Recht begründeten Ver­hältnissen jene Bestimmungen entwickelt zu sehen wünsche, welche für die Zukunft geschaffen werden sollen, wird die kai­serliche Regierung redlich dazu Mitwirken, daß nach solchen