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Neue Hessische Zeitung.

Organ -er konstitutionellen Partei.

Freitag, 3. Mai 1850. JV? 2^7. Abend- Ansgabe.

Deutscklanv.

* Kassel, 3. Mai. Der gestrige Tag hat uns edle und unvergeßliche Stunden gebracht, die aber auch für das Vater­land, das engere wie das weitere, bedeutsam waren. Kory­phäen des deutschen Parlaments hatten unsere Stadt mit ihrer wundervollen Natur-Schönheit und mit den treuen Herzen, die darinnen für das Vaterland und seine Freunde schlagen, zu einer kleinen Nachfeier und Erholung sich erlesen. Außer mehreren anderen Abgeordneten aus Preußen, Nas­sau, Hessen, Baden, Detmold (Piderit), waren schon vorgestern Gabriel Riesser, Graf Konrad Dyrhn, Lud­wig Häusser, v. Soiron, Hesse aus Berlin, hier einge- troffen , zu denen auch die Journalistik ihren liebens­würdigsten Repräsentanten, Acgidi aus Berlin, als litterarft schen Geleitsmann gesendet hatte. Es war vorgestern Abend für einen Theil der Herren ein recht glücklicher Zufall, daß Spohr's Faust unter der Leitung des Meisters und in aus­gezeichneter Ausführung gegeben ward. Später trafen sich die meisten im römischen Kaiser.

Gestern Morgen nun besuchten die werthen Gäste unsere Wilhelmshöhe und vereinigten sich Mittags an der Wirtos- tafel, wo eine große Zahl von Gästen sich aus Kassel cingc- funden hatten. Dr. Karl Bernhardi, der treue Genosse aus Frankfurt, brachte den ersten Toast auf das Wohl der lieben Gäste und auf das Gedeihen des Werkes aus, welches die Freunde in Frankfurt begonnen, was unter Stürmen und Kämpfen fortgesetzt und vertheidigt und jetzt in Erfurt durch das patriotische und tüchtige Wirken der Vertreter des Volkes den Abschluß und die Vollendung erlangt habe, daß cs zu einem bleibenden Eigenthum der Nation geworden sei. Graf Konrad Dyrhn dankte zuerst in freundlichen Worten, verbat sich aber den Ausdruck Gäste und glaubte, daß die Zeit nie wiederkehren werde, wie sehr man sie auch hcrbeizuführcn trachte, wo der Deutsche im Deutschen nur den Nachbar und Gast sehe. Er gedachte zuerst des großen deutschen Volkes und seiner Kämpfe und Opfer für seine großen, seine deut­schen Ziele. Er gedachte des Blutes, welches diese Kämpfe gekostet, das in den Freiheitskriegen, das jetzt im Bürgerkrieg wieder geflossen sei. Solche Opfer können und werden nicht vergeblich sein, ein solches Volk kann und wird und darf nicht untergehen. Es war eine von den deutschen Reden des edlen Grafen aus Schlesien, und sie verlor an dieser Eigenschaft nichts durch die freundliche und für uns Hessen so ehrenvolle Wendung, die er ihr gab, indem er am Schlüsse das tapfere und treue, das durch seine Streitbarkeit im Kriege, durch seine Bürgertugenden im Frieden in der Geschichte hochberühmte Kattenvolk hoch leben ließ. Die liebenswürdige Persönlichkeit des Redners, dessen bloße Erscheinung die Gemüther mit urkräftigcm Behagen er­füllt, trug die herzliche, mit historischen Erinnerungen reich durchwürzte Rede mitten in die Herzen der Zuhörer hinein.

Ludwig Häusser redete hierauf. Es war die Rede des Tages, insofern sie die Bedeutung des Momentes erfaßte und in klaren scharfen Gedanken, mit ernsten tief eindringenden Worten vor aller Blicken darlegte. Es war ein Epilog auf Erfurt. Nicht ob das Werk jetzt zu Stande gekommen ist, oder scheitert, wird die Bedeutung Er­furts bestimmen, nicht daö ist es allein, woraus es ankommt. Daß dort etwas geschaffen wurde, daß deutsche Volksvertreter wiederum getagt und wiederum ihre Stimme erhoben und wiederum ihren Gedanken in einer Urkunde verkörpert hinge­stellt und ihn zum Eigenthum der Nation gemacht haben, das

ist die große Bedeutung, welche auch nicht ohne Folge bleiben kann. Viel edles Blut ist bereits geflossen, und viel mehr wird noch fließen, wir selbst werden vielleicht untergehen, und kommende Geschlechter den Segen und den Preis unserer Mühen genießen. Aber wir pflügen und bereiten den Boden, in welchen das edle Samenkorn gesenkt wird und wir getrosten uns der fro­hen Gewißheit, daß das Samenkorn Früchte treiben wird. Die Frucht wird und muß kommen nach den ewigen Gesetzen der Natur; und sollte sie auch über unsern Gräbern aufgehen. Deßhalb werde ich aber auch nie verzweifeln. Ich ergebe mich dem Gedanken mit Resignation, daß vielleicht zunächst das deutsche Reich nicht zu Stande komme. Aber deßhalb kann ich nicht verzweifeln, oder die große Bedeutung des Wèrkes verkennen, welche von unsern Feinden am wenigsten verkannt wird, wenn sie sich auch mit großer Anstrengung den Anschein geben, als hielten sie nichts davon. Der Redner ging dann auf die Folgen ein, welche schon das Zusammenwirken der deutschen Vertreter aus verschiedenen Landen, die Gemein­schaft und unwiderstehliche, unendliche Propaganda der Geister, für die Bildung und innere Kräftigung des deutschen Gedan­kens haben müsse. Deß könne man gewiß sein, eine Sache, für welche seit Generationen die edelsten Geister der Nation gerungen und immer von Neuem gerungen, eine solche Sache müsse und werde den Sieg erringen.

Der große Redner, welcher in schmucklosen Worten durch die Gediegenheit und Frische seines Wesens und durch die Kraft seiner Gedanken die Hörer mächtig fesselte, ging dann eben- falls auf Hessen und das hessische Volk und auf dessen Wich­tigkeit und Bedeutung für Deutschland über. In sehr be- deutsanicr Weise erinnerte er an die gegenwärtige Lage in Hessen und wie er gewiß sei, daß das biedere, durch seine Treue berühmte Volk auch den Kampf der Treue gegen die Untreue mit jener Kraft und Umsicht führen werde, welche cs in der politischen Geschichte unserer Zeit so sehr ausgezeich­net habe. (Schluß folgt.)

Berlin, 1. Mai. Die Neue Preußische Zeitung glaubt nicht an die von den meisten Organen der deutschen Presse gebrachte Nachricht über die zweimonatliche Verlängerung des Interims; sie glaubt vielmehr, daß die Bundeskommission aus eigener Berechtigung in Ermangelung einer anderen Bundes- gewalt die Verwaltungsgeschäste fortführen, dabei aber jeder politischen Funktion von heute ab sich enthalten werde. Bestimm­ter klingt ihre Mittheilung, daß der Kongreß deutscher Re­gierungen in Frankfurt auf den 10. Mai anberaumt sei. Ob Preußen sich als Mandatar der der Union sich anschließenden deutschen Staaten an diesem Kongreß betheiligen werde, ist ihr mehr als zweifelhaft, da Oesterreich nicht geneigt sei, Preußen als solchen zuzulassen. Uns ist ebenfalls diese Be­theiligung zweifelhaft, jedoch aus Gründen, die wir an Preu­ßens Ehre und Selbstständigkeit, nicht an die anmaßlichen Belieben Oesterreichs knüpfen.

— Auch die C. C. widerspricht auf Grund Ungezogener Erkundigung der von der Deutschen Reform ausgesprengten Nachricht von einer Koncentrirung russischer Truppen an un­seren Ostgränzen.

— Wie verlautet, hat der Minister die Ober - Präsidien zunächst zu Vorschlägen wegen Bildung einer provisorischen Kreiövertretung aufgefordert und sollen deren auch bereits mehrere eingegangen lein.

Kiel, 30. April. Ueber tie Grundprincipien bei den Unterhandlungen in Kopenhagen vernehmen wir, daß aller-