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nisse nicht. Aber wir glaubten, daß ein Höheres, daß Deutschland hier vertreten werden solle. Wenn in diesem Sinne fortge­fahren werden sollte, so wird der nationale Keim des Bun­desstaates im ersten Aufschließen erstickt werden. Geht nicht ein Klang aus der alten deutschen Heimath durch diesen Saal, so möge er geschlossen werden; die Sympathieen Deutschlands werden sich nie hierher richten. Jedermann kann nur anneh- mrn, daß es sich vor Allem um die Normen des preußischen Wahlgesetzes handelt, und grade die völlig unhistorische Klas- sentheilung ist geeignet, den deutschen Mittelstand aufs Ge­fährlichste au spalten und mißvergnügt zu machen. Begründen Sie den Bundesstaat nicht von vorn herein auf eine Reihe policrilicher und beschränkender Maßregeln. Das Vertrauen wird vielleicht einst erstehen, aber nach allen vorliegenden Verhältnissen ist es noch nicht da und kann noch nicht da sein. Und ehe das Parlament des Bundesstaates dasselbe gewinnt, eher darf man eine solche Kompetenz nicht in seine Hände legen. Der Redner weist kurz auf Mecklenburg und auf die Vorgänge in andern Staaten hin, welche allerdings dem Mißtrauen überall neue Stützen gegeben haben. Stoßen Sie die edleren Elemente nicht zurück, selbst nicht die indem Lager des Radikalismus, denn auch hier wird ein erweitertes politisches Leben endlich Sympathieen finden. Sie schwächen durch eine solche Maßregel namentlich in Hannover und Sachsen die Bundesstaatspartei im bedenklichsten Grade, und arbeiten nur für eine um so festere Koalition der entgegenge­setztesten Elemente gegen Ihre Sache. (Lebhaftes Bravo.)

(Schluß folgt.)

Erfurt , 25. April. Man schreibt derBörsrnhalle": Der Aeußerung eines Mitgliedes des Verwaltungsraths zu­folge wird Preußen die vom Parlament beschlossenen Verfas­sungsabänderungen annehmen, sowie wir überhaupt aus guter Quelle versichern können, daß Preußen durchaus an dem Bun­desstaat festhültcn wird.

0 Erfurt, 26. April. Das Staatenhaus hat heute nicht nur die Revision der Verfassung, sondern auch die Be­rathung der das Reichsgericht betreffenden Gesetzentwürfe be­endet, und somit sämmtliche Vorlagen des VerwaltungsratheS erledigt. Das VolkShauS wird nächsten Montag das gleiche Ziel erreichen. Die Bemerkungen, mit welchen Hr. v. Lepel heute vom Tische des VerwaltungsratheS die Verhandlungen desselben über die Einrichtung des Reichsgerichts einleitete, be­stätigen nur daö Bekannte, daß nämlich die sofortige Ein­setzung einer Unionsregierung nicht zu erwarten steht, wohl aber die nahe Vertagung des Parlaments. Die Angelegen­heit wird auf diese Weise sich faktisch so stellen, als ob eine Annahme der Verfassung en bloc nicht Statt gefunden hatte. Die verbündeten Regierungen werden diese Annahme und ihre Konsequenzen vorläufig dahin gestellt sein lassen, und sich nur mit einer allseitigen Vereinbarung in Betreff der Resul­tate der Revision beschäftigen. Die Wahrscheinlichkeit, daß ein Kongreß der Fürsten zu Gotha hierzu mitwirken werde, erhält sich. Die Bahnhofpartei war früher jeder Ver­tagung sehr abhold, und Herr von Vincke hat beute ihre Gründe in dieser Beziehung angebeutet. Da je­doch mit Anfang nächster Woche aller Stoff aufgcar- beitct ist, so bleibt der Vertagung wenig entgegenzu­setzen, und es handelt sich nur noch um die Frist dersel­ben. Die Ansicht ist sehr verbreitet, daß nach der Wiever- berufung dem Parlamente noch weitere Vorlagen über die Ordnung der Finanzen der Union , über ein gemeinsames Preßgesetz u. s. w. werden gemacht werden. Ebenso erhält sich die Meinung, daß das Parlament in seiner jetzigen Zusam­mensetzung für die nächsten 4 Jahre werde festgehalten werden, obwohl sich Zweifel über das Mandat der aus den letzten Wahlen berborgegangenen Abgeordneten für eine fo~ ausge­dehnte Mission kundgeben. Die Nähe eines gewissen Ab­schlusses gibt sich bereits in der Eile zu erkennen, mit welcher die verwickeltsten Materien erledigt werden, und in dem Man­gel einer lebhaften Theilnahme, welcher selbst dem Auftreten der bedeutendsten Redner nicht weicht. Hr. Stahl schuf heute auf der Tribune in Betreff der oratorischen Form wieder ein

Meisterwerk, und die Replik des Herrn Beselcr war ebenfalls reich an treffenden Momenten. Dennoch gelang es Beiden nicht mehr, eine tiefe und nachhaltige Wirkung in der bereits ermüdeten Versammlung hervorzurufen.

Gestern Nachmittag fand sich die Fraktion des Schlehen- dorns in ihrem Versammlungslokale zu einem gemeinschaftli­chen Mahle ein, mit welchem man zugleich den Ausdruck eines besonderen Dankes gegen den Abgeordneten Stahl ver­band. Ehe man sich zur Tafel setzte, richtete der Abg. v. Fock im Auftrage der Partei in herzlicher Weise Worte des Dan­kes an den Abg. Stahl für die übernommene Führerschaft. Der Abg. v. Massenbach überreichte darauf dem Angeredeten ein prachtvolles Album, in das sich alle Parteigenossen ( auf sein besonderes Ansuchen auch Fürst Hohenlohe) mit einem Denkspruche cingezcichnct hatten. Der Abg. Stahl, über­rascht von dieser Aufmerksamkeit, dankte sichtlich gerührt. Das nun folgende Mahl gab Gelegenheit zu Toasten auf das Wohl Sr. Majestät des Königs (v. Kleist-Reetzow), auf Deutschland (v. d. Heydt, Elberfeld), auf das Wohl Ihrer Maj. der Königin (Fürst Reuß) und auf die Armee und ihren ritterlichen Führer, den Prinzen von Preußen (von Mitschke-Kollanbe) u. s. w. Das Fest war ein sehr gemüth­liches. Am Schluß wurde das Preußcnliev gesungen und dann von Hrn. Wantrup das LiedGegen Demokraten hel­fen nur Soldaten!" vorgetragen. Heute ist die liberal- konstitutionelle Partei beider Häuser zu einem gemeinschaftlichen Mittagsmahle in dem am Fuße des Steigers liegenden Schützen- hause versammelt.

Berlin, 25. April. Ein guter Entschluß der Regierung hat noch einmal über allerlei Verstimmungen und Machina­tionen von entgegengesetzter Seite den Sieg davon getragen. Wir berichteten schon, daß die Regierung über die an beide Erfurter Häuser in Betreff der Verfassungsrevision zu erlas­sende Rückäußerung erst in Einvernehmen mit den verbünde­ten Regierungen treten zu müssen glaube; wir können heute die bestimmte Nachricht hinzufügen, daß Preußen für sich keine weiteren Einwendungen gegen die revivirte Reichsverfassung erheben wird. Wir vermögen der Art und Weise, wie dieser Entschluß, zu welchem bis dahin so wenig Aussicht zu sein schien, nun doch obgesiegt hat, nicht in ihren Details zu fol­gen, wir können eben nur das erfreuliche Resultat berichten. Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Hr. v. Schlei­nitz, hat gestern den Gesandten der hier beglaubigten Staaten in ofsiciöser Form angezeigt, daß die Regierung Sr. Majestät des Königs den Vcrfassungsbeschlüssen des Erfurter Parla­ments keinerlei Abänderungsvorschläge entgegcnzustcllen gedenke, dieselben vielmehr, so viel an ihr, gutbeiße, daß sie es dem freien Belieben der mitverbündeten Regierungen anheimgege­ben habe, ihrerseits mit Vorschlägen hervorzutreten , falls sie dieser Gutheißung nicht einfach beizutreten sich veranlaßt fän­den, und daß sie bis nach Eingang dieser Erklärungen, auf deren möglichste Beschleunigung gedrungen worden sei, sich ihre weiteren Beschlüsse Vorbehalte. Wir haben die Nachricht von dieser Mittheilung, die, ivie sich leicht denken läßt, unter dem ganzen diplomatischen Korps das größte Aufsehen macht, aus unmittelbarster Quelle und glauben dieselbe daher ver­bürgen zu dürfen. Der General V. Nadowitz ist beauftragt, dieselbe Erklärung Namens der preußischen Regierung imVer- waltungSrath abzugeben. Eine Vertagung des Parlaments wird im weitern Verfolg bis zum Eingang dieser von den Regierungen in kürzester Zeit geforderten Erklärungen nicht kintreten, sei denn, daß dasselbe aus Mangel an vorlie­genden Beraihungsgcgcnständen sich selbst auf kurze Zeit ver­tage. Es wurden von den Gesandtschaften noch gestern Abend zahlreiche Depeschen expedirt, welche diese wichtige Nachricht nach den verschiedenen Seiten hintrugen. Wir schließen hieran eine zweite wichtige Mittheilung: Dem hiesigen österreichi­schen Gesandten, Hrn. v. Prokcsch, ist gegenwärtig in Bezug auf die österreichische Aufforderung, auch von hier aus einen Bevollmächtigten behufs gemeinsamer Revision der Bundes­verfassung nach Frankfurt abzusenden, durch den Minister der auew. Angelegenheiten eine Antwort zugestcNt worden. Diese