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eine Pistole gestohlen, der Vorder sein könne, und ist schließlich überzeugt, vaß Ludwig unschuldig sei. In der Entgegnung des Dr. Löwenstern aus die Replik des Staatsprokurators ist die Bemerkung enthalten, daß es Kriegsgebrauch sei, die unbewaffnet gefangenen Führer des Feindes zu todten. Auerswalds und Lichnowsky hätten sich als bekannte Feldherrn leicht Waffen später noch verschaffen können, wenn sie zu den Truppen gestoßen wären. Selbst in der Adresse der Wahlmänner Lichnowsky's werde gesagt, daß ein fremder Wille die Thäter geleitet und diese nur willenlose Werkzeuge gewesen. Vertheidiger freut sich, wenn er bei der Ueberzeugung Ler- Geschworenen einige Gewichtsteine in die Wagschale gelegt und drängt seine Ueberzeugung dahin zusammen, daß zwar ein Verbrechen begangen, aber daß nicht bewiesen sei, daß sein Klient es begangen habe. — Obergerichtsanwalt C öfter stimmt bei seiner Duplik dem Staatsprokurator bei, daß es ein Verbrechen sei, wenn man Männer Ler andern Partei schlachte, weil sie von der anLern Partei; es hieße aber den Glauben an die Menschlichkeit verlieren, wenn man Lie That als überlegtes Ergebniß kannibalischer Grausamkeit auffassen müßte. Er verwahrt sich dagegen, Laß er von Begeisterung gesprochen, indem er Lie That vielmehr stets als „eine Folge barbarischer LeiLcnschaft" bezeichnet habe, deren Motiv in Stuf' hetzung zu finden sei. Er kommt auf vie ungesetzlichen Töd- tungen Blums und Trützschlers, die er keinen Mors nennen wolle, zurück, und verwahrt sich gegen den Vorwurf, einen Todten geschmäht zu haben. Lichnowsky habe eine Ueberzeugung gehabt: er habe Lie Freiheit angegriffen, wo er sie gc- funven; wenn gesagt werde, Lichnowsky habe für die Freiheit ver baskischen Provinzen gekämpft, so sei ihm Las neu. Wenn ihm vorgeworfen werve , er habe vom Standpunkt Ler Partei gesprochen, so könne er bas nicht zugeben, er habe Len politischen Theil seines Vortrags nicht umgehen können, um eine psychologische Erklärung ver That zu geben. Ohne Annahme einer politischen Aufregung müsse Ler Glaube an Lie Menschheit untergehen. Vcrtheivigcr führt abermals aus, vaß die Protokolle Ler Voruntersuchung gesetzlicher Glaubwürbigkeit ermangelten, weil Jnstrucnt unv Protokollführer in einer Person vereinigt gewesen unv entschuldigt, nachLcm er noch mehrfach ins Detail der Zeugenaussagen eingegangen, Vie lieblosen Aeußerungen, welche er am Morgen von einigen Zeugen gebraucht, mit vem Standpunkte Ves Vertheidigers. Zum Schlüsse warnt er die Geschwornen vor den Aussagen solcher Zeugen, Vic Mitangeklagte gewesen, invem er sie auf ihr Gewissen, vas Gesetz unv unsere Religion verweist. — Nach einigen Worten ves Obergerichtsprokurators Braubach an Vie Geschwornen fordert Ver Präsident die Angeklagten auf, noch vorzubringen, was sic für ihre Vertheidigung zu sagen hätten. — Der Angeklagte Georg (mit großem Pathos, mit heftigen Gestikulationen und sehr affektirtcm Ausdruck): Meine Herren Geschworenen! ich bin nicht im Stande, Ihnen noch wenige Worte vorauszuschicken, die nicht mein Vertheiviger schon gesprochen. Sie werden in ihm einen Mann erkannt haben, welcher in der Achtung seiner Mitbürger als Ehrenmann erhaben steht. Ich habe ein Bewußtsein des Mordes nicht in den Falten meines Herzens getragen. Der leiseste Wunsch der Betheiligung an dem Zuge entfernte Einen aus der Heimath, auch mich traf dieß Bewußtsein, ich habe Vieß Bewußtsein der hohen Staatsbehörde zu wiederholten Malen zu erkennen gegeben, ich habe dieß bei Obergerichtsrath Hünersvorf zu wiederholten Malen gethan, ich habe in diesem einen gerechten Richter erkannt. Ich war in der Untersuchung zu Bockenheim nicht zugegen, da konnte wohl ein tiefes Gepräge mich belasten, um sich aus der Affaire herauszuziehen. Diese Zeugen, die gegen mich ausgesagt, sind alle Solche, welche unmittelbar bei der That gewesen over mitgewirkt haben. Dieß wird Ihnen selbst bewußt sein. Ich kann nicht einiges Gewicht auf einen Mitangeklagten legen. Wir sind Familienväter, uns hat eine Last von 19 Monaten gedrückt, die uns von unseren Familien entfernte — 'ich brauche Ihnen nicht das Bilv zu schildern, wenn die Kinder nach ihrem Vater schreien und die Mutter nach dem Manne ver
langt. Ich mußte derjenige Gegenstand sein, ter sie Alle verführt. Sie werden wissen, wie ver 1848er Jahrgang war, — ich will Denjenigen, die gegen mich gesprochen, nicht als Richter auftreten. Sie, meine Herren Geschworenen, sind Männer aus dem Volke. Sie werden wissen, daß es bei Ihnen auch so gegangen. Ich glaube nicht, daß cs ein Leu- munv mir nachsagen kann, daß ich je ein Titclchcn vom Lan- desgesetz abgewichen. Wenn aber ein Mensch in ver Nähe Frankfurts lebt, wo so viele kamen unv in Vie Herzen einen gewissen Fanatismus pflanzten — Alle wollen von mir verführt sein; ich habe Viese Zeugen mit Schonung behandelt; (aufgebracht) Manche waren hier vor ven Schranken und waren sich einer lieferen Schuld als ich bewußt. Ich will nicht erwähnen, vaß alle freiwillig und gern vie Kolben auf den Buckel genommen. Mancher, ver hier im Saal ist, hat gehört, wie auf ver Psingstweive gerufen wurde: baut Barri- laven aus euren Leibern!" Die Staatsbchörve macht mir nicht zum Vorwurfe, daß ich früher vom Pfade des Rechtes abgewichen. Als eben an allen Ecken stand: „jetzt ist ver Schritt, um Deutschland zu retten", da hat man den Kopf voll gehabt und ist mitgelaufcn! Sie müssen in Rücksicht aller Angeklagten dieß erwägen. Ich sehe, daß vie Staatsbehörde selbst den Verführer vom Verführten unterscheidet. Auch dieses erwägen Sie weidlich. Sie haben gesehen, daß diese schwere That, deren ich beschuldigt bin, vernichtet ist. Ich wäre nicht aus der Ferne gekommen, wenn ich mich schuldig gewußt. Ich vertraute auf Gott! Das Ziel ist nahe! Diese Worte habe ich in der tiefsten Falte meines Herzens getragen. Der Präsident schließt die Verhanvlungen. Schluß 5*/2 Uhr.
Hannover, 22. April. Dem Schreiben der Regierung über die Süv - und Westbahn ist heute der Plan, die Richtung, Ausführung und den Betrieb der Süvbahn betreffend, nebst einer Denkschrift über ihre Ertragsfähigkeit gefolgt. Ueber die Richtung der Bahn enthält der Plan Folgendes: Es soll auf Kosten des Landes eine Eisenbahn gebaut und in Betrieb gesetzt werden von Hannover und von Hildesheim in getrennten Linien bis zu einem VereinigungSpunkte zwischen Mahlerten und Burgstemmen, von diesem Punkte in einer und derselben Linie an Elze vorbei durch das Leinethal, über Alfelv, Salzderhelven und Northeim nach Göttingen, von dort ins Werrathal nach Münden und sovann im Fuldathal bis zum Kragenhofe an der kurhessischen Grenze in der Richtung auf Kassel. Für den Bau und für die erste Anschaffung des Betriebsmaterials, die erste Einrichtung des Betriebes, so wie die Herbeischaffung des erforderlichen Betriebskapitals wirv mit Einschluß eines Zusatzes von 10 pCt. ves Anlagekapitals für unvorhergesehene Überschreitungen die Gesammtsumme von 11,104,748 Thalern bewilligt meiden. Dann folgen ausführliche Bestimmungen über die zu machende Anleihe. Der §. 17 des Planes lautet: Die königl. Regierung wirv mit auswärtigen, an vie Süvbahn sich anschließenden Eisenbahn-Unternehmungen Vereinbarungen darüber treffen, wo unv auf welche Weise der Betrieb der nach Staatsgebieten geson- sonvcrtcn Eisenbahnanlagen in einander greifen soll, vorbehaltlich der ständischen Zustimmung zu solchen Vereinbarungen, in so fern dieselben die Bewilligung von Geldmitteln erfordern oder den Fahr- und Frachttarif movificiren.
Dresden, 24. April. In der heutigen Sitzung der 2. Kammer motivirte der Abg. Biedermann seinen bereits mit- gethciltcn Antrag wegen der verfassungsmäßigen Zustimmung der Kammern zu der Erneuerung des Frankfurter Interims. Er nahm dabei Bezug auf die „bedenklichen Gerüchte", welche rücksichtlich der Wiedereinsetzung des Bundestags in Umlauf wären, und fand es auffallend, daß von Seiten der Regierung noch keine Mittheilung über diese Angelegenheit an die Kammern gelangt wäre. Er fügte alsdann hinzu, daß cs ihm scheine, als habe bei der sächsischen Regierung jene Auffassung Platz gegriffen, nach welcher die rechtliche Kontinuität zwischen dem alten Bundestage und einer neuen Dem ähnlichen Bunvesbehörde festgeftellt sei. Das Recht zu Vieser Stuf' fassung begreift er nicht; was aber nicht begreiflich sei, sei jetzt doch nicht unmöglich, wo nicht mehr Vas Recht, sondern