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in vier Tagen eine Depesche nach Petersburg gelangen und daselbst beantwortet werden müssen, und zwar, wie geschehen, sehr ausführlich und mit reiflicher Ueberlegung. Dieß ist, wie einleuchtet, unmöglich. Auch spricht Graf Nesselrove im­mer von einer combinaison concertée entre lAutriche et les quatre cours royales, was zur Evidenz beweist, daß das Münchener Projekt nach Petersburg gelaugt war, als man noch der sichern Hoffnung des hannoverschen Beitritts sich hingab.

Kiel, 13. April. Die schleswig-holsteinische Statthalter­schaft hat die Zwangsanleihe von 4 Mill. Mk. ausgeschrieben und die neue Kriegssteucr verordnet. Diese Steuer soll 7» pCt. oder 15 Schill. schleswig-holsteinisches Kourant auf 100 Thaler Grundbesitz auf dem Lande und in den Städten, oder von den Gebäuden in den Flecken und kleineren Ortschaften 74 pCt. oder 7 72 Schill. schlesw.-holst. Krt. betragen und am 1. Juni und 1. Juli eingezahlt werden.

Mecklenburg-Strciitz hat seine Klage gegen Schwe­rin zurückgenommen. Beide Regierungen haben sich für eine Revision der Verfassung entschieden, die von einer nach dem preußischen Wahlgesetze zu berufenden Versammlung vorge­nommen werden soll.

München^ 12. April. Der oberste Gerichtshof hat in seiner heutigen Sitzung die Nichtigkeitsbeschwerde der beiden Mörder Stopfer und Dantinger abgewiesen, und das Todes­urtheil derselben bestätigt.

München, 13. April. Die Kammer der Reichsräthe nahm heute den Entwurf über den Geschäftsgang beim Land­tage, ohne sehr erhebliche Abweichungen von den Beschlüssen der zweiten Kammer an.

Oesterreich.

Wien, 13. April. DiePresse" bringt über die Stellung Rußlands zu Deutschland einen sehr bemcrkenswerthen Auf­satz, dessen Schluß folgendermaßen lautet:Vor zwei Jah­ren erklärte der Kaiser von Rußland in seinem bekannten Manifeste, er werde sich um die anarchischen Wirren des west­lichen Europas nicht kümmern, so lange die Heiden das hei­lige Rußland in Ruhe ließen. Niemandem ist es unter der Zeit eingefallen, das heilige Rußland anzutasten; kaum hat aber die Diplomatie das alte Spiel wieder begonnen, so ist auch der russische Bekehrungseifer wieder erwacht und beeilt sich, in zahlreichen Noten den deutschen Heiden das Evange­lium zu verkündigen, daß die bestehenden Verträge dem heili­gen Rußland das Recht geben, an der Konstituirung und Pu- rificirung Deutschlands mitzuarbeiten, und daß es sich dieser Aufgabe mit allem Eifer zu unterziehen gedenke. Dieselben Verträge existirten freilich auch im Jahre 1848, aber die rus­sische Diplomate wußte zu warten, denn sie kennt ihre Zeit und ihre Leute. Wenn wir von der unsrigen wenigstens das­selbe zu sagen wüßten'."

Eine am Abend des 13. April der Breslauer Zeitung zugegangene telegraph. Depesche meldet: Wien, 13. April. Oesterreich beantragt anstatt des Interims einen nächstens zu­sammenzuberufenden Kongreß der deutschen Regierungsbevoll­mächtigten. Preußen verhandelt darüber.

Die von der t k. Kriegsmarine eröffnete Werbung Freiwilliger ist von dem besten Erfolge begleitet. Es finden sich viele junge Leute der besseren Stände, welche sich aus Vorliebe dem Seesoldatendienste widmen, und zum Theil auch schon Vorkenntnisse des Seedienstcs mitbringen. Besonders haben sich viele Venetianer bis jetzt als Freiwillige gestellt.

Im Finanzministerium beschäftigt man sich ernstlich mit den Vorarbeiten einer neuen Anleihe.

Italien.

Turin, 9. April. Die Gesetze über den Klerus wurden, mit der königl. Sanktion bekleidet, eben verkündigt.

Asien.

Aus Alexandrien, 6. April, wird noch nachträglich ge­meldet: Ein englisches Freikorps von 3000 Mann erlitt am

Koat-Paffe in Peshawer gegen die aufständischen Bergbewohner eine Schlappe, wobei 2 europäische Officiere und 150 Gemeine blieben. In Mushkapore kam es zwischen Hindus und Mu- Hamedanern aus Fanatismus zum offenen Kampf, wobei die Stadt in Flammen aufging. Kommercielle Nachrichten bis zum 16. März aus Bombay: Der Absatz von englischen Ma- nufakturen bedeutend zu mittlern Preisen. Ausfuhr von Baum­wolle und Opium flau. Schiff-Fracht nach England 3 Pfv. per Ton. Wechselcours auf London 278 pr. Rupie.

Die gelegentliche Expedition unter Sir Collin Campbell gegen Einwohner der Gebirge ist nicht so, wie man sich schmeichelte, ausgefallen, und nach Peshawer zurückgekehrt. In Indien herrscht ziemliche Ruhe. Der Handel erhebt sich an­sehnlich, Manufakten und andere Einfuhrartikel werden ver­kauft ohne Preiserhöhung. An Geld fehlt es nicht. Wechsel- Cours auf London 2%.

Kekanntmachungen.

Badeanstalt in Eilsen.

[304] Wie bisher, so wird auch in diesem Sommer die Badeanstalt, so wie die Molkenanstalt in Eilsen am 1. Juni eröffnet und am 1. September geschlossen werden.

Diejenigen geehrten Kurgäste und Fremden, welche Auf­träge wegen Logis zu geben wünschen, wollen ihre Bestellun­gen, unter Angabe des Tags ihrer Ankunft, an die unter­zeichnete Behörde richten.

Auskunft in ärztlicher Beziehung werden die beiden Brun­nenärzte, Herr Geheime Hofrath v. Möller in Pr. Minden und Herr Hofrath Weiß in Bückeburg, ertheilen.

Im April 1850.

Das Brunnen - Kommissariat.

Rath Tischbein.

Bürger-Verein.

(320) Freitag, den 19. d. M., Abends 8 Uhr, wird Hr. Dr. Landau die Vorlesung, über die sittlichen nnd mate­riellen Zustände des Volkslebens von früher und jetzt, fort- setzen.

[319] Den am 13. d. M. Nachmittags 3 Uhr erfolgten Tod unserer Tante Kommissionsrath Sophia Eskuche, geb. Kempf, zeigen wir hiermit entfernten Verwandten und Freunden an. Ziegenhain, den 15. April 1850.

Ernst Mann, Louise Mann, geb. Kempf.

Brauerei - Verpachtung.

[301] Die in der Stadt Hessen-Oldendorf bestehende privilegirte Brauerei soll auf 6 resp. 12 Jahre öffentlich meist­bietend verpachtet werden. Diese Brauerei ist seit unvordenk­lichen Jahren mit vielem Vortheil betrieben. Oldendorf liegt in einer der angenehmsten Gegenden des Weserthals, ohnweit der Weser, was für den Absatz und Transport des Biers, namentlich Lagerbiers, äußerst vortheilhast ist. Der Verpach­tungstermin ist auf Montag den 22. April, eventuell zweiter Termin auf Montag den 6. Mai, eventuell dritter Termin auf Montag den 20. Mai festgesetzt. Pachtlustige werden kingeladen, sich in besagten Terminen auf dem Rathhause zu Oldendorf Nachmittags 3 Uhr einzufinvcn. Die Verpachtungs­bedingungen sönnen täglich beim Gastwirth Wilk e n i n g zu Oldendorf eingesehen werden. Auch kann gegen die Kopial- gebühren Abschrift von den Bedingungen gegeben werden. Oldendorf, in der Grafschaft Schaumburg, den 8. April 1850.

Wöbbeking. Beißner.

[321] Tonkünstler-Verein. Heute, Abends 7 Uhr, Versammlung.

Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. Redaktion: Fr. Oetker und Dr. A. Pfaff. - Druck von Friedr. Scheel in Kaffel.