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Berlin, 10. April. Mau wird jedenfalls darauf be­stehen, daß daö Verfassungswerk, welches in Erfurt zu Stande kommt, vom Ausland, wie von Oesterreich und den nicht bei# getretenen deutschen Staaten, als solches anerkannt wird, und der daraus hervorgehende Komplexus als selbstständiger Staat in der europäischen Familie seine Stellung erhält. Man kann sich nun weiterhin drei Formen denken, unter denen dieser Staat (die engere Union) mit dem übrigen Deutschland und Oesterreich verbunden sein könnte: 1) die Form des Dualis­mus, wenn Preußen unD Oesterreich gemeinschaftlich die Ver­tretung des Ganzen hätten; dieß würde aber der Selbststän­digkeit des erfurter Bundesstaates kaum gedeihlich sein; 2) die Form des bisherigen deutschen Buntes, in der Art, daß die 17 Stimmen des engeren Rathes (Art. IV. der Bunvesakte) maaßgebend wären; darauf würde aber Oesterreich schwerlich eingehen, weil dann der Bundesstaat, an dessen Spitze Preu­ßen stände, mindestens 10 Stimmen zu beanspruchen hätte; 3) es bliebe daher nichts übrig, als die Form des Bünd­nisses zwischen dem erfurter Bundesstaat einerseits und den übrigen deutschen Staaten und Oesterreich andererseits. Welche Abnormitäten aber auch diese Form mit sich führen müßte, das zeigt Ein Blick auf die Landkarte; denn die früher von Preußen angestrebte sogenannte Union war ein Bündniß zwi­schen Oesterreich und einem kompakten Deutschland, also zwi­schen zwei naturgemäß abgerundeten Staatskörpern. Deutsch­land dieß folgt hieraus kann nicht eher seinen Rege- nerationsproceß als geschlossen arischen, als bis die jetzt dem erfurter Werke widerstrebenden deutschen Staaten andern Sin­nes geworden und dem Bundesstaate bcigelrcten sind. Es folgt daraus weiter, daß sie nur beizutreten brauchen, um ihre eigenen Argumente gegen diesen engern Bundesstaat auszu- heben; denn es liegt lediglich an ihnen, daß er nicht ein so weiter geworden ist, als am 26. Mai 1849 vorausgesetzt wurde und seit dem 4. März 1849 überhaupt noch möglich blieb. Preußen und seine Unionsgenossen können daher in Erfurt den Bundesstaat freilich nicht vollenden; denn sie wollen und können Niemanden hinein zwingen, der sich nicht hinein wünscht. Aber sie müssen den Bundesstaat zu Stande bringen, damit er für die, die ihn schon jetzt wollen, vorhan­den, und für die, welche künftig sich dazu bekehren dürften, offen sei. Dabei wird sich von selbst verstehen, daß die Spä­terkommenden sich es selbst beizumcssen haben, wenn sie sich Formen und Normen unterwerfen müßten, welche sie als fest­stehend vorfinden, weil sie es verschmähten, zu einer Zeit sich zu betheiligen, wo sie an der Gesetzgebung hätten Mitwirken können. Dieser Abschnitt der deutschen Sache die Gründung des engeren Bundesstaates und seine Selbstständigkeit als Staat wird unausbleiblich in Erfurt ausgeführt wer­den. (E. C.)

Das C. B. theilt Folgendes mit: Die Bemühungen, die Allerhöchste Person der Idee des Bundesstaates abspenstig zu machen, scheitern an dem deutschen Sinne Friedrich Wil­hem IV. Alle Bestrebungen nach dieser Richtung hin, sie mochten von fürstlicher oder anderer Seite ausgehcn, sind er­folglos geblieben. So hat der letzte Kurfürst Deutschlands seine Anhänglichkeit an Habsburg nicht besser zu bewähren ge­wußt, als daß er in eigenhändigem Schreiben an Preußens König ausgesprochen hat, daß nur in einem gemeinsamen Handeln mit Oesterreich Heil zu finden sei. Gehe man in Preußen seinen eignen Weg, gebe man die fruchtlosen Bestre­bungen in Erfurt nicht auf, so werde Kurbessen sich von einem Bündnisse trennen müssen, von dem es nichts hoffen *6nne. Man verkennt an dieser Sprache den Einfluß eines Mannes nicht, der schon einmal berufen war, seinem Fürsten und Vaterlande schlechten Dienst zu erweisen. Friedrich Wilhelm IV. hat geantwortet, wie eS dem Reichsvorstande geziemt. Er werde, so viel in seiner Kraft stehe, die Ver­wirklichung der Wünsche der Nation fördern, werde ftstbalten an der Union, Leiv würde cs ihm sein, den Bundesgenossen seinen Verpflichtungen nicht nachkommen zu sehen, den der Union abwendig zu machen, gerade ein Hauptzweck des Mün­chener Bündnisses gewesen sei.

Aus Holstein, 10. April. Sie haben bereits Kunde von dem Abgänge Bonins, von dem Eintreten des General- Lieutenant Willisen als Obergenerals unserer Armee. Die Bedeutung dieses Ereignisses liegt auf der Hand; ich beschränke mich darauf, Ihnen in Kürze einige Notizen über Willisen mitzutheilen: Im Magdeburgischen geboren, machte er sehr jung den Feldzug von 1806 mit, durch den Frieden Unter­than des Königreichs Westphalen, gab er den Soldatenstand auf, bezog die Universität, verließ sie, um 1809 als österrei­chischer Officier einzutreten. Er ging aus dortigen Diensten mit Urlaub auf unbestimmte Zeit, um seine Studien fortzu- setzen, ward aber, in seine Heimalh zurückgekehrt, sofort ver­haftet und nach Kassel abgeführt, wo ein schwerer politischer Proceß gegen ihn eingeleitet wurde. Die Wendung der Dinge im Frühjahr 1813 trieb ibn zu einem verzweifelten Flucht­versuch; er entkam glücklich und schlich sich durch die franzö­sischen Heeresmassen nach Böhmen; trotz der Bemühungen sei­nes früheren Chefs Radetzky, zog er es vor, in preußische Dienste zurückzutreten. Im Stabe Aorks, in nächstem Ver­kehr mit Graf Brandenburg, machte er die Feldzüge von 1813 und 1814 mit; in welcher Stellung den von 1815 ist mir nicht bekannt. Nach beendetem Kriege war Willisen theils im großen Generalftabe thätig, theils begleitete er den Sohn des Fcldmarschall gjorf auf längeren Reisen, war eine Zeit hindurch Begleiter des Prinzen von Preußen, dann Ad­jutant dcs Kronprinzen und jetzigen Königs. Späterhin be­fehligte er eine Brigade in Stettin, dann stand er als Bri<- gadier in BreSlau, unter dem General-Konimando des Gra­fen Brandenburg. Die äußerst peinliche FricdcnSaufgabe, die ihm im März und April 1848 in Posen zu lösen gegeben wurde, scheiterte an dem wachsenden Haß der Parteien, die er versöhnen sollte, so wie an dem Wechsel der Ansichten in Berlin. Zur Disposition gestellt, zog er es vor, um seinen Abschied zu bitten. Als Militär gilt Williscn für eine der bedeutendsten Kapacitäten ; namentlich in der österreichischen Armee hat seine Beurtheilung des Feldzuges in Italien 1848 und die Kritik der Maßregeln, die man getroffen und zu treffen hat zur Behauptung Italiens, den größten Beifall und allseitigen Einfluß gefunden. Durch dieTheorie des Krieges" hat Willisen der militärischen Wissenschaft eine neue Wendung gegeben, und es ist allgemein anerkannt, daß er ein Meister des Faches ist. Man wird in Paris wie in Wien und in Petersburg zu würdigen wissen, was es heißt, daß Willisen die militärische Leitung der Herzogthümer über­nommen hat. (H. N.)

Kiel, 10. April. Die Statthalterschaft bat an den Ge­neral v. Bonin ein sehr anerkennendes Schreiben und an die Armee folgende Proklamation erlassen:Die Statthalterschaft ist zu ihrem lebhaften Bedauern in die Lage versetzt, der Ar­mee die Anzeige zu machen, daß es ihr trotz aller Bemühun­gen nicht gelungen ist, der Armee ihren bisherigen, mit Recht so hoch geachteten Führer zu erhalten. Der königl. preußische Generalmajor V. Bonin hat den Oberbefehl der schleSwig- holstcinschcn Armee niedergelegt. Das Land und die Armee sehen den tapferen General mit tiefem Schmerz aus ihrer Mitte scheiden; er bat das größte Verdienst um die kriege­rische Erziehung unseres Landes, um die Bildung unseres Heeres, welches unter seiner Führung stets mit Ruhm gekämpft hat. Sein Andenken wird fortleben in der Geschichte Sehlcs- wig-Holstcins. Die Statthalterschaft hat das Generalkommando wiederum übertragen an den früheren königl. preußischen Ge- nerallieutenant v. Willisen, dessen militärische Eigenschaften bekannt sind. Die Armee wird ihrem neuen Führer mit dem Vertrauen folgen, welches er zu verlangen berechtigt ist. Kiel, den 9. April 1850. Die Statthalterschaft ter Herzogthümer SchleSwig-Hslstein. Reventlow. Bcselcr. Krohn."

Von Der Armee hat Bonin in einem herzlichen KorpS- befehl Abschied genommen, worin der von Freund und Feind anerkannten hohen kriegerischen Tugend der Armee große Lob­sprüche gezollt werden. Es ist darin officicll ausgesprochen, daß mit dem General auch eine Reihe anderer preußischer Osficiere uns verlassen wird. Sie wie Bonin scheiden von