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wenn man z. B. die bayrischen Kammerverhandlungcu und die durchaus negative, unfruchtbare Thätigkeit der großdeutschen Staatsmänner wahrgenommen habe. Jetzt sei die Lage für die Anhänger des Dreikönigsbündnisses eine ungleich günstigere, in der Münchener Ausstellung sei „das Wort" der groß- deutschen Politik gesprochen, und welches! Der Redner zog dann zwischen dem guten Recht der Nation, einer einheitlichen, parlamentarischen Regierung, einer wirklichen National- vertrctung, einer gemeinsamen Politik nach außen eine bittere Parallele mit dem Münchener Entwurf, der wieder nur eine Regierung aus dclegirten Diplomaten mit Regieruugsinsiruk- tionen verheiße, gewissermaßen einen in usum Delphini verschlechterten Bundestag in Aussicht stelle, die kleine Diplomatie der Einzclstaaten beibehalte, eine parlamentarische Regierung geradezu unmöglich mache und ein dürftiges Staatcn- Haus auf unhaltbaren Grundlagen der Nation als Volkshaus zu bieten den Muth habe. In starken Worten erging sich dann der Redner gegen das rheinbündische Gelüst der gern; großen Mittelstaaten, alle kleineren ohne Weiteres unterzustellen; er zweifele nicht, daß Baden jeden Augenblick bereit sei, zu Gunsten einer wirklich mächtigen Staatenbildung seine Souveränetätsrechte von zweifelhaftem Werthe abzugeben, aber die Zumuthung, sie zu Gunsten anderer napoleonischen Schöpfungen aufzuopfern, um einer solchen Verfassung willen, wie sie der Entwurf vom 27. Februar in Aussicht stelle, müsse in allen Theilen des Landes und unter allen Meinungen die gleiche Entrüstung erregen. In dem Dreikönigs - Entwürfe und dem Erfurter Reichstage sah Häusser nicht mehr als die Anfänge eines politischen Zollvereins, und erinnerte daran, wie damals, als dieser Verein begründet ward, dieselben Einwände laut geworden seien, wie jetzt gegen den engeren Bund; in dem engeren Bunde sehe er wenigstens die Möglichkeit zur Bildung eines deutschen Staates und zu einer wahren Union mit Oesterreich eröffnet; Entwürfe wie der Münchener könnten nur den Rückfall in die alten Uebel erleichtern. Wer die politischen und sittlichen Folgen der bun- destäglichen Periode noch in frischer Erinnerung habe, wie sie die Krisis der letzten Zeiten uns aufgedeckt, der könne zwischen dem Vermächtnisse der ersten deuischen Nationalversammlung und den Projekten der rheinbündischen Diplomatie nicht mehr zweifelhaft sein. Nachdem Häusser unter Beifall geendet, erhob sich Zittel und faßte „vom badischen Standpunkte" die Gegner des Anschlusses an Preußen ins Auge. Die Aristokratie, die republikanische Partei, die Gleichgültigkeit der ermatteten Bevölkerung und eine hie und da künstlich geschürte konfessionelle Abneigung bezeichnete er als die wesentlichsten Elemente der Opposition gegen den preußischen Anschluß. Den konfessionellen Punkt faßte er insbesondere ins Auge und wies in einleuchtender Weise nach, wie wenig das kirchliche Interesse irgend einer Glaubensrichtung durch die bevorstehende politische Union gekränkt werde. Der Revolution aber könne nur durch Gewährung der vielverheißenen Bürgschaften die Quelle abgegraben werden; wolle man die deutsche Treue neu befestigen, so müsse man von oben selber mit dem guten Beispiele der Treue vorangehen. Rettig begann mit einer dankbaren Anerkennung für Preußen und seine Hülfe, verbarg sich aber die Bedenken der neuen Union nicht, Falls sie auf den gegenwärtigen Umfang beschränkt bleibe und Baden dann sowohl militärisch ein exponirter Posten bleibe, als in seinem Handel und Verkehre durch Zoll- stöcke an den nahen Grenzen gehemmt werde. Er möchte an die Abgeordneten in Erfurt den dringenden Wunsch .richten, doch ja frühere Fehler zu meiden und das Nächstliegende und Ausführbare im Auge zu behalten. In Z e l l erhob sich der eigentlich großdeutsche Redner: er meinte, man solle sich allerdings vor Partikularismus und Vergrößerungssuch^ hüten, aber auch vor doktrinären Theorien. Er besitze nicht so viel Selbstgefühl, um den Münchener Entwurf einer Kritik zu unterziehen, wie sie früher versucht worden; er finde darin die Keime einer weiteren Entwicklung. Die Hauptschwächen der früheren Zeit seien der Mangel konstitutioneller Formen in den Großstaaten, der Mangel einer Nationalvectretung und die geforderte Einstim
migkeit der Beschlüsse gewesen. Das werde jetzt abgestellt, und insofern sei die Münchener Ausstellung eine „durchgreifende Reform." Einzelne Mängel könnten ja beseitigt werden, da das Ganze vorerst nur Entwurf sei. Der Redner möchte die alte Einigkeit zwischen Preußen und Oesterreich bewahrt sehen, und wenn er gleich der Regierung eine JndemnitätSbill für den Abschluß des Bündnisses einräumen will, mochte er doch der Kommission den Wunsch ans Herz legen: daß die Regierung nach dem neuen Stand der deutschen Angelegenheiten dazu mitwirken solle, eine neue Verfassung für das ganze Deutschland zu Stande zu bringen. Trefu r t bekämpft diesen Antrag, weil ihm eine Verbindung zwischen Oesterreich und dem übrigen Deutschland in einen Bundesstaat unmöglich scheint. Auch er theilt die Meinung, welche die meisten Redner über das Münchener Projekt ausgesprochen; nur über die Motive der Urheber sei er im Zweifel. Entweder seien die feinen Mittelstaaten von der falschen Einbildung befangen, sie könnten ohne engern Bund selbständig für sich bestehen, oder es seien dort noch die alten Erinnerungen lebendig, und man möchte sich den Weg zum Abfall von der deutschen Politik offen halten. Trefurt ist nicht der Meinung Zells, als seien nur die drei erwähnten Punkte die Ursache der früheren Misere gewesen; er sieht noch ganz andere Bedürfnisse der Nation unbefriedigt und hofft ihre Sättigung im Bundesstaat zu finden. Bilde sich dieser, so sei auch Oesterreich im Vortheil , denn es könne die bedenkliche russische Allianz dann fallen lassen und den unzertrennlichen Bund eingehen mit dem geeinigten und gestärkten Deutschland. Auch Abg. Schaaff, nachdem er seinen lebhaften Dank für die preußische Hülfe ausgesprochen, ist gegen Zell der Ansicht, daß ein enges Verständniß zwischen Oesterreich und Deutschland durch den Bundesstaat nur gefördert werde. Mit starkem Worte rügt er den Abfall derer, die in der Noth Preußens Hülfe gesucht, und ihr Wort gebrochen, als die Noth vorüber war. Gegen die Rückkehr des alten Bundes oder verwandter Zustände ist er entschieden; er sei früher ein lebhafter Verehrer desselben gewesen und habe viele Kränkungen deßhalb bestanden, aber schon vor dem März „sei er von seinem Enthusiasmus zurückgekommen." Er hält das rasche Zustandekommen des Bundes für ein unabweisbares Bedürfniß, wenn die Ohnmacht Deutschlands, wie sie sich selbst kleinen Staaten gegenüber zeige, aufhören solle. Nach ihm nimmt v. Soiron das Wort, um die Einwürfe Zells abzuwebren und Rettigs Bedenken zu beschwichtigen. Er faßt die allgemeinen Einwürfe ins Auge, die seit den Kämpfen in Frankfurt gegen den Bundesstaat gemacht worden sind; beleuchtet das angebliche „Verstoßen Oesterreichs" , die Worte „großdeutsch" und „kleindeutsch" und den Widerstand der „Kleinstaatsmänner" und der kleinen Diplomatie. Daß das Interesse erschlafft sei, liege theils in der allgemeinen Abspannung, theils darin, daß nun die ganze Angelegenheit wieder Sache des diplomatischen Notenwechsels geworden sei. Von Projekten wie das Münchener besorge er keine Gefahr; die Gegner sehen das selber ein, und ihre Lieblingöphrase sei jetzt die: „es kommt in Erfurt doch nichts zu Stande." Aber der kleine Bund werde zur männlichen Kraft heranwachsen, indessen die abgelebten Formen der Gegner der verdienten Vergessenheit an- heimfallen müßten. Auf Soirons derbe, drastische Rede folgt Kaiser aus Lörrach, eine kernhafte alemanische Natur, mit seiner maiden - speéch. Als Badener und zwar als guter Badener sehe er die Sache an. Ihn jammere des Volkes, des viel verleumdeten, dessen Verirrung zum Theil nur aus den Zuständen der Kleinstaaterei entsprungen. Aus schlechten Elementen allein könne man keine Revolution machen; auch unter dem Schmutz sei eine reine Idee, die der Einheit lebendig gewesen. Nur auf diesem Wege sei Heilung zu erwarten; man müsse die Kleinstaaterei durch eine einigere Form überwinden und dem Einbeitsdrang, der in den kleinsten Staaten am lebendigsten sei, eine kräftige Nahrung geben. Der Redner sieht in Dem Bundesstaat die Anfänge einer friedlichen Mediatisirung, und hofft dadurch sowohl eine Umstimmung im Volk ungebahnt, als die Anwen-