Neue Hessische Zeitung.
Organ der konstitutionellen Partei.
Mittwoch, 27. März 1850. v'W 1Ä€>* Morgen - Ausgabe.
Diese Zeitung erscheint mit Ausnahme der Sonntage und Sonnabende täglich zwei Mal. Sonntags wird ein Unterhaltungsblatt beigegeben. Die MorgenAllsLNbe wird von */2ll bis 12 Uhr, die Abend - Ausgabe in Kassel von 5 bis 7 Uhr mebirt. Sonnabends erfolgt die Ausgabe nur'Abends, Sonntags nur Morgens. Man abonnirt bei allen löblichen Postämtern, in Kassel in der Luckkardt'schen und Vollmann'schen Buch - und Kunsthandlung. Der Äbonnementspreis beträgt halbjährlich 3 Thlr., vierteljährlich 1 Thir. 15 Sgr., wofür alle kurhessischen Postämter das Blatt ohne Aufschlag liefern. Anzeigen werden mit 1 Sgr. für den Raum einer Petitzcile berechnet.
Für das 2te Quartal neu zugehende Abonnenten erhalten das Blatt vom Tage der Bestellung an gratis. --------------- ------------------- ..- -- ->-"'"—» ..... -—. °------
Deutschland.
* Fulda, 23. März. Im vormals Altensteinschen Hause dahier fand heute die Wahl des Abgeordneten zum Volkshause des UnionS Reichstags zu Erfurt für den Wahlkreis Fulda Statt. Von den gewählten 85 Wahlmännern (der Bezirksausschuß hatte deren Zahl auf 93 sestgestellt) hatten 62 zur Theilnahme an der Wahl des Abgeordneten sich eingesunken. Der Bezirksdirektor Justus Rang (zugleich Wahlmann) leitete die Wahl und machte nach beendigter e r st er^ Abstimmung bekannt, daß in solcher, neben 2 vereinzelten Stimmen, 29 auf ihn selbst, 21 auf den Obergerichtsrath Deines und 10 auf den Staalsprokurator Morchutt gefallen; mithin absolute Mehrheit nicht erzielt und eine weitere Abstimmung vorzunehmen sei. 9? ad) Dem solche bewirkt, vor deren Beendigung jedoch ein weiterer Wahlmann , der bei der ersten Abstimmung nicht mitgewirkt, zugetreten, auch zur Theilnahme an der zweiten zugelaffen worden war und dadurch die Zahl der Wählenden sich auf 63 erhöht hatte, eröffnete der Bezuks- direktor das Ergebniß dieser zweiten Abstimmung, daß er selbst 32 Stimmen, Obergerichtsrath Deines 24, Staatsprokurator Morchutt 6 und Amtmann Uth 1 erhalten hätten; im Ausschüsse aber Zweifel darüber bestehe, ob hiernach für ihn, den Wahlleitenden, absolute Stimmenmehrheit, wie der H. 42 des Wahlgesetzes vom 10. Decbr. 1849 sie erfordere, erzielt worden sei. Bei eigener Betheiligung trat der Be- zirksdircktor nun die Leitung an seinen gesetzlichen Vertreter, Regierungsrath Wegner, ab, welcher die zweifelhafte Frage erörterte und einen Beschluß des Ausschusses herbeiführte, nach welchem vier Stimmen für und zwei gegen die gesetzliche Erwählung des Herrn Justus Rang sich aussprachen; indem die letzteren geltend machten, daß der dritte Satz des alleg. §• 42, welcher bei der zweiten Abstimmung eine solche (nämlich die im ersten Satze gedachte absolute) Mrhrbeit erfordire, nach der gesetzlichen Begriffsbestimmung im §. 36 des Gesetzes vom 16. Febr. 1831 bei 63 Stimmgebenden mindestens 33 Stimmen zu einer gültigen Wahl erfordern. Herr Justus Rang wurde nach jenem Beschlusse für gesetzlich gewählt erklärt und solches ihm selbst und Der Wahlversammlung bekannt gemacht. Derselbe erklärte Die Wahl anzuneh- men und dankte denjenigen Wahlmännern, welche ihm ihre Stimme gegeben. In weiterer Ansprache entwickelte er dann, „daß Der Beruf eines Abgeordneten ein schwieriger sei und „daß er nur ungern und lediglich deßhalb zu dessen Ueber- „nahme aus seinem Dienstverhältnisse und von seiner Familie „sich losreiße, weil er in seiner Erwählung einen Akt der „Gerechtigkeit erblicke. Als der hiesige Bezirksrath ge- „wählt worden , hätten nur Katholiken demselben ange- „hört. Nachdem ein Mitglied ausgeschiecen, habe er darauf „aufmerksam gemacht, daß das nicht recht und nicht billig „sei, auch Die Wahl mir Erfolg auf einen Protestanten (Apo- "thkker Jakobi) hingelenkt. Gleiche Rücksichten des Rechts „und Der Billigkeit hätten bei den Wahlen zum Volkshause „und zum Staatenhause des Erfurter Reichstags nicht vor- „gewaltet, indem von den Wahlversammlungen, Den Ständen „und der Regierung lediglich Protestanten auserkoren „worden seien, obwohl Kurhessen zu 7, aus katholischen
„Staatsangehörigen bestehe und unter diesen wohl Männer zu „finden gewesen wären, welche Den Beruf eines Abgeordneten „erfüllen könnten. Dies Unrecht sei durch seine Wahl eini- „germaßen gut gemacht und eben im Gefühl der in diesem „Akte liegenden Gerechtigkeit acceptire er die Wahl. Zur „Ablegung eines politischen Glaubensbekenntnisses fehle es an Zeit. „Sollte sich zu Erfurt eine Gasse für ein Groß-Deutschland eröffn „nen, so werde er sie mit Freuden betreten. Im Uebrigen sei der „Zukunft zu vertrauen und zumGedeihenGottesHülfezuerflehen." Diese Rede bedarf keines Kommentars. Sie erschloß vielen Der hiesigen Zustände nicht ganz kundigen Wahlmännern das Motiv zu einer Wahl, nach welchem sie in den sonstigen persönlichen Eigenschaften des Gewählten vorher vergebens sich umgethan. Dem Vernehmen nach wird die Wahl angefochten werden. --
Berlin, 24. März. Der württembergische Gesandte hat in Folge der an ihn gerichteten Note des Ministers der auswärtigen Angelegenheiten seine Pässe verlangt und erhalten; und ist in diesem Augenblick schon aus Berlin abgereist.
(Wes.-Z.)
Gravenstein, 22. März. Die Landesverwaltung hat gestern ihren Eingriffen in Die Gerechtsame des Landes und Der Einzelnen die Krone aufgesetzt. Der erste Justizbeamte ist gefallen, man hat sich ohne Weiteres veranlaßt gefunden, den Gerichtshalter Hennigscn hicselbst abzusetzen, und unter Uebergehung des durch die Verordnung vom 19. Juli 1805 garantirten Rechts Der adeligen Güter, wonach lediglich diesen Die Wahl des Gerichtshalters zusteht, einen Advokaten, Der bisher in Kopenhagen gewohnt hat, zum Gerichtshalter ernannt. (H. N.)
Schleswig, 22. März. Der Amtmann, frühere Kriegsminister Jacobsen unD Der Hardesvogt Jochims haben Die Verwaltung des Amts Flensburg, der Uggel-Harde, diesseits der Demarkationslinie in diesen Tagen wieder angetreten. — Die Schleswig - Holsteiner, welche in den königl. Garden zu Kopenhagen dienend feit 2 Jahren dort zurückgehalten sind, sind endlich jetzt in ihre Heimach entlassen.
Kiel, 24. März. Gestern Abend ist Hr. v. Harbou von Berlin zurück.,ekehrt. Die Nachrichten, die er bringt, scheinen nicht eben tröstlicher Art zu sein. Heute noch wird er der in geheimer Sitzung Der Lanvesversammlung zur Berathung des Kriegsbudgets niedergesetzten Komile berichten.
Karlsruhe, 14. März. Die sehr inleressante Verhandlung Der 2. Kammer über die Anwhlußfrage bringen wir nachträglich nach dem» Berichte der Augöb. Allg. Zeilg. Die Verhandlung begann unter dem unmittelbaren Eindruck der Münchener Aufstellung vom 27. Febr., Die am Morgen durch Die Zeitungen bekannt geworden; an sie knüpfte auch der ei sie Redner, Hâusser, in ausführlichem Vortrag an. Es fei, begann er, bisher- leine ganz leichte Ausgabe gewesen, das DreikönigSbündniß und Die damit zusammenhängende Politik als Die allein richtige darzusteklcn, so lange Die großdeutsche Meinung ihr letztes Wort noch nicht gesprochen und mit ihren Entwürfen zurückgehalten habe. Zwar seien von ihr Die besten Momente des Handelns versäumt worden, auch habe man schon im Laufe der letzten Monate bedenklich werden müssen,