579 —
glauben, so dürfte die Bejahung jener Frage noch immer fern liegen. Wenn sich aber auch bisher noch keine erkennbaren Spuren einer radikalen Umkehr der alten RegimentS- weise nach einem aufrichtig konstitutionellen Ziele hin gewahren ließen, so fehlt cs dagegen bis jetzt ebensowohl an entschiedenen Merkmalen der früheren Gewaltherrschaft, an deren Stelle vorerst das System des passiven Widerstandes und des lauernden Abwartens getreten zu sein scheint.
Ob diese, dem bekannten politischen Charakter Hassenpflugs sehr wenig entsprechende, Umwandlung eine Folge der in den drei verschiedenen Ländern, in welchen er seitdem ausgetreten ist, gemachten „Erfahrungen", die ihn in keinem derselben eine ihm behagliche bleibende Stätte finden ließen, sein möge, oder die Folge einer Enttäuschung über die ihm von seinen Kundschaftern gegebenen Nachrichten von der hier noch herrschenden „Straßendemokratie", welcher man alsbald mit gewaff- neter Hand und Belagerungsstand hätte entgegentreten, und sich dadurch einen festen Boden für die ungesäumte Zurückführung der alten Zustände hätte gewinnen können, wollen wir dahin gestellt sein lassen. Nur darf es keinen Augenblick vergessen werden, jeden Schritt, der von dem neuen Ministerium, so lange es noch am Ruder stehet, unternommen wird, mit den Argusaugen eines wohlbegründeten Argwohns zu bewachen und zu verfolgen, damit wir, wenn etwa über Nacht jene mild scheinende Frühlingsluft in verderbenbringenden Gewittersturm umschlägt, vollständig gerüstet da stehen, um unsre Verfassung, unsre Gesetze, unsre Freiheiten, gegen den sie bedrohenden Schlag muthig und kräftig, wie es dem achten Vaterlandöfreunde geziemt, zu schützen, und aufrecht zu erhalten gegen jede sie beeinträchtigende Unbill.
Zu diesen Betrachtungen veranlaßt mich ein bereits ein- getreteneS Vorzeichen der nahenden Gefahr in der, auch in den Jahren 1832 bis 1837 mit so großem Erfolge an- gewendeten, Maßregel zur Verstärkung der ministeriellen Allmacht — der allmäligen Besetzung aller einflußreichen Stellen durch Personen, die, sei es aus pietistischer, sei es aus politischer Verwandtschaft, oder aus Beiden, mit Leib und Leben dem ministeriellen Systeme ergeben sind. Die Anwendung dieser Maßregel hat begonnen mit der Anstellung des „Volksfreundes" Vilmar, dem wohl mit der Bezeichnung als bekannter Staats- und Kirchenhierarch in Nr. 117 d. Ztg. ganz gewiß nicht zu nahe getreten ist, zumal er vielleicht selbst von seinem Standpunkte aus jene Bezeichnung für eine ehrenvolle hält. Nächstdem hat die Berufung des pensionirten Hauptmanns Wachs in das Ministerium nur die höchste Befremdung erregen können, da derselbe als muthmaßlicher Korrespondent der Berliner Kreuzzeitung über kurhessische Zustände seine entschiedene Parteinahme für den Absolutismus hinlänglich an den Tag gelegt hat. Ferner mußte auch die Ernennung des Professor Wetzell zum Mitglied des Vcr- waltungsrathes, nach der successiven Abberufung seiner drei Vorgänger, denen man eine mehr bundesfreundliche Gesinnung zutraute, gerade in dem Augenblicke, wo der Ver- waltungsrath die Zustimmung des Reichstages zu dem Ver- fassungSentwurfe zu vermitteln im Begriff stand, als sebr auffallend erscheinen, indem W. von denen, welche ihn genauer kennen, für einen nur allzugetreuen Anhänger und Jünger Vilmars gehalten wird. Auch reden die Zeitungen schon von einer demselben ertheilten Instruktion zum Festhalten an dem Bundesrechte von 1815. Wie aber verträgt sich damit das gleichzeitige Einlenken Vilmar's in Nr. 23 des ministeriellen Organs, wonach unter der in dem Programm erwähnten „Hoffnung" keine andere, als welche man in. der Ständeversammlung und in der Presse tausendmal habe aussprechen hören, verstanden sei, auch der Ausdruck „dem Ziele entgegenführen" bezeuge, daß man eine unmittelbare Erreichung dabei nicht unterstellt habe? Fistula dulce canit, volucres dum decipit auceps!
Jedenfalls wird der permanente ständische Ausschuß von jenen Vorgängen, und weiter nachfolgenden, förmlichst Akt zu nehmen nicht versäumen; er wird der wieder zusammengetretenen Ständeversammlung von Allem, was er in der
Zwischenzeit mit stets reger Wachsamkeit beobachtet und mit ängstlicher Gewissenhaftigkeit in seine Protokolle ausgezeichnet hat, pflichtmäßigen Bericht zu ihrer weiteren Entschließung zu erstatten sich angelegen sein lassen.
___ B. W. Pfeiffer.
Nichts Neues unter der Sonne.
Thom. Bab. Macaulay schreibt in seiner „Geschichte Enqlands" (Uebers. v. Bulau Bd. II. S. 367): „Aber konnte der Widerstand von „Engländern gegen solch einen Fürsten,^wie Jakob, eigentlich Empörung «genannt werden? Die unbedingten Schüler Filmers behaupteten „freilich, daß zwischen dem Staatswesen unseres Landes und dem der „Türkei keinerlei Unterschied sei, und bafj, wenn der König nicht den „Inhalt aller Ladenkassen in der Lombardstraße in Beschlag nehme, und „keine Stummen mit Bogenschnuren zu Sancroft und Halifax schicke, „dieß nur geschehe, weil Se. Maj. zu gnädig sei, um die ganze Macht „zu gebrauchen, die sie vom Himmel geschöpft habe."
Eruenuuugen rc.
Dem Major und Vorstand des Kriegsministeriums von H a y n a u wurde das Ritterkreuz des kurf. Hausordens vom goldenen Löwen verliehen,
der zum Syndikus und Sekretär bei der Landesuniversität zu Marburg gewählte Obergerichts-Referendar Karl Schotten aus Kassel bestätigt,
der Direktor und erste Lehrer des Gymnasiums zu Hanau Dr. Friedrich Münscher in gleicher Eigenschaft an das Gymnasium in Marburg versetzt,
der Gymnasiallehrer Dr. Georg Wilhelm Matthias zu Kassel zum Direktor und ersten Lehrer des Gymnasiums in Hanau ernannt,
der Gymnasiallehrer Dr. Karl Wilhelm Piderit zu Hersfeld in gleicher Eigenschaft an das Gymnasium in Kassel versetzt,
dem Dr. med. Georg Wilhelm Hüter aus Melsungen die ärztliche, wundärztliche und geburtshülfliche Praxis mit dem Wohnsitze in Niederaula gestattet, und derselbe zum Phy- sikus und Amtswundarzte für den Bezirk des Justizamtes Niederaula provisorisch bestellt,
der Thierarzt 1. Klasse Jakob Gipper zu Schweinsberg zum Amtsthierarzte für den Verwaltungsamtsbezirk Frankenberg provisorisch bestellt, und
dem außerordentlichen Pfarrer Eduard Meuche aus Viermünden die Rektorstelle an der Stadtschule zu Neukirchen Provisorisch übertragen.
Kekanntmachungen.
[249] Die am 1. April d. J. fälligen Zinsen der Prioritäts-Obligationen der Friedrich-WilhelmS-Nordbahn werden gegen Einlieferung der betreffenden Zinsabschnitte außer bei der hiesigen Hauptkasse
bei den Herren Gebrüder Bethmann in Frankfurt a. M., bei den Herren Gebrüder Arons in Berlin, und bei den Herren Hammer und Schmidt in Leipzig schon von jetzt an bezahlt.
Kassel, den 21. März 1850.
Die Direktion der Fricdrich-Wilhelms-Nordbahn-Gcsellschaft. Arn old.
________Vdt. Dr. Eisenberg.
Bekanntmachung.
[247] Zur Bestreitung der Ausgaben, welche die Gemeindeverwaltung im Jahre 1850 nach dem vom Stavtrathe und dem Bürgcrausschusse festgestellten Grundetat erfordern wird, ist, insoweit dazu die übrigen Einnahmen nicht ausreichen, die Erhebung eines Servisgeldcs, eines Realgeschosses von nicht grundsteuerpflichtigen Gebäuden in der Stavtgemar- kung, eines Steinpflastergeldes, letzteres im zweifachen, seither eben so erhobenen Betrage und einer Gemeinde-Umlage von vier Simpeln nöthig und deßhalb vom Stadtrathe und dem Bürgerausschusse beschlossen worden.
Zum Zwecke thuulichster Erleichterung der umlagepflichtigen Einwohner wird die Gemeindeumlage, hinsichtlich deren man zur Vermeidung von Mißverständnissen über die Pflichtig- keit hierzu auf das (in dem unten gedachten Quittungsbuche