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Neue Hessische Zeitung.

Organ der konstitutionellen Partei.

Dinstag, 26. März 1850. J\e l^lM» Morgen - Ausgabe.

Diese Zeitung erscheint mit Ausnahme der Sonntage und Sonnabende täglich zwei Mal. Sonntags wird ein Unterhaltungsblatt beigegeben. Die Morgen-Ausgabe wird von 7,11 bis 12 Uhr, die Abend - Ausgabe in Kassel von 5 bis 7 Uhr expedirt. Sonnabends erfolgt die Ausgabe nur'Abends, Sonntags nur Morgens. Man abonnirt bei allen löblichen Postämtern, in Kassel in der Luckhardt'schen und Vollmaun'schen Buch - und Kunsthandlung. Der Abonnementspreis beträgt halbjährlich 3 Thlr., vierteljährlich 1 Thlr. 15 Sar. wofür alle kurhessischtn Postämter das Blatt ohne Aufschlag liefern. Anzeige» werden mit 1 Sgr. für den Naum einer Pctitzeilc berechnet.

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Deutschland.

Kassel. Die in die Beil, zu Nr. 64 d. Zeitg. aufge­nommene Bemerkung der Redaktion der Deutschen Zeitg., daß ein in letzterer Hrn. Vilmar zum Reichstagsabgeorbneten empfehlender, Artikel bereits vor dem Ministerwechsel in Kur- Heffen in ihren Händen gewesen, demselben eine Berechnung auf die unmittelbare Gegenwart also fremd sei, bedarf in so weit einer Erläuterung und daraus folgenden Berichtigung, als jener Artikel von demselben Korrespondenten herrührt, welcher schon in der Deutschen Zeitung vom 2. Novbr. v. J. auch die Rückkehr Hassenpflugs auf den kurhessischen Minister­stuhl mit dem Beifügen in Aussicht gestellt hatte, daßdiese Rückkehr (unter gewissen Voraussetzungen) sogar für das Land segensreich werden könne!" (K. Allg. Z.)

d Fulda, 21. März. Wie Rudolph in derBanviten- braut" von Körner, seufzet unser Oberbürgermeister:In meinem alten Kampfe lieg' ich wieder!" aber nicht mit seinen Gefühlen, sondern mit seinen Stadtraths-Gliedern. Er, bedacht den gesetzlichen Bestimmungen nachzukommen, die ihm Wahrung und Erhaltung der Armenfonds zur unerläßlichen Pflicht machen, muß den Branntwein-Industriellen entgegen# kämpfen, die, um die Industrie zu heben, sich kein Gewissen daraus zu machen scheinen, Mittel und Errungenschaften der Armenfonds zu Experimenten herzugeben, weil sie nicht Scharf­sinn genug besitzen, die Turniere s. g. Industrie-Ritter zu würdigen und an dem Spiele und Fähnleinschwingen dersel­ben Ergötzen fühlen. Sie stellen sich ein wahres Armuths­zeugniß eigner Geschäftsführung aus, wenn sie sich durch die Schwindeleien verkommener Abenteurer verblüffen lassen und des Pudels Kern kümmerliche Selbstfristung auf Kosten Schwächerer, nicht erkennen. Es ist ein Beweis großer Un­erfahrenheit oder Unschuld, sich durch charlatanmäßiges Ge­bühren beirren zu lassen und die Verhältnisse nicht so zu nehmen, wie sie vom Leben geboten werden. In Fulda hat sich eine Verkaufshalle aufgethan. Wo sind denn die Käufer? fragen wir. Diese Frage beantwortet die Zukunft. Unsere Eisen­bahn - Kommission gibt kein Lebenszeichen mehr von sich und steht nur noch auf dem Papier. Hat ihr der Hassenpflug eine so liefe Furche durchs Terrain gezogen?

t Erfurt, 23. März. Das Staatenhaus wird vor dem Feste keine öffentliche Sitzung mehr halten, da seine Kon- stltuirung beendet ist und sämmtliche Vorlagen vorläufig an die Ausschüsse gehen. Es werden deren 2 in den Abtheilun­gen gewählt, ein Gerichteausschuß und ein Verfassungsaus­schuß, und zwar der letztere nächsten Montag. Gestern wurde der Geburtstag Sr. königl. Hoheit des Prinzen von Preußen in verschiedenen Kreisen zum Theil sehr sinnig ge# feiert. Im Hotel Silber am Bahnhose fand eine solche Feier von einem großen Theile der Abgeordneten aller Staaten in ernster und wenngleich extemporisirter Weise, so doch nicht minder würdig Statt. Das heitere Mahl, welches hier po­litische Freunde zusammenführte, wurde durch folgenden Toast des Abg. Soiron zu einem Festmahle geweiht; dieser Toast lautete etwa:Meine Herren! Wir feiern heute den Geburts­tag Sr. k. Hoheit des Prinzen von Preußen. Das ist nicht mehr ein Fest für Preußen , es ist ein Fest für alle Staaten

der Union. . Ich als Badenser habe vorzüglich den Beruf, diesem edlen Prinzen meinen Dank heute zu erstatten int Na­men meiner Brüder diesseits des Rheins in Baden; aber nicht nur im Namen meiner Brüder diesseits des Rheins, sondern ich glaube auch bestimmt versichern zu können, im Namen meiner pfälzischen Brüder jenseits des Rheins Ihm den gebührenden Dank zu erstatten für das weise undmen- schen fr rundliche Verfahren, womit er Ordnung und Gesetz dort hergestellt, Seinen hohen Beruf dort schonend er# füllt und Sich um die Wiederaufrichtung eines verfassungs­mäßigen Zustandes meines Vaterlandes verdient gemacht hat. Ihm daher ein dreifaches Lebehoch!" An der Mittags­tafel imKaiser" nahm der greife Abgeordnete Oberstburg­graf v. Brünneck das Wort und gedachte des Wiegenfestes des Prinzen in kurzer herzlicher Weise. Außerdem hatte sich eine Gesellschaft von etwa 40 Personen im Kaiser eingefun­den, welche ebenfalls den Geburtstag Sr. königl. Hoheit fest­lich begingen. Herr v. Radowitz, welcher mit anwesend war, brachte den Toast auf Se. königl. Hoheit dem Prinzen von Preußen aus, dem dann mehrere andere folgten. Die Ar­beitskräfte der hiesigen Post sind in ziemlich bedeutendem Maße verstärkt. Eine Portofreiheit für die Abgeordneten dürfte jedoch schwerlich eintrcten, da der Herr Handelsmini­ster der Ansicht sein soll, daß das Briefporto bereits eine be­deutende Ermäßigung erfahren, welche eine Portofreiheit kaum noch als eine besondere Erleichterung erscheinen lasse.

Berlin, 23. März. Die Gerüchte, welche über einen von Oesterreich einzuberufenden Kongreß in Umlauf waren, scheinen sich bestätigen zu wollen. Wir hören nämlich, daß das wiener Kabinct sich ernstlich mit dem Gedanken an einen Kongreß derjenigen Mächte, welche die Verträge des Jahres 1815 unterzeichnet haben, beschäftigt, um dadurch die deut­schen Angelegenheiten wieder auf den Standpunkt jener Zeit zurückführen zu können. Man versichert uns, daß in Wien schon mehrere Ministerberathungen über diesen Punkt Statt gefunden und es wohl zu erwarten sei, daß demnächst von Wien aus keßfaUsige Vorschläge gemacht werden. (Berl. Z.)

Herr Rio, der Berichterstatter des Präsidenten der französischen Republik am Ei furtcr Reichstage, weilt seit eini­gen Tagen hier und wird, wie wir hören, von Herrn A. v. Humboldt Sr. Majestät dem Könige vorgeftcUt werden. Wir hören gleichzeitig, daß Hr. Rio zum Bevollmächtigten Frank­reichs am deutschen Bundesstaate, sobald derselbe faktisch ge­bildet, bestimmt ist.

Wiesbaden, 22. März. In der heutigen Landtags­sitzung hat die Regierung gegen dieverfassungswidrige" Herabsetzung der Civilliste Protest eingelegt und auf Fort­bezug der Summe von 300,000 Fl. bis zur definitiven Re- gulirung der Civilliste oder bis zur Erlassung des richler- lichen Ausspruches bestanden. Die Mittheilung ist an einen besondern Ausschuß zur Berichterstattung verwiesen.

Darmstadt, 21. März. Die heutige Vormittagssitzung des Schwurgerichts im Proceß Görlitz begann mit den Er­läuterungen des Medicinalraths Merck durch Vorzeigung eines grünfarbigen Arzneigläschens, für 3 fr. Grünspan enthaltend, und einer kleinen Papirrdüte, so groß, daß sie die gleiche