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Darmstadt, 20. März. In der heutigen Nachmittagssitzung des Processes Görlitz wurde die Köchin Sprich vernommen. Sie gab im Wesentlichen an: Am Nachmittag des 2. Nov. gegen 3 Uhr sei Stauff zu ihr in die Küche gekommen und habe sie auf- gcfordert, Feuer in dem Speisezimmer des Grafen zu machen; sie habe sich dessen geweigert, weil es damit noch Zeit habe und sie bei der Brühe (Sauce) bleiben müsse, mit deren Be­reitung sie eben beschäftigt war. Stauff sei in der Küche ge­blieben und habe sie endlich aufgefordert, einen für die Tafel bestimmten Teller, der nicht ganz rein sei, zu säubern. Wäh­rend sie nach dieser kleinen Berrichtung sich nach einer anderen Seite gewendet, hätte sie wahrgenommen, daß Stauss aus einem grünlichen Arzneigläschen elwas in das Töpfchen ge­schüttet habe, worin sich die Sauce befunden, deren Umrühren er übernommen. Darüber zur Rede gestellt, habe Stauff vorgewendet, er habe nur seine wehe Hand über das Feuer halten wollen, und sich dann entfernt. Die Sauce versuchend, habe sie diese übclschmcckcnv gefunden und eine grünliche Bei­mischung wahrgenommen, dieß auch dem hinzugekommenen Kutscher Schämbs und der gleich darauf ebenfalls eintreten# den Kaffenberger erzählt. Was letztere mit der mitgenommenen Brühe gemacht, wisse sie nicht; nach deren Aeußerung sollte sie dem Arzt gebracht werden. Nach einiger Zeit sei Stauff wieder in die Küche gekommen und habe über den Herd hin gesehen. Den von dem Versuchen der Brühe herrührenden Übeln und Neigung zuin Erbrechen erweckenden Geschmack habe sie noch am Abend gehabt, und sei dadurch veranlaßt wor­den, sich Thee zu machen. Von dem Präsidenten befragt, deponirte Zeugin noch über einzelne Daten. Ermahnt, die Wahrheit zu sagen, ihr Gewissen nach keiner Seite hin zu be­lasten, beharrte Zeugin bei ihrer Aussage. Stauff hob her­vor, auf sein Verlangen sei der Zeugin die Wichtigkeit des Eides und die Bedeutung des Meineides von dem Geistlichen erklärt worden ; dennoch habe sie nach seiner Ueberzeugung die Unwahrheit gesagt, denn er habe nichts in die Sauce ge­than. Nach Vorlesung einiger Protokolle der Voruntersuchung kam Stauff auf seine Behauptung zurück, die Zeugin habe die Unwahrheit gesagt; ja er beschuldigte dieselbe des Mein­eides. Der Staatsanwalt fand sich dadurch veranlaßt, den Präsidenten zu bitten, den Angeklagten iu die Schranken der Ordnung zurückzuweisen. Mit Recht entgegnete der Präsident, die Oeffentlichkeit verwalte hier ihr hohes Amt; indeßen gab er dem Angeklagten zu bedenken, daß er sich durch einen sol­chen Exceß der Gefahr aussetze, abgeführt zu werden, wonach das Verfahren in seiner Abwesenheit weiter schreiten werde. Zeuge Medicinalrath und Apotheker Rube deponirt, daß seit 1846 kein Grünspan in seiner Ofsicin gefordert und verab­reicht worden sei. Zeugin Auguste Keller, 1845 und 1846 Kammerjungfer der Gräfin, bezeugt den beachtenèwerthen Um­stand, daß die Gräfin, am Schreibtische sitzend, den einen Schuh ausgestoßkn habe; bei ihrer guten Figur habe sie des Schnürens nicht bedurft. Dem Stauff ertheilte Auguste Kel­ler das Zeugniß freundlichen, gefälligen Benehmens, jedoch mit dem Zusatze, daß er zudringlich gewesen. Der Schmerz des Grafen über den Tod seiner Gattin sei aufrichtig gewe­sen ; diese habe ihre Pretiosen, worunter viele Ringe, die Ile nicht getragen, im Etuis im Kaunitz verwahrt und zwar so, daß bei ihren Lebzeiten ein Diebstahl so viel als unmöglich gewesen sei. Die begonnene Vernehmung des Zeugen Hein­rich Lind ward ausgesetzt, weil der Staalsauwalt dahin einen motivirten Antrag stellte.

Karlsruhe, 21. März. Die erste Kammer hat heute, nachdem Markgraf Wilhelm von Baden die auf ihn gefallene Wahlaus Gesundheitsrücksichten" abgelehnt, den Hofrath Zöpfl und den Geh. Rath von Marschall zu Abgeordneten für das Staatenhaus erwählt.

München, 20. März. Der Abgeordnetenkammer ist heute officiel! die Zustimmung des österreichischen Kabinels zu der Münchener Ucbcrcinkunft vom 27. Febr. angezeigt.

Frankreich.

Paris, 20. März. Man versichert, die Regierungen von Frankreich, Spanien und Oesterreich hätten entdeckt, daß eine Person aus der Umgebung Pius IX., welcher dieselbe mit Wohlthaten überhäufe, mit den socialistischen Blättern Europas und mit Mazzini eine Korrespondenz unterhalte. Der Patriarch von Jerusalem ist in Paris angekommen. DemJournal des Villes et Campagnes" zufolge ist Fürst Metternich gestern in Paris angekommen. Das Eintreffen dieses Staatsmanns soll, nach dem genannten Blatte, mit der gegenwärtigen politischen Lage in naher Verbindung stehen.

Paris, 21. März. Nachdem in der heutigen Sitzung der Nationalversammlung mehrere der Ersatzwahlen, unter anderen die der drei neuen pariser Repräsentanten, der Her­ren Carnot, Vidal und de Flotte, für gültig erklärt waren, legte die Regierung die bereits seit acht Tagen erwarteten Gesetzentwürfe vor. Das vom Justizminister Rouher einge­brachte Preßgesetz enthält eine Erhöhung der Kautionen auf 50,000 Francs für periodische Schriften und die Einführung eines Stempels von 4 Centimen für jedes Journal. Baroche, Minister des Innern, legte einen Gesetzentwurf vor, wonach das Gesetz vom 28. Juni 1849, das Verbot der Klubs be­treffend, dessen Wirksamkeit ihrem Ende entgegensah, bis zum 22. Juni 1851 in Kraft bleiben und dessen Bestimmungen auch auf Wahlversammlungen anwendbar sein sollen. Beide Minister beantragten für ihre Gesetzentwürfe die Dringlichkeit, welche auch nach einer sehr stürmischen Debatte trotz der Ge- genbemühungen Pascal Duprat's, Cremieux' und Laroche- jaquelin's von der Nationalversammlung beschlossen ward. Das Auftreten Larochejaquelin's beweist, daß die Legitimisten zum Widerstande gegen die Regierungsvorschläge entschlossen sind, und daß das Gerücht, wonach die Regierung das Mairesgesetz zurückziehen würde, um die Legitimisten dadurch zu Annahme des PreßgesetzeS zu bewegen, aus der Luft ge­griffen war.

Schlußcourse der heutigen Börse: 5pCt. 90 F. 90 C.; 3 pCt. dito 55 F. 90 C.

Ernennungen re.

Dem Buchhalter Dittmar bii der Ober-Zolldirektion wurde das PrädikatOberbuchhalter" beigelegt,

der Kanzlist S t a u tz bei der Oberfinanzkammer zum Re­positar bei der Ober-Zolldirektion,

der Registrator Denisson bei der vorhinnigen Residenz- Polizei - Kommission mit Beibehaltung seines Titels, und

der Hülfskanzlist Braun zum Kanzlisten bei der Ober- finanzkammcr, Letzterer provisorisch, ernannt.

Börsenberichte.

Frankfurt, 23. März. 5pCt. Met.: Papier 79'/., Geld 79'/,. 4'/,pCt.: Pap. 69'/., G. 69'/,. Bankaktien: Papier 1133, G. 1128. 500 ft. Veofe: Pap. 142'/,, G. 142. 250 fl. Voufc: Pap. 9I'/ G. 91. Bad. 35 fl. Veofe: Pap. 31'/., G. 31. Hess. 40Thlr. Loose: Pap. 317/,. ®.3P/S. Großberz. Heff. 50 fl. Loose: Pap. 71'/,, G. 70'/,. Poln. 500 fl. Loose: Pap. 80, G. 79'/.. Frdr. - Wilh. - Nordb.: Pap. 43'/., G. 43. Berbach: Pap. 80'/,, G. 80'/,. Köln-Minden: Pap. 95'/,, G. 95, 3pCt. inländ. Span.: Pap. 28'/,, G. 28'/.. 4'/,pCt. Würt.: Pap. 95'/., G. 94'/.. 5pCt. Bad.: Pap. 99'/., G. 99'/,. 5pCt. Nass.: Pap. 102'/^

G. 102. 5pCt. Belg.: Pap. 96'/. G. 96'/..

Repertoire des Kurfürstlichen Hoftheaters.

Montag den 25. März. Der Vetter. Lustsp. in 3 Aufz. von N. Benedir. Hierauf: Familienzwist und Frieden. Lustsp. in 1 Auf;, von G. zu Putliß.

Dinstag den 26. März. Der Wasserträger. Oper in 3 Aufz. nach Bouilly. Musik von L. Cherubini.

Donnerstag den 28. März. Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand. Schausp. in 5 Aufz. von Gothe.

Sonntag den 31. März. Zum ersten Male: Die Rose von Avig- nom Romantisches Schauspiel in 4 Aufz. von Charlotte Birch- Pfeiffer.

Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. Redaktion: Fr. Oetker und Dr. A. Pfaff. Druck von Friedr. Scheel in Kassel.