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bereit ersiehe, später ber Revision kein Hinderniß in den Weg zu legen. Als nach dem Abschlusse der Debatte die Unter­zeichnung eröffnet wurde, fanden sich in wenig Minuten 18 Unterschriften deS Staaten- und 76 Unterschriften des Volks- hauses. Da letzteres bis jetzt 160 anwesende Mitglieder zählt und auch Wippermann nebst Genossen nicht unterzeichnet hatte, so war mithin vom ersten Momente der Parteibildung an im VolkShause die Mehrheit für die Annahme en bloc gesichert. Im Staatenhause steht das Verhältniß vielleicht noch günstiger.

Berlin, 20. März. Die österreichischen Propositionen sind mit der Münchener Ucbereinkunft gestern dem hiesigen Kabinet übergeben worden. Preußen wird wohl erst als Unionsgewalt seine Gegenerklärung abgeben, und zwar vom Angelpunkte der bunstcsstaatlichen Union aus.

In Wien begünstigt man, obgleich das Münchener Projekt dem Anscheine nach empfohlen wird, eine Trias für den weitern Bund.

Berlin, 20. März. (Sonst. Ztg.) Wenn es ein Ver­dienst ist ehrlich und bescheiden zu sein in der Politik und das große Wechselspiel der Weltgeschäfte nach denselben Prin­cipien zu regeln wie den Privatverkehr, so kann Preußen, vor allen andern Staaten, dieses Verdienst für sich in Anspruch nehmen. Wir kennen kein Beispiel in der Geschichte, daß ein Staat mit solchen Mitteln, mit einem so wohlgeordneten Haushalt, mit einem so gewaltigen Heere, unter ähnlichen Umständen eine gleiche Bescheidenheit und Selbstverläugnung geübt, wie der preußische Staat seit dem Tage, da die frank­furter Kaiserdeputation einzog in die Mauern Berlins. Wäh­rend Oesterreich zur Erreichung seiner Zwecke kein Mittel scheute selbst in den Augenblicken der größten Ohnmacht das vorgestreckte Ziel unverrückl im Auge behielt und sich lie­ber in der Presse mit den Demokraten und auf dem Schlacht­felde mit den Russen verbündete, als nur einen Zoll breit nachzugeben von seinen Ansprüchen ließ Preußen jeden günstigen Moment zur Erreichung seiner Plane unge­nützt vorübergeben, um langsam und unter Schwierigkeiten aller Art zu erlangen, was ihm früher aus freiem Antriebe geboten wurde. Wir entsinnen uns einer Fabel, welche er­zählt, daß ein Schah einst einen Diamant zu seinen Füßen schimmern sah. Er verschmähte es, sich zu bücken, bis ein Geier geflogen kam und den köstlichen Edelstein davontrug. Jetzt faßte den Schah ein Gelüst nach dem Besitz des Dia­manten und er befahl seinen Dienern den Vogel zu verfolgen und kinzufangen. Aber je näher sie ihm zu kommen trachte­ten, desto weiter entfernte er sich von ihnen. Als Oesterreich am Rande des Untergangs stand und durch die ungarische Revolution in eine Lage gedrängt war, die cs ibm unmöglich machte, den deutschen Einheitsbestrebungen irgend wie wirk­sam entgegenzutreten, da verschmähte es Preußen, den Augen­blick der Schwäche des Gegners zu benutzen und mit kühnem Griffe das zu nehmen, was man jetzt ehrlich, aber vielleicht vergeblich zu erringen strebt. Als aber Sachsen und Hanno­ver sich von dem im Augenblicke der Gefahr geschlossenen Dreikönigebüudnisse wieder lossagtcn, da verschmähte es Oesterreich nicht, die hieraus für Preußen entspringenden Ver­legenheiten nach Kräften zu eigenem Vortheil auSzubeutein Gewiß ist, daß unter allen größeren deutschen Staaten, welche mitgewirkt in dem Vorspiel zur Neugestaltung Deutschlands, Preußen allein die Rolle des Ehrlichen gespielt; die Größe des Verdienstes aber, allein ehrlich zu sein, wo man es mit lauter---Gegnern zu thun hat, wollen wir hier nicht weiter bemessen. Die kluge Madame de Staèl sagt irgendwo in ihrem Werkede lAllemagne :Ce qui est une vertu pour un homme privé, peut étre un crime pour un homme détat. Cest une belle qualité sans doule dans un individu que la modestie et l'abnégation de toi- méme, mais le patriotisme des nation doit ètre égoiste. Wir wünschen uns Glück dazu, eine ehrliche Regierung zu besitzen, aber wir verkennen auch die Wahrheit des alten Satzes nicht: wo die Ehrlichkeit von Klugheit allzu verschie­den ist, hört sie auf eine Tugend zu sein. Wir sind der Ansicht, daß die Furcht den Krieg eher herbeizieht als die

Furchtlosigkeit. Ganz im Gegensatz zu jenem großen Theil der deutschen Presse, welcher aus Gründen, die auf keinen großen Scharfsinn schließen lassen, das Benehmen Lord Pal­merstons in der griechischen Frage so bitter tadelt, als so un# staatsmännisch bekämpfet, wünschen wir, daß unsere Regierung in der känifchen wie in der deutschen Frage eine eben so ent­schiedene Politik verfolge, und sich von russischen Noten ebenso wenig einschüchtern lasse wie das englische Kabinet.

Berlin, 21. März. Briefe, welche aus Dresden hiereinge- troffen sind, melden heute, daß der König von Sachsen die Todesur- theilegegen Bakunin und Röckel bestätigt habe, deren Hinrichtnng also mit Bestimmtheit zu erwarten stehe. Derselben Meldung zufolge ist dagegen Heubner begnadigt worden. (Wes.-Z.)

Berlin, 22. März. Die württembergische Thronrede hat im Kabinett diejenige Beachtung gefunden, welche wir erwarteten. Am 20. d. M. hat das Ministerium beschlossen, den diesseitigen Gesandten in Stuttgart, Herrn v. Sydow, abzuberufen.

Berlin, 22. März. Der Staatsanzeiger enthält in seinem amtlichen Theile Vie Gemeindeordnung für den preu­ßischen Staat.

Zur Anstellung der Klage gegen Hannover soll der in Erfurt habilitirte Rechtsanwalt Justizrath Rötschcr bevoll­mächtigt sein.

Lübeck, 21. März. Heute ist denn endlich unsere Wahl juni erfurter Volkshause zum dritten Male vorgenom- men worden, und, wie nach Gagern'S ausdrücklicher Hinwei­sung nicht anders zu erwarten, auf einen Lübecker gefallen. Gewählt wurde einstimmig der durch mehrere Schriften über Lübecks Handel ic. rühmlichst bekannte hiesige Advokat Dr. Krüger, ein warmer Anhänger der deutschen Sache. (Wes.-Z.)

Oldenburg, 21. März. Bei gedrängt vollem Hause wurde heute endlich die Entscheidung in dem Konflikt zwischen dem Slaatsministerium und dem Landtage über das berliner Bündniß erwartet. Aber sie kam wieder nicht. Der Mini- sterrath im Auswärtigen v. Eisendecher nahm gleich nach Er­öffnung der Sitzung das Wort und theilte der Versammlung ein Schreiben des Staatsministcriums mit, in welchem, unter Bezugnahme auf einen angelegten Bericht des oldenburgischen Bevollmächtigten im Verwaltungsra-the, darauf hingewiefen wurde, daß für Oldenburg der Rücktritt von, Bündnisse frei# stehen werde, sobald die Lossagung Hannovers, welche jetzt noch in der Schwebe sich befinde, eine definitive geworden sein sollte. Auf den Vorschlag des Präsidenten wurde dieses Schrei­ben zuvörderst an den Ausschuß zurückverwiesen und bis zu dessen morgen zu erstattendem Bericht die Verhandlung aus­gesetzt. (Wes.-Z.)

Oldenburg, 22. März. In der deutschen Frage ist heute ein Schrill weiter geschehen. Es gelang dem Abg. v. Finkh, seinen von mehreren Mitgliedern der Rechten und der Linken im Voraus gebilligten Vermittlungsantrag abgesondert und vor den Aussckußanlrägen zur Berathung zu bringen. Der wesentliche Inhalt dieses Antrages ist:daß unter Aus­setzung und Vorbehalt aller andern Beschlüsse des Landtags, die Staatsregierung ersucht werde, sich damit einverstanden zu erklären, daß alle Beschlüsse und Verfügungen des Erfurter Parlaments und der Unionsgewalt auf das Großherzogthum Oldenburg keine Anwendung finden könnten, so lange Sach­sens und Hannovers Verbleiben im Bündnisse unentschieden sei." Der Ministerpräsident v. Buttel erklärte, die Versamm­lung möge nicht glauben, daß das Ministerium dem Anträge abgeneigt sei. Nachdem auch mehrere Mitglieder der Linken für den Antrag geredet hatten, wurde derselbe mit 31 gegen 13 Stimmen angenommen. Auf Wibels Antrag ist derAus- schußbericht wieder auf die Tagesordnung für Montag gesetzt.

Gotha, 20. März. Der Landtag hat heute mit 14 gegen 9 Stimmen den Beitritt zum Interim genehmigt.

Darmstadt, 21. März. Statt des Ministerialraths Eigenbrodt, welcher sich durchpersönliche Rücksichten gehin­dert gesehen", die Ernennung ins Staatenhaus anzunehmen, ist der OberappcllationsgerichtSralh Hesse ernannt.