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Neue Hessische Zeitung.

Organ -er konstitutionellen Partei.

Montag, 25. März 1850. J\3 1^2. Morgen - Ausgabe.

Diese Bettung erscheint mit Ausnahme der Sonntage und Sonnabende täglich zwei Mal. Sonntags wird ein Unterhaltungsblatt beigegeben. Die Morgen-Ausgabe wird von 7,11 bis 12 Uhr, die Abend - Ausgabe in Kassel von 5 bis 7 Uhr erpedirt. Sonnabends erfüllt die Ausgabe nur Abends, Sonntags nur Morgens. Man abonnirt bei allen löblichen Postämtern, in Kassel in der Luckkardt'schen und Bollmauu'schen Buch - und Kunsthandlung. Der Abonnementspreis beträgt halbjährlich 3 Thlr., vierteljährlich 1 Thlr. 15 wofür alle kurhessischen Postämter das Blatt ohne Aufschlag liefern. Anzeige« werden mit 1 Sgr. für den Raum einer Petitzeile berechnet.

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Deutschland.

st Erfurt, 23. März. Gern erfülle ich mein Ver­sprechen, Ihnen Nachrichten von dem Gange der Parlaments- Verhandlungen zu geben; die anderen hessischen Abgeordneten werden dasselbe thun, so daß durch die in Ihrem Blatte be­findlichen Berichte unsere Kommittenten stets über das We­sentlichste verständigt werden. Daß in den wenigen Tagen nicht Viel geschehen konnte, ist klar; über die Eröffnung beider Häuser, die Wahl der Abtheilungen rc. haben Sie schon Berichte. Es ist sehr bedauerlich, daß diese so spät an Sie kamen; es mag daran die erst in diesen Tagen erfolgte Regulirung des Eisenbahnlaufes von hier nach Kassel Schuld sein; und ich hoffe, von heute an werden alle Korresponden­zen zeitig in Ihre Hände kommen. Die Parlamentseröffnnng war keine Gefühls-, sondern eine reine Geschäftssache. Die Tage der Begeisterung sind vorüber; dem Parlamente und seinen Mitgliedern unter denen wohl die fähigsten Staats­männer von Deutschland sich befinden sieht man an, daß es sich um den letzten Versuch handelt, Deutschland zu retten. Die Stimmung ist ernst. Im Staatenhause fand die Präsidentenwahl Statt; Rud. v. Auerswald erhielt eine große Mehrheit; wir erblicken darin den ersten Sieg un­serer der deutschen Partei. Vicepräsidenten wur­den der weimarische Minister v. Watzdorf und der Fürst von Solms. In dem Volkshause wurden in der gestrigen Siz- zung die Berichte der Abtheilungen über die Legitimationen verlesen und 101 Mitglieder für legitimirt erklärt; heute wird in diesem Geschäfte fortgefahren. Sonderbar ist es, daß die Wahlakten aus Kurhessen, welche der Verwaltungsrath ringe- fordert, bis diesen Augenblick nicht eingetroffen sind; aus die- iem Grunde können die kurh. Abgeordneten nur vorläufig auf den Grund der Wahlzeugnisse zugelassen werden; heute um 11 Uhr wird tortgefahren in der Legitimationsfrage, und spätestens Montags wird die Präsidentenwahl Statt fin­den. In der deutschen Sache geht es in den vorläu­figen Berathungen jetzt einer raschen Entscheidung entgegen. Vorgestern Abend war eine Versammlung von Preußen, ziem­lich gemilchter Natur, eigentliche Gvlhaner waren nicht dabei. Es soll darin scharf zugegangen sein; als sich Gerlach auf Befragen äußerte, er halte sich auch dazu legitimirt, für das Nichtzustandekommen der Verfassung hier zu arbeiten, ant­wortete ihm ein hoher preußischer Staatsbeamte: dann hätte er keine Wahl annehmen sollen! Gestern war eine zahl­reiche Versammlung der en bluo-Männer; sie beschlossen nach kurzer Berathung ein Programm, wonach die Verfassung an­genommen werden soll, vor der Revision. Bodcl- schwingh ist voll Feuer für die en bloc-Boce. Schwerin, Vincke, Simson, Beseler rc. und ganz Gotha stehen zu der Partei. Wir hoffen auf große Majorität in beiden Häusern. Das Programm erhielt gleich gestern nach der Vorlesung zahlreiche Unterschriften. Nächstens mehr darüber, (s. unten.)

C Erfurt, 22. März. Die durch die kühle und vorsichtige Haltung der Eröffnungsbötschaft etwas bcrab- gestimmten Hoffnungen der Abgeordneten haben sich seit ge­stern neu belebt. Obwohl die preußischen Minister so wie die Mitglieder des Verwallungsrathes über die Frage der

Annahme der Verfassung en bloc fortwährend die frühere Zurückhaltung beobachten, so scheint es doch keinem Zweifel zu unterliegen, daß sie sich schließlich für dieselbe aussprechen werden. Weniger wahrscheinlich ist freilich, daß sie auch so­fort zu der weiteren Konsequenz, der Einsetzung einer Regie­rung der Union, zu schreiten geneigt sein werden. Herr v. Auerswald berief gestern die Mitglieder des Staatenhauses zu einer vertraulichen Konferenz, in welcher man sich fast einstimmig für die Blocannahme entschied. In einer andern Zusammenkunft von Mitgliedern der Rechten des Volkshauses erschien gestern auch Graf Brandenburg. Man sprach die Ansicht aus, daß diejenigen, welche unbedingte Gegner des Bündnisses vom 26. Mai wären und dasselbe als eine bloße Fehlgeburt betrachteten, eigentlich hätten kein Mandat anneh­men sollen. Hr. v. Gerlach machte das Gegentheil geltend und provocirte zuletzt den anwesenden preußischen Minister­präsidenten zu einer Aeußerung hierüber. Graf Brandenburg erklärte hierauf unter großem Beifall, daß jeder hierin zwar nur seinem Gewissen verantwortlich sei; nach seiner Privat­ansicht jedoch würden allerdings diejenigen, welche das Bünd- niß vom 26. Mai ohne Resultat enden zu sehen wünschten, besser jedes Mandat abgelehnt haben. Da selbst die preußi­sche äußerste Rechte sich nur zum Theil um Vie Herren v. Gerlach und Stahl schaart, und die großveutsche Ansicht hier nur von einer kleinen katholischen Fraktion vertreten wird, so glaubt man die Zahl der entschiedenen Gegner der Zwecke des Parlaments im Volkshause nur auf etwa 30 anschlagen zu können. Noch isolirter stehen die wenigen ihnen zuzuzählenden Mitglieder des Staatenhauses. Erklärt der Verwaltungsrath sich für die Blocannahme, so werden wahr­scheinlich die ministerielle und die gothaer Fraktion für die ganze erste Zeit überall völlig zuiammengehen, und erst wenn man an die Revision gelangt, dürfte eine schärfere Scheidung hervortreten. Die gothaer Partei glaubt schon jetzt, noch vor dem Zutritt der Badenser und Hessen, in der Majorität zu sein, macht aber natürlich von derselben einen sehr vorsichtigen und rücksichtsvollen Gebrauch, wie die gestrigen Abtheilungswah- kn im Volkshause beweisen. Man findet hier fast überall neben einem konservativ-konstitutionellen Präsidenten einen liberal- konstitutionellen Stellvertreter oder umgekehrt. Noch bis ge­stern tauchte fortwährend das Gerücht von einer Vertagung in den nächsten Tagen noch vor vollendeter Konstituirung wie­der auf. Selbst manche Mitglieder der Gothaer Fraktion hielten eine solche für wünschenSwerth, um den Badensern unv Hessen die nöthige Zeit zum Eintreffen zu lassen unv sie nicht von Ver Präsidentenwahl und von der Besetzung der Aus­schüsse auszuschließen. Es machte sich jedoch überwiegend die Ansicht geltend, daß eine sofortige Vertagung unmittelbar nach der Eröffnung einen sehr nachtheiligen Eindruck auf die öffent­liche Meinung machen, und der Diplomatie Oesterreichs unv der vier Königreiche aufs Neue das Felv öffnen werve. Be­sonders erklärte Hr. v. Radowitz sich entfebieoen gegen das Vertagungsprojekt, so daß Dasselbe denn endlich als gefallen zu betrachten ist, wenigstens bis zur en bloe Annahme. Zur Präsiventenwahl des Volkshauses werden noch sehr verschiedene Kandidaturen genannt. Die Gothaer Partei wünscht nalür-