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Glauben schenkend, wurde das Emancipationversahren ringe? leitet; als aber die schleunigst erlassenen Vorladungen dem Hrn. Hassenpflug insinuirt werden sollten, ergab es sich, daß er bereits nach Kassel zum Antritt seines Amtes als Mini­sterpräsident abgereist war, woran das Vormunvschastsgericht nach den Erklärungen des Antragstellers unmöglich hatte glauben dürfen. Die eigentlichen Absichten dieser Täuschung sind zwar nicht bekannt, aber die Sache dient von Neuem dazu, dem Charakterbild des Hrn. Hassenpflug einigen Schat­ten hinzuzufügen. (Br. Z.)

Hamburg, 16. März. (H. B. - H.) Bei der heute Statt gehabten Wahl der Abgeordneten zum Volkshause des deutschen Parlaments sind vom 1. Kreise Hr. Sekretär Dr. Schwarze, und vom 2. Kreise Hr. Dr. Gabriel Riesser zu Abgeordneten gewählt worden.

Braunschweig, 15. März. Unsere Abgeordnetenver­sammlung hat in ihrer heutigen Sitzung mit 30 Stimmen gegen 20 die von der Regierung beantragte Zustimmung zu der mit Preußen geschlossenen Militärkonvention ertheilt,

Wiesbaden, 16. März. Der Prokurator Dr. Groß­mann hat die Wahl zum Abgeordneten ins Staatenhaus abgelehnt.

Frankfurt, 10. März. Darüber, ob Fürst Gortscha- koff es gewagt habe, seine Annahme bei der Bunveskommis- sion an Bedingungen zu knüpfen, läßt sich heute noch inchtS Bestimmtes sagen. Vielleicht, daß man die Sache aus Scho­nung gegen den Staat zu verheimlichen sucht, der den ent­setzlichen Mißgriff beging, sich Rußland in die Arme zu wer­fen und damit das Messer ins eigene Fleisch zu stoßen. Nur so viel steht fest, daß der russische Agent sich gerirt, als herrsche der Czaar in Oesterreich. Der Kaiserstaat wird jedoch in der Bundcskommission von zwei Ehrenmännern vertreten, die zu hoch von sich und ihrem Vaterlande denken, als daß sie eine schmachvolle Behandlung dulden könnten. Was auch geschehen sein mag und Sie sollen bald den Sachverhalt kennen lernen die Herren v. Kübcck und v. Schönhals haben ge­wiß der Ehre Oesterreichs so wenig etwas vergeben, wie ihre Kollegen derjenigen Preußens. Möchte nur das Gefühl für die Würde des Kaiserstaates und der Selbsterhaltungstrieb bei allen österreichischen Staatsmännern gleich rege sein! Oester­reich hat einmal schon in der dänischen Frage Deutschland auf Rußlands Geheiß verrathen; jetzt war man in Wien und hier geneigt, Hand in Hand mit Preußen den Weg der Ehre zu gehen; sollte cs abermals russischem Einflüsse gelingen, das österreichische Kabinet von dieser Bahn abzulenken, dann mochte nichts mehr im Stande sein, Sympathien für den Kaiserstaat in Deutschland aufrecht zu erhalten. Die Sachlage wird hier, wo man alle Fäden genau kennt, so beurtheilt, daß Oesterreich am Scheidewege angelangt ist. Will es fortbestehen, wie wir dieß nicht anders wünschen können, so bietet sich kein anderes Mittel dar, als die Bruderhand Preußens d. h. Deutschlands zu ergreifen und dem Czaren den Rücken zu wenden. Geschieht dieß nicht, dann mag sich der Kaiser von Oesterreich nach einigen Jahren erinnern, daß er der Erbe einer reichen Krone war, aus welcher Rußland ein Juwel um das andere brach. (Wes. ZtgJ

Darmstadt, 16. März. (6. Sitzung des Processes Görlitz.) Heute Morgen wurde, als einunvdrcißigstcr Zeuge, zuerst der Schlossergeselle Seitz vernommen, welcher zum Oeffnen der Thüre zu den Zimmern der Gräfin geholt worden war, dessen Schlüssel aber sämmtlich nicht schlossen, weshalb man zum gewaltsamen Sprengen der Tbüre und Einschlagen der Fenster schritt. Zeuge erzählt, wie er bei dem Allen thätig war, die rothe Flamme sah, die Fenster- rouleaux Herabriß re. Der Zeuge Schämbs (ehemaliger Kut­scher des Grafen), der vorgestern so ausführlich vernommen wurde, ist wieder von Undenheim cingetroffcn und hat die fraglichen Stühle der Gräfin mit den anscheinend von einer ätzenden Flüssigkeit herrührenden Flecken mitgebracht; die Stühle werden als richtig anerkannt, auch von dem Ange­klagten und von dem Schreiner, der sie ausbesserte, und dann den Experten zur näheren Prüfung übergeben, nebst Lappen

von dem Sopha im Zimmer der Gräfin. Es wurde die Frage von Dr. v. Siebold aufgeworfen, ob sich wohl Kno­chensplitter unter den Kohlen des Brandes gefunden? Nie­mand hatte deren bemerkt. Es kommt sodann auch zur Sprache, wie Joh. Stauss einmal zur früheren Kammer­jungfer der Gräfin, Marie Kaffenberger, sagte:Ich wollte die Gräfin verbrenne mit ihrem ganzen Schmucke an ihrem Pulte", dessen sich die Kaffenberger nun nach dem tragischen Ereigniß gleich wieder erinnerte. Sie sagte:So ist ja nun der Wunsch des Stauff erfüllt!" Stauss warf dagegen dem Schämbs vor, einmal ausgerufen zu haben:Hätte ich ein Gewehr gehabt, so hätte ich die Frau Gräfin' und mich erschossen." Es ward nun die Scene erzählt, in wel­cher allerdings die reizbare und heftige Frau den Kutscher, der nicht in der Reinigung seines Wagens unterbrochen sein wollte, zu jener augenblicklichen Zornesäußernng gebracht hatte. Die Sache war ohne die mindeste Erheblichkeit und wird nur hier erwähnt, weil sie den bisher so ruhig auftre­tenden Angeklagten in solchen Harnisch brachte gegen seinen ehemaligen Kameraden, daß er ihm heftig Lüge vorwarf, was ihm der Präsident ernstlich verwies. Der auf Begehren des Prof. Dr. Bischoff mit Berechnung des Kubikinhalts des vom Sekretär verbrannten Holzes beauftragte Zeuge, Schrei- nermeifter Wirthwein von hier, gibt diesen zu sieben Kubik- suß an. Prof. Bischoff bemerkt, daß dieß ganz mit der An­gabe eines Bauaufschers übereinstimme, bei dem er diese Sache nach den Akten habe berechnen lassen.

Karlsruhe, 16. März. Hier ist so eben der Vorstand des Ministeriums des Innern, Staatsrath v. Marschall, zum Abgeordneten für das Volkshaus in Erfurt gewählt worden. Staatsrath Bekk und Hr. V. Dusch hatten "abgelehnt. Hr. v. Marschall, auf welchen 214 von 222 Stimmen fielen, erklärte, daß er das Ergebniß der übrigen Wahlen abwarten wolle, bevor er die Annahme zusage; es sei möglich, daß noch mehrere Mitglieder des Ministeriums gewählt wurden und daß er alsdann sich nicht voin Sitze der Regierung ent­fernen könne. Die Kandidatur des Hrn. Ministers Klüver, welche von preußischer Seite unterstützt war, hatte aus Mangel an Aussicht aufgegebcn werden müssen.

Altanuheim, 16. März. Heute ist hier zum Abgeord­neten für das Volkshaus des Erfurter Reichstags der frühere Reichstagsabgeordnete v. Soiron gewählt, und hat die Wahl angenommen.

Mosbach, 16. März. Bei der heute hier vorgenom- mencn Wahl für das Erfurter Volkshaus wurde von den Amtsbezirken Heidelberg , Eberbach, MoSbach und Adelsheim der Geheimeratb Schaaf in Karlsruhe gewählt. Gcheimerath Mohl von Heidelberg blieb in der Minorität.

Stuttgart, 16. März. Die Landesversammlung hat heute beschlossen, die Geschäftsordnung der aufgelösten Landes- Versammlung ohne Diskussion anzunehmen. Zum Präsidenten wurde von 59 Abstimmcnden Schoder mit 44 Stimmen ge­wählt , Römer erhielt 13, Rcyschcr 1, Rüdinger 1 Stimme. Schoder hielt hierauf die Präsivialrede. Er will die Frank­furter Reichsverfassuug ruhen lassen, meint, man solle sich jetzt an die inneren Angelegenheiten halten, in Beziehung auf welche die verschiedenen Parteien einig sein werden, ermahnt zum Festhalten an dem bereits Errungenen, zur Berücksichti­gung der Verhältnisse in dem erst zu Erringenden, und hält auf das Dreikönigsbündniß ebenso wenig, als auf das Vier- königSbündniß. Welches Ende, schließt er, die Berathungen auch nehmen mögen, die Versammlung wird jedenfalls den Saal, wenn es nöthig werden sollte, mit ruhigem Gewissen verlassen können. Zum Vicepräsiventen ward Rödinger mit 42 Stimmen erwählt, Rcyscher erhielt 16 Stimmen.- Wahl der Schriftführer: Mäulen erhält 58, Neidlen 57, Kratz 57, Ruoff von Balingcn 57, Vogel 57, Trotter 52, Riecke 51, Winter 39 Stimmen. Mohl bringt seinen Verfassungscntwurf wieder ein, woraus zu entnehmen ist, daß er mit Hrn. Scho­der und Genossen nicht harmonirt, weil diese bloß an dem Er­rungenen fest halten wollen, und daher, wenn sie an eine fried-