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Neue Hessische Zeitung.

Organ -er konstitutionellen Partei.

Dinstag, 19. März 1850. <V? lc$2. Morgen - Ausgabe.

Diese Heilung erscheint mit Ausnahme der Sonntage und Sonnabende täglich zwei Mal. Sonntags wird ein Unterhaltungsblatt beigeqcben. Die Morgen Ausgabe wird von/2ll bis 12 Uhr, die Abend - Ausgabe in Kussel von 5 bis 7 Uhr expedirt. Sonnabends erfolgt die Ausgabe nur Abends, Sonntags nur Morgens. Man abonnirt bei allen löblichen Postämtern, in Kassel in der Luckbardt'schcn und DoÜmann'schen Buch. und Kunsthandlung. Der Abonnementspreis beträgt halbjährlich 3 Thlr., vierteljährlich 1 Thlr. 15 Sgr.j wofür alle turhesslschen Postämter das Blatt ohne Aufschlag liefern. Anzeigen werden mit 1 Sgr. für den Raum einer Pctitzeile berechnet.

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Kassel, 18. März.

Das Ministerium Hassenpflug hat seine nachmärzlichen .Operationen damit begonnen, durch vollständige Nichtbeach­tung der Ständcversammlung und ihrer nachdrücklichen Miß- traucnscrklärungcn das Ansehen der Versammlung zu ver­höhnen. Die sittliche Macht der Ideen, auf denen die kon­stitutionelle, und nicht bloß die konstitutionelle, sondern jede Repräsentativverfassung beruht, ist für das Ministerium Has- senvstug nicht vorhanden und es könnte somit scheinen, als ob Diejenigen Recht hätten, welche diese Macht überhaupt läugnen und für eine leere Fiktion erklären. Indessen kann man gewiß nicht behaupten, daß etwas darum nicht vvrhan- dcn sei, weil es von einigen Individuen nicht geglaubt, nicht anerkannt und sogar verhöhnt wird. Es wäre nicht gut, wenn dem so wäre. Dann würde ja nie und nirgends ein freies und gesundes Staatslcbcn vorhanden sein können, denn immer und überall wird es Leute geben, welche dasselbe weder zu begreifen noch zu achten im Stande sind. Es wird viel­mehr immer darauf ankommen, ob diese Leute im Stande sind, dem StaatSleben zu trotzen, ob sie die moralische Macht im Volke wirklich zu überwältigen vermögen, oder ob sie von derselben überwältigt werden. Dazu bedarf es aber wahrlich nicht, wie die Hornisse meint, der Fäuste, nicht der Revolu­tionen, auch nicht der revolutionären Beschlüsse; diese Mittel würden sogar das Gegentheil von Demjenigen beweisen, was der Unverstand mit ihnen zu beweisen glaubt.

Freilich,, wäre die moralische Kraft des Volkes, wäre sein Vertrauen oder sein Mißtrauen eine bloße Fiktion, welche, abgklöst vom Staatsorganismus, keinen entscheidenden Einfluß auf denselben äußerte, und ihn nicht wie die Lebenslust durch­dränge, dann könnte auch ein Ministerium Hassenpflug der­selben spotten. Ruhig könnte es Beschlüsse, welche in der Luft stünden, dahin gestellt bleiben lassen. Allein so ganz luftig ist die Sache denn doch nicht und die moralische Macht, um die cs sich hier handelt, sie hat auch ihre sehr materiellen Seiten und wenn es gilt, eine sehr gediegene Grundlage. Sie verkörpert sich gerade in denjenigen Din­gen, ohne welche eine Regierung nun einmal nicht bestehen kann, am wenigsten in unserer Zeit. Da braucht eine Re­gierung, welche gegen die öffentliche Meinung austritt, drei Dinge, Institutionen, Menschen und vor allem Geld, viel Geld. Woher das Ministerium Hassenpflug die ersten beiden Hülfsmittel nehmen will, ist uns nicht klar; jedenfalls wird ihm die moralische Macht der öffentlichen Meinung hier recht fühlbar im Wege stehen. Dagegen wissen -wir sehr genau, woher dieses Ministerium das Dritte, ganz Unerläßliche, das Geld, nicht bekommen wird; nämlich nicht von der Stände- Versammlung.

Wie durch sein Auftreten, so insbesondere durch seine Gcldferderung hat das neue Ministerium der Ständever- sammlung gleich das Stärkste angemuthet: cs verlangt außer­ordentliche Kredite. Der Ständcversammlung konnte dieses Begehren nur willkommen sein, denn sie war sogleich in die Lage gesetzt, durch Ablehnung der Zumuthung ihrem Miß­trauen einen Ausdruck zu geben, welcher selbst dem Herrn Hassenpflug fühlbar werden wird.

Die Ständeversammlung hat sehr wohl daran gethan, so­gleich die Sache bei dieser praktischen Seite anzufassen und

sich nicht etwa durch die Versuchungen der Linken auf ein Terrain locken zu lassen, welches nur für das Ministerium, nicht für die Stände Angriffspunkte darbot. Alles, was die Ständcversammlung sonst noch beschließen mochte, wäre dem Hrn. Hassenpflug höchstens sehr gleichgültig gewesen, vollkom­men so gleichgültig als das Mißtrauensvotum; vielleicht aber hätte es ihm ersehnte Waffen in die Hand gegeben: Nur im Geltpunkte, da hört die Gemüthlichkeit bekanntlich auch bei Hrn. Hassenpflug auf.Geld regiert die Welt", diese Idee mindestens weiß auch Hr. Hassenpflug zu würdigen, so unbekannt oder fictiv ihm auch sonst die Ideen des konstitu- tionâlen Staates sein mögen.

ScntfdUauD.

§ Kassel, 19. März. Die Herren Oberv orsteher der kurhess. Ritterschaft haben eine Adresse zu Gunsten des Ministeriums Hassenpflug an sämmtliche Stromdeputirtc geschickt, um solche bei den betreffenden Mitgliedern der Ritterschaft in Umlauf zu setzen. Diesem löblichen Unternehmen hat der Stroms- Deputirte von der Lahn (Oberhessen) Herr Hermann Schenck zu Schweinsberg einen Strich durch die Rechnung gemacht, indem er geradezu die Beförderung des Cirkulars verweigerte und sich dahin erklärte, daß im wahren Interesse des Volks und des Fürsten gerade eine gegentheilige Adresse der Rit­terschaft am Orte sein würde. Möge dieses chrenwerthe Bei- spirl recht viel Nachfolge finden!

Berlin, 14. März. Die Vosnsche und National-Zeitg. berichten von einem Gerücht, nach welchem Lord Palmerston in einem Ultimatum an Dänemark die Erklärung abgegeben hat, daß die englische Regierung es als einen casus belli anschcn würde, falls irgend ein rnglisches Schiff durch eine neue dänische Blockade verhindert werden sollte, in einen deut­schen Nord- oder Ostseehafen einzulaufen.

Berlin, 16. März. Heute um 12 Uhr fand vor Sr. Majrstät dem Könige im Schlosse Bellevue ein Ministerrath statt, welchem dem Vernehmen nach auch der von seiner Sen­dung nach den Herzogthümern Schleswig-Holstein zurückgc- kehrte General v. Rauch beiwohnte. In gut unterrichteten Kreisen spricht man von einem baldigen Abschluß des Frie­dens mit Dänemark. Heute wurde der Regierungspräsident v. Spiegel vor seinem Abgänge nach drn Hohenzollernschen Fürstcnthümcrn hier im Ministerium des Innern durch den Direktor des Ministeriums Hrn. v. Puttkammer auf die Ver­fassung vereidigt. (E. Z.)

Berlin, 16. März. Die heute vorgeuommenen Wahl­männerwahlen für die erste Kammer haben eine größere Theil­nahme gefunden, als man nach der darauf bezüglichen gerin­gen Agitation erwarten durfte. Wenn sich auch hin und wie­der Mitglieder der demokratischen Partei betheiligt haben, so ist doch das Resultat nirgends in ihrem Sinne ausgefallen.

Berlin, 17. März. Eine seltsame, aber verbürgte That­sache erzählt man sich hier vom Ministerpräsidenten Hasscn- pflug. Als derselbe vor einigen Wochen durch Berlin reiste, verlangte er vom hiesigen Vormundschaftsgericht die schleunige Emanzipation seiner ältesten Kinder. Zur Begründung der Kompetenz erklärte er, daß er seinen Abschied als Präsident des Apcll Hofes zu Greifswald erhalten und in Berlin seinen bleibenden Wohnsitz genommen habe. Dieser Versicherung