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Stuttgart, 15. März. Der König hat die Standc- oersammlung heute mit der folgenden Thronrede eröffnet:

Meine Zerren Abgeordneten! Die Lüge von ganz Deutsch- land und tsc inneren Verhältnisse machen es Mir zur höch­sten Pflicht, Mich mit der größten Offenhell auszusprechen. Deutschland bat seit den Märzereignissen des Jahres 1848 nicht aufgehört, der Spielball der Parteisucht und des Ehr­geizes zu sein. Der deutsche Einheitsstaat ist ein Traumbild und düs gefährlichste aller Traumbilder, ebensowohl unter dem deutschen,' als unter dem europäischen Gesichtspunkte. Alle Wege, welche man nach diesem verkehrten Ziele bereits ein­geschlagen hat und noch ferner einschlagen möchte, werden im­mer nur zum Gegentheil, das heißt zur Spaltung und Auf­lösung der Gesammtheit führen. Die wahre Stärke und Eintracht, die wahre Kultur und Freiheit der Nation beruht im legten Grunde auf der Erhaltung und Pflege der Eigen­thümlichkeit und Selbstständigkeit ihrer Hauptstämme. Eine jede gewaltsame Verschmelzung der letzteren, eine jede abso­lute Unterordnung eines Hauptstammes unter den andern würde der Anfang unserer innern Auflösung und das Grab unserer nationalen Existenz sein. Für die rechte, für die dauerhafte Einigkeit unseres Gcsainmtvaterlandes gibt es nur eine einzige politisch-mögliche und praktisch-durchführbare Ver- fassungsform, es ist die' föderative. Glücklicherweise ist diese Form einer weit größeren Stärke und Kraftentwickelung tm Innern und nach Außen fähig, als die bisherige Bundesver­fassung sie gewährte. Daß man diese Wahrheit zuerst in Frankfurt und nachmals in Berlin verkannte, hat die gegen­wärtige Spaltung und Verwirrung unserer Zustände ganz allein herbeigeführt. Die unparteiische Geschichte wird es einst nicht verschweigen, welche Zwecke und welche Leidenschaften das Bündniß vom 26. Mai gestiftet haben. Die Größe und die Einigkeit der Nation haben nichts mit ihm gemein, auf die Volkssympathieen kann es keinen Anspruch machen; es ist ein künstlicher Sonderbundsversuch, auf den politischen Selbst­mord der Gesammtheit berechnet, und eben deßhalb in der Mitte von den drei größten Landmächten ohne Aussicht auf Bestand in den Tagen der Gefahr. Die Durchführung die­ses Bündnisses würde nicht zu vollbringen sein, ohne einen offenen Buntcsbruch und ohne eine wissentliche Verletzung je­ner feierlichen Traktate, worauf unsere Stellung und unsere Unabhängigkeit gegen Europa, sowie das politische Gleichge­wicht Europas überhaupt beruht. In richtiger Würdigung der Gefahren, sowohl im Innern, als nach Außen, zu wel­chen das Bündniß vom 26. Mai unausbleiblich führen müßte, wenn die Theilnehmer desselben auf ihm beharren würden, sowie insbesondere, um Meinerseits, soweit ich dieß vermag, der Gesammtnation das kostbarste Pfand ihrer Größe und künftigen Ruhe, Ich meine die Einigkeit aller ihrer Bruder- stämme, zu erhalten, habe Ich durch Mein Ministerium mit den Negierungen von Baiern und Sachsen Verhandlungen zum Behuf einer Verständigung über einen Entwuf einer das Gesammtvaterland begreifenden Verfassung angeknüpft. Ich habe die doppelte Genugthuung, Ihnen heute mittheilen zu können, daß diese Verhandlungen ihren beabsichtigten Zweck erreicht haben, und baß sich die Regierung des Kaisers von Oesterreich mit dem Resultat derselben einverstanden erklärt hat. Sobald der Verfassungs-Entwurf der drei königlichen Regierungen zur Kenntniß des königlich preußischen Ka- binets und der andern an dem Bündniß vom 26. Mai bis­her betheiligten Bundesregierungen gebracht sein wird, wird Mein Ministerium Ihnen die erforderliche Vorlage davon machen. Ich gebe Mich gerne der Hoffnung hin, daß dieser von uns unternommene Versuch zur allgemeinen politischen und materiellen Einigkeit und zur Befriedigung Ihrer gerech­ten und zeitgemäßen Anforderungen den von Mir lebhaft ge­wünschten Erfolg haben möge. Was aber auch immer die Vorsehung in dieser schweren Frage uns und unsern Nachkom­men beschicken haben mag, Ich darf Mir das Zeugniß geben, daß Ich von jeher in der engsten Eintracht von Oesterreich und Preußen die wahre Bedingung unserer gemeinschaftlichen Wohlfahrt und die einzige Bürgschaft unseres innern Frie­

dens und unserer nationalen Selbstständigkeit erkannt und demgemäß in der gegenwärtigen Krise unseres Gesammtvater- lündcS alle Meine Schritte, sowie diejenigen Meiner Regie­rung bemessen und eingerichtet habe. Was in den Stürmen unserer Zeit allein Kraft und Dauer und Heil gewährt, das ist die Wahrung des alten Rechts, das ist das Festbalten an dem Positiven, an dem geschichtlich Vorhandenen, welches sich nicht abläugnen läßt und sich immer wieder von Neuem gel­tend zu machen weiß. Ich und die mit Mir in der Frage verbundenen Regierungen, Wir wollen der Nation ihr Anrecht auf die Vertretung der Gesammtheit bewahren, Wir wollen keinen politischen Neubau mit der Zerreißung Unseres alten Rechtes, sondern die zeitgemäße Neugestaltung' des bisherigen Bundes; Wir wollen die gerechten Forderungen Preußens mit den Gesammtinteressen Deutschlands in Einklang bringen; Wir wollen aber unsere Partikular-Jnteressen auf dem Altar des Vaterlandes nicht dieser oder jener specifischen Macht, son­dern nur allein der Gesammtheit zum Opfer bringen; Wir wollen weder Oesterreicher, noch Preußen, sondern durch und mit Württemberg ganz allein Deutsche sein und bleiben. Meine Minister werden Ihnen zur Prüfung diejenigen Ge­setzesentwürfe vorlegen, über welche eine Verabschiedung im Interesse des Landes vorzugsweise dringend erscheint, beson­ders empfehle Ich Ihrer sorgfältigen Beachtung diejenigen Vorschläge, welche die Bildung beider künftigen Kammern zum Gegenstände haben. Ich halte in Uebereinstimmung mit Meiner Regierung den Census von unbeweglichem und vom Kapitalcigcnthnm für die allein zeitgemäße und einzig wesent­liche Grundlage einer jeden berathenden Versammlung, und Ich bin überzeugt, daß der Parteigeist oder das Vorurtheil nicht ferner das Grundeigenthum mit der Person seines Be­sitzers absichtlich verwechseln werden, daß man cs vielmehr im­mer allgemeiner erkennen wird, daß in der legitimen Vertre­tung des Besitzes oder der Steucrflicht, auf welchen beiden der materielle Staat beruht, eine der ersten Bürgschaften aller ge­setzlichen Ordnung zu suchen ist. Sie wissen, Ich habe vor mehr als dreißig Jahren die Bahn der konstitutionellcn Staats­ordnung zu einer Zeit betreten, als ein solches Unternehmen mit Schwierigkeiten und Gefahren aller Art im Innern und nach Außen verknüpft war. Meine Regierung war nie weder eine absolute noch reaktionäre. Ich habe stets den Umständen und den Zeiten Rechnung getragen; und so oft neue Regeln der Führung anzuuehmcn, neue Wege zum Besten des Ge­meinwohls cinzuschlagen sink, werden Sie Mich jedesmal be­reit und geneigt finden, die neuen gesellschaftlichen Thatsachen zum Besten Unseres Volkes zu lenken. Allein, Ich sage es Ihnen mit Meinem gewohnten Freimuth , fordern Sie von Mir keine Unmöglichkeiten, wie man solche seit 2 Jahren nur zu oft den Regierungen zum höchsten Nachtheile des Volks abvcrlangt hat, fordern Sie nichts von Mir, was mit den unwandelbar konstitutiven Wahrheiten der Gesellschaft, wie sie sich im Staate darstellt, unvereinbar ist; Jeh würde es Ih­nen, eingedenk Meiner höheren Regcntcnpflichten, nicht bewil­ligen können. Es gibt noch etwas Höheres, als das geschrie­bene konstitutionelle Gesetz, es ist das moralische Band der Gesellschaft. Ich kenne Meine Pflicht in dieser Beziehung vollkommen; Ich werde nicht erlauben, daß die Anarchie das Steuer ergreift, und die Umsturzvartci , wenn sie ihr Haupt erhöbe, würde es nur allzubald erfahren, daß sie in Würt­temberg weder Wurzel, noch Kraft, noch Anhang hat."

Oesterreich.

Wien, 10. März. Mittelst Erlasses Sr. Exc. des Feldmarschalls Grasen Radetzky vom 5. März l. I., wird das Verbot der Ausfuhr von Hafer, Heu und Stroh über die Gränzen von Piemont und der Schweiz aufgehoben.

— Eine andere Kundmachung des FM.-General-Gouver- neurs des lombardisch-venetianischen Königreichs vom 7. März d. I. regelt die Verhältnisse der freiwilligen Emigration po­litisch kompromittirtcr Individuen, da der zur Rückkehr ge­stattete Termin abgelaufen ist. Alle, welche nicht die regel­mäßige Bewilligung zur Auswanderung erhielten und nicht