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zu Lesen und Schreiben verwendete, den Geschäften des Haushalts widmete. Ihr Temperament war lebhaft, ja heftig; sie war streng, aber nicht hart. Der Miltagslisch des Ehepaars war gemeinsam. Mißhelligkeiten herrschten zwischen demselben wenigstens in den letzten Jahren nicht. Beschwerte sich ein Dienstbote bei dem Grafen über seine Gattin, so suchte er zu vermitteln, wobei er nach Umständen die Partie des Dienstboten ergriff, was manchmal zu einer kleinen Spannung führte. Die Gräfin war vor etwa 10 Jahren einmal krank, seitdem gesund. Wegen Ausrichtung eines mir von derselben ertheilten Auftrags suchte ich sie am Nachmittag den 13. Juni 1847 um 3 Uhr auf, und fand sie im Biigelzimmer des dritten Stocks mit der großen Wäsche beschäftigt. Nachher begab ich mich in das Bedientenzimmer, wo ich den Bedienten der Gräfin, Johann Stauff, und meinen Knaben von fünf Jahren fand. Mein Kind bat mich, mit ihm spazieren zu gehen, ich trug aber Bedenken, seinen Wunsch zu erfüllen, weil Jemand im Hause bleiben müsse. Da redete mir Stauff zu, die Bitte meines Kindes zu erfüllen; er wolle meinen Dienst versehen. Ich entschloß mich nun, einen Ausflug nach Eberstadt zu machen. In dem Augenblick, wo ich mit meinem Kinde an das Neckarthor kam, schlug cs 4 Uhr und fuhr der Wagenzug auf der Eisenbahn vorüber. Gegen 5’/2 Uhr (denn des Kindes wegen mußte ich langsamer gehen) kam ich in Eberstadt an, kehrte dort in einem Weinhause ein und trank gegen meine Gewohnheit so viel Wein, daß ich ihn spürte. Ich benutzte die Eisenbahn und kam so gegen 8*/4 Uhr wieder in Darmstadt an. Am Bahnhof begegnete ich dem Grafen. Ich beeilte mich, in meine Wohnung zu kommen, aß dort schnell, und ging dann nach dem Hause meines Herrn, um Stauff, der allein war, abzulösen, damit er ebenfalls zum Abendessen gehen könne. Um 9 Uhr kehrte derselbe, ebenso auch der Graf zurück. Ich bat den Grafen, da ich, wie gesagt, den Wein etwas spürte, nach Hause gehen zu dürfen, um mich zu Bette zu legen. Schon schlief ich fest, als etwa um 10 Uhr Stauff mich weckte und mich aufforderle, ihm schnell zu folgen, da ein Unglück geschehen sei. Ich fand den Grafen im mittleren Stock, umgeben von Stauff, Schämbs, der Köchin und einem Schlossergescllen, der gerufen worden war, um die Thüre des raucherfülltcn Vorzimmers der Gräfin zu öffnen, weil sie vermißt wurde. Ich schlug vor, die Scheiben der Thüre einzu- schlagen. Mein Herr, der sehr lamentirte, schickte mich nach dem Arzt, da meine hinzugckommcne Frau diesen Gang nicht thun konnte, weil sie zu sehr angegriffen war (sic war Dem Wochenbett nahe). Gleichzeitig eilte Stauff hinweg, um den Kaminfeger zu holen. Zurückgekehrt, fand ich die Thüre aufgebrochen und die Gräfin als Leiche. (Zeuge geht hierauf in das Einzelne seiner Wahrnehmungen ein und erzählt weiter.) In der Bedientenstube fand ich Joh. Stauff auf dcm Bette liegend; er gab an, er sei unwohl, und bat mich, in meiner Wohnung sich zu Bett legen zu dürfen, was ich ihm gestattete. Am anderen Morgen erzählte mir meine Frau, sie habe das Bett von dem Schweiße Stauffö ganz durchnäßt gefunden." Zeuge geht in alle Einzelheiten seiner Wahrnehmungen an diesem folgenden Tage ein, beschreibt namentlich die Beschaffenheit des Schreibsekretärs vor und nach dem Brande desselben, gibt dabei auch an, die Gräfin habe gewollt, daß jener Vorfall der Verletzung dieses Möbels durch ein brennendes Licht, während sie eingeschlafen, verheimlicht bleiben solle, verbreitet sich dann in viele Einzclnheiten, besonders in Bezug auf die Schlüssel, deren sich die Gräfin bedient, und fährt endlich von Fragen des Präsidenten geleitet, also fort: „Mein Verhältniß zu Stauff war ein freundschaftliches. Am Abend des 14. Juni sagte mir derselbe, wenn er wüßte, daß ihn Graf Görlitz entlassen wolle, so hätte er Gelegenheit zu einem anderen Dienste, eine Aeußerung, die auch der Kutscher vernahm, und die mich veranlaßte, dem Stauff meinen Unwillen zu erkennen zu geben, unter dem Bemerken, daß der Graf an seine Verabschiedung nicht denke. Nach jenem Schrcckens- tage fand ich den Stauff nicht ängstlich, vielmehr munter. Der Graf sprach oft von dem schrecklichen Tode seiner Gat
tin, auch in Gegenwart Stauffs, an dem nichts Auffallendes zu bemerken war. Von der That des Herzogs von Praslin war viel Die Rcve, aucv von Seiten Stauffs, der davon in den Zeitungen gelesen hatte, sowie Derselbe überhaupt gern las. (Zeuge nennt u. A. die „Geheimnisse von Paris.") Wenn die Rede auf den Tod der Gräfin kam, so beobachtete Stauff ein festes Schweigen, auch wenn er gefragt ward. Dem Grafen fiel sein sonverbares Wesen auf, er fand darin Bedenkliches." Sonst gedenkt Zeuge noch der wahrheitswi- deigcn Angabe Stauffs hinsichtlich des Bildes seiner Geliebten und in Uebereinstimmung mit dem Zeugen Schämbs noch anderer Vorfälle, welche als Beweise der Unwahrhaftigkeit desselben erschienen, so wie des Umstandes, daß er einmal, kurz vor jenem unglücklichen Tage, acht Schächtelchen Streichhölzchen bei demselben gefunden, während gleich darauf nur noch zwei sich vorgefunden hätten. Großen Eindruck auf das Gemüth der den Saal füllenden Zuhörer machte die des Zeugen wegen verordnete Vorlesung einer Skriptur von der Hand der Gräfin, worin sie ihren Wunsch aussprach, neben den irdischen Ueberresten ihrer auf dem hiesigen Friedhofe ruhenden Mutter beerdigt zu werden, und zwar auf die möglichst einfache Art und im schlichtesten Gewände; besonders hob sie den dringenden Wunsch hervor, daß ihr Leichnam keiner anatomischen Secirung unterworfen werde. Zeuge deponirt, daß er diese Aufzeichnung nach dem Begräbnisse der Gräfin gesunden und dem Grafen gegeben habe; er fügt hinzu, er habe aus dem Munde der Gräfin ihren Widerwillen gegen die Secirung vernommen. Zeuge beantwortet viele Fragen des Staatsanwaltes und der Vertheidiger, ertheilt dabei dem Stauff noch das Zeugniß freundschaftlichen, dienstfertigen Wesens; Kinder habe er geliebt, auch seinen, des Zeugen Knaben, den er immer habe beschenken wollen, wenn er, Zeuge, es zugegeben hätte.
Wie man aus Kiel berichtet, ist die Landesversammlung und zwar diesmal nicht vom Büreau, sondern vom Departement des Innern, also von der Staatsregierung selber aus den 19. d. M. nach Kiel einberufen.
Braunschweig, 15. März. Von Seite unserer Staatsregierung ist der Minister von Schleinitz zum Mitgliede des Staatenhauses ernannt.
Braunschweig. In der Sitzung der Kammer vom 13. März wurden die Gesetzentwürfe über die Stäoteord- nung, die Landgcmeindeordnung, die Bürgerwehr, die Organisation der Landesverwaltungsbehörden zusammen in einer einzigen Abstimmung angenommen.
Weimar, 14. März. Von Selten der großherzogl. Staatsregierung ist der Geh. StaatSrath v. Fritsch zum Abgeordneten für das Staatenhaus ernannt worden.
Wiesbaden, 15. März. Der Landtag hat heute mit 19 resp. 17 Stimmen unter 21 Anwesenden den Prokurator Dr. Großmann von hier und den Mevicinalrath Dr. Heydenreich von Herborn zu Abgeordneten für das Scaatenhaus gewählt. Von der Regierung ernannt sind der vormalige Minister v. Dungern und der Ministerialrath Bertram. (D. Z.)
München, 13. März. In der heutigen Sitzung der Kammer der Abgeordneten hat Herr v. d. Pfordten die Aktenstücke über den Münchener Vertrag vorgelegt, mit dem Bemerken, daß die Antwort des Wiener Kabinets in wenigen Tagen eintreffen werde und begründete Hoffnung auf dessen Beitritt vorhanden sei. Sobald dann auch von Berlin die Antwort gekommen, werde er der Kammer weitere Mittheilungen machen.
Karlsruhe, 14. März. Heute Vormittag hat sich die 1. Kammer versammelt, und hat zur Prüfung der Vorlagen der Regierung über den Anschluß Badens an das Dreikönigs- bündniß vom 26. Mai eine Kommission, bestehend ans Frei- Herrn Heinrich v. Andlaw, Frhrn. v. Rink, Geh. Rath v. Marschall, Handelsmann Lauer und Prof. Zöpfl gewählt. Diese Kommission hat sich nach kurzer Berathung einstimmig für Genehmigung des Anschlusses erklärt und hiernach steht fest, daß die 1. Kammer dem Beschluß der 2. Kammer wahrscheinlich mit Stimmeneinhelligkeit beitreten wird. (D. Z )