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Neue Hessische Zeitung.

Organ der konstitutionellen Partei.

Sonnabnid, 16. März 1850. .M 128 Abend. Ansgabe.

Deutschland.

* Kassel Die heilige Inquisition beginnt bereits, sich zu rühren. . .. Vor einigen Tagen war im Vilmarschen VolkS- freund unter der AufschriftWunsch und Bitte" folgender An­griff auf die kaffelsche Geistlichkeit zu lesen:Dem Vernehmen nach haben die evangelischen Geistlichen der Residenz mit Ausnahme von nur zweien bei Gelegenheit einer Berathung über innere Mission die Lehre der Kirche von der Gottheit Christi verworfen. Da es den bckcnntnißtreucn Dienern der Kirche daran liegt, zu wissen, wessen sie von einem geistlichen Ministerio sich zu versehen haben, aus dessen Mitte die höch­sten Kirchenämtcr pflegen besetzt zu werden: so wird eine au­thentische Darstellung des Sachverhaltes dringend gewünscht und erbeten." Hierauf hat dem Vernehmen nach das geist­liche Ministerium der Stadt Kassel folgende Erwiderung er­gehen lassen:In der Nr. 19 dieses Blattes wird unter der AufschriftWunsch und Bitte" die Anfrage gestellt, ob es wahr sei, daß das geistliche Ministerium der Stadt Kassel, bei Gelegenheit einer Berathung über innere Mission, bis auf zwei seiner Mitglieder, die Lehre der Kirche von der Gottheit Christi verworfen habe. Bei einiger Ueberlegung hatte der unbekannte Herr Fragstcller sich selbst sagen können, daß das Gerücht, welches ihm zu seiner Anfrage Veranlassung gegeben, nothwendig einer wahrheitswidrigen Darstellung des Sachver­haltes entsprungen sein müsse und daß er seiner Seits jeden­falls klüger gehandelt haben würde, wenn er, statt durch vor­eiliges Erheben einer nicht genugsam begründeten Frage den Schein einer, wenn nicht gehässigen, doch jedenfalls tenden­ziösen Insinuation zu erwecken, sich zunächst darauf beschränkt hätte, durch direkte Anfrage bei dem geistlichen Ministerium der Stabt Kassel die gewünschte Auskunft zu suchen. Was sodann die Aufnahme dieser Anfrage in denVolkefreund" betrifft, möge es auf sich beruhen, ob eine ehrenhafte Redak­tion, ohne gerechten Vorwutzf zu verfallen, sich herbeilassen dürfe, ohne Weiteres eine Frage aufzunehmen, die bloß als Frage betrachtet, schon den Charakter einer Kalumnie trägt. Das geistliche Ministerium der Stadt Kassel."

Berlin, 15. März. Der Staatsanzeiger meldet den Gencrallicuteuant v. Strotha, den Grafen von Bülow und den Minister v. Carlowitz unter den Angekommenen. Hr. v. Strotba i|t nach Erfurt wieder abgereist.

(Erfurt, 12. März. Viele Deputirte haben hierher ge- nielket, daß sie schon vor dem 20. März hier anlangen wür­den. Auch Minister v. Manteuffel wird ehestens erwartet. Der Verwaltungsrath wirb nicht im Regicrungsgebäude, son­dern im Hauch eines Lsverfabrikanten tagen; er trifft übrigens nicht in corpore, sondern einzeln ein, am frühesten das "kur- hessische Mitglied, Hr. v. Ochs. Von den nicht bundesstaat­lichen Männern, die sich hier authallen, nenne ich Ihnen den bekannten Reisenden v. Bally, welchem die Förderung der österreichischen Interessen Lebensaufgabe ist. Mehrere Glit­ter der gothaer Partei haben ihre Ankunft auf den 15. März festgesetzt. Das geräumigste und eleganteste Quartier hat sich der Herzog von Ratibor ausersehen, er kommt mit seinem Hirzen Hofstaate hierher. H. v. Gagern wird wieder den Vorsitz in den Klubs der Gothaer, zu welchen das Hotel von Silber ausersehen ist, führen. Daselbst speisen auch die Her­ren. An den Mützen sind die schwarz - roth - goldnen Farben wieder mehr als je sichtbar, während die schwarz-weißen im Abnehmer, sind.

Bremen, 13. März. (N. Br. Z.) Die Bürgerschaft

beschloß in heutiger Sitzung, in Betreff der Wahl für das StaatenhauS, auf den Antrag des Senats nicht einzugehen, sondern über den Stand des Bündnisses den Senat um nä­here Auskunft zu ersuchen mit 111 gegen 101 Stimmen.

Darmstadt, 13. März. Dritte Assisensitzung im Proceß Görlitz. Der Präsident vernahm heute zuerst, nachdem Dr. V. Siebold in ein besonderes Zimmer abgetreten war, nach einander den Kriminalrichter Hofmann, die Physikatsärzte Dr. Graff und Dr. Büchner und den Chirurgen Freinard, welche die Sektion der Gräfin vornahmen, und es stellt sich hier­durch unzweifelhaft wiederholt heraus, daß der vorliegende Schäbelübcrrcst der Leiche der Gräfin angeh 'rt. Dr. v. Sie- bolv wird nun vorgerufen und um bestimmte Angabe seiner Ansicht über die Identität des Schädels vom Präsidenten be­fragt. Er lenkt gleich von vornherein in Bezug auf seine gestrige Aeußerung ein und erörtert, wie der Schädel sich jetzt in ganz unterm Zustande befinde, als früher, wo er noch die Weichtheile hattte. Er ist jetzt gereinigt und getrocknet und noch manches Verkohlte abgcbröckelt. Die Hauptsache aber, was ihn zu der gestrigen Aeußerung veranlaßte, war, daß er mehrere Haarrisse in dem Unterkiefer, deren er sich von früher genau erinnerte, gestern nicht sah (es war nämlich schon zu dunkel im Saale); jetzt sieht er sie weder. Er erkennt den Schädel nunmehr vollständig an, und dieser seltsame Zwischen­fall ist somit abgemacht. Dr. Heumann wird nochmals in Bezug auf die Konstitution der Gräfin vernommen, ob sie etwa apoplektische Anlagen gehabt. Er versichert gerade das Gegentheil. Ein anderer wichtiger Umstand kommt auf An­regung des Prof. Beschoss wiederholt zur Sprache: ein bluti­ger Fleck, den man am Halse der Gräfin bemerkt. Hierüber kann aber Zeuge keinen genügenden Aufschluß geben. Ein Kunstverständiger, der Inspektor der Gcmäldcgalleric Seger, auch im Restauriern der Bilder sehr erfahren, wird jetzt ver­nommen über das Oelgemälde, welches im Nebenzimmer der Gräfin hing. Er erklärt den Bleischimmer, der es bedeckt, sowie die Zerstörung der Farben und den fettartigen Nieder­schlag auf dem Goldrahmen für ganz eigenthümlich und ihm noch nie vorgekommen. Der Experte Prof. Liebig wird auf diesen bcmerkcnswerthen Umstand besonders aufmerksam ge­macht. Er wird sich darüber äußern. Hierauf werden die Zimmermeister Christoph und Georg Heil und der Polier Achenbach, welche das Görlitzsche Haus genau kennen und das Modell und die Risse verfertigten, vernommen, ferner Schrcincrmcistrr Wirlhwein^ der genau Auskunft gibt über den Zustand des verbrannten Schreibpultes und Alles an dem im Saale ausgestellten ähnlichen Pulte nachweist. Der 18., 19. und 20. Zeuge sind die Blulschöffen, Bürger von Hier, welche das Aufnahmeprotokoll des Gerichts am 14. Juni 1847 als Zeugen mitunterzeichneten. Endlich beginnt den Vormittag noch das Verhör des Grafen Görlitz selbst, welches den Nachmittag fortgesetzt wird. (D. Z.)

Karlsruhe, 13. März. Die zweite Kammer hat in ihrer heutigen Sitzung die Anträge ihrer Kommission, den Beitritt der Regierung zum Bündnisse vom 26. Mai, unter ausdrücklicher Gutheißung ihrer deßfallsigen Schritte, und das provisorische Neichswahlgesetz nachträglich zu genehmigen, mit allen Stimmen gegen eine (Kiefer) angenommen. In der nächsten Sitzung, am Montag, werden die Wahlen für das StaatenhauS erfolgen.

Oesterreich.

Wien, 11. März. Im Nachtrage zu unserer gestrigen