Neue Hessische Zeitung.
Organ -er konstitutionellen Partei.
Freitag, 15. März 1850. ^V? 126. Morgen - Ausgabe.
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Deutschland.
Auf Veranlassung der neuesten Wendung, welche die schles- . wig-holsteinische Frage genommen hat, wird der Bresl. Ztg. aus Berlin vom 8. März Folgendes geschrieben: Englische Blätter und von deutschen z. B. auch die „Nordd. f. Presse" berichteten bereits von einem geheimen Vertrage, (?) demzufolge England sich verpflichtet habe, bei dem Wiederausbruch von Feindseligkeiten sogleich eine Flotte in die Ostsee zu senden, um jedwede Blockade deutscher oder dänischer Häfen zu verhindern, und so einer Seits den ungestörten Fortgang des Handels zu sichern, anderer Seits aber die Fortdauer der Feindseligkeiten mit Energie zu unterdrücken: wir sind heute im Stande zu berichten, daß diese Nachricht eine begründete war, denn es sind nunmehr dem hiesigen Ministerium Eröffnungen in diesem Sinne gemacht worden. Eine gleiche Note hat nun aber auch der russ. Gesandte, Baron v. Meyendorff dem hiesigen Kabinet Übermacht und es soll sogar zwischen diesem letzteren und dem Minister v. Schleinitz zu einer heftigen persönlichen Erörterung gekommen sein. Die russische Note, die, wie wir ausdrücklich hervor- heben dürfen, dießmal nicht in das Gebiet der Träume gehört, wie so viele andere russische Noten, von denen öffentliche Blätter pcriodenweise immer von Neuem berichten, ist von Petersburg noch zu einer Zeit abgegangen, als die jetzt cingetretene entscheidende Wendung der ganzen Sache noch nicht Statt gefunden hatte. Sie dringt daher noch kategorisch auf den schleunigen Abschluß des Friedens, aber unter der Drohung, daß andern Falls eine russische Flotte in der Ostsee erscheinen werde, um jedwede feindliche Demonstration beider kriegführenden Mächte zu verhindern und mit dem Hinzusügen, daß der Kaiser von Rußland denjenigen selber als Feind betrachten werde, von dem die erste Störung des Friedens ausgehen sollte. Neue Truppenzusammenziehungen an der polnischen Grenze sollen dem Glauben Raum geben, daß das Petersburger Kabinet eventualiter auch entschlossen ist, dieser Drohung Nachdruck zu geben.
Hadersleben, 10. März. (N. fr. Pr.) Herr Vollpracht kam gestern hier an und ist heute Nachmittag wieder abgercist. Man bedauert sehr, daß sein Aufenthalt hier so kurz war, da die Bürgerschaft nur wünschen kann, daß der Kommissar des deutschen Verwaltungsrathcs recht genau mit den hiesigen Verhältnissen und der hiesigen herrschenden Stimmung bekannt gemacht würde. Indessen hatten doch unser Bürgermeister Kier mit beiden Stadtkollegien, so wie eine bedeutende Anzabl Bürger Gelegenheit, ihre Wünsche und Ansichten darzulegen. Das Mitgetheilte machte augenscheinlich auf den Herrn Vollpracht einen befriedigenden Eindruck. Auch vom platten Lande stellten sich zwei aus schlichten Landwirten bestehende Deputationen Dem Hrn. Vollpracht vor, und sprachen sich sehr entschieden dahin aus, daß das größte Unglück, welches Nordschleswig betreffen könnte, die Inkorporation in Dänemark sei. Mehrere kamen leider zu spät an.
Hannover, 13. März. 2. Kammer. Es wird die gestern abgebrochene zweite Berathung der Verordnung, die Einrichtung der Aemter betreffend, zu Ende gebracht. — Darauf folgt die Berathung des in der Sitzung vom 8. d. M. von Lang II. gestellten Urantrages auf Vorlage der neuesten Aktenstücke in der deutschen Verfassungsangelegenheit.
Außer dem Proponenten sprechen Ellissen, Windthorst, Freudentheil, Francke, Grumbrecht, Stüve und Weinhagen. (H.Z.) Dessau, 10. März. (D. R.) In der letzten Sitzung des vereinigten Landtags stellte der für das Erfurter Volkshaus gewählte Abg. Pannier folgende dringliche Interpellation : ob das Staatsministerium von einem Ausmarsche unserer Truppen und deren Ersatz durch preußische Etwas wisse? Minister von Goßler antwortete sofort: daß dem Ministerium dieses Gerücht auch zu Obren gekommen sei, es sei aber eben nur ein Gerücht und nichts geschehen, was den Ausmarsch der Truppen zur Folge haben könne. In derselben Sitzung wurde ein Antrag des Abg. Degener auf Vorlegung eines Gesetzes für die Volkswehr zweiter Abtheilung durch die Erklärung des Ministers beseitigt, daß eine solche Vorlage Seitens des Ministeriums zwar ausgearbeitet, die Vorlegung derselben von dem Landtage aber beanstandet sei, weil von Erfurt ein allgemein deutsches Bürgerwehrgesetz zu erwarten stehe.
Darmstadt, 12. März. Zweite Sitzung der Assisen im Proceß Görlitz. Sämmtliche Zeugen werden aufgerufen. Man hört darunter die Namen vieler Mediciner und wissenschaftlicher Autoritäten, wie der Professoren v. Liebig und Bischoff aus Gießen, dann der höchsten Staatsbeamten, wie des Ministers Jaup, Geh. Staatsraths Hallwachs, auch angesehener Frauen. Die ersten Zeugen, Professoren v. Liebig und Bischoff, haben als solche nichts auszusagen, werden aber später als Experten ausführlich vernommen werden. Dagegen macht Zeuge Medicinaldirektor Dr. Graff eine sehr ausführliche und interessante Aussage über den Zustand, in welchem er am Morgen nach dem tragischen Ereignisse, am 14. Juni 1847 früh, die Leiche der Gräfin fand, wie er als Gerichtsarzt zur Besichtigung derselben kam. Niemals hat er, so sehr er auch an schauerliche Anblicke der Art gewöhnt sei, etwas so Entsetzliches gesehen. Der Kopf war nur noch ein unförmlicher schwarzer Klumpen, Alles verkohlt, doch noch die geschwollene Zunge, zwischen den verkohlten weit geöffneten Kiefern hervorragend, zu erkennen (ein wesentlicher Umstand, da daraus aus Erdrosselung der Unglücklichen geschlossen wird). Abwärts nahm der Brand allmählich immer mehr ab, bis er unter der Herzgrube rings um den Körper ganz aufhörte. Es ist dieß ebenfalls besonders bemerkenswerth. Auch gab Zeuge genaue Auskunft über die 14 Monate — schreibe vierzehn Monate — später Statt gehabte Sektion der wieder ausgegrabenen Leiche. Er selbst hatte den Befehl zur Sektion vom Gerichte damals gleich erwartet und deßhalb auch dem Grafen den mehrmals begehrten Schein zur Beerdigung der Leiche verweigert, bis daö Hofgericht dieselbe verfügte. Weiter wurden den Vormittag noch die Medicinal- räthe Rieger, Leydhecker und Büchner vernommen. Zwischen Letzterem und Graff entstand eine lange Erörterung über innen wichtigen Umstand, einen feinen Riß, den Graff am ^.age nach der Sektion noch im Schädel entdeckt, der afto vielleicht auf eine fernere Gewaltthat schließen laßen würde. Die Vertheidigung (Advokat Emmerling) beruhigte sich nicht, da sie einige Widersprüche noch nicht aufgeklärt fand, ob Der Riß nicht erst später in den Schädel gekommen. Das Verhör wird also den Nachmittag hierüber fortgesetzt werden Auch der Untersuchungsrichter, Kriminalrichter Hofgerichtsrath Hof-