Einzelbild herunterladen
 

495 —

verschiedene europäische Länder zur Besichtigung der dortigen Seehäfen eine Reise antreten lassen. Aus dieser Thatsache geht hinlänglich hervor, daß man damit umgeht, die dem preußischen Staate entsprechende Gestaltung des Seewesens aus dem Reiche der Wünsche nach und nach in jenes der Wirklichkeit zu versetzen. Das Vertrauen des preußischen Volkes ist in dieser Beziehung namentlich auf den Prinzen Adalbert gerichtet, dessen unausgesetzte Thätigkeit zur Errei­chung des bezeichneten Zieles bekannt ist. (Elberf. Z.)

Bertin, 10. März. Der nichtamtliche Theil des Staats- Anzeigers enthält einen ausführlichen Bericht über die Be­theiligung des Verwaltungsrathes an der mecklenburgischen Verfassungsfrage. Derselbe enthält schon bekannte Verhand­lungen, Vie namentlich in dem Berichte, welchen die Kommis­sion der zweiten Kammer in dieser Frage bei Gelegenheit des Beseler'schen Antrages erstattet, mitgetheilt wurden. Auch der Beschluß des Verwallungsrathes ist schon vor längerer Zeit veröffentlicht worden.

Berlin, 11. März. Gestern nahm der Rektor der Uni­versität, Geh. Rath Dr. Busch, von sämmtlichen eingestellten Universitätslehrern feierlichst in der Aula den Eid auf die Verfassung ab. Der einzige Eibweigernde war Herr V. A. Huber, mit der Erklärung: „Er wisse seine Treue gegen den König mit derjenigen gegen die Verfassung nicht zu vereini­gen." (Bei dem Herrn Huber ist wenigstens eine gewisse Scheu. Er scheint die Ansicht, daß man einen politischen Eid auf Verlangen des Landesherrn allenfalls schwören, aber von demselben Landesherrn sich hinterher wieder entbinden lassen könne, doch nicht zu theilen.) Es steht demnach seine Suspension zu erwarten. Die Privatpatenten sind nicht ver­eidet worden, wohl aber die Lektoren. Unter den Professoren befinden sich u. A. der ältere Benary und Michclet. — Es scheint jetzt gewiß, daß unserer Akademie der Mathematiker Jacoby erhalten werbe.

Ueber den Stand der dänischen Angelegenheit wird der Norvv. Ztg. von hier mitgetheilt, daß die Unterhandlungen noch eifrig fortgesetzt werden. Hr. v. Usedom und Hr. Pechlin sind in den meisten Fragen ziemlich einig geworden, nur 4 Differenzpunkte sollen noch zwischen ihnen obwalten, doch hofft man auch diese noch gütlich bcizulcgen. Inzwischen nehmen die Rüstungen entschieden ihren Fortgang. Unsere Truppen in Schleswig haben Befehl erhalten, sich zu koncentriren und den geheimen Artikeln gemäß zu verfahren. Der Generaladju- tant des Königs, General von Rauch, ist am 8. nach Kiel abgercist, um sich von der Stimmung der Bevölkerung An­schauung zu verschaffen und um anderer Seits dieselbe zu be­deuten. Jedenfalls wird die Entscheidung der Sache durch die Haltung der holsteinischen Stände entschieden werden, welche Ende b. M. in Kiel zusammentreten. (C. Z.)

Bremen, 11. März. Der Senat publicirt heute das Dekret des Verwaltungsrathes vom 13. Februar wegen Ein­berufung der Reichsversammlung nach Erfurt. Zugleich for­dert der Senat die Bürgerschaft auf, die Wahl eines Abge­ordneten zum Staatenhause, zu welcher er drei Kandidaten vorschlägt, demnächst zu vollziehen. (Wes.-Z.)

Dresden Das Dresdener Journal faßt den Vier­königsbund in eine Musikankündigung zusammen: §. 1. Der alte Bundestag wird auf ein Septett reducirt, Dideldum. §. 2. Oesterreich spielt nach wie vor die erste Violine, Didel­dum. §. 3. Den in Deutschland und Oesterreich bestehenden Ständeversammlungen werden zur Anhörung der aufzuführen­den Musikstücke 300 Eintrittskarten übersendet; es ist jedoch dafür zu sorgen, daß circa der dritte Theil davon an Nicht­deutsche vertheilt wird. Dideldum. §. 4. Mißfallsbezeugungen sind untersagt. (L. 8.) Das Direktorium.

Schwarzburg-Nudolstadt, 10. März. In der ge­strigen Sitzung des Landtags wurde als Vertreter des Für- stcnthums in bas Staatenhaus der gemeinschaftliche thürin­gische Bevollmächtigte im Verwaltungsrathe zu Berlin, der herzoglich sachsen - meiningische Staatsrath Seebeck erwählt.

Mannheim, 9. März. Dem hiesigen Journal zufolge ist Florian Mördes, der bekannte badische Minister des In­

nern während der Revolutionszeit, in Amerika auf einer Reise nach dem Westen an der Cholera gestorben.

Frankfurt, 9. März. Die Verlängerung des Interims auf andere drei Monate nach dem 1. Mai scheint jetzt un­zweifelhaft zu sein. Man spricht von der theils erklärten, theils gesicherten Zustimmung sämmtlicher Bundcsglievcr. Die Er­fahrung hat wenigstens gelehrt, daß die Centralbehörde nicht geeignet ist, Besorgnisse zu erwecken; dieß wird in noch ge­ringerem Grade der Fall sein, wenn die Regierung des Bun­desstaates ihre Wirksamkeit begonnen hat. Eine kurze Verlän­gerung des Interims, glaubt man hier, wird bie Verständi­gung zwischen Preußen unv Oesterreich erleichtern, die Lösung der inneren Fragen fordern und dem Auslande die nöthige Bürgschaft für den ruhigen Fortschritt der deutschen Verfas­sungs-Angelegenheit gewähren. (K. Z.)

Frankfurt, 10. März. Wir hören, daß Lorb Cowley Namens seiner Regierung das Ersuchen an die Bunveskom- mission gerichtet hat, dafür zu sorgen, daß die Waffenruhe zwischen den Herzogthümern und Dänemark nicht unterbrochen werde. Die Antwort soll dahin ergangen sein, baß die Bun- deskommission die Bildung eines neuen Interimistikums in die Hand Preußens gelegt, und daß sie weitere Vorschläge in aller Kürze von dorther zu erwarten habe. (K. Z.)

München, 8. März. Der kombinirte erste und dritte Ausschuß der Reichsräthe hat sich über baS Preßgcsetz schlüssig gemacht und dasselbe mit allen Modifikationen der andern Kammer angenommen.

Landau, 9. März. Heute in aller Frühe wurde dahier der königl. baierische Artillerie-Lieutenant Graf Fugger, der sich bei dem pfälzischen Aufstande betheiligt hatte, nach einge- gangcncr königl. Bestätigung des Urtheils, kriegsrechtlich er­schossen.

Oesterreich.

Wien, 8. März. Gestern verbreitete sich hier das Ge­rücht, daß unser Helden-Marschall Radetzky gestorben sei; glücklicher Weise hat sich dasselbe als ein grundloses heraus­gestellt.

Wien, 8. März. Die „Agramer Ztg." schreibt aus Agram: Schon seit mehreren Tagen hat sich in Ober-Zago- rien, in der Gegend von Krapina, ein kleiner Bauernaufstand gebildet, der jeder gesetzlichen Behörde Trotz bietend, förmliche Pikets ausgestellt hat. Auf Ansuchen des Warasbiner Komi- tats wird eine Militärassistenz dahin beordert.

Wien, 9. März. Die „Wiener Ztg." bringt heute wieder 15 Verurtheilungen zum Strange, zu Pulver- und Blei- und Festungsarrcst-Begnabigungen.

Italien.

Turin, 5. März. Auf eine Interpellation in der heu­tigen Kammersitzung über die österreichischen Rüstungen auf dem Lago Maggiore wurde Seitens des Ministeriums er­widert, baß bie Regierung die unabhängige Stellung Sardi­niens nöthigenfalls gehörig zu wahren vollkommen im Stande sei.

Feuilleton.

(Aus dem Dampsboot von 1842.)

Der Hofnarr Herzogs Wilhelm von Kleve und Berg zu Düsseldorf.

Zu Düsseldorf in des Schlosses Saal

Saß Herzog Wilhelm zu Tische; —

Mit ihm die Räthe des Hofs zumal,

Ach! gar schlechte, heuchlerische!

Auf einmal scholl von den Thürmen der Stadt

Ein mächtiges Trauergeläute.

„Ei, sagt, was das wohl zu bedeuten hat!

Sagt, wen begräbt man heute?"

Der Herzog sprach's, und es schauten sich an

Die Räthe mit forschenden Blicken.

„Wir wissen's auch nicht", sprachen sie dann:

„Wir wollen Jemand darnach schicken!"

Indeß erhob sich zur selben Frist

Der Hofnarr mit sichtbar'» Behagen: