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desstaat mit preußischer Spitze; aber was man statt dessen der Nation zn bieten habe, darüber ist man nicht einig, und den Beweis dafür wird der Entwurf liefern, den die Kabi­nette der kleinen Könige verabredet haben. Warum läßt diese VerfassungsaufstcUung noch immer auf sich warten? Das of- ficielle Organ der württembergischen Regierung läugnet die Existenz eines solchen Entwurfes; Herr v. d. Pforvten dage­gen läßt unter der Hand bekannt machen, derselbe sei am 27. Februar unterzeichnet worden. Wir haben zufällig erfahren, daß Beide Recht haben. Der Entwurf ist nämlich eigentlich kein Entwurf einer vollständigen Verfassung; ein solcher exi- stirt wirklich nicht, darin hat der würtlembergische Staatsan­zeiger Recht. Aus der anderen Seite haben sich die königl. Kabinete über eine Anzahl allgemeiner Bestimmungen geeinigt, die mehr die Form der Organe, als den Inhalt ihrer Ge­walten betreffen. Die Rechte der Nationalvertretung, die Be­fugnisse der Reichsgewalt hat man übergangen, weil man sich nicht darüber einigen konnte. Wenn man nun von baierischer Seite diese allgemeinen Sätze einen Verfassungsentwurf nennt, so kann man allerdings behaupten, daß ein solcher existire. Nur existirt -r nicht für Hannover, welches den von Oester­reich verlangten Aenderungen nicht zugestimmt hat. Hanno­ver hat aber auch noch einen anderen Grund, sich von der Sache zurückzuziehen, nämlich die Weigerung Oesterreichs, den Entwurf gemeinschaftlich mit den vier Königreichen in Vor­schlag zu bringen. Oesterreich überläßt es diesen, mit der Direktorialverfassung ihr Glück zu versuchen; für sich selbst will es freie Hand behalten, um später nach Umständen sein letztes Wort sprechen zu können. Dieß ist auch ganz natür­lich, denn Oesterreich kann mit Ehrlichkeit auch die Direklo- rialverfassung nicht annehmen, weil es nach seiner Verfassung keiner deutschen Reichsgewalt eine Einwirkung auf österrei­chische Verhältnisse gestatten, weil es einem deutschen Bundes­staate überhaupt nicht angehören kann. Hannover ist es aber in der That nicht zu verargen, wenn es nicht ohne Oesterreich mitgehen will. Es zieht sich nun einstweilen auf sich selbst zurück und die Ereignisse werden es später zu der deutschen Vereinigung, der es die Treue gebrochen, reumüthig hinfüh­ren. Es wird sich bald zeigen, ob die übrigen drei Könige mit dem Entwürfe hervortreten, dem Oesterreich höchstens fei­nen Segen ertheilen und Glück auf den Weg wünschen wird. Dieser Trumpf gegen Erfurt st nicht gefährlich; er wird vielmehr dem Bundesstaate viele Anhänger unter den ent­täuschten Bevölkerungen werben. — — Es fragt sich nun, welchen Plan in Beziehung auf die Neugestaltung Deutsch­lands Oesterreich denn eigentlich für sich verfolge. Darüber lind die Mitglieder des Wiener Kabinets unter sich nicht einig. Fürst Schwarzenberg, in Allem wie Kaiser Nikolaus, betrachtet alle Neuerungen und alle Personen, die sich dabei betheiligcn, den König von Preußen nicht ausgenommen, als revolutionär. Zwar könnte sich ter Fürst, wie Molière's Harpagon, selbst am Arm fassen und festhallen als den Böse­wicht, der die Truhe des Bestehenden fortgetragen, denn die österreichische Reichsverfassung wie die Landesverfassungen sind ebenfalls Neuerungen und die Negierung ist dort in dem Werke der gründlichsten Revolution begriffen, indem sie Ver­waltung und Justiz, Schulwesen und bäuerliche Verhältnisse, Gemeinvewesen und Gesetzgebung neu einrichtet. Allein solche Vergleiche sind als unstatthaft zu betrachten, man läßt sich darauf nicht ein. Die Bildung eines deutschen Bundesstaates ist mißfällig und darum revolutionär. Hieraus folgt noch nicht, daß die Restauration genau die alten Zustände wieder einsetzen müsse. Es hat sich Manches daran als unzweck­mäßig erwiesen, namentlich die 17 Stimmen am Bundes­tage. Fürst Schwarzenberg spricht daher noch immer von der Eintheilung Deutschlands in 6 Kreise; der siebente, die beiden Hessen umfassend, ist bereits weggefallen, wie wir längst vorausgesagt. Wenn dieß nicht geht, und daß es nicht geht, weil von diesen Kreisen Jeder eine Stütze gegen die gefähr­lichen Mitkreise im Auslande suchen und Deutschland bald auseinanverfallen würde, das weiß Oesterreich recht gut; wenn also dieß nicht geht, so läßt sich der Fürst den baierischen

Plan der Dreitheilung gefallen. Dieser Plan der Großdeut- schen, denen der Bundesstaat ohne Oesterreich zu klein war, aber ohne Oesterreich und Preußen groß genug ist, wurde in einer bekannten Brochüre in Tausenden von Abdrückeen ver­breitet, ist aber außer Baiern nirgends auf fruchtbaren Bo­den gefallen. Auch benutzt ihn Fürst Schwarzenberg blos zum Zeitvertreibe, und wenn er sich ausführen ließe, so wäre dieß nur der Uebergang zur Theilung Deutschlands zwischen Oester­reich und Preußen. Das ist das Ziel derjenigen österreichi­schen Politik, welche Fürst Schwarzenberg vertritt. Diese wird also gegen Erfurt nicht mit einem für sie selbst verbind­lichen positiven Verfassungsvorschlage auftreten, sondern dieß den Königen zweiten Ranges überlassen, Falls sie nicht, wie Hannover, ein Haar darin finden; sie wird abermals, wie bisher, vorzugsweise verneinend auftreten, und die Form der Verneinung kann eine Rechtsausführung, ein stärkerer Protest, eine Kriegsdrohung, die Ausführung der Drohung sein. Zwi­schen der Drohung und der Ausführung aber stehen bis jetzt noch diejenigen Mitglieder des Wiener Kabinets, welche in Deutschland waren, welche eine Vorstellung von der Wirkung haben, die ein Angriffskrieg zur Verhinderung der Einigung auf die Nation hervorbringen würde; zu ihnen steht der Mann, welchem die schwere Sorge für die Herbeischaffung der Mit­tel obliegt, und welcher den Zustand der HülfSquellen kennt, aus denen der Staat seinen Bedarf schöpfen soll; dazu kom­men die Berichte über die Stimmung nicht nur in Italien und Ungarn, sondern auch unter den Serben und Wallachen, den Kroaten und Slowenen, welche früher gegen die Magy­aren für Oesterreich fochten und jetzt wahrnehmen, daß sie nicht für sich gekämpft haben; es tritt endlich hinzu die Scheu vor nochmaliger Russenhülfe, eine Scheu, die auf beiden Sei­ten vorhanden ist, indem in der russischen Armee Erfahrungen gemacht worden sind, welche die nochmalige Probe eines Zu­ges nach Ungarn als sehr gewagt erscheinen lassen. Alle diese Betrachtungen führen einen Theil des Wiener Kabinets zu dem Programme von Kremsier zurück, und machen dasselbe geneigt, wenn alle übrigen Schritte gegen den Bundesstaat erschöpft sein werden, nicht zum Kriege zu schreiten, sondern die Herstellung des Bundesstaates zuzugeben, und die Union mit demselben zu schließen. Dieß ist, wie die wahre deutsche, so auch die wahre österreichische Politik, die eines starken Deutschlands und der innigen Verbindung mit demselben be­darf, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß dieselbe über die Leidenschaft eines verzweifelten Spielers siegen werde, welche zu einem Kriege räth, bei welchem der Kaiserstaat ohne Rus­senhülfe einfach und mit derselben doppelt zusammenbrechen würde. Siegt aber in Wien eine gesunde Politik, so wird Fürst Schwarzenberg aus dem Ministerium scheiden. Deutsch­land aber darf bei solcher Lage der Dinge, bei dem inneren Zwiespalte und der Unsicherheit der Gegner seiner Einigung auch keinen der Trümpfe fürchten, welche Oesterreich gegen Erfurt noch ausspielen wird. Sie werden sich eben so macht­los erweisen, wie alle früheren gegen eine feste Politik, die sich auf der Bahn des Rechts und der nothwendigen Ent­wickelung hält, und die vor allen keinen Diplomaten zu Rathe zieht, der durch längeren Aufenthalt in St. Petersburg vor dem Ezaren zittern gelernt hat.

Bernburg, 6. März. Das Ministerium hatte als Kandidaten für das Erfurter Staatenhaus den Landrath v. Krosigk in Grona und die Abgeordneten Bley und v^Lat- torff vorgeschlagen, von denen der letzte mit 12 gegen 8 Stim­men gewählt wurde. Er nahm die Wahl an.

Oesterreich.

Wien, 5. März. Der Presse und der Wiener Zeitg. entnehmen wir folgende Notizen: Ludwig Hauk, ehemals Redakteur der „Konstitution", später Oberstlieutenant im Stabe des Jnsurgentengenerals Bem, ist am 19. Februar 8 Uhr Morgens in Arad kriegsrechtlich hingerichtet worden. — Der Kaiser von Rußland hat neuerlich 31 Officieren der k. k. österreichischen Armee Ordensauszeichnungen ertheilt. — Das kaiserl. Armeekorps an der sächsischen Grenze in Böh­men verstärkt sich fortwährend durch neue Truppen. Eine